Ich liege rücklings auf dem Boden eines Berliner Tagungssaals, die Knie angewinkelt. Mit der Hüfte mache ich schnelle Stoßbewegungen nach oben, im Takt zum Psytrance-Track „Great Spirit“. Rund um mich herum tun etwa 70 andere Männer dasselbe. Wir keuchen, stöhnen und grunzen. Die Technik heißt Holotropes Atmen, das Ziel ist ein Rausch durch Hyperventilieren. Die Coaches feuern uns an und beschwören uns, nicht aufzuhören. Ich überlege, ob ich schon jemals solche Geräusche gemacht habe. Und ob es ein Fehler war, diesen Workshop namens „Lingam Conscious Talk“ zu besuchen.
Kurz vorher habe ich gelernt, dass Lingam auf Sanskrit so viel wie Heilstab bedeutet. Und dass damit der Penis gemeint ist. Ich überlege mir, wie meine weiblichen Freunde diese Bezeichnung wohl finden würden. Während ich stoße, rotiert der türkische Gemüsewrap vom Mittagessen in meinem Bauch. Ich bezweifle, dass es mir gleich gelingen wird, mit meinem Penis zu sprechen. Trotzdem mache ich weiter. Irgendwie vertraue ich den Workshopleitern. Und auch den anderen Männern um mich herum.
Von meinem Umfeld habe ich vor allem Lachen und Stirnrunzeln dafür geerntet, für diesen Text zur „Mann Sein 2026“ gehen zu wollen. Laut eigenen Angaben ist der Kongress „Europas größtes Event für Männer“, etwa 250 Teilnehmer haben sich angemeldet. Für 139 Euro können sie ein Wochenende lang netzwerken, selbstreflektieren, eisbaden und sinnsuchen. Ich will verstehen, warum sich so viele Männer von Events wie diesem angesprochen fühlen. Und ob jemand wie ich, der Feminismus unterstützt und mit Esoterik fremdelt, der Veranstaltung doch etwas abgewinnen kann.
Es geht los mit einem „A-Huu“⬆ nach oben
„Vielleicht ist euch aufgefallen, dass hier nur Männer sind.“ Der Organisator Ansgar Schmitz lacht kurz, er hat das Offensichtliche ausgesprochen.
Der Kongress ist nur eines der unzähligen Angebote, das die Männerarbeit, wie diese Szene heißt, für Männer auf der Suche bereithält. Veranstaltet wird er ehrenamtlich vom Verein „Malevolution“, der laut seiner Website auf „Gemeinschaft und Weiterentwicklung unter Männern setzt, damit positive und konstruktive Räume zum Lernen entstehen.“
In diesem Berliner Tagungssaal sind nur Männer anwesend. | Michael Summer
Ich schaue mich im Saal um. Man Buns, Vollbärte, Kurzarmhemden, Wanderrucksäcke. Einer trägt ein T-Shirt mit der Aufschrift „Blood, Sweat and Beer“, ein anderer eine palästinensische Kufiya. Vom Mittzwanziger bis zum Senior ist alles dabei. „A-Huu“, beendet Schmitz seine Begrüßung. „A-Huu“, schallt es ihm wikingerhaft aus dem Saal zurück. Es geht los.
Wer macht denn sowas?⬆ nach oben
Ich sitze mit vier anderen Männern auf einer Wiese vor dem Tagungszentrum am Tegeler See in Berlin. Wir haben eine Peer Group gebildet und sollen einander durch das Event begleiten. Reihum stellt sich jeder vor, die anderen „halten den Raum“. Und erklären mir, was das bedeutet: Wir halten Blickkontakt, hören respektvoll zu und sind für den Sprechenden da. Weil die Teilnehmer sehr persönliche Dinge teilen, nenne ich sie nur beim Vornamen.
André und Alexander erzählen, dass sie über das „ManKind Project“ zum Kongress gekommen sind, einen weltweiten Zusammenschluss von Männerkreisen. Gerrit hingegen hatte bisher keine Berührung mit der Community, jemand habe ihm einen Gutschein zur Teilnahme geschenkt. Er gibt zu, dass es ihm momentan noch nicht leichtfällt, hier zu sein. „Ich habe einen zweijährigen Sohn zuhause, der gerade eine schwere Phase durchmacht und wäre gern bei ihm.“ Seine Frau habe gemeint, er solle trotzdem zum Kongress gehen.
