Jeanette Krupkas Job ist eine Wette darauf, dass ermutigen mehr hilft als bestrafen.
Seit zehn Jahren arbeitet sie, rote lange Haare, rote spitze Fingernägel, im Jobcenter Dortmund als Coachin. In ihrem Büro hat Krupka die Behördentristesse mit Farbe getupft: Auf ihrem Schreibtisch stehen pinke Papierablagen, pinke Blumentöpfe, Stifte mit rosa Puschel-Ende. Draußen: Eine vierspurige Straße, grauer Himmel, ein Park.
An diesem Novembertag um 7:40 Uhr geht die Sonne gerade auf, da wartet schon ihre erste Kundin auf dem Gang vor ihrer Bürotür im 2. Stock hinten ganz links. 20 Minuten ist sie zu früh gekommen, Krupka arbeitet da schon seit mehr als einer Stunde.
Krupka ist 48 Jahre alt, alleinerziehende Mutter, Vegetarierin. Eine, die sagt, das Schönste an ihrem Job sei, wenn „der Kunde Glücksmomente hat“. Wer in ihrem Büro landet, hat schon viele Jobcenter-Mitarbeiter:innen kennengelernt, und hofft wahrscheinlich, dass Krupka die letzte ist. Denn wer vor ihr sitzt, erhält eine Chance, einen richtigen Job zu finden und hat die ersten Schritte dafür bereits getan.
Was Krupka und ihre Kolleg:innen machen, gilt als Goldstandard, wenn es darum geht, Langzeitarbeitslose wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Der Behörden-Name: 16i-Förderung, nach dem Paragraphen im Sozialgesetzbuch II, in dem die Förderung festgeschrieben steht. Die Zielgruppe: Menschen über 25 Jahren, die sechs der letzten sieben Jahre Bürgergeld bekommen haben und kaum erwerbstätig waren.
Dortmund hat nicht nur den größten Weihnachtsbaum der Welt und eine der erfolgreichsten Fußballmannschaften des Landes, sondern auch eine der höchsten Arbeitslosenraten.
In den vergangenen 20 Jahren hat sich die Arbeitslosenquote in Deutschland halbiert. Die Kehrseite davon: Ein Viertel aller, die 2023 Bürgergeld bezogen haben, waren seit über fünf Jahren arbeitslos. 70 Prozent der Arbeitslosen hatten 2023 keine abgeschlossene Berufsausbildung.
Selbst wenn sie eine Arbeit finden, fällt vielen der Übergang von langer Arbeitslosigkeit in den Job schwer. Viele müssen sich in der neuen Struktur erstmal wieder zurechtfinden, mit der Pünktlichkeit, den neuen Aufgaben. Immer wieder hat Krupka Kunden, die am Anfang sozial auffällig sind, wie auch der Mann, der später an diesem Tag zum ersten Mal vor ihr sitzen wird. Manche müssen erstmal lernen, wie man mit Vorgesetzten und Kolleg:innen spricht, bevor sie ihr Können unter Beweis stellen können.
Deshalb übernimmt das Jobcenter bei der 16i-Förderung das komplette Gehalt für den Arbeitgeber, zwei Jahre lang. Dafür erwarten die Arbeitgeber weniger von ihren neuen Mitarbeiter:innen. Coaches wie Krupka unterstützen in dieser Zeit die Neuangestellten bei allen Problemen, sind aber auch für den Arbeitgeber ansprechbar.
Ende 2025 beschloss die Bundesregierung, das Bürgergeld abzuschaffen und durch eine neue Grundsicherung zu ersetzen. Die Menschen, die Bürgergeld beziehen, müssen sich auf verschärfte Regeln und härtere Sanktionen einstellen. Doch Krupkas Aufgaben sind ohnehin nicht die, die Außenstehende mit Jobcenter-Mitarbeiter:innen verbinden. Sie kann nicht sanktionieren. Das muss sie auch gar nicht. Wer zu ihr kommt, ist motiviert und will arbeiten. Immer wieder werden an diesem Tag Tränen fließen, so emotional aufgeladen ist es, eine Arbeit zu haben. Ein Tag bei Krupka bricht gleich mit zwei Klischees: dem von den faulen Langzeitarbeitslosen. Und dem vom bösen Jobcenter.
