Collage: Eine Frau trägt ihr Kleinkind am Meeresufer, dahinter Berge von Abwasch und Büroarbeit.

Daiga Ellaby/Nathan Dumlao/Wesley Tingey/Unsplash

Geschlecht und Gerechtigkeit

Mutter sein ist geil! Auch als Feministin

Ich bin Mutter zweier Kinder, und höre den ganzen Tag, wie schlimm Muttersein ist. Klar, schön ist es nicht immer. Aber wir vergessen, wie weit wir schon gekommen sind – auch dank der Väter.

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Manchmal habe ich schon ein schlechtes Gewissen, weil ich mein Leben liebe, seit ich Mutter bin.

Mutterschaft wird in meinem Insta-Feed ziemlich negativ dargestellt. Er ist voll mit Posts zu Mental Load und Vätern, die nie genug machen. Wer positive Bilder über Mutterschaft sucht, findet abseits der Tradwives nicht viel. Ich finde das sehr schade. Ja, Elternsein ist manchmal nervig und hart, aber manchmal auch so wunderschön und leicht wie die ersten Schmetterlingsflügelschläge, die man von seinem ungeborenen Baby im Bauch spürt. Von diesen schönen Seiten höre ich nur wenig. Und wenn, dann kommt er von pastelligen Mumfluencerinnen.

Daher habe ich die KR-Leserinnen in einer Umfrage über ihre Mutterschaft befragt: Wie war es wirklich? War das Baby für sie Karriereknick, Selbstaufgabe, Ende der Gleichberechtigung oder Beziehungskiller? Oder kam es vielleicht auch ganz anders?

In den Antworten ist von „Nichts davon hat sich bewahrheitet“ bis „Eigentlich ist alles davon eingetreten“ alles dabei. Viele schreiben vom Glück, Mutter zu sein, und einige auch davon, dass Mutterschaft ein Lernprozess für sie war, in dem sie sich weiterentwickeln konnten.

Andere sagen, dass sie ihre Mutterschaft bereuen oder nicht wissen, ob sie heute nochmal Kinder bekommen würden. Und einige Umfrageteilnehmerinnen mit älteren Kindern schreiben, dass sie sich den kritischen Blick der Medien schon früher gewünscht hätten.

Sie haben natürlich recht. Dass die Probleme von Eltern stärker in den Fokus gerückt sind, ist ein Fortschritt: Die meisten Frauen wissen heute, dass es postnatale Depressionen gibt und Gewalt unter der Geburt. Und wer sein Kind partnerschaftlich mit einem Mann großziehen will, hat das nötige Vokabular, um zu erkennen, an welchen Stellschrauben es sich zu drehen lohnt.

Eltern, vor allem Mütter, sollten auch weiter laut sein. Sie sollen es anprangern, wenn ihre Männer ihren Job als Vater nicht machen und von einem Junggesellenabschied zum nächsten tingeln, während die Mütter ihrer Kinder nicht einmal abends in Ruhe ein Bier mit der besten Freundin trinken können.

Aber gleichzeitig sollten wir viel mehr darüber sprechen, was schon gut läuft. Denn wer immer nur über das Problem redet, übersieht schnell, wie viele Lösungen es bereits gibt. Und wie rasant sich Familien in den letzten Jahrzehnten gewandelt haben. Diese Erzählung brauchen wir, um den Mut und die Motivation zu haben, um weiterzukommen, jede für sich und als Gesellschaft.

Wenn jemand zur Psychotherapeutin geht, weil er, sagen wir, eine Depression entwickelt hat, sagt die ja auch nicht: Ja, Sie haben da ein Riesen-Problem. Alles ganz schlimm, Stärke 9 von 10 auf der Problemskala, und wissen Sie was: Sie können nichts dagegen tun: Ihre Kindheit war halt furchtbar, und ihre Lebensumstände sind es auch.

Die Therapeutin wird also nicht sagen: Steck den Kopf in den Sand. Stattdessen wird sie mit dem Patienten daran arbeiten, die Dinge auch mal von der anderen Seite zu betrachten, negative Glaubenssätze zu überprüfen, bevor diese zu einer selbsterfüllenden Prophezeiung werden.

