Für Rob Schenck ist Religion wie Kernspaltung: eine mächtige Kraft, die man für sehr Gutes, aber auch für sehr Schlechtes einsetzen kann. Religion könne Menschen helfen, wie kaum etwas anderes – aber auch missbraucht werden und für Zerstörung sorgen. Schenck kennt beide Seiten.
Er war jahrelang einer der einflussreichsten evangelikalen Christen der USA. Er war gegen die gleichgeschlechtliche Ehe und gegen Abtreibung. Er machte Wahlwerbung für republikanische Präsidentschaftskandidaten wie George W. Bush oder Mitt Romney. Er traf sich mit Verfassungsrichter:innen und republikanischen Politiker:innen, um die USA zu einem noch konservativeren und christlicheren Land zu machen. Und er hatte so viel Einfluss auf den Obersten Gerichtshof wie wahrscheinlich kaum ein anderer Lobbyist.
Schenck fügte, sagt er heute, vielen Menschen Schaden zu. Und will den Rest seines Lebens damit verbringen, diesen Schaden wiedergutzumachen.
Die Kirche, zu deren Gemeinde er heute gehört, befindet sich in einer kleinen Stadt in der Nähe von Washington, D.C., ein rotes Backsteingebäude inmitten einer Wohnsiedlung. Auf dem Schild vor der Kirche steht: „eine progressive Gemeinschaft des Glaubens“. Darunter kleben ein „Black Lives Matter“-Sticker und einer mit einer Regenbogenflagge. Am heutigen Sonntag sind ein paar Dutzend Menschen zum Gottesdienst gekommen, auf den blauen Sitzbänken ist noch viel Platz. Kein Vergleich zu früher, als Schenck jedes Wochenende vor Hunderten, manchmal sogar Tausenden Menschen predigte.
Ich kann mir gut vorstellen, wie Schenck die Menschen früher begeistern und für sich einnehmen konnte. Er überragt die meisten Gemeindemitglieder im Gottesdienst um einen halben Kopf, kennt viele mit Namen, schüttelt Hände. Einem Mädchen, das heute eine Lesung hält, erklärt er, wie man den biblischen Ort „Kana“ ausspricht, dort, wo Jesus das erste Mal Wasser zu Wein verwandelt haben soll.
Viele der Sätze, die Schenck sagt, klingen wie gedruckt, zum Beispiel: „Ich musste mich selbst genauso belügen wie alle anderen.“ So war das früher in seinem alten Leben. Um das zu erkennen, brauchte er mehr als 30 Jahre.
Kapitel 1: Der Weg zur Kirche⬆ nach oben
Mit 16 suchte sich Schenck eine Religion aus wie andere einen Studiengang oder ein neues Auto. Sein Vater war jüdisch, seine Mutter christlich aufgewachsen, aber für die Heirat zum Judentum konvertiert. Weniger aus religiösen als aus pragmatischen Gründen. In der Familie, die ziemlich liberal war, durften sich die Kinder für jede beliebige Religion entscheiden.
Als Jugendlicher, das war in den 1970ern, besuchte Schenck einen hinduistischen Tempel und ethische Gesellschaften, die keine konkrete Gottesvorstellung hatten. Er kannte schon die Synagoge. Und er ging in eine Kirche, eine kleine Gemeinde, so ähnlich wie diejenige, die er heute besucht. Das war in seiner Heimatgegend, nahe New York, an der kanadischen Grenze. Dort hörte er zum ersten Mal ausführlich von Jesus. Dass dieser sich um die Armen kümmert und will, dass die Menschen Frieden schließen, anstatt Krieg zu führen. Eine „faszinierende Persönlichkeit“, sagt Schenck über ihn. Und so entschied er, Jesus zum Mittelpunkt seines Glaubens zu machen.
Schenck machte aber nicht nur Jesus zum Mittelpunkt seines Glaubens, sondern den Glauben gleich zum Mittelpunkt seines ganzen Lebens. Nach der High School entschied er sich für eine kirchliche Karriere. Die „Assemblies of God“, eine christliche Gemeinschaft, die zur Pfingstbewegung gehört, weihte ihn 1982 zum Priester.
