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Hi!
Wusstest du gleich, was du beruflich machen möchtest? Wenn ich mich an das Ende meiner Schulzeit erinnere, graust es mich immer noch ein bisschen. Es gab zwar viele Berufe, die ich furchtbar gerne ergriffen hätte (eine kleine Auswahl: Meeresbiologin, Kunsttherapeutin, Baumpflegerin), gleichzeitig konnte ich mich in keinem dieser Berufe sehen. Wie hätte ich mich als Mittelgebirgsbewohnerin auf einer schaukelnden Jolle im Atlantik geschlagen, wie mit Höhenangst in der Krone einer schwankenden Fichte?
Was mir auch nicht weiterhalf, war die Frage, die sämtliche Verwandte, Nachbar:innen, Lehrer:innen und natürlich auch die Eltern ständig stellten: „Was willst du mal werden?“ Eine Zeit lang kam ich mit Antworten durch, die witzig klingen sollten, so was wie „groß“, „schön“, „reich“ oder „berühmt“. Doch irgendwann konnte ich mich nicht mehr um eine ernsthafte Antwort drücken.
Die quälende Frage war eine andere⬆ nach oben
Das Problem war, dass ich mich vor allem für Berufe interessierte, die unerreichbar schienen. Berufe, die meine Verwandten empfahlen, kamen nicht in Frage. Mir war klar, als Landwirtin, Bankkauffrau oder Verkäuferin werde ich kreuzunglücklich.
Meine Lage war also verzwickt. Es gab nur die Wahl zwischen „Das kann ich wahrscheinlich nicht“ und
„Das will ich überhaupt nicht.“ Heute würde ich sagen, dass ich mich selbst schachmatt setzte, weil ich etwas beschützen wollte. Insgeheim wollte ich nämlich schreiben. Doch mich quälte die Frage, was wäre, wenn mein Talent dafür gar nicht reichte, wenn ich nicht gut genug wäre?
Und so fragte ich nicht bei der Lokalzeitung nach einem Volontariat, studierte nicht Journalismus, begann kein Buchmanuskript – und musste nicht den einen Satz hören, vor dem ich mich so fürchtete: „Du bist nicht gut genug!“ Stattdessen wurde ich Ergotherapeutin.
Fragen, die mir weitergeholfen hätten⬆ nach oben
Wie du siehst, bin ich doch noch zum Schreiben gekommen, über einige Umwege und mit viel Glück. Zwischendurch hielt ich aber alle meine Entscheidungen für falsch und quälte mich mit ähnlichen Fragen wie nach der Schule.
Inzwischen bin ich meistens im Reinen mit meinen Berufswechseln, betrauere aber manchmal, dass es so schwer war anzukommen. Vielleicht hätten mir andere Fragen geholfen, sicherer mit meiner Berufswahl zu werden. Statt „Was willst du mal werden?“ führen „Was macht dir Freude?“ und „Was willst du lernen?“ zu einem anderen Platz. Zu einem, wo es vor allem darum geht, was schon da ist, und um das, was sich vermehren soll. Und nicht zu einem Ziel, das vielleicht unerreichbar ist.
Frage der Woche
Hast du dich mit deiner Berufswahl schwergetan und was hätte sie erleichtert?⬆ nach oben⬆ nach oben⬆ nach oben
Schreibe uns deine Antwort gern per E-Mail an weird@krautreporter.de
Eure Antworten
Ich habe gefragt: Hast du eine Frage die du dir schon oft gestellt hast und die dich eher verunsichert, als dass sie dir weiterhilft?
Mia hat geantwortet:
Was ist, wenn ich das Falsche entscheide? Was ist die richtige Entscheidung?
In der Frage steckt die unbewusste Annahme, dass ich einen Fehler immer ohne Hilfe selbst auslöffeln oder mit ihm klarkommen muss. Die Frage setzt voraus, dass es „richtig“ und „falsch“ gibt. Und dass man nie Fehler machen darf, denn wenn etwas schiefgeht, trübt das alles, was gut gelaufen ist wie Tintentropfen im Badewasser. In dieser Frage steckt die Angst davor, dass ich nicht damit klarkommen werde, wenn etwas schiefgeht. Einen Fehler machen heißt, ich BIN fehlerhaft.