Ja, die Situation ist immer noch mies, aber bedeutet Mutterschaft wirklich immer das Ende der Karriere, der Gleichberechtigung? Erfordert sie totale Selbstaufgabe? Und haben wir wirklich keine Ressourcen, dagegen anzugehen? In der Krautreporter-Umfrage habe ich einige inspirierende Beispiele gefunden, die zeigen, dass es auch anders geht: Evas und Maries Karriere hat sich positiv entwickelt, seit sie Mütter sind. Für KR-Mitglied Corinna sind Gleichberechtigung und Zeit für sich kein Thema (sie fährt jährlich ins Yoga-Retreat, seit ihr Kind zwei Jahre alt ist), Ruth sagt: Mein Kind gibt meinem Leben Sinn. Ihr Sohn habe sie gezwungen, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen, dadurch sei sie extrem gewachsen. Ari findet: Durch ihre Mutterschaft hat sie erst gelernt, für sich selbst einzustehen.

Sind Mütter kreativer?⬆ nach oben

Mütter verdienen vier Jahre nach der Geburt ihres ersten Kindes 30.000 Euro weniger im Jahr als Nicht-Mütter. Auf dem Arbeitsmarkt werden sie diskriminiert: Sie werden zum Beispiel seltener zu Bewerbungsgesprächen eingeladen, häufiger abgelehnt und unfreundlicher behandelt. Das kann ich aus meiner Erfahrung zu 100 Prozent bestätigen. Als ich nach meiner ersten Elternzeit einen neuen Job suchte, wurde ich viel seltener eingeladen als bei meinen letzten Bewerbungsrunden ohne Kind. Außerdem musste ich mich in zwei verschiedenen Gesprächen fragen lassen, wie ich den Job denn mit Geschäftsreisen und generell den Kita-Öffnungszeiten vereinbaren will.

Aber das ist genau der Punkt: Nicht das Baby ist der Karriereknick, sondern wie die Arbeitswelt darauf reagiert. Eh klar, werden sich jetzt viele denken, nur: Ist das wirklich so klar? Beginnen wir nicht auch irgendwann selbst an uns zu zweifeln, ob man denn als Mutter noch genauso leistungsfähig, kreativ und belastbar ist?

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Statistiken sind kein Schicksal. Als ich vier Monate nach der Geburt meines zweiten Kindes wieder 35 Stunden die Woche arbeiten wollte, sagten mir andere Mütter: „Ich könnte das ja nicht, viel zu anstrengend.“ Die Mitarbeiterin einer Versicherung, mit der ich am Telefon etwas wegen der Elternzeit klären musste, fand es sogar „Heftig!“, dass ab nun mein Mann, damals Freund, übernehmen würde. Ich nahm das als witzige Anekdote für den Abendbrottisch mit, aber diese Erfahrung trug mit dazu bei, dass ich mich, obwohl ich mich auf die Arbeit freute, manchmal selbst fragte, ob es total vermessen sei, an diesem Punkt im Leben meines Babys wieder zu arbeiten. Würde ich nicht viel zu müde sein?

Ja, ich war müde in den ersten Monaten im Job mit Baby. Aber ich habe mich auf meine Arbeit gefreut. Jedes Interview und jede Mittagspause mit Kolleg:innen war ein Fest.

Aber da tappe ich ja schon wieder selbst in die Falle. Warum schreibe ich hier überhaupt „Ich war müde, aber…“, als müsste ich die Probleme herausstellen, die man als Mutter im Job hat? Was ist mit einer anderen Frage: Bin ich durch meine neue Rolle als Mutter vielleicht sogar besser geworden?

Die amerikanische Feministin Gloria Steinem hat 1978 einen amüsanten Essay geschrieben. Darin stellt sie sich eine Welt vor, in der Männer menstruieren und Frauen nicht. Wenn Männer monatlich bluten würden, schreibt sie, dann wäre die Menstruation der Grund, warum Frauen nicht im Militär dienen („Du musst Blut geben, um Blut nehmen zu können“ wäre das Argument) oder politische Ämter bekleiden dürften („Frauen fehlt dafür die nötige Aggressivität, schließlich haben sie keinen monatlichen Zyklus, der vom Kriegsgott Mars bestimmt wird“).

Analog dazu könnte ich dreist behaupten: Du musst Kinder gebären können, um gute Ideen zu gebären? Nur wer Kinder aufzieht, kann auch im Arbeitsleben Verantwortung übernehmen? Manche nennen ein Projekt bei der Arbeit ja sogar scherzhaft „ihr Baby“. Warum also nicht?

