Eine Schulklasse, im Hintergrund steckt eine Hand einen Stimmzettel in eine Schule.

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Kinder und Bildung

Das wollen die Parteien in Sachsen-Anhalt in der Bildungspolitik verändern

Handyverbot? Kostenlose Kitas? Förderschulen oder Inklusion? Die Wahlprogramme der Parteien gehen zum Teil weit auseinander – ähneln sich aber in manchen Punkten erstaunlich.

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Vor der Landtagswahl am 6. September in Sachsen-Anhalt wird besonders viel über Wirtschaft und Migration diskutiert. Allerdings könnten die Parteien in diesen Bereichen nur bedingt Einfluss nehmen, vieles davon wird auf Bundesebene verhandelt.

Bildungspolitik aber ist Ländersache. Hier haben die Parteien in Sachsen-Anhalt also einen großen Handlungsspielraum – und den wollen sie nutzen. Bildung ist ein wichtiges Thema im Wahlkampf. Ich habe mir die Bildungsprogramme der Parteien angeschaut, die sich zur Wahl aufgestellt haben. Dabei habe ich Punkte zusammengefasst, die konkrete Vorhaben betreffen und in denen sich die Parteien unterscheiden. Die AfD etwa will die Schulpflicht abschaffen, mehr Russischunterricht und die Lehrpläne in Geschichte ändern. AfD, Linke und SPD wollen Kitas kostenfrei für alle machen; CDU, Grüne, Linke, SPD und BSW wollen die weiterführenden Schulen vereinheitlichen.

Inhaltsverzeichnis

Die Reihenfolge der Parteien orientiert sich an der Größe der Fraktionen im aktuellen Landtag. Alle Umfragewerte beruhen auf dem Wahltrend von Dawum. Dawum ist ein Portal, das die veröffentlichten Umfragen aller Institute bündelt und daraus einen gewichteten Durchschnitt bildet.

Christlich Demokratische Union (CDU)⬆ nach oben

Mit 40 von 97 Sitzen stellt die CDU derzeit die stärkste Fraktion und führt das Land seit 1990 fast durchgehend; seit Januar 2026 ist Sven Schulze Ministerpräsident. In Umfragen liegt sie bei 24 Prozent – 13 Punkte weniger als bei der Wahl 2021. Das fordert sie in ihrem Programm „das klügste Bildungssystem in Deutschland“.

Kita

  • Die CDU will eine verbindliche Sprachstandserhebung im Vorschuljahr: Alle Kinder sollen bei der Einschulung Deutsch beherrschen. Dafür soll es im vierten Lebensjahr verbindliche Sprachtests geben.

Schule

  • Die Partei will Schulformen zusammenlegen. Künftig soll die „neue Oberschule“ Sekundar- und Gemeinschaftsschulen ablösen, der Wechsel ans Gymnasium soll aber möglich sein.

  • Das „4+1-Modell“: In den Klassen 7 bis 9 soll es in der Schulwoche an den Oberschulen und „geeigneten Förderschulen“ einen Praxislerntag geben. Dabei sind die Schüler zum Beispiel in einem Betrieb.

  • Förderschulen sollen gestärkt werden; gleichzeitig will die Partei „gute Rahmenbedingungen für inklusive Bildung“ schaffen.

  • Die CDU bekennt sich „klar zum Leistungsprinzip“. Die Bewertung durch Noten und Abschlussprüfungen soll beibehalten werden. Es sei ein bewährtes System.

  • KI soll „als Werkzeug für kreatives und effektives Lernen“ in den Unterricht integriert werden. Mit dem Projekt „Lernwelt Sachsen-Anhalt“ sollen Schüler auch dann unterrichtet werden können, wenn keine Lehrkraft im Raum ist: per Live-Übertragung aus einer anderen Stadt, über Selbstlernmaterial im Online-Portal. Das Programm wird in Sachsen-Anhalt bereits erprobt. Die Partei will es ausbauen.

  • Die CDU will den bereits geltenden Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung umsetzen und Ganztagsangebote, Horte und Grundschulen besser miteinander vernetzen.

Alternative für Deutschland (AfD)⬆ nach oben

Die AfD hat 23 Sitze und ist stärkste Oppositionsfraktion. In Umfragen liegt sie mit 41 Prozent klar vorn. Das ist doppelt so hoch wie ihr Ergebnis von 2021. Das Landesamt für Verfassungsschutz hat die AfD in Sachsen-Anhalt 2023 als gesichert rechtsextrem eingestuft. Ihr Kandidat für die Landtagswahl ist Ulrich Siegmund. In ihrem Wahlprogramm zur Schulbildung fordert sie unter anderem Folgendes:

Kita

  • Die AfD will Krippen und Kindergärten beitragsfrei machen.

