Mein Besuch in Grundy, Virginia, beginnt damit, dass ich bei einem lokalen Radiosender anrufe, um nach einem Gespräch zu fragen – und aus Versehen live im Radio zu hören bin.
Ich habe die Nummer auf der Website gewählt und bin noch mitten in meiner Erklärung, als die Moderatorin sagt: „Sie sind gerade on air.“ Panisch lege ich sofort auf und denke: Immerhin wissen jetzt alle, die in Grundy das Lokalradio hören, dass ich da bin.
Grundy ist eine kleine Stadt im Südwesten des Bundesstaates Virginia. Grundy ist sehr abgelegen, sehr arm – und sehr MAGA-fiziert. 85 Prozent der Menschen haben hier bei den vergangenen Präsidentschaftswahlen für Donald Trump gestimmt.
Ich wollte verstehen, wie es ist, in Grundy zu leben; einem Ort, der sich so stark von New York oder Los Angeles unterscheidet wie Trumps Frisur von der von Friedrich Merz. An Orten wie diesem kann man viele politisch relevante Themen wie unter der Lupe betrachten: der Verfall der Kohleindustrie, die Verarmung einer ganzen Region. Und dass Menschen nicht unbedingt die Partei oder Person wählen, die ihr Leben größtmöglich verbessern. Genau wie in Deutschland.
Sie wurde so stark bedroht, dass sie eine Waffe im Auto deponierte⬆ nach oben
Brandi Hurley sitzt auf einer roten Ledercouch in der Pizzeria „Roma’s“ in Cedar Bluff, knapp 40 Autominuten von Grundy entfernt. Das Gebäude ist ein Kasten inmitten eines großen Parkplatzes, wie es in den USA üblich ist. Hurley trägt einen blauen Hoodie und nennt mich „Sister“.
Sie ist Anwältin und in Grundy aufgewachsen. Ich will sie treffen, weil mir aufgefallen ist, wie sie auf Facebook das politische Tagesgeschehen kommentiert, zum Beispiel schrieb sie nach einem Anschlagsversuch auf Trump im April: „Trump könnte der erste Präsident sein, der ähnliche Erfahrungen mit Waffengewalt gemacht hat wie ein durchschnittliches amerikanisches Grundschulkind.“
Hurley ist eine Ausnahme. Sie ist Demokratin und denkt damit politisch anders als die meisten in der Gegend. Über die Menschen hier sagt sie: „Sie sind sehr nett, sogar die Republikaner. Sie verstehen nur nicht, dass sie politisch nicht nett sind.“ Weil sie sich politisch engagiert, wurde Hurley so stark bedroht, dass sie inzwischen eine Waffe in ihrem Auto deponiert hat.
Brandi Hurley | © Isolde Ruhdorfer
Hurleys Vater war Bergmann und oft arbeitslos. Die Gegend, in der Grundy liegt, wird „Coal Country“ genannt, „Kohleland“. Vor vielen Jahrzehnten sorgten die Kohleminen hier für Wohlstand. Heute gibt es zwar noch Minen, aber die Region gehört zu den ärmsten der ganzen USA.
Hurley ging nach der Schule auf ein College, um zu studieren. Das war in ihrer Familie nicht selbstverständlich. Ihr Bruder ist drogenabhängig, ihre Schwester wurde mit 15 Jahren schwanger. Ihre Mutter erkrankte an Multipler Sklerose (MS) und Brustkrebs, doch die nächsten Fachärzte saßen Stunden entfernt. Weil die Familie nicht immer Geld für ein Auto aufbringen konnte, schaffte es die Mutter oft nicht zum Arzt. „Ihr MS wurde schlimmer, weil sie keine Behandlung bekam.“
Hurley ist ein „blauer Punkt“, wie sie sagt, inmitten einer sehr roten Gegend. Blau ist die Farbe der Demokraten, Rot die der Republikaner. Je mehr Zeit ich in Grundy verbringe, desto eher bekomme ich einen Eindruck davon, was es bedeuten muss, ein kleiner blauer Punkt in einer roten Wüste zu sein.