Sie erkannten Schencks Potential, sein Charisma, und schlugen ihm vor, stärker an die Öffentlichkeit zu gehen. Der junge Schenck fühlte sich geschmeichelt und war schon Mitte der 1980er Jahre an nationalen Projekten beteiligt. „Ich sage es nur ungern, aber ich war so etwas wie ein junger Star“, sagt er, „sozusagen ein religiöser Influencer.“ In dieser Zeit lauschte er auf einem Kongress einer Rede des damaligen US-Präsidenten Ronald Reagan. „Ich sah, welche Kraft zwischen einer religiösen und einer politischen Bewegung steckte, wie viel wir gemeinsam erreichen könnten.“ Diese Erkenntnis führte Schenck nach Washington, D.C., zu den Mächtigsten der USA.
Kapitel 2: Deals⬆ nach oben
Zurück im Heute geht das Mädchen, das Schenck nach der richtigen Aussprache von „Kana“ gefragt hat, nach vorne. Sie trägt ein Entenkostüm. Weil sie es kürzlich zum Geburtstag bekommen hat, wird die Mutter später erklären. „Am dritten Tag fand in Kana in Galiläa eine Hochzeit statt“, beginnt das Mädchen. Dann fällt ihr das Blatt herunter, aber weil ihre Hände in großen Schwimmhäuten stecken, braucht sie mehrere Anläufe, um das Blatt wieder aufzuheben. Die ganze Kirche lacht.
Im Englischen würde man die Atmosphäre wahrscheinlich als „wholesome“ beschreiben. Alles ist irgendwie herzerwärmend und wohlwollend, gar nicht streng oder formal, wie viele andere Gottesdienste. Vor mehreren Jahrzehnten, fast ein halbes Leben früher, schuf Schenck auch schon eine Wohlfühlatmosphäre, allerdings für mächtige Republikaner:innen. Sein Glaube war damals noch ein ganz anderer.
In den 1990ern wurde er zu einem christlichen Lobbyisten und gründete die Organisation „Faith and Action“ mit dem Ziel, die USA in ein christliches, konservatives und politisch republikanisches Land zu verwandeln. Das Büro der Organisation befand sich gegenüber dem Obersten Gerichtshof. Schenck hatte zeitweise knapp 50.000 Spender:innen hinter sich und sammelte insgesamt Dutzende Millionen Dollar. Außerdem war er Vorsitzender einer weiteren Organisation, dem „National Pro-Life Religious Council“, der versuchte, das nationale Recht auf Abtreibung rückgängig zu machen.
Als einer, der mit den Mächtigen verkehrt, gewöhnte sich Schenck daran, von Limousinen abgeholt zu werden, in teuren Restaurants zu essen und in Privatjets zu fliegen. Als sich Clarence Thomas, Richter am Obersten Gerichtshof, bei ihm über seine geringe Bezahlung beschwerte, schlug Schenck vor, ihm ein paar sehr wohlhabende Menschen vorzustellen, die sein Leben „angenehmer machen“ könnten.
Schenck traf sich mit republikanischen Politiker:innen und Richter:innen des Obersten Gerichtshofs, in seinem Büro oder in einem Meetingraum des Kapitols. Er betete mehrmals mit Mike Pence, damals noch ein Kongressabgeordneter, später Vizepräsident in Trumps erster Amtszeit. Er war bei der Anhörung dabei, als Trump den Konservativen Neil Gorsuch als Richter am Obersten Gerichtshof auswählte. Er trat „Social Clubs“ bei, von denen er wusste, dass dort seine „Zielpersonen“ Mitglied waren. Er ging zum Frühstück, Mittagessen oder Abendessen ins „Monocle“, ein prestigeträchtiges Restaurant in Washington, D.C.
Eines seiner wichtigsten Vorhaben war die „Operation Higher Court“. Bei dieser Initiative wurden wohlhabende Ehepaare als „heimliche Missionare“ ausgebildet. Sie sollten sich mit Richtern des Obersten Gerichtshofs und deren Ehefrauen anfreunden, sie in teure Restaurants und luxuriöse Ferienunterkünfte einladen und nebenbei noch erwähnen, dass ihnen Millionen Gläubige dankbar wären, wenn sie bei Themen wie Abtreibung, Ehe oder Waffenbesitz konservativ und christlich urteilten.
