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In der Bibel erfährt man viele nützliche Dinge, zum Beispiel, wie Soldaten am besten kacken sollten.
Im fünften Buch Mose steht es so:
Wenn du ausziehst gegen deine Feinde und ein Lager aufschlägst, so hüte dich vor allem Bösen. […] Und du sollst draußen vor dem Lager einen Platz haben, wohin du zur Notdurft hinausgehst. Und du sollst eine Schaufel bei dir haben, und wenn du dich draußen setzen willst, sollst du damit graben; und wenn du gesessen hast, sollst du zuscharren, was von dir gegangen ist.
Ich wusste schon vorher, dass in der Bibel viele Regeln zur Hygiene aufgestellt sind. Aber eine spezielle Klogang-Routine für Soldaten?! Ich finde das wahnsinnig witzig, auch wenn ich damit Gefahr laufe, mich auf dem Fäkalhumor-Niveau einer Vierjährigen zu bewegen.
Natürlich hat dieser Abschnitt auch eine ernste Bedeutung. Wenn es notwendig war, Hygieneregeln für Soldaten aufzustellen, dann heißt das, dass die Autor:innen der Bibel mit dem Krieg vertraut waren. Und dass in den Kriegen damals die Soldaten nicht nur im Kampf starben, sondern häufig auch an Krankheiten.
Es ist ziemlich interessant, was in der Bibel zum Thema Krieg und Gewalt steht, egal, ob man christlich ist oder nicht. Die Bibel ist eine Sammlung von Texten, deren Themen die vergangenen Hunderte bis Tausende Jahre viele Menschen beschäftigt haben. Auch wenn ich nicht gläubig bin, begleiten mich die Motive der Bibel seit meiner Kindheit.
Kain erschlägt Abel – der erste Mord, die Urgeschichte der Gewalt⬆ nach oben
Als Kind hatte ich eine Kinderbibel, in der ich sehr gerne gelesen habe. Ich meine, die Geschichten sind super! Wasser zu Wein, sich vervielfältigende Fische, es kommen Könige und viele Tiere vor. Außerdem mochte ich die bunten Bilder.
Eine Geschichte, die mich schon damals unglaublich aufregte, war die von Kain und Abel. Du kennst sie wahrscheinlich: Kain und Abel sind Brüder. Beide bringen Gott ein Opfer dar, „und der Herr sah gnädig an Abel und sein Opfer, aber Kain und sein Opfer sah er nicht gnädig an.“ Kain wird sauer und erschlägt Abel. Der erste Mord ist geschehen.
Kinder haben einen starken Gerechtigkeitssinn und der schlug damals bei mir an: Kain hatte allen Grund, sauer zu sein! Schließlich hatte Gott die beiden Brüder ungerecht behandelt. Wenn, dann trug Gott selbst die Schuld an der Misere. Aber er bestrafte Kain auch noch für sein Handeln: Kain muss seinen Acker verlassen und wird „unstet und flüchtig“ auf Erden.
Was die Geschichte wirklich bedeuten könnte⬆ nach oben
Nicht nur mir kam diese Geschichte irgendwie unlogisch vor. Warum behandelt Gott die Brüder unterschiedlich? Sie macht aber mehr Sinn, wenn man in ihr ein historisches Dokument im Kontext seiner Zeit sieht.
Möglicherweise setzten die Redakteur:innen der Bibel die Geschichte von Kain und Abel erst nachträglich an die prominente Stelle am Anfang, Genesis 4. Dann würde die Geschichte nicht bedeuten, dass wir alle von einem Brudermörder abstammen, sondern wäre vielmehr eine Erklärung dafür, warum es Nomaden gibt, die umherziehen („unstet und flüchtig“). Die Nomadenstämme, die damals im Nahen Osten lebten, galten als gewaltbereit.
Ich blicke heute ohnehin anders auf die Erzählung von Kain und Abel. Meine Interpretation: Das Leben ist oft unfair. Aber es wäre falsch, wenn alle, die sich ungerecht behandelt fühlen, mit Gewalt darauf reagieren dürften.
Redaktion: Theresa Bäuerlein