Die Republikaner sind für die Armen da, die Demokraten nicht – so sieht es Linda⬆ nach oben
Grundy besteht im Wesentlichen aus zwei Straßen, die sich zu einem T treffen. Sie folgen dem Verlauf von zwei Flüssen namens Levisa Fork und Slate Creek. Im Ort selbst leben 875 Personen, im Landkreis Buchanan County 20.000.
Orte wie Grundy kommen nur sehr selten in deutschen Medien vor. Hier gibt es keine Wolkenkratzer, Tech-Konzerne oder glitzernden Kasinos. Das Median-Haushaltseinkommen in Grundy ist nur halb so hoch wie das in den gesamten USA.
An einem Samstagvormittag, einem der ersten Frühlingstage des Jahres, bekomme ich einen ersten Eindruck davon, was Brandi damit meinte, als sie sagte, dass die Menschen hier sehr nett sind. Am Straßenrand, dem Edgewater Drive, ist ein kleiner Flohmarkt aufgebaut. Drei Personen verkaufen hier Plastikblumen in allen Farben, Blumenvasen und alte Bilder. Auf einem breitet ein blondgelockter Engel seine Hände schützend über zwei Kinder aus. Man hört den Fluss rauschen.
Auch Linda Matney hat blonde Locken, nur sind ihre gefärbt. Sie trägt einen Anorak und eine Sonnenbrille und verkauft DVDs und US-Flaggen. Wir kommen sofort ins Gespräch. Früher hat die 79-Jährige jeden Tag außer Sonntag ihren Stand aufgebaut. Heute verkauft sie nur noch dreimal pro Woche. „Ich liebe es aber“, sagt sie.
Linda Matney | © Isolde Ruhdorfer
Matney hat bei den vergangenen Präsidentschaftswahlen für Donald Trump gestimmt. „Ich denke, dass Trump einen guten Job macht“, sagt sie. Die Demokraten seien nicht für die Armen da. Und die Republikaner? „Sie helfen uns“, sagt Matney. „Sie haben sich über die Jahre für die Kohle eingesetzt und die Minen am Laufen gehalten.“ Ganz unkritisch ist sie aber nicht. Trump sei so reich und ignorant, dass er manchmal nicht wisse, wann er den Mund halten solle. „Manchmal sagt er etwas wirklich Kluges und stellt als Nächstes eine dumme Frage“, sagt sie.
Ein Mann auf einem Fahrrad radelt herbei. Er trägt einen löchrigen grauen Pullover und wenn er spricht, sieht man, dass ihm mehrere Zähne fehlen. „Könntest du mir zwei Dollar leihen?“, fragt er Matney, er brauche das Geld für Essen. Sie reicht ihm zwei Dollarscheine.
Ich frage nach seinem Namen, verstehe ihn aber nicht richtig. Peinlich, ich weiß, aber zu meiner Verteidigung: Sein Südstaatenakzent, mit den gedehnten Vokalen, ist sehr ausgeprägt und für Nicht-Muttersprachler schwer zu verstehen. Der Mann redet auch schon weiter. Bei einem Unfall, erzählt er, habe er sich das Rückgrat gebrochen und beziehe seitdem Sozialleistungen für behinderte Menschen. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Virginia haben 35 Prozent der Menschen im Buchanan County eine Behinderung.
Ich wundere mich, dass er mit dem Fahrrad unterwegs ist. Eigentlich fährt man in dieser Gegend Auto, denn Grundy hat keinen Dorfkern, wo sich Arztpraxen, Schulen und der Supermarkt fußläufig oder mit dem Fahrrad erreichen lassen. Die Straßen sind steil und schlängeln sich kurvenreich zwischen den Bergen hindurch. Es gibt keine Fahrrad- und kaum Fußwege.
„I love you“, sagt er zu Linda und schwingt sich wieder aufs Rad. „I love you, too“, antwortet sie. Als er weg ist, erzählt sie, dass er jeden Tag nach Geld frage. Er sei drogenabhängig, deshalb habe er auch sein Auto verkauft. Seine Mutter sei ihre Freundin gewesen, jetzt gibt sie ihm jeden Tag ein paar Dollar.
„Ich habe das Dritte-Welt-Land USA besucht“⬆ nach oben
Die durchschnittliche Lebenserwartung in diesem Landkreis liegt bei 72 Jahren und ist damit ganze sieben Jahre geringer als in den gesamten USA. In Deutschland liegt die Lebenserwartung bei fast 81 Jahren.