Man lernt als Eltern ja tatsächlich Fähigkeiten, die man auch im Beruf brauchen kann: ruhig bleiben, Prioritäten setzen, Multitasking. Es gibt sogar ein Programm für Führungskräfte, das Eltern darin unterstützt, ihre „Elternzeit zum Karriereboost“ zu machen.

Marie schreibt in der Community-Umfrage: Ein Jahr nach der Geburt ihres ersten Kindes hat sie ihr nebenberufliches Studium abgeschlossen, das sie auf ihre Ausbildung draufgesattelt hat. Dadurch hat sie jetzt einen besser bezahlten und interessanteren Job als vor den Kindern (ihr Mann übernahm dafür die Nächte und nahm sich Urlaub).

Und Eva: „Ich bin durch die Mutterschaft ruhiger geworden und konnte mich dadurch eher beruflich weiterentwickeln (davor war ich sehr sprunghaft). Insgesamt bin ich noch mehr ein Orga-Talent geworden.“

Als ich diese Antworten gelesen habe, war ich ganz aufgeregt. Das mit der Sprunghaftigkeit war bei mir tatsächlich auch so. Seit ich Mutter bin, ist mein Fokus klar, ich traue mir mehr zu und bin beruflich viel zufriedener.

Trotzdem glaube ich nicht, dass Mutterschaft einen pauschal besser macht, weder im Arbeitsleben noch sonst wo.

Zu sagen, Mütter seien per se kreativer oder besser organisiert, wäre genauso Quatsch wie die patriarchale Idee, dass Frauen nur zur Muse taugen, aber keine eigenen Ideen entwickeln können. Der Feminismus will die Rollen ja nicht umkehren, sondern einfach nur die gleiche Behandlung.

Aber es gibt viele individuelle Gründe, warum sich Mutterschaft positiv auswirken kann. Und das sind doch gute Nachrichten für alle, die Angst vor der „Motherhood Penalty“ haben.

Wie viel „Selbst“ braucht man zum Glück?⬆ nach oben

Vor einiger Zeit wurde mir ein Video auf Instagram ausgespielt: Eine Mutter von zwölf (!) Kindern sitzt in der Dusche und stopft genussvoll und gleichzeitig gehetzt Krabbenchips in sich hinein. Der Text zum Video ist: „Wenn du nicht weißt, wie du deine Me-Time verbringen sollst.“ Ich habe zwar nur zwei Kinder, aber das Gefühl, dass die Chips abends, wenn beide schlafen, der Höhepunkt meines Tages sind, kenne ich sehr gut.

Bevor ich Kinder hatte, haben Chips und Schokolade nie so geil geschmeckt wie jetzt, abends um neun, wenn endlich Ruhe ist. Das Gleiche gilt für Kneipenabende, Freund:innenzeit, Reisen und selbst meine Arbeitszeit: Quantitativ nimmt all das ab, aber die Intensität nimmt zu.

Würde mein 30-jähriges Vor-Kinder-Ich diese Zeilen lesen, wäre es schockiert von diesem augenscheinlich krassen Abfall an Lebensqualität. Meinem 50-jährigen „Kinder sind fast erwachsen“-Ich wird es vermutlich genauso gehen, weil ich dann ja wieder viel mehr Zeit für Kino, Konzerte oder Theater haben und Chips und Schokolade für ein eher trauriges Abendprogramm halten werde.

Die Uni Greifswald hat sich etwas eingehender mit diesen verschiedenen Ichs beschäftigt. Es ist nämlich so: Studien deuteten immer wieder darauf hin, dass Eltern unzufriedener sind als Kinderlose. Aber für diese Studien wurden Eltern oft rückblickend befragt, und anscheinend ging es diesen Eltern so wie meinem 50-jährigen Ich.