Ich folge dem Beispiel der anderen und erzähle auch von mir. Wie gern ich freiberuflicher Journalist bin, aber wie schwer es mir fällt, meinen Tag zu strukturieren. Und über meine körperliche Selbstwahrnehmung als Lauch, mit der ich inzwischen relativ zufrieden bin, ganz im Gegensatz zu den Nähe-Distanz-Problemen in Beziehungen.
Besonders gut verstehe ich mich mit Oli. Der 51-jährige Berliner trägt rote Samt-Leder-Schuhe, einen ebenfalls roten Hut und meistens ein Lächeln auf den Lippen. Genau wie ich liebt er klassische Musik, vor allem Opern. „Wenn ich in eine Puccini-Oper gehe, bekomme ich einen energetischen Orgasmus“, beteuert er. „Wirklich jedes Mal.“ Er erklärt mir, dass das ein tantrischer Ganzkörperorgasmus ohne Ejakulation ist. Klingt verdammt gut, finde ich. Ich spiele mit dem Gedanken, mich zeitnah zu einem Tantraworkshop anzumelden.
Oli ist gemeinsam mit seinem Partner hier, die beiden müssten gerade herausfinden, wie es weitergeht, erzählt er mir. „Er möchte gern polygam leben, ich monogam.“ Sein Partner sei bisexuell und er, Oli, könne es nicht ab, dass er regelmäßig mit seiner Ex kuschele.
Diese Männer ziehen sich emotional voreinander aus und bekommen dafür nicht etwa Spott, sondern Anerkennung. Das kommt mir bemerkenswerter vor, als es sein sollte. Etwas mehr emotionale Nacktheit stünde uns Männern auch als Alltagsoutfit gut.
In 45 Minuten von Berlin-Tegel zu Odin nach Sparta⬆ nach oben
Nach der Mittagspause steht René Lettnin auf der Bühne, der bisher am Rand des Kongresses zeremoniellen Kakao verkauft hat. In der Powerpoint-Präsentation hinter ihm ist das KI-generierte Bild eines muskulösen Kriegers zu sehen. „Im Alltag haben wir den Zugang zu unserer männlichen Urkraft verloren“, sagt er. Deshalb möchte er mit uns ein Urkraftritual zelebrieren, das er auf der Basis von altgermanischen Runen entwickelt habe. Nachdem er uns das Ritual einmal vorgemacht hat, sind wir dran. Gemeinsam gehen wir den Text durch:
„Harigasti Teiwa!
Sól – Ur – Sól – Ur – Sól – Ur
Othala
Modir – Fadir – Modir – Fadir – Modir – Fadir
Berkana – Vigja
Kaunaz
Ek bin her! Ek bin her! Ek bin her!
Runen weben, Kraft erheben, Kreis aus Licht, der ewig lebt.
Ehwaz, Tiwaz, Algiz
HUUAAAH.“
Ich fühls überhaupt nicht. Ich mag keine KI-Krieger, weiß nicht, was Runen sind und bin tierisch genervt vom Surren der Drohne, die uns filmt. Auch die anderen Männer klingen zögerlich. Also üben wir ein paarmal, bis die Hemmungen fallen und mit ihnen auch nicht wenige T-Shirts. Dreimal hintereinander spielen wir das Ritual durch. Unser Gebrüll klingt archaisch und kraftvoll. Für einen kurzen Moment bin ich nicht mehr in Berlin-Tegel, sondern stürme mit etwa 249 anderen Spartanern gegen die Perser.
Oder so. Mit dem „früher“, das heute oft heraufbeschworen wird, kann ich nämlich wenig anfangen. Wo soll er liegen, dieser eine Ursprung, dem wir alle entstammen? Nennt mich überheblich mit meinem Geschichtsbachelor, aber das ist mir zu unterkomplex. Trotzdem genieße ich den Moment sehr. Wie einfach alles ist. Ich bin ganz im Hier und Jetzt und gehöre dazu.