Es gebe nicht den einen typischen Förderfall, sagt Krupka. Manche Frauen kümmern sich jahrelang um Kinder oder pflegten ihre Eltern und sind so aus dem Arbeitsmarkt gefallen. An diesem Novembertag wird sie eine Frau treffen, die am Anfang gesundheitliche Probleme hatte, einen syrischen Grafikdesigner, dessen Berufserfahrung hier wenig zählt und einen ehemaligen Förderschüler.
Frau Meyer ist nach zwei Jahren Coaching ein anderer Mensch⬆ nach oben
Um acht Uhr ruft Krupka die erste Kundin rein, Frau Meyer, die zu früh dran war und die mit ihrem zarten Gesicht und der großen Brille mit dünnem Metallrand jünger als 50 Jahre wirkt. Sie verschwindet fast in ihrem wuchtigen grünen Arbeitsoverall, die Erde an der Hose und den Schuhen erzählen von der Arbeit im Gemüseanbau.
Zwei Jahre hat Krupka sie regelmäßig gesehen und in dieser Zeit, so erzählt sie es, sei Frau Meyer ein anderer Mensch geworden. Als sie zum ersten Mal bei Krupka saß, habe sie sich kaum etwas zugetraut, konnte nur unter genauer Anleitung arbeiten. Keine Chance auf dem ersten Arbeitsmarkt.
Zwei Jahre später hat Meyers Chef ihr ein Abschlusszeugnis ausgestellt, so gut, dass sie vor Freude weinen musste.
Doch er kann sie nicht übernehmen, das Geld fehlt. Nun will Krupka ihr helfen, einen neuen Job zu finden, damit sie den Anschluss an den Arbeitsmarkt bekommt. „Das wird viel schwieriger, wenn sie wieder ins Bürgergeld fällt und die Struktur wegbricht”, sagt Krupka.
Meyer muss nicht überzeugt werden, einen Job zu suchen. In den vergangenen Wochen hat sie sich überall beworben, bei Blumenläden, bei Discountern. Sie sagt: „Ich will nicht zuhause bleiben, auf keinen Fall! Ich weiß, ich setze mich da unheimlich unter Druck, aber ich hab Angst, dass ich sonst in ein Loch falle.“
Für jede ihrer Kund:innen hat Krupka ein Budget von 3.000 Euro, das sie für Fortbildungen nutzen können. Meyer würde gerne eine Schulung zum Blumenbinden machen, weil sie als Floristin arbeiten möchte.
Krupka fragt sie, ob sie etwas gefunden habe.
„Ich habe nach Onlinekursen gesucht, aber das zeigt mir immer nur Youtube an! Und das bringt mir ja nichts, da kriege ich ja nichts Schriftliches”, sagt Meyer.
Krupka fragt: „Haben Sie Schulung bei der Suche mit eingegeben?”
„Da kam ich jetzt gar nicht drauf.”
Manchmal machen solche kleinen Ermutigungen und Ratschläge Krupkas Arbeit aus.
Als Krupka ihrer Kundin eine Stellenanzeige beim Edeka um die Ecke raussucht, ist Meyer euphorisiert, ruft immer wieder „Cool!“ Und sagt: „Ich geh da regelmäßig einkaufen, das passt optimal.“
Am Ende des Termins hat Meyer zwar noch keinen Job, aber einige Aufträge, wo sie sich bewerben soll. Nächste Woche werden sich die beiden wiedersehen. Krupka bleibt zuversichtlich, dass Meyer bald einen Job haben wird. „Sie war so weit vom ersten Arbeitsmarkt entfernt und ist nun ganz nah dran.“
Al‑Khaled wurde gekündigt – und das trotz der Förderung⬆ nach oben
Nicht alle von Krupkas Kunden legen eine solche Erfolgsgeschichte hin. Manchmal ist der Arbeitgeber so frustriert, dass er dem Geförderten kündigt, obwohl der ihn kein Geld kostet. Krupkas dritter Kunde heute hat das erlebt. Mohammed Al-Khaled ist ein Mann zwischen 30 und 40 Jahren, der so gepflegt und höflich auftritt, als sei er Arzt oder gut verdienender Informatiker, mit der Smartwatch am Handgelenk und dem beigen Pulli über einem Karohemd. Er kommt aus Syrien, hat zehn Jahre in Dubai als Grafikdesigner gearbeitet. In Deutschland hat er 150 Bewerbungen geschrieben, erfolglos. So erzählt er es. Die Förderung sollte ihm helfen, einen Job zu finden, der zu seinen Qualifikationen passt. Nun hat seine Chefin ihm nach ein paar Monaten gekündigt.