Für die Greifswalder Studie wurden die Teilnehmenden stattdessen laufend über einen 10-Monats-Zeitraum befragt. „Dabei zeigt sich ein differenzierteres, insgesamt sogar positiveres Bild“, wird Anne Reitz, eine der Autorinnen, in der Pressemitteilung zur Studie zitiert. „Zwar nehmen Lebens- und Paarzufriedenheit ab, aber vor allem in rückblickenden Fragebögen, weniger im erlebten Alltag. Gleichzeitig steigen Sinnerleben und positive Emotionen. Das ist der vielleicht spannendste Befund.“

Genau das zeigt sich auch in meiner Community-Umfrage. Die Aufgabe der Selbstbestimmtheit „war ein völliger Schock“, schreibt Ruth. Ihr Sohn ist heute neun Jahre alt, ihre Selbstbestimmung habe sie sich mittlerweile „hart in Minischritten zurückerobert.“

Gleichzeitig schreibt sie aber auch: Ihr Sohn hat ihrem Leben den Sinn gegeben, nach dem sie davor vergeblich gesucht hatte. „Er ist der tollste Mensch, den ich kenne und ich bin selber nochmal extrem gewachsen, weil ich seine Entwicklung so gut wie möglich begleiten wollte. Er hat mich gezwungen, mich nochmal mit mir selbst auseinanderzusetzen. Heute habe ich endlich das Gefühl, wieder der Mensch zu sein, der ich vor dem ganzen ‚Dressieren‘, etwa durch die Gesellschaft und meine Eltern, war.“

Dass ihre Mutterschaft einen Lernprozess in Gang gesetzt hat, beschreiben tatsächlich mehrere Umfrageteilnehmerinnen. Ari schreibt etwa, dass sie erst durchs Mutterwerden gelernt hat, für ihre Bedürfnisse einzustehen.

Tina bringt es auf den Punkt. Auf die Frage, wo sie die Realität des Mutterseins am meisten überrascht hat, erwähnt sie einen „absoluten Karriereknick“ und eine „Selbstaufgabe, deren Dimensionen ich mir nicht vorstellen konnte.“ Aber dafür habe sie ganz neue Horizonte über das „Selbst“ hinaus gefunden. Auf die Frage, was das Tollste am Kinderhaben ist, schreibt sie: „Sie holen einen immer wieder in die Gegenwart zurück, gnadenlos! Sie sind unglaublich witzig und einfallsreich und süß. Und man kann selber (ab und zu mal) wieder absolut kindisch und albern sein.“

Das kann ich bestätigen: Mit Kindern lachen entspannt mindestens so sehr wie Yoga. Und wer Zeit für beides hat, hat den Jackpot geknackt. Wie Corinna: „Als unser Kind zwei Jahre alt war, war ich eine Woche allein im Yoga Retreat“, schreibt sie. Ihr Mann hat übernommen, so wie in all den Jahren seitdem, wenn sie im Retreat oder mit ihren Freundinnen unterwegs ist. Ihr Sohn ist heute zehn.

Sie schreibt auch: „Ich bin sehr gerne Mama, liebe meine Arbeit und bekomme mein Privatleben sehr gut in den Griff. Das geht ohne den Support des Partners schlecht, allerdings ist es auch notwendig, dass ich meine Wünsche selbst äußere und umsetze. Ich darf mir selbst meine Wünsche erfüllen und habe kein schlechtes Gewissen dabei, denn ich weiß, mein Mann unterstützt mich so wie ich ihn.“

Marie sieht das ähnlich: „Mutterschaft als Glück zu erleben, hängt meiner Ansicht nach stark davon ab, sich die unbezahlte Carearbeit mit dem Mann (oder anderen Personen) zu teilen. Und zwar so viel abzugeben, wie ich für mein persönliches Glück brauche.“

Viele Väter haben wirklich Bock auf ihre neue Rolle⬆ nach oben

Gerade daran haperts doch, oder?

Sobald die Kinder da sind, fallen die meisten heterosexuellen Paare in die traditionellen Rollen zurück. Die meisten Väter arbeiten dann Vollzeit, die meisten Mütter Teilzeit oder gar nicht, vor allem in den ehemals westdeutschen Bundesländern. 35 Prozent der Mütter finden, dass ihr Mann mehr machen könnte.

Doch die meisten sind nicht alle. Mehr als die Hälfte der Väter möchte die Hälfte der Sorgearbeit übernehmen, rund ein Drittel tun es auch. Damit haben die Väter in den vergangenen Jahrzehnten einen krassen Sprint hingelegt.

Das lässt sich sogar körperlich nachweisen, wie die Psychologie-Professorin Darby Saxbe in ihrem neuen Buch „Dad Brain“ aufzeigt. Denn Vaterschaft verändert das Gehirn. Außerdem lässt sie den Testosteronspiegel sinken und zwar umso stärker, je mehr Väter sich kümmern. Männer mit niedrigen Testosteronspiegeln hatten wiederum eine bessere Bindung zu ihren Kindern.

