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Hi!
Es gibt ein Comeback in der Mode, das mich mit Entsetzen erfüllt. Die Low-Rise-Jeans. Eine Hose also, die theoretisch neckisch auf den Hüftknochen sitzt, in der Praxis aber knapp über dem Schambein hängt. Ich trug diese Hosen früher. Ich dachte, es sei normal, dass einem immer kalt ist am Bauch. Und dass man immer das Gefühl hat, man sei nicht dünn genug, weil Hüfthosen kein einziges Croissant verzeihen.
Spät, sehr spät erst habe ich die Freuden eines hohen Hosenbundes entdeckt. Daran kralle ich mich nun mit meinem ganzen Körper und meiner ganzen Seele fest, esse Croissants und tue so, als gäbe es die anderen Hosen nicht.
Staatschefs und Seidenstrümpfe⬆ nach oben
Ich wünsche mir stattdessen einen anderen Trend: High Heels für Männer. Diese Mode geht etwas weiter zurück als die 2000er, nämlich ungefähr ins Jahr 1670.
Ludwigs XIV. trug hohe Absätze und zwar mit roten Sohlen. Bis zu 15 Zentimeter hoch sollen seine Absätze gewesen sein. Und nur an seinem Hof in Versailles durften Männer sie tragen (aber keine höheren als der König, ist klar). Auf Gemälden wie diesem sieht man den König, wie er den riesigen Mantel kess beiseite schiebt, um seine schicken Seidenstrümpfe und Pumps zu zeigen.
Ludwig XIV. im Krönungsornat, Porträt von Hyacinthe Rigaud (1701; Musée du Louvre) | Quelle: Wikipedia)
Vom Stil her würde man diesen Look eher bei einer Braut auf Junggesellinnenabschied in Palma vermuten. Jedenfalls nicht bei einem mächtigen Staatschef. So ändern sich die Zeiten.
Schenkt Trump Pumps!⬆ nach oben
Sie können sich aber zumindest modisch wieder zurückändern, wie man bei den Hüftjeans sieht. Das wäre historisch gesehen gar nicht komisch. Schuhe mit Absatz waren schon lange vor dem Sonnenkönig Männersache. Persische Reitersoldaten nutzten sie angeblich, um stabiler im Sattel zu sitzen. Auf die Idee, hohe Schuhe seien typisch weiblich, kamen Menschen erst im 19. Jahrhundert. In der gleichen Zeit erfanden sie die Hausfrau und die romantische Liebe.
Also, warum nicht? Vielleicht könnte jemand dem US-Präsidenten sagen, welche mächtigen Männer vor ihm schon in schicken Pumps unterwegs waren. Modetrends hat er bisher noch nicht so viele gesetzt, das könnte ihn herausfordern. Bald schon würden bei Fotos von Gipfeltreffen unter allen Anzughosen von Politikern Absätze hervorblitzen. Und da man in hohen Schuhen nicht schnell laufen kann, bekämen sie vielleicht ein Gefühl dafür, wie der Rest von uns sich fühlt, wenn sie etwas beschließen, vor dem man nicht wegrennen kann.
FRAGE DER WOCHE
Bei welcher Frage wünschst du dir, dass sie dir jemand einmal stellen würde?⬆ nach oben⬆ nach oben⬆ nach oben
Schreibe uns deine Antwort gern per E-Mail an weird@krautreporter.de.
EURE ANTWORTEN
Silke hat gefragt: „Warst Du schon mal ausgebremst und hast dadurch etwas Gutes entdeckt, das Dir sonst entgangen wäre?“
Karen hat geantwortet:
Seit zweieinhalb Jahren habe ich eine dissoziative Bewegungsstörung, in deren Folge meine Beine zunächst komplett gelähmt waren. Der Gangbefehl wird einfach nicht umgesetzt oder quasi in eigenwilliger Weise, ohne dass ich das unter Kontrolle habe. Daher bin ich draußen immer auf einen Rollator angewiesen und brauche drei- bis viermal so lange wie früher für eine Strecke.
Da diese Bewegungsstörung auch dazu führte, dass ich die erste Zeit nach der Lähmung kaum stehen konnte, konnte ich nicht wie gewohnt meinen Teil der Hausarbeit erledigen. Alles musste meine Partnerin tun. Ich saß daneben und musste zuschauen. Da fiel mir auf, wie schwer es ist, der anderen etwas zu überlassen, was ich gerne tue und schnell kann.
Die Kontrolle abzugeben und zuzulassen, dass sie es anders macht, war ein wichtiger Schritt. Und beim Erledigen der Wäsche (die Maschine ist im Keller) darauf zu vertrauen, dass sie es erledigen wird – auch wenn es in einem anderen Zeitrahmen passiert, als ich es tun würde, war ein wichtiger Lernschritt.