Schule

  • Alle Schulbücher sollen kostenlos ausleihbar sein und auf Landesebene vereinheitlicht werden. Die Entscheidung darüber soll nicht mehr bei den Schulen, sondern im Landesministerium liegen.

  • Die Partei fordert ein Ende der „Noteninflation“, Leistung müsse sich wieder lohnen.

  • Nach der vierten Klasse soll wieder eine verbindliche Schulempfehlung von den Lehrern ausgesprochen werden.

  • Schulformen sollen nicht vereinheitlicht werden. Die Wiedereinführung von Haupt- und Realschule werde geprüft. Das Gymnasium soll auf das Studium vorbereiten und von nicht mehr als 25 Prozent eines Jahrgangs besucht werden.

  • Keine digitalen Medien in der Grundschule und auch an weiterführenden Schulen nicht flächendeckend. Smartphones sollen bis einschließlich zur zehnten Klasse verboten werden. Informatik soll hingegen ab der achten Klasse Pflichtfach sein.

  • Mehr Sportunterricht: Mindestens vier Stunden pro Woche in jeder Jahrgangsstufe und jeder Schulform. Schwimmen soll ein fester Bestandteil des Sportunterrichts in jeder Jahrgangsstufe werden und die Bundesjugendspiele sollen „konsequent“ als Wettkampf durchgeführt werden.

  • Handwerks- und Technik-Tage sowie Kooperationen mit regionalen Handwerksbetrieben sollen fester Teil des Schulalltags werden.

  • Lehrplanänderung im Geschichtsunterricht: Deutlicher Schwerpunkt auf dem 19. Jahrhundert und der „Erfolgsgeschichte“ des 1871 gegründeten Deutschen Reichs, das als Vorbild in Wissenschaft, Kultur und Wirtschaft dienen soll.

  • Russischunterricht soll ausgebaut werden und Schüleraustauschprogramme mit Russland wieder stattfinden.

  • In Artikel 27 der Landesverfassung soll der Satz aufgenommen werden: „Die Kinder sind im Geist der Liebe zu ihrer Heimat und dem deutschen Volk zu erziehen.“

  • An öffentlichen Schulen soll täglich die Bundesflagge gehisst werden. Das Zeigen von Regenbogenflaggen soll an Schulen verboten werden. Das gemeinsame Singen der Nationalhymne soll fester Bestandteil schulischer Feierlichkeiten werden.

  • Die Landesförderung für „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ soll eingestellt werden. Begründung: Echten Rassismus gebe es kaum noch, das Programm richte sich in Wahrheit gegen „legitime rechte und patriotische Einstellungen“.

  • Die Partei fordert ein strenges Neutralitätsgebot: Lehrkräfte sollen Diskussionen nur moderieren und keine eigene Meinung mehr einbringen.

  • Schulen sollen die Familie aus Mann und Frau als Vorbild vermitteln.

  • Für Kinder von Geflüchteten soll es Sonderklassen geben.

  • Die Partei fordert ein Ende der Inklusion.

  • Die Schulpflicht soll zu einer „Bildungspflicht“ werden. Eltern sollen zwischen Schul- und Hausunterricht wählen können.

Mehrere dieser Vorschläge der AfD sind rechtlich fragwürdig. Sonderklassen für Flüchtlingskinder zum Beispiel könnten gegen den Gleichheitssatz im Artikel 3 des Grundgesetzes verstoßen. Außerdem hat Deutschland 2009 die UN-Behindertenrechtskonvention ratifiziert, was der Beendigung der Inklusion entgegensteht, und auch was die Abschaffung der Schulpflicht anbelangt, gibt es verfassungsrechtliche Hürden.

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Die Linke⬆ nach oben

Die Linke hat zwölf Sitze und ist in der Opposition. Mit 13,4 Prozent in Umfragen ist sie neben der AfD die einzige Partei, die gegenüber 2021 zugelegt hat. Spitzenkandidatin ist Eva von Angern. Das Bildungskapitel der Partei heißt „Bildungsgerechtigkeit schaffen“.

Kita

  • Die Partei will einen Rechtsanspruch auf zehn Stunden Betreuung täglich und beitragsfreie Kitas.