Youtuber, die in die Gegend reisen, geben ihren Videos Überschriften wie diese: „Wie es im ärmsten Gebiet Amerikas ist“ oder „Ich habe das Dritte-Welt-Land USA besucht“. In den verkleinerten Vorschaubildern sieht man verfallene Häuser, verrostete Wohnwagen und Müll auf der Straße. Die verfallenen Häuser und den Müll gibt es wirklich, allerdings auch hübsche Häuschen, reiche Anwohner:innen und Orte, an denen man einen netten Abend verbringen kann.
Einer dieser Orte ist in Grundy das Kino. Am Samstagabend laufen drei Filme: „Goat“ (ein Kinderfilm), „Scream 7“ (ein Horrorfilm) und „I can only imagine 2“ (ein christlicher Film). Das Ticket kostet 6,50 Dollar, freie Platzwahl. Es gibt Popcorn, M&Ms und Schokolade der amerikanischen Marke Hershey. Weil mir an diesem Abend weder nach Ziegen noch nach Gott ist, entscheide ich mich für den Horrorfilm.
Vor dem Kino komme ich mit einer älteren Dame ins Gespräch. Sie trägt eine gelbe Bluse und einen glitzernden Haarreif. Ihren Namen möchte sie nicht veröffentlicht sehen, aber sie findet, Trump wirke ehrlich und aufrichtig. „Bislang hat er alles gehalten, was er versprochen hat.“ Neben ihr steht ihr Enkel, er geht noch zur Highschool und hat ein schwarzes Bandana um den Kopf gebunden. „Er hat in seiner letzten Amtszeit viel Positives bewirkt“, sagt er über Trump. Sein Vater zum Beispiel arbeite als Schweißer und habe zu Obama-Zeiten immer an weit entfernten Orten arbeiten und in einem Camper schlafen müssen. „Aber als Trump in die Regierung kam, konnte er wieder bei uns wohnen, weil er in der Nähe arbeiten konnte.“
Das Kino in Grundy | © Isolde Ruhdorfer
Von der Bevölkerungsstruktur her sind die Menschen, die in Grundy wohnen, genau Trumps Zielgruppe. Wer Trump wählt, ist tendenziell weiß, hat einen niedrigen Bildungsabschluss und lebt auf dem Land.
Rund 94 Prozent der Bevölkerung in Buchanan County sind weiß. 11,5 Prozent der Menschen über 25 Jahren besitzen einen Bachelor- oder einen höheren Abschluss, in den gesamten USA liegt der Wert bei etwa 38 Prozent. Grundy lässt sich ohne Auto kaum erreichen. Der nächste Ort, an dem ein Fernbus hält, liegt zwei Stunden Autofahrt entfernt. Genauso wie der nächste kleine Flughafen.
In Grundy sind 14 Kirchen in unter 15 Minuten erreichbar⬆ nach oben
Orte wie Grundy gibt es in vielen Ländern. Die Sicherheitsexpertin Fiona Hill ist in Bishop Auckland in England aufgewachsen, einer Stadt, die ebenfalls von der Kohleindustrie geprägt ist. In ihrem Buch „There is nothing for you here“ schreibt sie, dass sie als Kind immer genau den Busfahrplan im Kopf hatte, denn wer den letzten Bus verpasste, saß fest. Sie bekam ein Stipendium für eine gute Schule, besuchte sie aber nicht: Sie hatte kein Geld für die Schulbücher, die Uniform, Fahrkarten.
In ihrem Buch zieht Hill Parallelen zwischen ihrer ersten Heimat Großbritannien und ihrer zweiten Heimat USA und zeigt, wie der Niedergang ganzer Regionen die Grundlage für Populismus und Extremismus bildet. „Hier gibt es nichts für dich“, man muss nicht lange überlegen, auf welche Orte das zutrifft.
Vielleicht ist Religion deshalb so wichtig in Grundy. Google Maps vermerkt im unmittelbaren Dorfgebiet ganze vier Kirchen: eine Methodistenkirche, eine presbyterianische Kirche, eine Baptistenkirche und eine „Church of Christ“. In weniger als einer Viertelstunde lassen sich mit dem Auto noch zehn weitere Kirchen erreichen.
