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Hi!
Neulich habe ich euch gefragt: „Welche Spur, die das Älterwerden hinterlässt, findest du an anderen (oder an dir selbst) richtig schön? Und was erzählt sie über den Menschen?
Ich habe so schöne Zuschriften und Kommentare bekommen, dass ich sie nicht für mich behalten will. Deswegen ist dieser Newsletter ein bisschen anders als sonst. Statt selbst etwas zu erzählen, übergebe ich ihn an euch – hier eine Auswahl der schönsten Antworten, die ihr mir geschickt habt 🫶
Tanja schreibt:
Ich bin vor kurzem 50 geworden und möchte keinen Tag jünger geschätzt werden! Man respektiert mich, man hält mich für erfahren und wissend. Ich muss mich nicht mehr dauernd beweisen. Und wenn ich selbst nicht weiter weiß, hole ich mir auch am liebsten Rat von noch älteren Frauen. Jede von denen hat mehr Erfahrung, Ruhe und Gelassenheit als ich, ganz anders als meine jüngeren Freundinnen und Bekannten. Das, glaube ich, macht für mich die Schönheit des Alters aus. Dieses Geerdet-Sein. Die Tiefe. Wie uralte Felsen, auf die man getrost sein Haus bauen kann.
Klaudia schreibt:
Meine Mom wird im November bereits 91 Jahre alt. Sie ist mein Ankerpunkt und mein Hafen. Meine Mom hat ihrem Alter entsprechend Falten im Gesicht, die ich alle liebe. Besonders stolz ist sie auf ihren – ja, interessanterweise komplett faltenfreien Hals. „Dafür zahlen reiche Leute viel Geld“, sagt sie manchmal, wenn sie lächelnd in den Spiegel schaut. Was ich aber an Äußerlichkeiten am meisten an ihr liebe, abseits ihrer weißen Haare, sind ihre Hände UND die Altersflecken drauf.
Die Hände, die mir sanft über den Kopf gestrichen haben, mich getröstet haben, mich umarmt und mich mein ganzes Leben lang berührend begleitet haben. Zur Begrüßung gibt es bei uns deshalb immer auch ein Hand-Bussi auf die „Friedhofsblumen“, wie sie die Altersflecken auf ihren Händen scherzhaft-liebevoll nennt. Für mich sind diese Lentigo senilis kein Makel,sie verleihen ihren Händen eine stille Würde und geben ihnen den passenden Rahmen, der die Bedeutung und Geschichte von Mutterhänden sichtbar macht, in denen sich Fürsorge, Arbeit und gelebtes Leben eingeschrieben haben.
Wolfram schreibt:
Was ich besonders mag, sind Lachfalten. Sie entstehen ja in aller Regel nur in entspannten und schönen Momenten.
Mareike Schreibt:
Ich finde es toll, wenn sich Menschen nicht ewig die grauen Haare färben. Bei Männern sind graue Schläfen ja schon eher etabliert („George-Clooney-Sex-Appeal“), aber bei Frauen wird das meistens leider nicht so gesehen. Ich finde es persönlich nicht wirklich schön, wenn das graue oder weiße Haar bis ins hohe Alter gefärbt wird, weil das immer so künstlich aussieht. Das fand ich schon als kleines Kind bei meiner Oma nicht schön.
Da schwärmte ich eher für die Omas, die eine tolle weiße Haarpracht hatten. Man sollte das einfach mal positiv nehmen. Wenn mich jemand auf meine grauen Haare anspricht (ja, die habe ich, seit ich Mitte 30 bin …), sage ich immer: „Das sind keine grauen Haare, das sind Glitzereffekte!“
Frank schreibt
Mit dem Alter ist mein Selbstbewusstsein gewachsen. Die Haltung, dass ich mir und damit auch anderen nichts mehr beweisen muss, setzt sich immer mehr durch. Das gilt auch für den folgenden Satz von Lao Tse: „Wenn du dich sorgst, was andere von dir denken, wirst du immer ihr Gefangener sein.“ Das Wachsen dieser Erkenntnisse im Alter gefällt mir richtig gut.
Ich finde übrigens, das reicht noch lange nicht. Deswegen habe ich dieses Dokument erstellt. Wenn du eine Antwort hast, die du ergänzen möchtest, tu es gern!