  • Außerdem soll es kostenloses Mittagessen für alle Kinder und eine bezahlte Vor- und Nachbereitungszeit für Erzieher:innen geben.

Schule

  • Die Linke will eine zehnjährige Vollzeitschulpflicht einführen und Ganztagsangebote ausbauen. Bisher gelten in Sachsen-Anhalt nur neun Jahre Vollzeitschulpflicht.
  • Die Linke will Gemeinschaftsschulen stärken. Diese sollen künftig neben dem Haupt- und dem Realschulabschluss auch die Fachhochschulreife vergeben können. Mittelfristig solle sich „ein Schulsystem aus Gemeinschaftsschulen und Gymnasien herausbilden“.

  • Es soll einen verbindlichen Anspruch auf inklusive Bildung im Regelschulsystem geben. Inklusion sei ein Menschenrecht, „kein freiwilliges Zusatzangebot“.

  • Noten, die zum Beispiel die Mitarbeit oder das Sozialverhalten der Kinder bewerten, sollen abgeschafft werden.

  • Die Partei schreibt: „Wir wollen Kinder und Jugendliche, die dem Unterricht fernbleiben, nicht kriminalisieren.“ Anstelle von Bußgeldzahlungen solle es mehr sozialpädagogische Begleitung, individuelle Förderpläne und alternative Lernorte geben.

  • Die Linke will den Zugang zu digitalen Geräten erleichtern und leistungsfähiges Internet an den Schulen. Statt Verboten setzt die Partei auf Kompetenz.

  • Die Barrierefreiheit von Schulgebäuden soll verbessert werden.

Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD)⬆ nach oben

Die SPD sitzt mit neun Sitzen in der Deutschland-Koalition mit CDU und FDP. In Umfragen liegt die Partei derzeit bei 6,1 Prozent, knapp über der Fünf-Prozent-Hürde. Auch der SPD ist Bildungspolitik ein zentrales Anliegen. Diese Punkte fordert sie in ihrem Bildungskapitel „Lernen. Wissen. Zukunft.“

Kita

  • Die SPD will das Programm „Kita STABIL“ über 2028 hinaus fortführen. Das Programm sorgt dafür, dass Kitas auch bei sinkenden Kinderzahlen nicht geschlossen werden.

  • Langfristig soll die Kita beitragsfrei werden, zunächst will die Partei aber vor allem Familien mit mehreren Kindern unterstützen.

  • Den Übergang in die Schule will die SPD verbindlich gestalten: verpflichtende Kooperation zwischen Kita und Grundschule, frühere und koordinierte Schuleingangsuntersuchungen und bessere Sprachförderung.

Schule

  • Ein eigenes Programm soll die Unterrichtsversorgung absichern – der Ausfall von Lehrkräften dürfe „nicht zur Normalität werden“.

  • In der Grundschule will die Partei mehr Zeit im Stundenplan für Rechnen, Lesen und Vorlesen schaffen.

  • Die SPD strebt mittelfristig nur noch zwei weiterführende Schulformen an: Gymnasium und Gemeinschaftsschule. Ziel sei eine Struktur, die alle Abschlüsse überall und für alle zugänglich macht.

  • Ein Landesschulbauprogramm soll Schulen barrierefrei machen. Außerdem will die Partei Beschattung auf Schulhöfen und Kühlung in Unterrichtsräumen sowie in Sporthallen für heißere Sommer.

  • Digitale Lernmittel, Medienbildung und barrierefreie Systeme sollen weiter ausgebaut werden.

  • Die Partei will, dass Eltern von Kindern mit Förderbedarf vor der Einschulung unabhängig beraten werden. Außerdem soll inklusives Lernen ermöglicht und nicht verhindert werden. Förderschulen sollen dort erhalten bleiben, wo sie besonderen Bedarfen gerecht werden.

  • Die SPD will die Mitbestimmung von Schülerinnen und Schülern stärken.

  • Lehrkräfte sollen Rückendeckung bekommen, wenn sie Haltung gegen Rassismus, Antisemitismus und Extremismus zeigen.

  • Es soll ein langfristiges Bildungsmonitoring eingeführt werden, das regelmäßig sowohl die Leistungsdaten der Schüler:innen als auch die Unterrichtsqualität erhebt, um Schulen gezielter unterstützen zu können.

  • Was das Thema Ganztag betrifft, will die SPD Grundschulen unterstützen, die sich zu Ganztagsschulen weiterentwickeln wollen.