Ich entscheide mich aus einem pragmatischen Grund für die Baptistenkirche. Sie hat als einzige die Uhrzeiten für den Gottesdienst online vermerkt. Als ich die Kirche betrete, grüßt mich schon nach wenigen Metern eine Gruppe Menschen. Zum Glück nicht deshalb, weil ich durch meinen unfreiwilligen Auftritt im Lokalradio schon berühmt geworden bin, sondern weil sie mich direkt als Neuling identifizieren. Sie bieten mir Donuts und Kaffee an und ich nehme mir einen Becher mit in den Gottesdienst. Eine Frau übt am Klavier die Stücke, die sie später spielen wird, während sich die Bänke mit etwa 30 Personen füllen.
Der Pastor, Rick Kelley, spricht über Geld. Genauer gesagt, über Reichtum und Armut. Seine Stimme ist laut und durchdringend. Er trägt einen grauen Anzug und Krawatte, beim Gestikulieren stößt er gelegentlich gegen das Mikrofon. Auf den Bildschirmen hinter ihm, wo normalerweise die Texte für die Lieder eingeblendet werden, leuchten die Worte: „The Cry For Social Justice!“ (deutsch: Der Schrei nach sozialer Gerechtigkeit!).
Der Pastor hat Trump gewählt, auch wenn er selbst nicht glaubt, dass die Regierung den Armen in Grundy helfen will⬆ nach oben
Politische Predigten seien normalerweise nicht so seine Sache, sagt er. Dann zitiert er den schottischen Geistlichen William Barclay: „Es gibt in der gesamten Literatur kein Buch, das so eindringlich von sozialer Ungerechtigkeit spricht wie die Bibel.“ Er spricht davon, dass Wohlstand immer ein Geschenk Gottes sei und dass man Geld nicht horten solle. „Wir glauben, dass wir bei Wahlen einen Unterschied in unserer Gesellschaft bewirken können, nur um dann festzustellen, dass ein Politiker sein Amt mit sehr wenig antreten kann, um es dann als sehr wohlhabender Mensch wieder zu verlassen.“
Ich denke bei diesen Worten sofort an Donald Trump, der Milliardär ist und mit seiner eigenen Kryptowährung während seiner zweiten Amtszeit Hunderte Millionen, wenn nicht sogar Milliarden US-Dollar, verdient hat. Meint der Pastor Trump? Als ich Kelley nach dem Gottesdienst danach frage, reagiert er ausweichend. Es gehe ihm nicht nur um Politiker, sondern beispielsweise auch um Profisportler, die 20 Millionen Dollar im Jahr verdienen. „Sie jagen einem Ball hinterher und ich denke mir: Mein Gott, was könnte man allein mit der Hälfte davon ausrichten? Was könnte man mit zehn Millionen tun, um den Menschen in unserer Gemeinschaft zu helfen!“
Pastor Rick Kelley | © Isolde Ruhdorfer
Pastor Kelley sagt, dass man im Supermarkt einen immer größeren Betrag für die gleiche Menge an Lebensmitteln ausgebe. Und dass für manche Menschen „der amerikanische Traum zum amerikanischen Albtraum“ werde. Im Jahr zuvor trat der Fluss über seine Ufer und überflutete viele Wohnungen. Das passiert hier regelmäßig, Fluten gehören zu Grundy wie der Gottesdienst zum Sonntag. Die Kirchengemeinde um Pastor Kelley sammelte Lebensmittel, Hundefutter und Windeln, um die Betroffenen zu versorgen. „Ich als Christ glaube, wir sind verpflichtet, anderen zu helfen“, sagt er.
Pastor Rick Kelley hat Trump gewählt. Obwohl, wie er selbst sagt, die hohen Zölle gegen andere Länder die Lebensmittelpreise in die Höhe treiben. Obwohl er selbst nicht daran glaubt, dass die gegenwärtige Regierung in Washington den Armen in Grundy helfen will.
Bereut er seine Wahl also? „Ich bereue es nicht, denn ich glaube, hätte ich es nicht getan, hätte die Nation insgesamt noch mehr gelitten.“ Die Grenzen wären offen und illegale Einwanderer würden den Einheimischen Jobs wegnehmen. So sieht es Kelley.