Diese Operation, wie Schenck sie beschreibt, war nicht unbedingt knallharte Bestechung. Mehr eine subtile Einflussnahme, ein Einflüstern mit der Bibel in der Hand. „Die Richter treffen ihre Entscheidungen nicht immer nur auf Grundlage des Gesetzes“, erklärt Schenck. „Sie sind Menschen und haben selbst Gefühle und eine bestimmte Art, auf Dinge zu blicken.“
Nicht immer waren diese Verbindungen so subtil. Manchmal waren sie auch dreist und direkt. Schenck erinnert sich noch an ein Treffen mit einem republikanischen Strategen. Der habe gesagt: „Ihr wollt das Ende der legalen Abtreibung. Wir werden euch Richter verschaffen, die das Urteil ‚Roe v. Wade‘ kippen werden. Aber ihr müsst uns geben, was wir brauchen.“ Dazu gehörte zum Beispiel die Unterstützung des Militärs – etwas, das Evangelikale noch bis in die 1960er abgelehnt hatten.
Ein andermal besuchte Schenck ein Treffen mit Foster Friess, einem Investmentmanager, Milliardär und Großspender für politische Angelegenheiten. In dem Raum hätten sich knapp 100 evangelikale Führungspersönlichkeiten befunden, erzählt Schenck, als Friess aufgestanden sei und gesagt habe: „Heute gebe ich eine Million Dollar an eine beliebige Person, die mich von ihrem Projekt überzeugen kann.“ Friess gebe ihnen, den Evangelikalen, Geld für ihre Arbeit, aber sie müssten ihm helfen, den Kongress davon zu überzeugen, seine Steuern zu senken. Ein einfacher Deal.
Immer wieder zweifelte Schenck. War es richtig, was er da tat? Oder schadete er damit anderen Menschen? Doch dann strömten die Spendengelder herein, er übernachtete in teuren Hotels und die Kandidaten, die er unterstützte, gewannen Wahlen. Schenck dachte: „Es muss richtig sein, denn ich werde dafür belohnt.“ Sein Ruhm, Erfolg und Einfluss gaben ihm Recht, glaubte er. „Ich war überzeugt, dass dies Gottes Wille ist“, sagt Schenck heute.
Kapitel 3: Loslösung⬆ nach oben
Es gab nicht den einen Moment, der Rob Schenck dazu brachte, sein ganzes Leben zu ändern, sein Umfeld gegen sich aufzubringen und Geld, Macht und Prestige aufzugeben. Es waren viele Erlebnisse und die damit verbundenen Gefühle, die sich über Jahre in ihm aufgestaut hatten, bis er die Zweifel irgendwann nicht mehr ignorieren konnte.
Wenn Schenck heute davon erzählt, dann spricht er meist sehr nüchtern, beschreibt Treffen, Ereignisse und Fakten. Wenn er von den Absprachen und Deals mit Politiker:innen erzählt, wirkt er empört, so als könnte er selbst kaum glauben, dass so etwas wirklich passiert und dass er Teil davon war. Wirklich emotional wird er aber erst, als er von seinen Zweifeln erzählt. Davon, was passieren musste, damit er sich von diesem Leben abwandte.
Schenck war jahrzehntelang ein bekannter Abtreibungsgegner. In den 1990ern hielt er bei einer Anti-Abtreibungsdemonstration einen konservierten menschlichen Fötus in den Armen. Ein paar Jahre später sammelte seine Organisation „Faith and Action“ Spenden für eine schwangere, hirntote Frau, die den Großteil der Schwangerschaft am Leben gehalten wurde, um das Kind zu gebären.