Saxbe schaut sich aber nicht nur das Gehirn und die Hormone von Vätern an, sondern spricht auch mit Anthropolog:innen, um zu zeigen: Vaterschaft ist kulturell bedingt. In manchen Volksstämmen wie den Aka im Kongo kümmern sich Väter traditionell gleichberechtigt um ihre Kinder und zwar ab deren Geburt. Und auch in westlichen Gesellschaften zeichnet sich hier gerade ein bedeutender kultureller Wandel ab.

In den USA verbringen Väter im Vergleich zu 1965 heute fast viermal so viel Zeit mit ihren Kindern. In Finnland hat sich die Rechnung sogar bereits umgedreht: Hier verbringen Väter acht Minuten MEHR Zeit mit ihren Kindern im Schulalter als deren Mütter.

Für Deutschland habe ich folgende Zahlen gefunden: 2021 verbrachten Väter rund 40 Prozent mehr Zeit mit ihren Kindern als 2001. 2001 übernahm mehr als ein Drittel von ihnen überhaupt keine Tätigkeiten im Haushalt, 2021 betrug dieser Anteil nur noch 7,5 Prozent.

Die Väter, die Carearbeit übernehmen, bekommen dafür auch einiges an Aufmerksamkeit, aber oft mit dem Unterton: Die holen sich Applaus ab für das, was Frauen schon immer machen. 50:50 ist eine Lüge, bestimmt übernimmt die Frau trotzdem noch den meisten Mental Load. Das mag ja sogar sein, aber: Die müssen das auch erst mal lernen! Anders gesagt: Auch sie machen unsichtbare Arbeit, indem sie nämlich ständig ausloten müssen, was denn nun genau ihr Job ist: Sind sie eine zweite Mutter oder eben doch ein Vater, aber einer, der nicht nur fürs Toben am Abend und am Wochenende zuständig ist? Was beinhaltet das genau, und wie sehr sollen oder dürfen sie das einfordern? Viele, vor allem kleine Kinder bevorzugen die Mutter. Wie schafft man es da, nicht zu resignieren?

Für dieses Ausformulieren ihrer Jobbeschreibung bekommen sie nicht die Anerkennung, die ihnen zusteht. Bei Frauen geht die Gesellschaft sowieso davon aus, dass Kinder ihre Erfüllung sind (auch wenn das gar nicht so ist). Wenn Väter sich um Kinder kümmern, wird das zwar als rührend oder süß wahrgenommen, aber „süß“ ist keine Erfüllung. Oft schwingt da ein „Ob er auch wirklich glücklich ist in der Rolle?“ über „Fehlt ihm da nicht was?“ bis hin zu „Was macht das mit seiner Männlichkeit?“ mit.

Ihnen wird ein Stück weit abgesprochen, dass sie das wirklich wollen. Aber das tun sie, sonst würde ihre Zahl ja nicht so stetig steigen. Sie freuen sich, wenn ihre Kinder zum Kuscheln zu ihnen kommen. Dann denken sie womöglich daran, dass sie das selbst nie mit ihren Vätern getan haben und sind zu Recht ein bisschen stolz auf sich. Sie freuen sich, wenn sie es sind, die ihrem Baby den ersten süßen Birnenbrei füttern dürfen, das dabei in Ekstase gerät, oder wenn sie ihm das erste laute Lachen entlocken. Sie kämmen die Haare von Plastikponys, bauen Lego und Sandburgen, lesen unzählige Bücher vor, schlichten Streits und hören zu, wenn die Kinder Beef mit ihren Freunden haben. Sie freuen sich, wenn ihr Schulkind immer noch oder sogar immer öfter zum Kuscheln kommt. Oder wenn es sie morgens aufgeregt weckt, weil es gerade gelesen hat, dass Kaninchen einer Familie einander am Geruch erkennen können. Dann vergessen sie, dass sie eigentlich lieber weitergeschlafen hätten und sind einfach nur stolz und glücklich darüber, die Welt mit dem Kind nochmal neu betrachten zu dürfen.

Und, liebe Mütter, über all das sollten wir uns auch freuen.


Redaktion: Theresa Bäuerlein, Schlussredaktion: Susan Mücke, Bildredaktion: Sören Frey, Audioversion: Iris Hochberger

Mutter sein ist geil! Auch als Feministin

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