  • Die Partei fordert Lernmittelfreiheit und kostenloses Mittagessen.

Freie Demokratische Partei (FDP)⬆ nach oben

Die FDP sitzt mit sieben Abgeordneten im Landtag und regiert seit 2021 in der Deutschland-Koalition. In Umfragen liegt sie derzeit bei 3,4 Prozent und müsste damit um den Wiedereinzug bangen. Das Programm der FDP zur Bildung heißt „Selbstbestimmtes Lernen“.

Kita

  • Die FDP fordert ebenfalls Sprachstandsfeststellungen nach dem dritten Lebensjahr.

  • Das Niveau der frühkindlichen Bildung soll angehoben und Kitas nicht als Betreuungs-, sondern als Bildungsort verstanden werden.

  • Geplant sind „Gemeinschaftsbüros mit Kinderbetreuung“, Zentren, in denen Eltern arbeiten können und gleichzeitig ihre Kinder im selben Gebäude betreut werden. Zusätzlich soll es mobile Betreuungsreserven, also Zusammenschlüsse, die kurzfristig einspringen, wenn die Betreuung des eigenen Kindes nicht möglich ist, geben.

Schule

  • Die Partei will die Schulformen nicht ändern: Bildungsgerechtigkeit entstehe nicht durch „Einheitsmodelle“. Stattdessen will die FDP eine „Vielfalt der Wege“ sowie „klare Leistungsrückmeldung und Begabtenförderung“.

  • Pauschale Verbote zur Mediennutzung im Unterricht und Handys auf dem Schulgelände lehnt die Partei ab. Jede Schule soll selbst entscheiden.

  • Inhaltlich will die FDP die MINT-Fächer verbindlich im Lehrplan verankern, Profilklassen mit Schwerpunkt auf künstlicher Intelligenz will sie fördern.

  • Außerschulische Lernorte wie „Räume für Macher“ sollen über eine landesweite Plattform leichter zugänglich werden. An öffentlich zugänglichen Orten wie Bibliotheken oder Schulen sollen Jugendliche Technik und Unternehmergeist praktisch erproben können.

  • Ab der siebten Klasse soll es an allen weiterführenden Schulen regelmäßige Unternehmensbesuche und Praktika geben.

  • Die FDP will Musik-, Sport- und Kulturangebote stärken, gerade im Ganztagsbereich.

Bündnis 90/Die Grünen⬆ nach oben

Die Grünen sind mit sechs Abgeordneten im Landtag vertreten und sitzen in der Opposition. In Umfragen kommen sie derzeit auf 4,6 Prozent und lägen damit unter der Fünf-Prozent-Hürde. Spitzenkandidatin ist Susan Sziborra-Seidlitz. Das Bildungskapitel heißt „Für beste Bildungschancen, vielfältige Kultur und starkes Ehrenamt.“

Kita

  • Auch die Grünen setzen sich dafür ein, das Programm „Kita STABIL“ nach 2028 durch eine feste Regelung zu ersetzen.

  • Nach dem Grundsatz „kurze Beine, kurze Wege“ soll ein Programm namens „HeimatKita“ entstehen. Das Versprechen: Die nächste Betreuung liegt entweder in derselben Ortschaft oder höchstens 15 Minuten entfernt.

  • Die Grünen wollen die Kita nicht beitragsfrei gestalten, aber ebenfalls eine Ermäßigung für Familien mit mehreren Kindern.

  • Auch sie sind für die Einführung einer landesweit verbindlichen Sprachstandsfeststellung in Kitas.

  • Außerdem sollen Kitas zu „Kinderstuben der Demokratie“ werden.

Schule

  • Die Grünen wollen, dass Kinder länger gemeinsam lernen. Die Grundschulzeit soll bis zur sechsten Klasse statt wie bisher zur vierten dauern.

  • Die Partei will ebenfalls Schulformen zusammenlegen und Sekundarschulen abschaffen: Neben den Gymnasien soll es vor allem Gemeinschaftsschulen geben, an denen sich alle Abschlüsse bis zum Abitur erreichen lassen.

  • Das Abitur soll wieder 13 Jahre dauern (G9).

  • Sitzenbleiben soll zu einer freiwilligen Entscheidung von Schülern und Eltern werden.

  • Die Partei will, dass Inklusion zum „Normalfall“ wird, und die Zahl der Förderschulen deutlich senken.