Hallo, Penis⬆ nach oben
Nach dem Urkraftritual beginnt der „Lingam Conscious Talk“. Damit wären wir wieder am Anfang dieses Textes, wobei das intensive In-die-Luft-Stoßen aber nur der erste Teil des Workshops war. Danach weist uns Leiter Steffen Nöth an: „Legt eure linke Hand auf euer Herz und die rechte auf euren Lingam. Ihr dürft dafür eure Klamotten ablegen, müsst aber nicht.“ Die Vorhänge werden geschlossen, ein Großteil der Teilnehmer zieht sich nackt aus. Nur einige wenige, darunter mein Workshop-Partner und ich, behalten ihre Kleider an. Wir bekommen jeweils 13 Minuten Zeit, unseren Penis zu uns selbst sprechen zu lassen. Unser Gegenüber soll den Raum halten.
Ich fühle mich ein bisschen wie damals, als ich zum ersten Mal halluzinogene Pilze genommen habe. Also ziemlich gut. Ich bin ganz bei mir, habe glasklare Gedanken. Ich urteile nicht und störe mich auch an nichts. Ich glaube, ich habe gerade eine ganz gute Verbindung zu mir selbst. Dafür hätte ich nicht die Hand auf meinen Penis legen müssen, aber sei es drum.
Nach einiger Zeit hat der Effekt der holotropen Atmung nachgelassen. Rund um mich herum liegen Dutzende nackte Männer einander in den Armen. Ich höre mehrere von ihnen schluchzen. So etwas habe ich noch nie erlebt. Überhaupt erinnere ich mich nicht, wann ich das letzte Mal einen anderen Mann habe weinen sehen.
Zum Abschluss kommen wir alle zusammen, Schulter an Schulter, die Arme umeinander gelegt. Im Hintergrund läuft ein Lied des Singer-Songwriters Xavier Rudd. Der Mann links neben mir kennt den Text auswendig und singt mit, der rechts kommt aus dem Grinsen und Kichern nicht mehr raus. Wer mag, kann seine Erfahrungen mit dem Kreis teilen. Einer der Männer erzählt, dass er endlich eine Verbindung zu seinem „vierten Gehirn“ hergestellt hat, neben Kopf, Herz und Bauch. Ein anderer ist stolz, mit seinem Penis und seinen Eiern sein Kind gezeugt zu haben. „Diese Verbindung zwischen Herz und Schwanz ist zukunftsgerichtete Männlichkeit“, findet ein dritter und erntet von einigen Männern ein bekräftigendes „A-Huu“.
Nach der Schlussrunde habe ich gemischte Gefühle. Es spricht nichts dagegen und vieles dafür, ein gesundes Verhältnis zu seinen Genitalien aufzubauen. Und wahrscheinlich findet genau in diesem Moment woanders in der Republik ein Workshop statt, bei dem Frauen mit ihrer Yoni in Kontakt treten (Sanskrit für „Ursprung“ oder „Quelle“). Aber sind wir Männer, und ich spreche auch für mich selbst, nicht schon penisfixiert genug?
Mann, Frau oder Schwurbler?⬆ nach oben
Dieser Sprecher ist wahrscheinlich der prominenteste auf diesem Kongress. Er heißt Uwe Albrecht und stellt sich als echter Allround-Gelehrter vor: Arzt, Philosoph, Systementwickler, Unternehmensberater, Bauer und Pionier der energetischen Medizin. Sein Therapieprogramm „Innerwise“ soll von 500.000 Menschen weltweit angewendet werden und Menschen, Tieren und Systemen helfen können. Ähnlich wie bei El-Nomany geht es bei ihm um die „Reise vom verletzten Jungen zum fühligen Mann“.
Vorbereitet habe er diesen Vortrag nicht, sagt Albrecht. Um auf uns einzugehen, genügen ihm Empathie und Intuition. Die privatärztliche Praxis, die er früher hatte, hat er nach einem ähnlichen Prinzip betrieben: „Ich habe weder Medikamente noch diagnostische Geräte eingesetzt. Also kein Stethoskop, Blutdruckmessgerät, EKG oder Röntgen.“ Nur sein Feingefühl eben. Er habe mit seiner „Innerwise“-Methode vielen Menschen helfen können, doch sein Hauptziel sei der Erkenntnisgewinn.
Im weiteren Verlauf seines Vortrags springt Albrecht von Hölzchen auf Stöckchen. Er beschwört die kollektive Schuld als Mann und die der Deutschen aufgrund des Nationalsozialismus im selben Nebensatz. Dann geht es plötzlich um männliche und weibliche Energie. Die will er unvermischt und klar getrennt sehen, beruft sich dabei auf „biologische Prinzipien“.