Krupka lässt ihn von vorne erzählen, wie er die Zeit in seiner Arbeit erlebt hat. Er redet lang, drängend, in schnellem Stakkato. Seine Chefin, die außer ihm nur Praktikanten beschäftigt, sei nur auf die Förderung aus gewesen. Er hätte den Keller leerräumen, Regale putzen müssen und ansonsten kaum etwas zu tun gehabt. Er hätte keinen Adobe Pro Zugang bekommen, obwohl er ohne den nicht als Grafikdesigner arbeiten könne. Dabei wolle er doch arbeiten! Über all das hat er sich bei ihr schon in früheren Terminen beklagt, sagt Krupka später.
Dann berichtet Al-Khaled: Vor einigen Wochen war Krupka zu Besuch im Betrieb und erzählte seiner Chefin, dass die Förderung wahrscheinlich nur zwei Jahre geht, weil das Jobcenter Dortmund die Höchstförderzeit von fünf Jahren fast nie ausschöpft. Daraufhin hätte seine Chefin beschlossen, ihm zu kündigen. Er habe einen anderen Betrieb gefunden, der ihn mit der Förderung übernehmen würde. Aber er brauche Krupkas Zusage bis heute Nachmittag, dass er dort weitermachen könne. Sonst wolle der Betrieb einen Azubi einstellen.
Krupka unterbricht ihn: „Meine Kollegin hat mir erzählt, dass es einen super Arbeitgeber gab, den sie nicht haben wollten. Und als ich bei Ihnen im Betrieb war und Sie gefragt habe, wie ihr Tagesablauf war, haben Sie nichts davon angesprochen.“ Er nickt, sagt, er verstehe und erklärt in gebrochenem Deutsch: „Ich hatte zu viel Angst, dass ich Ärger von meiner Chefin kriege.“
Krupka scheint keine zu sein, die schnelle Urteile über ihre Kunden fällt. Aber sie weiß nicht, wem sie glauben soll. Ihm oder seiner Chefin, die gesagt hat, er hätte sich bei ihr nicht zurechtgefunden. Und sie will nur dann eine Empfehlung für eine erneute Förderung aussprechen, wenn sie glaubt, dass sie wirkt. Denn die kostet viel Geld: Fast ein Viertel des Eingliederungsbudgets des Jobcenters Dortmund fließt in sie.
Als sie ihm sagt, dass er nicht sofort den Arbeitgeber wechseln können wird und erstmal einen Bürgergeld-Antrag stellen muss, wird seine Stimme leiser. Er erzählt von seiner Angst, abgeschoben zu werden, wenn er wieder Bürgergeld beantragt. Auch deswegen will er unbedingt in der Förderung bleiben. „Ich habe mir hier alles von null aufgebaut und eine Familie gegründet. Es wäre ein Albtraum für mich, nochmal in einem anderen Land von vorne anfangen zu müssen.“ Seine Hände zittern.
Während es in der Debatte viel um faule Bürgergeld-Empfänger:innen geht, erlebt Krupka immer wieder Kund:innen, die auf keinen Fall weiter Leistungen beziehen wollen. Die, wenn sie aus der Förderung fallen, erstmal ein paar Monate mit Erspartem oder geliehenen Geld überbrücken wollen, bis sie einen Job gefunden haben. So auch Al-Khaled. Krupka rät ihren Kund:innen immer davon ab. Wenn es doch länger dauert, einen Job zu finden, sind ihre Kund:innen nicht nur arbeitslos – sondern auch verschuldet. Und wer existenzielle Geldsorgen hat, kann sich nur schlecht auf einen neuen Job fokussieren.
