„Man könnte sagen, dass ich mal ein Fuckboy war“, schrieb mir der Mann auf Instagram. „Ich dachte erst, ich will dir schreiben, weil ich Aufmerksamkeit brauche. Aber dann ging mir das Thema nicht mehr aus dem Kopf. Deshalb melde ich mich jetzt.“
Vor einiger Zeit habe ich zu sogenannten Fuckboys recherchiert. Ich wollte wissen, welche Rolle sie in unserer Gesellschaft spielen. Für alle, die mit dem Begriff nichts anfangen können: Gemeint sind Männer, die sich beim Dating und in sexuellen Beziehungen nach einem simplen Tauschprinzip verhalten. Sie schenken jemandem gerade genug Aufmerksamkeit und lassen gerade genug offen, um die Aussicht auf eine Beziehung im Raum stehen zu lassen, bis sie bekommen, was sie wollen. Meistens Sex, manchmal auch einfach Aufmerksamkeit. Anschließend ghosten sie die Person oder ziehen sich zurück, sobald diese mehr von ihnen will.
Ich beschäftige mich in meiner Arbeit mit sozialen Beziehungen und damit, wie schwer es Menschen damit im modernen Leben haben. Deshalb interessieren mich Fuckboys. Nicht so sehr wegen dem Sex, sondern wegen dem, was danach passiert. Wie sie eine Beziehung aufbauen und dann jede Kommunikation abbrechen. Also habe ich auf Instagram ein Video gepostet, in dem ich die Fuckboys direkt ansprach: „Wenn du ein Fuckboy bist oder warst, würde ich gerne mit dir reden. Es geht um ein Rechercheprojekt für mein Buch.“ Mehr als 50 Fuckboys meldeten sich.
Bei manchen hatte ich den Eindruck, dass sie mir ihre Geschichten mit einem gewissen Stolz erzählten. Oder weil sie immer noch Lust aufs Flirten hatten. Viele der Männer (ja, die meisten waren Männer, auch wenn dieses Phänomen natürlich nicht nur Männer betrifft) erzählten mir, wie gut sie darin waren, Frauen zu verführen. Sie beschrieben sich als gepflegt und attraktiv, hielten sich für gute Gesprächspartner und waren überzeugt zu wissen, wie man mit Frauen umgeht. „Ich sehe ziemlich gut aus und habe anständige Manieren, mehr braucht man nicht, um viel zu daten“, schrieb mir ein Mann. Viele Männer, meinte er, kämen an sein Level gar nicht erst heran.
Nicht alle waren so stolz. Manche schrieben mir, weil sie Schuldgefühle hatten: „Es ist Jahre her, aber am liebsten würde ich mich bei einer Frau, die ich damals geghostet habe, noch mal melden. Einfach, um mich dafür zu entschuldigen, dass ich mich damals so neurotisch aus dem Staub gemacht habe“, sagte einer.
Sie wussten, dass sie Frauen verletzten und hielten es für ein Spiel, das alle mitspielen⬆ nach oben
Ein anderer ehemaliger Fuckboy schickte mir gleich sechs Seiten über seine Erfahrungen und befragte dafür sogar noch einige seiner Freunde. Einer von ihnen meinte zu ihm: „Wir alle haben ein schlechtes Gewissen wegen unserer Fuckboy-Zeit.“
Viele von ihnen wussten, dass sie etliche Frauen verletzt hatten. Manche wünschten sich sogar, sie könnten bei den Frauen, mit denen sie wirklich eine Verbindung gespürt hatten, noch einmal von vorn anfangen.
Vielleicht noch interessanter: Einige Fuckboys erzählten mir, dass sie früher davon ausgingen, dass sich alle so verhalten wie sie. Einer bemerkte irgendwann, dass einige der Frauen, mit denen er sich traf, gleichzeitig noch andere Männer dateten. Sein Schluss daraus: „Jeder kennt das Spiel, und wir spielen es ja alle.“
In der heutigen Gesellschaft, in der vieles nach dem Prinzip von Tausch und Transaktionen funktioniert, liegt dieser Gedanke nahe. Geld bestimmt immer mehr Bereiche unseres Lebens, vieles wird nach der Logik von Spielen organisiert und gleichzeitig leben wir so vereinzelt, dass wir kaum noch dem Menschen Hallo sagen, der uns das Essen bringt. So kann leicht der Eindruck entstehen, dass jeder auf den eigenen Vorteil aus ist und fast alles ein Tauschgeschäft ist.