Viele Menschen in Grundy denken so: Trump ist für Kohle, für christliche Werte und für die einfachen Menschen da. Diese Erzählung ist wichtiger als seine tatsächlichen Worte und Taten. Auch, dass er gegen Migrant:innen vorgeht, ist Trumps Unterstützer:innen in Grundy wichtig, obwohl es hier kaum Migrant:innen gibt.
„Ich bin an einen Punkt gekommen, an dem ich Angst um mein Leben hatte“⬆ nach oben
Mich erinnert das an die AfD in Deutschland. Die AfD hat bei der letzten Bundestagswahl unter Arbeiter:innen so gut abgeschnitten wie keine andere Partei. Und das, obwohl die AfD eine Steuerpolitik für Besserverdienende verfolgt und sich regelmäßig gegen Gewerkschaften äußert. Das wichtigste Thema für AfD-Wähler:innen bei der Bundestagswahl war Zuwanderung.
Brandi Hurley, die Anwältin, die in Grundy aufgewachsen ist, kennt diese Widersprüche und hat selbst Schwierigkeiten damit, sie zu erklären. „Die Menschen denken, dass Trump für sie da ist, weil er das behauptet“, sagt sie.
Hurley war eine Zeitlang Mitglied des Ortsverbands der Demokraten, der aus ihr und einer anderen Person bestand. Dann hielt sie den Druck nicht mehr aus. „Ich bin an einen Punkt gekommen, an dem ich Angst um mein Leben hatte“, sagt sie. Jemand habe ihr anonyme Textnachrichten geschickt, zum Beispiel: „Deine Tochter stinkt nach Fisch.“ Andere hätten versucht, sie als Anwältin zu ruinieren und bei der Anwaltskammer angerufen, mit der Forderung, ihr die Zulassung zu entziehen. Ein Mann habe sie bedroht, gegen ihn habe sie eine einstweilige Verfügung erwirkt. Er darf sich Hurley oder ihrer Familie nicht nähern oder sie kontaktieren. Hurley habe den Posten im Ortsverband aufgegeben, erzählt sie, Überwachungskameras in ihrem Zuhause installiert und eine Schusswaffe im Auto deponiert.
Vielleicht hätte es geholfen, wenn sie mehr Mitstreiter:innen gehabt hätte. Aber Hurley bleibt eine von sehr wenigen blauen Punkten in dieser Gegend. Sie, die sich selbst ironisch als „Redneck Hillbilly“ bezeichnet. „Redneck“ ist ein abwertender Begriff für weiße Arbeiter aus den Südstaaten, „Hillbilly“ bedeutet so etwas wie „Hinterwäldler“. Sowohl über Rednecks als auch über Hillbillys gibt es das Klischee, dass sie Trump gut finden.
Die Anwältin erinnert sich noch daran, wie Elon Musk kurz vor den Bundestagswahlen 2025 die AfD unterstützte. Damals unterhielt sich Musk sogar in einem Live-Gespräch auf X mit der AfD-Chefin Alice Weidel. Weidel hat einen Doktortitel und arbeitete als Vermögensverwalterin und stammt damit, genauso wie Trump, aus einem ganz anderen Milieu als viele ihrer Wähler:innen.
Ich muss an eine Stelle in Pastor Kelleys Predigt denken. „Wenn du heute zehn Cent in der Tasche hast, dann danke Gott. Wenn du tausend Dollar auf deinem Girokonto hast, dann danke Gott. Wenn du eine Million Dollar auf deinem Girokonto hast, komm nach dem Gottesdienst zu mir. Denn du hast mehr, als du wirklich brauchst.“
Ich frage mich, was passiert wäre, hätte Donald Trump den Gottesdienst besucht und der Predigt gelauscht. Hätte er sich angesprochen gefühlt? Vermutlich nicht. Ohnehin wird Trump nie in diesem Gottesdienst sitzen. Die meisten Menschen in Grundy wählen ihn trotzdem.
Redaktion: Theresa Bäuerlein, Schlussredaktion: Susan Mücke, Bildredaktion: Sören Frey