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Hi!
Es gibt Tage im Winter, da verlasse ich meine Wohnung den ganzen Tag nicht. Zum Beispiel, wenn ich im Homeoffice arbeite und der Blick aus dem Fenster mich demotiviert. Draußen sind Matsch, Abgase und grauer Himmel.
Außerdem wohne ich im 5. Stock ohne Aufzug. Einmal kurz vor die Haustür treten bedeutet 204 Treppenstufen, die ich rauf- und runtersteige. Ist es ein Wunder, dass ich mir zweimal überlege, ob ich rauswill?
Trotzdem fühle ich mich an solchen Tagen auf diffuse Weise schuldig. Muss der Mensch nicht einmal am Tag der Welt begegnen? Frischluft, Tageslicht, Bewegung haben? Wobei: Möglicherweise tut es mir und der Welt ganz gut, wenn wir ab und zu eine Pause machen. Diese Beziehung kann nämlich ganz schön anstrengend sein.
Ich bleibe ja nicht drinnen, weil ich die Welt grundsätzlich meide, sondern weil wir uns sehr gut kennen. Ich weiß, wie sie riecht im Winter, wie sie sich anfühlt unter den Schuhsohlen. Manchmal finde ich sie laut, krass und ganz schön rücksichtlos. Dann tut es gut, ein bisschen Abstand zu haben.
Also schaue ich der Welt von hier oben freundlich zu. Betrachte die Menschen, die bei Glatteis über die Gehwege schlittern und drücke die Daumen, dass sie nicht hinfallen. Ernähre mich von Proteinriegeln und Kaffee, weil sonst nichts im Haus ist. Ab und zu mache ich die Fenster auf und lüfte kräftig. Das reicht mir an einem solchen Tag an Kontakt zur Außenwelt.
EURE ANTWORTEN
Silke hat gefragt: „Warst du schon mal ausgebremst und hast dadurch etwas Gutes entdeckt, das dir sonst entgangen wäre?“
Steffi hat geantwortet:
Aufgrund meiner chronischen Krankheit habe ich regelmäßig mehr oder weniger überraschend bzw. unvorhersehbar Schmerzen an allerlei Stellen des Körpers. Es macht mich langsam, ungelenk, ungeduldig, unzufrieden und meiner Umwelt gegenüber sehr ungenießbar.
Mit den Jahren hat mich diese Erfahrung jedoch auch gelehrt, Dankbarkeit zu empfinden. Ich registriere morgens, ob die Knie heute mitmachen und bedanke mich dafür. Ich freue mich daran, wenn meine Füße die Wanderung ohne Schmerzen überstanden haben.
Und ich genieße den Abend mit meiner Handarbeit in der Hand, wenn alle Finger tun, was sie sollen. Ich glaube durchaus, dass Krankheit dafür sorgen kann, das Leben intensiver und dankbarer zu erleben. Gleichzeitig ermöglicht mir mein eigenes Erleben Menschen mit Einschränkungen besser verstehen und mit ihnen empfinden zu können, was Verbindung schafft.
TEXT DER WOCHE⬆ nach oben
Meine Kollegin Esther hat lange damit gerungen, ob sie Mutter werden möchte. Sie hat konkrete Ratschläge für Menschen, die sich selbst nicht sicher sind.
FALKS BLICK AUF DIE WELT⬆ nach oben
Credit: Falk Louis