Anfang der 2000er wurde Schenck in Alabama verhaftet, weil er sich geweigert hatte, bei einem Gerichtsprozess den Saal zu verlassen. Da das Gefängnis überfüllt war, landete er im Trakt für psychisch kranke Häftlinge. Dort hörte er in einer anderen Zelle eine Frau schreien, dass sie Kinder habe, um die sich jemand kümmern müsse. Verstörend sei das gewesen, sagt Schenck heute. Als er von der Frau erzählt, legt er sich die Hand aufs Herz und krümmt die Finger. Es ist das erste Mal, dass ich an Schenck, der bis dahin sehr ruhig dasaß, eine körperliche Regung sehe. Niemand half der Frau. Niemand sagte ihr, ob sich jemand um ihre Kinder kümmere.
Vielleicht war das einer dieser Momente, in denen der christliche Kern Schencks wieder zum Vorschein kam. Der Schenck, der sich taufen ließ, weil er Jesus so beeindruckend fand. Jesus, der sich um die Armen und Schwachen kümmert.
Schenck hatte das Gefängnis längst verlassen, da hörte er manchmal, wenn er abends schlafen ging, immer noch die Schreie der Frau, sagt er. Er dachte bis dahin, dass es für eine Frau keinen Grund gibt, abzutreiben. Einer Frau in Schwierigkeiten würde die Kirche immer helfen, egal ob mit Geld, Essen, Windeln oder medizinischer Versorgung. Doch an diesem Tag im Gefängnis zerbrach für Schenck die Vorstellung, dass einer Mutter immer geholfen wird und dass es deshalb keinen Grund gibt, abzutreiben.
Der Tag im Gefängnis war aber nur ein erster Windstoß über dem Kartenhaus, das sich Schenck aufgebaut hatte. Es brauchte mehr, um es endgültig zum Einsturz zu bringen, mehr als einen neuen Blick auf das Thema Abtreibung. Schenck musste erst grundsätzlich verstehen, was seine Bewegung, was er selbst, eigentlich tat.
Von 2009 bis 2012 schrieb er eine Doktorarbeit über die Verschmelzung von Religion und Politik in Nazideutschland. Schenck hat ein besonderes Verhältnis zum Christentum und zu Deutschland: Sein größter Held ist Dietrich Bonhoeffer, ein Theologe, der 1945 von den Nazis im KZ ermordet wurde. In seiner Doktorarbeit verglich Schenck die Dynamiken in Nazideutschland mit denen in den USA. Zum Beispiel bezeichnete 1933 der Theologe Paul Althaus die Machtergreifung Hitlers als „Geschenk und Wunder Gottes“. Althaus verlieh einer politischen Bewegung eine religiöse Legitimation, einen göttlichen Charakter. „Und ich sah, dass wir genau dasselbe taten“, sagt Schenck.
Das nüchterne Beschreiben und wissenschaftliche Arbeiten halfen Schenck dabei, das zu formulieren, was er schon längst wusste, aber sich bis dahin nicht getraut hatte, in Worte zu fassen. „Es war schockierend für mich, meine eigene Arbeit zu lesen und zu denken: Mein Gott, die Auswirkungen sind gewaltig“, sagt er.
Am Ende hatte er Angst vor seiner eigenen Doktorarbeit. Die evangelikale Hochschule, an der er arbeitete, wollte seine Arbeit veröffentlichen, aber Schenck war dagegen. „Ich habe ihnen gesagt: Ich will nicht einmal, dass ihr es bindet und ins Regal stellt.“
Es dauerte noch Jahre, bis Schenck wirklich Konsequenzen zog. Jahre, in denen ihm längst klar war, dass er sein Leben ändern will, aber noch nicht wusste, wie. Es waren auch die Jahre, in denen Donald Trump die politische Bühne betrat. Ein Republikaner, unterstützt von evangelikalen Christ:innen.
2016 wählten die Delegierten der Republikanischen Partei Trump zum Präsidentschaftskandidaten. Schenck war bei dieser Veranstaltung dabei und konnte nicht verstehen, wieso sie, die Evangelikalen, Trump unterstützten. Trump war mehrmals verheiratet, hat unzählige Male öffentlich gelogen und Frauen, die er nicht mochte, als „fette Schweine“ oder „Schlampen“ bezeichnet. Nicht gerade das, was man unter christlichen Werten versteht. Ein Kollege sagte Schenck, Trump sei nun mal der Einzige, der das umsetze, was die Evangelikalen wollten. Schenck verließ die Veranstaltung vorzeitig. Zwei Jahre später ließ er auch den Rest dieses Lebens hinter sich.