Da überrascht es kaum, dass einer der Männer auf Instagram mir schrieb, er habe früher überhaupt nicht an die Liebe geglaubt. Er hatte, erzählte er, von seinen Eltern kaum Zuneigung oder Nähe erfahren. Deshalb hielt er Liebe für eine Geschichte, die Menschen sich aus Feigheit erzählen, damit sie nicht darüber nachdenken müssen, wie einsam die Welt eigentlich meistens ist. „Ich glaube, ich habe früher versucht, eine innere Leere zu füllen, in der Liebe hätte sein sollen. Manchmal habe ich dieses Gefühl mein ‚schwarzes Loch‘ genannt.“
Dieser Mann wurde irgendwann bei einem ersten Date auf sein Verhalten angesprochen.
Die Frau hatte in einem Onlineforum von seinem Ruf gehört. Andere Frauen hatten dort über ihn geredet. Sie konfrontierte ihn damit, dass seine Dates offenbar immer nach demselben Muster abliefen: dasselbe Restaurant, dieselben Drinks, sogar dieselben Witze. Ausgerechnet diese Frau wollte er danach sofort wiedersehen. Er verliebte sich und die beiden sind heute verheiratet. Ich hatte zwiespältige Gefühle, als er mir beschrieb, wie sein Fuckboy-Dasein ihn letztlich zur Liebe geführt hatte: „Ich weiß inzwischen, dass ich falschlag, als ich dachte, Liebe gäbe es nicht. Wenn du mich fragst, wie ich heute über meine Fuckboy-Zeit denke: Ich bereue nicht viel. Denn am Ende habe ich dadurch etwas Magisches gefunden.“
Der Fuckboy spielt Nähe vor wie ein guter Kellner⬆ nach oben
Jeder gute Kellner und jede gute Verkäuferin weiß, wie man Interesse, Aufmerksamkeit und Nähe vorspielt, um etwas zu verkaufen oder ein Trinkgeld zu bekommen. Die meisten denken nicht mehr über ihre Kunden nach, sobald diese den Laden verlassen haben. Es sei denn, sie hoffen darauf, sie als Stammkunden wiederzusehen. Dieses Verhalten gehört ganz selbstverständlich zu unserer Wirtschaft. Meine These lautet, dass Fuckboys genau dieser Logik folgen. Auch der Fuckboy beherrscht diese seltsam unpersönliche emotionale Gymnastik: Er kann jemandem für eine Weile das Gefühl geben, es sei eine echte Beziehung entstanden. Und dann bricht er einfach den Kontakt ab. Für jemanden, der gehofft hat, dass aus der Begegnung Liebe werden könnte, fühlt sich das wie ein Verrat an. Dem Fuckboy kann es dagegen ganz normal vorkommen: Er hat etwas ausprobiert und sich dann dagegen entschieden. So wie man etwas im Laden anprobiert und anschließend beschließt, es nicht zu kaufen. Und ist das nicht sein gutes Recht?
So ist der Fuckboy eigentlich ein gutes Beispiel für etwas, das viele von uns aus dem Alltag kennen: Wir können mit jemandem eine starke Verbindung schaffen und kurz darauf wieder völlig auf Abstand gehen. Beim Netzwerken gehört das dazu, genauso wie im Umgang mit Kollegen, die wir eigentlich nicht mögen, oder mit „Frenemies“. Und je individualistischer und vereinzelter unser Leben wird, desto öfter schleicht sich das auch in andere Beziehungen ein. Wir verlieren Menschen aus den Augen, weil wir den Job wechseln oder die Wohnung, weil wir in ein anderes Viertel ziehen und plötzlich einen anderen Freundeskreis haben. Von Menschen, die früher mal Teil unseres Lebens waren, sehen wir dann nur noch Bilder auf Social Media.