Am Ende wird Krupka sich für eine erneute Förderung für Al-Khaled aussprechen. Wenn sie nicht weiß, ob sie dem Arbeitgeber oder ihren Kund:innen glauben soll, vertraut sie im Zweifelsfall ihren Kund:innen.
Das Erstgespräch mit Herrn Müller wird eine Herausforderung⬆ nach oben
Um 11:40 kommt ihr nächster Kunde, Müller, ein Erstgespräch. Bisher weiß Krupka nur über ihn, dass er schon viele verschiedene Jobs gehabt hat und in einem Möbelladen arbeitet. Sie öffnet die Tür, herein kommt ein hagerer Mann mit trüben Augen und einem schwarzen Rollkragenpulli.
Als Krupka ihm zur Begrüßung sagt, dass sie nun die nächsten zwei Jahren zusammenarbeiten werden, antwortet er schnippisch: „Wenn das soweit so möglich ist.“
Gerade noch hat er Krupka angeblafft: Woher solle er wissen, warum Briefe oft nicht bei ihm ankommen, er sei doch kein Postbote – jetzt schluchzt er.
„Ich würds gerne der Mama erzählen, dass ich nach all den Jahren jetzt wieder einen Job habe.“
„Das ist nicht möglich?“
„Nein, es sei denn, Sie können mit Asche reden.“
„Wollen wir den Termin verschieben?“
Das fragt Krupka auch, weil sie schon die ganze Zeit überlegt, ob dieser Geruch, den er mit ins Zimmer getragen hat, wirklich das ist, für das sie ihn hält: Alkohol. Oder ob es doch an den Farbeimern liegt, die draußen auf dem Gang gestapelt stehen, weil das Jobcenter gerade renoviert wird.
Aber er will bleiben, das Gespräch zu Ende führen.
Auch wenn jeder Mensch, der vor Krupka sitzt, eigene Probleme, seine eigene Geschichte hat, bestimmen manche Themen das Coaching: Im ersten Jahr geht’s viel ums Ankommen am Arbeitsplatz, Finanzen, im zweiten um die Anschlussperspektive.
All das will die Coachin Müller erklären, aber er scheint nicht richtig zuzuhören, vielleicht versteht er sie auch nicht. Dass er jemals Probleme bei seinem neuen Job in der Poco-Teppichabteilung haben sollte, sieht er nicht. Es beunruhigt sie, sagt sie nach dem Termin, wie euphorisch er von den Kollegen sprach, die er bei dem Probearbeiten kennengelernt hat. Er sagte, sie würden ihn besser kennen als er sich selbst.
Nach dem Gespräch sagt sie: „Ich konnte ihn nicht greifen.“ Oft, sagt Krupka, bringen diejenigen die meisten Probleme mit ins Coaching, die am Anfang sagen, sie hätten keine. So wie auch die einzigen beiden Kunden, die von sich aus zugegeben hätten, dass sie ein Alkoholproblem haben, nie danach gerochen hätten. Nach dem Gespräch ruft sie zwei Kolleginnen in ihr Büro und fragt sie, ob ihnen etwas auffällt. „Boah, hier stinkts ja!“, ruft die eine. „Riecht nach Dauerpegel“, sagt die andere. Krupka wundert sich, wie er die zwei Wochen Probearbeiten überstanden hat.
Noch sei es zu früh, das Thema Alkohol anzusprechen. Immer wieder haben Kund:innen offensichtliche Probleme, die sie aber nicht von sich aus ansprechen. Wann fragt man Kund:innen, denen mehrere Zähne fehlen, ob sie nicht mal wieder zum Zahnarzt gehen wollen? Wie thematisiert man den Verdacht, dass jemand ein Alkoholproblem hat? Oder soll man erwähnen, dass Adipositas potentiellen Arbeitgebern negativ auffällt? Krupka sagt: Um einander näherzukommen, hilft es, sich über alles mögliche zu unterhalten. Wenn Vertrauen da ist, sie einander besser kennen, spricht sie solche Themen an.