Dieser Mann sagt, er habe elf Kinder in die Welt gesetzt, vor über 10.000 Seminarteilnehmenden gesprochen und 60 Mentoren ausgebildet. Gerade werden an der Nordseeküste zwei Rehakliniken gebaut, die nach seinen Prinzipien arbeiten. Und auch hier bekommt er eine Bühne.
Die meisten im Saal applaudieren Albrecht, nur einige wenige tun es nicht. Ich spreche einen davon an, er wird sich als Thorsten vorstellen, und frage nach dem Grund. „Na, weil ich das super problematisch fand“, antwortet er. Als Naturwissenschaftler müsse er den Vortrag als „schwurbelig, assoziativ und egoistisch“ bezeichnen. „Transfeindlich“ würde ich noch hinzufügen wollen.
Halten den Raum und manchmal auch sich gegenseitig: die Besucher von „Mann Sein” | Magges Nicklaußen
Thorsten erzählt mir, dass er mit jetzt 50 Jahren mitten in einer Lebens- und Beziehungskrise steckt. Jahrelang habe er es mit Psychotherapie probiert, leider ohne Erfolg. Schließlich sei der Leidensdruck so groß gewesen, dass er sich für 2026 zu einem Archetypen-Männerjahrestraining nach Carl Gustav Jung angemeldet habe. Das Angebot orientiert sich an den männlichen Archetypen Krieger, Magier, Liebhaber, König und Mystiker, auf die sich die Männerarbeit oft beruft. Thorsten ist begeistert von dem Programm. „An den Archetypen sollte man sich nicht aufhängen, die mag man oder nicht. Die Frage ist eher, wie räumt man seine Baustellen auf?“
Einige Tage nach dem Workshop rufe ich Kongressorganisator Ansgar Schmitz an und frage ihn, warum sein Team Albrecht eingeladen hat. Schmitz geht geduldig auf mich ein und fragt nach, er ist an meiner Perspektive ehrlich interessiert. Trotzdem relativiert er meine Kritikpunkte. Er pocht einmal mehr auf Selbstbestimmung und Eigenverantwortung: „Du bist frei, ihn anzunehmen oder abzulehnen.“
Aber kann man hier die Verantwortung bei den Einzelnen belassen? Ärzte und Coaches haben viel Autorität und Verantwortung, besonders gegenüber vulnerablen Menschen. Wenn sie ihre Verantwortung missbrauchen, können sie großen Schaden anrichten. Habe ich einfach Pech gehabt, wenn ich an den Falschen gerate? Auch in der Männerarbeit ist man also manchmal auf sich allein gestellt.
Vorbildhaft die Scheiße aufgewischt⬆ nach oben
„Ich komme aus beschissenen Verhältnissen“, so beginnt der Berater und Life-Coach Farid El-Nomany seinen Vortrag. „Ich war der Typ, der anderen das Pausenbrot geklaut hat. Meine erste polizeiliche Hausdurchsuchung war mit elf, die zweite mit 14 Jahren. Mein Vater war nicht präsent. Wer ist noch ohne Vater groß geworden?“ Fast alle im Saal stehen auf.
„Dann habe ich entschieden, ich räume meine Scheiße auf“, fährt El-Nomany fort. Heute sei er Privatier, erfolgreicher Sportangler und verheiratet. Seine Frau, die als „Business-Schamane“ arbeitet, notiert auf ihrer Website: „Privat bin ich nun seit 20 Jahren mit Farid verheiratet (davon netto 16 Jahre glücklich).“ Kurzum, er hat es nach so manchem Maßstab von ganz unten nach ganz oben geschafft. Begleitet hätten ihn dabei die männlichen Archetypen. „Der Krieger hat mir bei meinem Kampf in meinem Consulting-Job geholfen. Und der König meinem Vater zu vergeben“, sagt El-Nomany.
In diesem Appell zur Eigenverantwortung scheint sich die Männerarbeit von anderen einschlägigen Gruppen zu unterscheiden. Manosphere-Anhänger, sogenannte Männerrechtler oder Incels sind teilweise überzeugt, dass andere an ihren Problemen schuld sind. Also etwa Frauen, queere Menschen oder Linke.