  • Das Ganztagsangebot soll „konsequent“ ausgebaut werden, in das an allen Schulen auch Volkshochschulen, Musikschulen, Sportvereine und Ehrenamtliche eingebunden werden.

  • Lernmittel, gesundes Mittagessen und Menstruationsprodukte sollen an Schulen kostenfrei werden.

  • Gegen Mobbing fordert die Partei ein Landesaktionsprogramm, entsprechende Lehrkräfteausbildung und einen jährlichen Anti-Mobbing-Tag.

  • Neu eingeführt werden soll ein Pflichtfach „Informatik und Medienbildung“ von Klasse 5 bis 10.

  • Kinder mit Migrationshintergrund sollen sofort schulpflichtig werden und so schnell wie möglich in Regelklassen kommen. Gegen Diskriminierung, Rassismus und Queerfeindlichkeit will die Partei Netzwerke wie „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ unterstützen und eine landesweite Beschwerde- und Beratungsstelle einrichten, an die sich Schüler, Eltern und Lehrkräfte auch anonym wenden können.

Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW)⬆ nach oben

Das BSW tritt in Sachsen-Anhalt erstmals zu einer Landtagswahl an und ist bislang nicht im Landtag vertreten. In Umfragen kommt die Partei derzeit auf 4,0 Prozent und läge damit unter der Fünf-Prozent-Hürde. Die Partei nimmt mit den Spitzenkandidaten Claudia Wittig und Thomas Schulze an der Wahl teil. Das Bildungskapitel heißt „Gute Bildung – Starke Zukunft“.

Kita

  • Das BSW will die Kitas beitragsfrei machen und eine gesicherte flächendeckende Ganztagsbetreuung.

  • Die Partei will mehr Ausbildungsplätze für Erzieher.

  • Auch fordert sie eine verbindliche Sprachstandserhebung vor Schuleintritt.

Schule

  • Kinder sollen länger gemeinsam lernen, langfristig sogar bis zur achten Klasse. Auch das BSW will Gemeinschaftsschulen „als Leitmodell etablieren“. Welcher Abschluss dort erreicht werden kann, nennt die Partei nicht.

  • Kinder sollen die Schule besuchen dürfen, die am nächsten liegt – auch über Landkreisgrenzen hinweg.

  • Für Familien soll Schule kostenlos werden. Lernmittel sollen frei und ohne Gebühren wählbar sein, dazu soll es eine kostenfreie und gesunde Verpflegung in Kitas und Schulen geben.

  • Die Partei ist für ein „verbindliches Smartphone-Verbot im Schulalltag“.

  • Für den Umgang mit künstlicher Intelligenz soll es in der Sekundarstufe klare Regeln geben.

  • In der Grundschule soll ganz auf digitale Geräte verzichtet werden.

  • Multiprofessionelle Teams mit Inklusionsfachkräften, Verwaltung, IT, Lehrerassistenz und Schulgesundheitsfachkräften sollen zum Standard werden. Brennpunktschulen sollen gezielt mehr bekommen.

  • Inklusion soll flächendeckend umgesetzt und verlässlich finanziert werden.

Was sich in den Kitas und Schulen tatsächlich verändern wird, hängt davon ab, welche Koalition gebildet wird. Da die AfD aktuell in den Umfragen bei 41 Prozent liegt, könnte sie allein nicht regieren. Sie müsste eine Koalition bilden. Da das aber bisher alle infrage kommenden Parteien ausschließen (CDU, Linke und SPD), könnte es nach dem 6. September auch auf eine andere Koalition hinauslaufen, zum Beispiel aus Schwarz, Rot und Rot. Da die CDU aber eigentlich auch eine Regierungsbildung mit den Linken ablehnt, dürfte sich eine Koalitionsbildung schwierig gestalten. Sollten allerdings die SPD, Grüne, FDP und das BSW an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern, wäre eine AfD-Alleinregierung möglich, weil deren Stimmen verfallen und die Sitze im Landtag nur unter den Parteien verteilt werden, die es hineingeschafft haben. Kämen etwa neben der AfD nur CDU und Linke in den Landtag, würden rund 19 Prozent der Stimmen wegfallen – und aus 41 Prozent für die AfD würden über 50 Prozent werden.


Redaktion: Nina Roßmann, Schlussredaktion: Lea Schönborn, Fotoredaktion: Sören Frey, Audioversion: Christian Melchert

Das wollen die Parteien in Sachsen-Anhalt in der Bildungspolitik verändern

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