Die Wirtschaft ändert sich schneller als die Geschlechterrollen⬆ nach oben
Aber auch beim Sex und in romantischen Beziehungen zeigen Fuckboys etwas, das für unsere Gegenwart typisch ist. Weltweit leben immer mehr Menschen allein, berichtet das britische Wirtschaftsmagazin The Economist. Ein Grund dafür sind veränderte Geschlechterrollen und wirtschaftliche Verhältnisse. Früher funktionierten heterosexuelle Beziehungen nach einem Tauschprinzip: Der Mann verdiente das Geld, die Frau kümmerte sich um Haushalt, Kinder und um soziale Kontakte. Dieses Modell funktioniert heute immer weniger.
Männer verdienen im Durchschnitt zwar noch immer mehr als Frauen, aber das ist kein Automatismus mehr, der in jedem Einzelfall gilt. Inzwischen haben Männer im Durchschnitt sogar häufig einen niedrigeren Bildungsabschluss. Das ist zum Teil ein Zeichen dafür, dass die Gleichberechtigung vorankommt. In der Praxis scheint das für viele Bereiche des Datingmarkts allerdings zu bedeuten, dass Frauen bei potenziellen männlichen Partnern oft wenig finden, was sie attraktiv oder bereichernd finden, weder finanzielle Sicherheit noch emotionale Nähe, Status oder intellektuelle Anregung.
Das ist für alle Beteiligten frustrierend. Und solche Konstellationen könnten dazu führen, dass man eher auf jemanden hereinfällt, der zunächst vielversprechend wirkt. Um diese Entwicklung zu verstehen, müssen wir nicht auf reaktionäre Vorstellungen zurückgreifen, wonach Frauen „gierig“ oder „hypergam“ seien. (Hypergamie bedeutet, dass man bei der Partnerwahl jemanden bevorzugt, der einen höheren sozialen, finanziellen oder Bildungsstatus hat, Anm. der Übersetzerin.) Es reicht zu sehen, dass sich die wirtschaftlichen Verhältnisse schneller verändert haben als die Geschlechterrollen. Viele Frauen wünschen sich vielleicht noch immer eine eher traditionelle Partnerschaft. Viele Männer haben vielleicht noch nicht gelernt, im Haushalt und in der Beziehung ihren Anteil zu übernehmen.
Wer aus dem Erwerbsleben fällt, fällt oft auch aus dem Beziehungsleben⬆ nach oben
Es gibt noch andere wirtschaftliche Gründe dafür, dass Dating für Menschen gerade oft besonders schwierig ist. Viele junge Menschen sind weder in Ausbildung noch in Arbeit noch in einer beruflichen Weiterbildung. Das englische Wort dafür lautet „NEET“: Not in Education, Employment or Training (auf Deutsch: Nicht in Ausbildung, Weiterbildung oder Beschäftigung). In Großbritannien, wo ich lebe, waren laut des Statistikamts zuletzt 13,5 Prozent der 16- bis 24-Jährigen in dieser Situation. Für Deutschland weist das Statistische Bundesamt zehn Prozent der 20- bis 24-Jährigen aus, mit steigender Tendenz.
Es gibt also einen ganzen Teil unserer Bevölkerung, der dauerhaft aus dem Erwerbsleben ausgeschieden ist und dem es im Großen und Ganzen nicht gut geht. Viele dieser Menschen sind vor allem deshalb ohne Arbeit, weil sie in irgendeiner Form eine Behinderung oder gesundheitliche Beeinträchtigung haben.
Wer aus dem Erwerbsleben ausscheidet, scheidet oft auch aus dem Beziehungsleben aus und bleibt allein, weil ihm die Stabilität und die wirtschaftliche Unabhängigkeit fehlen, die vorausgesetzt werden, bevor eine ernsthafte Beziehung überhaupt zustande kommen kann. Wenn der Fuckboy sagt, er sei „noch nicht bereit“ für eine Beziehung, kann es sein, dass er ein vermeidender Bindungstyp ist oder eine Therapie bräuchte. Ebenso gut ist aber möglich, dass viele Menschen heute nicht bereit für ernsthafte Beziehungen sind, weil sie in einer prekären Situation leben, in der Verbindlichkeit schwerfällt.