Nach einem kurzen Imbiss in der Dortmunder Innenstadt steigt Krupka in die U-Bahn und fährt an den Rand von Dortmund, dann läuft sie durch den Regen, die Autos neben ihr dröhnen und bespritzen sie mit Wasser. Nach 15 Minuten erreicht sie eine Reifenwerkstatt.
Die Förderung gab Herrn Hoffmann die Zeit, am Job zu wachsen⬆ nach oben
Hier arbeitet seit einigen Monaten Herr Hoffmann, ein weiterer Kunde von Krupka, auch ihn kennt sie schon lange. Er hat einen Förderschulabschluss und war seit seinem Schulabschluss arbeitslos. Das ist seine zweite Förderung. Die erste hat er bei einem Arbeitgeber gemacht, der nicht das Geld hatte, um ihn zu übernehmen. Krupkas Eindruck am Ende der ersten Förderung war: Er hat sich sehr gut entwickelt. Aber er ist noch nicht fit für den ersten Arbeitsmarkt. Jemand anders hätte ihn vielleicht aufgegeben. Nicht Krupka. Sie sagte Hoffmann stattdessen, wenn er sich selbst einen Arbeitgeber suche, würde sie eine zweite Förderung in die Wege leiten.
Nun steht er in der rot gestrichenen Werkstatt, neben den Autos und bläst den Rauch seiner Zigarette zur Seite. Er ist letzte Woche 31 Jahre alt geworden, die Hände sind von der Arbeit schwarz, seine Mütze hat er tief ins Gesicht gezogen. Hoffmann erzählt Krupka mit ruhiger Stimme, was er seit ihrem letzten Kontakt an zusätzlichen Aufgaben in der Werkstatt übernommen hat. Er hat Reifen aufgezogen, an LKW gearbeitet. Gerade läuft die Hochsaison fürs Reifenwechseln, der Winter kommt. Im Hintergrund knallt Metall auf Metall. Er will sich ein Auto kaufen, erzählt Hoffmann. Krupka fragt: „Ich weiß, wir sind noch ganz am Anfang: Aber haben Sie was gehört für später?“ Er erzählt von einer Firmenfeier. Sein Chef habe gesagt: „Ich würde dich nach den zwei Jahren übernehmen.“ Krupka sagt mit weicher Stimme: „Gibt es etwas, bei dem ich Sie im Moment unterstützen kann?“ Er sagt: „Ich bin hier zufrieden.“ Dann will sie den Betrieb nicht länger aufhalten.
Krupka schaut nicht auf ihr Handy in den Minuten, die sie auf ein Gespräch mit dem Chef wartet. Sie sitzt ruhig da auf dem dunklen Ledersessel, im hinteren Teil des Raums laufen Kundengespräche, es herrscht Autoverleiher-Atmosphäre. Als der Chef Zeit hat, sagt er: „Wenn es so weitergeht, übernehmen wir ihn gerne!“ Nach dem Termin ruft sie glücklich: „Ich hab mit allem gerechnet, aber nicht damit!“ Nur selten sagen Arbeitgeber ihr so früh, dass sie einen ihrer Kunden übernehmen wollen. Normalerweise halten sie es sich offen. Sie ist überzeugt, für Hoffmann war es wichtig, dass er genug Zeit haben konnte, um sich zu beweisen. Zeit, die ihm ein Chef auf dem ersten Arbeitsmarkt wohl kaum gegeben hätte. In solchen Momenten wird klar, was Krupka an ihrem Job so mag: Sie spürt, wie sie das Leben von Menschen verbessert.
Nach fünf Kundengesprächen endet der Arbeitstag für Krupka. Es war ein außergewöhnlicher Tag für Jeanette Krupka, andererseits sind das viele Tage. „Das ist es ja auch, was ich an meinem Job so mag, dass es so viel Abwechslung gibt.“ Morgen wird sie mit der S-Bahn ins Büro fahren, mindestens eine Stunde vor der Öffnung da sein und dokumentieren, was heute passiert ist. Dann werden die nächsten Kunden kommen, mit der Hoffnung, dass ihnen Krupka helfen kann.
Redaktion: Astrid Probst, Schlussredaktion: Isolde Ruhdorfer, Fotoredaktion: Gabriel Schäfer, Audioversion: Christian Melchert