Das ist auf diesem Kongress anders. Die meisten der Männer, mit denen ich gesprochen habe, stecken in einer Lebens-, Beziehungs- oder Selbstkrise. Viele sind auf der Suche nach einem erfüllten und selbstbewussteren Leben, wollen vielleicht ein besserer Partner oder Vater werden. Damit das gelingt, setzen sie bei sich selbst an. Auch Ansgar Schmitz sagt: „Jede Heilung ist Selbstheilung.“ Dabei könnten Ärzte, Therapeuten oder eben Männercoaches Impulse liefern, aber den Weg gehen müsse man selbst.
Allerdings kann man diese Haltung auch kritisieren. Jeder mag seines Glückes Schmied sein, aber je nach sozialer Herkunft, Privilegien und Gesundheit schmiedet es sich unterschiedlich gut. Nach dem Vortrag spreche ich El-Nomany darauf an. Er gibt zu, dass nicht alle seine Jugendfreunde jetzt ein besseres Leben haben. Und bestätigt, dass manche Bürden größer sind als wir selbst. „So etwas wie eine Depression zum Beispiel, das ist zu viel. Wir können nicht alle heilen.“
Aber eben viele, betont er. „Deutschland bietet viele Chancen und ist ein gutes Land.“ Die Zugänge zu Bildung etwa seien nicht limitiert. Im Vergleich zu anderen Ländern wie Ägypten, wo El-Nomanys Vater herkommt, stimmt das. Er denkt kurz nach und sagt dann: „Wir haben eine unglaubliche Chance, unser Leben selbst zu gestalten. Es ist gut, auch mal selbst zu versuchen, die Scheiße aufzuwischen.“
Wir alle wollen doch nur Zusammenhalt (und Bitcoin)⬆ nach oben
Der Tag neigt sich dem Ende zu und es ist nur noch für einen Workshop Zeit. Das spielerische Raufen, Play Fighting genannt, werde ich verpassen, genauso die Sprecher des zweiten Kongresstags. Marco Haarhoff zum Beispiel, er bezeichnet sich als Life-Coach für Gentlemen und will erzählen, was er „beim Sex mit 400 Frauen gelernt“ hat. Oder Schauspieler Piotr Roman, der teilen möchte, wie er die Missbrauchserfahrungen verarbeitet hat, die er als Kind im kirchlichen Kontext gemacht hat. Ich entscheide mich für das Eisbad.
„Ich erkläre euch jetzt Eis“, sagt Atemtrainer Daniel Ruppert, der uns die Basics der Wim-Hof-Methode beibringen möchte. Sie soll uns dabei helfen, dem 2,8 Grad kalten Wasser im Pool zu trotzen und die Abwehrkräfte unseres Körpers und seine Leistungsfähigkeit stärken. „Unter anderem sorgt das Eisbad für eine effizientere ATP-Produktion in den Mitochondrien“, sagt Ruppert. „ATP, das ist die Energiewährung eures Lebens, das Bitcoin in euch drin. Und wir alle wollen mehr Bitcoin.“
Nach einer ausgedehnten Atemmeditation ist es soweit. Wir sollen in Zwölfergruppen ins Eiswasser steigen. Mit mir in der Gruppe ist ein junger Mann namens Korbi, der gemeinsam mit seinem Vater hier ist. Ihm habe das Programm bisher gut gefallen, sagt er, und fügt hinzu: „Viele der Workshops waren universell. Sie könnten nicht nur für Männer interessant sein, sondern auch für Frauen zum Beispiel.“ Da ist was dran. In Kryptowährungen investieren, meditieren und eisbaden kann man mit und ohne Lingam.
Wir packen uns an den Schultern und rufen laut: „Es wird kalt.“ Dann atmen wir ein und steigen mit den Füßen in das eiskalte Wasser. Beim Ausatmen gehen wir mit dem Körper rein. Nach einer Minute tauchen wir auch mit den Armen ein, manche legen sogar kurz das Gesicht auf die Wasseroberfläche. Max, ein Studierender links neben mir, kämpft sichtlich mit der Kälte. Ich drücke ermutigend seine Schulter, die anderen feuern ihn an. Nach drei Minuten ist es geschafft. Alle haben durchgehalten.
Redaktion: Isolde Ruhdorfer, Schlussredaktion: Susan Mücke, Bildredaktion: Gabriel Schäfer, Audioversion: Christian Melchert