Manche der Fuckboys, die mir geschrieben haben, sagten, sie suchten die Bestätigung ihres Egos beim Sex auch deshalb, weil sie sozial und ökonomisch wenig vorzuweisen haben. Nur wenige erwähnten, arbeitslos zu sein. Aber in einer Zeit, in der so viele von uns von einem Job zum nächsten wechseln und sozial eher absteigen als aufsteigen, ist es vielleicht leichter, in allen Lebensbereichen bei unverbindlichen und zweckorientierten Beziehungen zu bleiben, weil man sich auf nichts Langfristiges festlegen kann.
Manche Männer erfahren nur durch Sex, dass jemand sie attraktiv findet⬆ nach oben
Einer der Fuckboys erzählte mir, dass er früher glaubte, nur dann begehrenswert zu sein, wenn er mit möglichst vielen Frauen schlief.
Frauen, meint er, sagen sich ständig gegenseitig, dass sie schön sind. In der heterosexuellen Datingwelt bekommen Frauen online viel eher einen Like oder ein Match, werden viel häufiger von Männern angesprochen und bekommen Komplimente. Wenn eine Frau sich attraktiv fühlen will, muss sie dafür oft nicht einmal mit jemandem schlafen. Bei Männern sieht das anders aus. Sie bekommen solche Komplimente und diese Aufmerksamkeit viel seltener. Wenn sie sich begehrenswert fühlen wollen, scheint der einfachste Weg deshalb oft zu sein, tatsächlich mit jemandem zu schlafen.
Nicht überraschend also, dass fast alle, die mir schrieben, Männer waren. Ich habe allerdings auch mit einigen nichtbinären Menschen und einer lesbischen Frau gesprochen, die ähnliches erzählte: Auch sie hatte Sex genutzt, um ihr Ego zu stärken, als sie eine frustrierende Zeit hinter sich hatte.
Ich finde es nicht gut, mit jemandem allein deshalb Sex zu haben, um das eigene Ego aufzupolieren. Es sei denn, beide Seiten sind sich darüber völlig im Klaren und haben dem zugestimmt. Trotzdem verstehe ich, was der ehemalige Fuckboy mir schrieb. Dating kann für Männer auf eine ganz besondere Weise frustrierend und entfremdend sein. Und für die Betroffenen selbst ist es manchmal nicht so leicht zu verstehen, warum sie sich eigentlich so verhalten.
Mit wem reden Fuckboys eigentlich?⬆ nach oben
Ich vermute, dass diese Männer – und gelegentlich auch nichtbinäre Menschen oder Frauen – mir nicht nur geschrieben haben, um anzugeben oder etwas zu beichten. Vielleicht suchten sie einfach einen Ort, an dem sie verstehen konnten, was in ihrem Liebesleben eigentlich passiert war. Einen solchen Ort hatten sie offenbar sonst nicht. Zumindest keinen, der ihnen dafür genug Raum gab.
Auf der einen Seite kann man, wenn man selbst einen Fuckboy gedatet hat, immerhin mit seinen Freundinnen und Freunden darüber reden. Ich habe mit unzähligen Freundinnen darüber gesprochen, wenn ich an jemanden geraten war, der mir Hoffnungen gemacht oder mich geghostet hatte. Ich habe mehr Brunchs zu diesem Thema hinter mir, als ich zählen kann. Manchmal denke ich, Frauen könnten ihre Zeit und Energie auch für größere Fragen gebrauchen. Für die Erfahrungen, an einen Fuckboy geraten zu sein, gibt es jedenfalls eine eigene Sprache und unendlich viele Ratgebertexte. Wenn man versteht, wie Fuckboys ticken, lässt sich im Nachhinein besser begreifen, was da eigentlich passiert ist. Wie konnte jemand eine Woche zuvor noch sagen: „Du bist meine Traumfrau!“ und dann plötzlich nicht mehr auf eine einzige Nachricht antworten? Und warum hat man diese Dynamik so lang mitgemacht?
Für den Fuckboy selbst gibt es dagegen kaum Möglichkeiten, das eigene Verhalten zu verstehen und einzuordnen. Ich habe noch nie von einer Selbsthilfegruppe für ehemalige Fuckboys gehört und im Internet findet sich dazu nur selten etwas. Wie einige meiner Gesprächspartner selbst sagten: Ein Fuckboy macht mit seinem Verhalten fast zwangsläufig eine ganze Menge Menschen wütend. Das kann ziemlich verstörend sein und ihn auch isolieren. Das entschuldigt sein Verhalten nicht. Aber es erklärt vielleicht, warum sich so viele von ihnen bei mir gemeldet haben und reden wollten.