Kapitel 4: Ein guter Christ⬆ nach oben
2018 verließ Schenck „Faith and Action“, die Organisation, die er jahrzehntelang aufgebaut hatte. Manche weinten. Andere versuchten, ihn umzustimmen. Und wieder andere wurden wütend und warfen ihm vor, dem Teufel zu dienen. „Das ist nicht nur eine Redensart“, sagt er. „Sie meinen wirklich, dass du für die böseste Macht im Universum arbeitest.“
Seitdem fährt Schenck nicht mehr in teuren Autos, fliegt nicht mehr in Privatjets und trifft sich nicht mehr mit einflussreichen Republikaner:innen. Auch sein Einkommen ist niedriger. Heute konzipiert und leitet er Hochzeitszeremonien, er hat auch schon als Uber-Fahrer gearbeitet, um sein Gehalt aufzubessern. Außerdem schreibt er Artikel oder hält Vorträge. Nur zahlen linke Kreise schlechter als konservative. Früher habe er 5.000, 20.000 oder sogar 30.000 US-Dollar für eine Rede bekommen, sagt Schenck. Jetzt sind es eher 500 bis 1.000 US-Dollar.
Trotzdem ist das für Schenck kein Verlust. Viel eher fühlt es sich so an, als würde er jetzt zu dem Glauben zurückkehren, den er ursprünglich angenommen hatte. So als wäre er mehr als 30 Jahre lang nicht dem Christentum zugewandt gewesen, sondern etwas anderem, etwas Schädlichem. Jesus habe schließlich gesagt, wer in den Himmel komme: „Die Menschen, die sich um die Armen kümmern. Die, die Gefangenen besuchen. Die, die Trauernden trösten.“ Schenck selbst hat diese Menschen zu lange vergessen, sagt er.
Diese Botschaft vom eigentlichen Kern des Christentums will er noch vor der Kongresswahl im November vermitteln. Vor allem an die Menschen, die glauben, als gute Christ:innen müssten sie für Donald Trump stimmen. „Ich möchte ihnen sagen: Es ist genau das Gegenteil. Wenn man für Donald Trump und all das, wofür er steht, stimmt, stimmt man tatsächlich gegen das Christentum.“
Es klingt manchmal einfach, sich wie ein guter Christ zu verhalten. Würde Jesus Menschen aus ihrem Auto zerren, sie mit einer Pistole bedrohen, von ihrem Kind trennen und sie in ein Lager sperren, so wie es ICE-Beamte mit Migrant:innen tun? Wahrscheinlich nicht. Trotzdem scheint das für viele Christ:innen in den USA kein Widerspruch zu sein.
„Es ist viel einfacher, ein schlechter Christ zu sein als ein guter“, sagt Schenck. Und wer könnte das besser einschätzen als er, der beide Seiten kennt. Der seine Beschäftigung, seinen Luxus und seinen Einfluss aufgegeben hat, um ein besserer Christ zu werden.
Kürzlich ging Schenck an einem der „Social Clubs“ vorbei, in denen er früher ständig zu Gast war, ganz in der Nähe des Weißen Hauses. Damals, wenn er in einem großen, schwarzen Auto ankam, öffneten ihm die Pförtner die Tür und begrüßten ihn mit Namen. Jetzt war Schenck gerade auf dem Weg zum Bus und hatte in einer braunen Papiertüte sein Essen für die Fahrt dabei. Er sah die Pförtner an, die Pförtner sahen ihn an.
Und Schenck, so beschreibt er es, empfand dabei ein angenehmes Gefühl. Weit weg von seinem alten prätentiösen Leben. Näher dran am Leben, wie es sein sollte.
Die Reisekosten wurden von den Kellen Fellowships des American Council on Germany übernommen.
Redaktion: Hannah Mara Schmitt, Schlussredaktion: Susan Mücke, Bildredaktion: Sören Frey