Ghosting macht den Ghoster einsam⬆ nach oben
Darin liegt eine seltsame Umkehrung. Das Verstörendste am Ghosting ist, dass keine Antwort kommt. Wer immer wieder geghostet wird, kann irgendwann das Gefühl bekommen, verrückt zu werden. Man ist verunsichert und möchte unbedingt verstehen, was passiert ist. Die gute Nachricht für die Geghosteten ist: Meistens finden sie irgendwann eine Erklärung, mithilfe von Freundinnen und Freunden und durch die vielen Geschichten, Ratschläge und Deutungen, die die Popkultur dazu liefert.
Beim Fuckboy ist es genau umgekehrt. Niemand ist da, der sich seine Geschichte anhört und darauf antwortet. Außer in seltenen Fällen jemand wie ich. Und so ist ausgerechnet er nach dem Ende dieser „Transaktion“ noch mehr allein als die Person, die er geghostet hat.
Was, wenn auch aus einem ziemlich egoistischen Grund, vielleicht der wichtigste Grund dafür ist, sich nicht wie ein Fuckboy zu verhalten.
Wir müssen antworten, statt zu verschwinden⬆ nach oben
Was müsste sich ändern, damit das Leben für Fuckboys, deren Ex-Partner:innen und alle anderen besser wird? Ich glaube nicht, dass wir Fuckboys entschuldigen oder groß bemitleiden sollten. Stattdessen sollten wir einen Schritt zurücktreten und uns fragen, was wir eigentlich von Beziehungen erwarten.
Dazu gehört sicher auch, dass wir nicht einfach verschwinden, sondern einander auf Nachrichten antworten und ehrlicher sagen, was wir wollen. Aber wir sollten auch eine größere Frage stellen: Wie können wir verhindern, dass unsere wirtschaftlichen Verhältnisse dazu führen, dass immer mehr Menschen allein bleiben?
Und wir müssen uns als Gesellschaft, aber auch jeder für sich, fragen, was wir von Männern und Frauen in einer langfristigen Beziehung erwarten. In unserem Wirtschaftssystem kann man nicht mehr selbstverständlich davon ausgehen, dass der Mann mehr verdient oder die bessere Karriere macht. Es wäre gut, wenn Frauen weniger Wert auf Körpergröße und Geld bei Männern legen würden. Zumindest sagen manche Studien, dass vielen das immer noch wichtig ist. Genauso wenig können Männer erwarten, mit einer Frau zusammenzuleben, ohne im Haushalt und in der Beziehung mehr Verantwortung zu übernehmen, als sie es heute oft noch tun. Beide Seiten werden ihre Erwartungen verändern müssen.
Am schwierigsten ist wahrscheinlich, dass wir uns dabei mit unseren eigenen Wünschen auseinandersetzen müssen. Wir müssen uns ehrlich fragen, was wir eigentlich wollen, auch wenn uns die Antwort vielleicht nicht gefällt. Vielleicht müssen wir sogar lernen, andere Dinge zu wollen.
Und vielleicht liegt genau darin ein Teil der Anziehungskraft des Fuckboys. Solange wir versuchen, seine Aufmerksamkeit zu bekommen, dreht sich alles um ihn, darum, was er will und wie wir ihn dazu bringen können, uns zu wollen. So müssen wir uns weniger mit der Frage auseinandersetzen, was wir selbst eigentlich wollen. Und solange er nur halb da ist und jederzeit wieder verschwinden kann, müssen wir uns auch nicht mit all den Schwierigkeiten auseinandersetzen, die eine echte Beziehung mit sich bringt.
Denn in einer echten Beziehung lässt sich der andere Mensch nicht so leicht auf Abstand halten. Wir müssen damit klarkommen, was er uns geben kann und was nicht.
Redaktion und Übersetzung: Theresa Bäuerlein, Schlussredaktion: Susan Mücke, Bildredaktion: Sören Frey