Der 47-jährige Israeli Nimrod Harel steht oft mit Plakaten auf der Straße, darauf stehen Sprüche wie: „Produziert keine neuen Lohnsklaven“, „es gibt keinen Planeten B – zum Glück, denn den würden wir auch zerstören“, oder „macht Liebe, keine Babys“. Sein Ziel: Menschen davon abzuhalten, Kinder zu bekommen.
Nimrod ist Antinatalist. So nennen sich Menschen, die das Kinderkriegen für unmoralisch halten. Denn Leben bedeutet in ihrer Weltsicht zwangsläufig Leid. Außerdem verletzt ihrer Ansicht nach jede Geburt das Recht auf Selbstbestimmung, denn niemand kann zustimmen, geboren zu werden.
Das klingt radikal – und ein bisschen bizarr. Denn selbst wenn Eltern ihre ungeborenen Kinder fragen wollten, ob sie Lust hätten, geboren zu werden, wäre das etwas schwierig. Aber die Frage, ob man heute noch guten Gewissens Kinder bekommen kann, stellen sich immer mehr Menschen. Vor einigen Wochen sagte mir eine Freundin: „Ich finde es einfach grundsätzlich dumm. Warum sollte man Menschen auf einen Planeten setzen, der in ein paar Jahrzehnten unbewohnbar sein wird?“
2024 sank die Geburtenrate in Deutschland auf durchschnittlich 1,35 Kinder pro Frau, der niedrigste Wert seit 1996. Gründe dafür sind nach Angaben des United Nations Population Fund unter anderem wirtschaftliche Unsicherheit und Sorgen über die politische und soziale Weltlage.
Auch viele Krautreporter-Leser:innen zweifeln daran, ob es sinnvoll ist, Kinder zu bekommen: „Ich fühle mich nicht so, als könnte ich es moralisch verantworten, meine eigenen Kinder irgendwann in so einer Welt alleine zu lassen“, schreibt Johanna in einer Umfrage, die ich unter Krautreporter-Mitgliedern durchgeführt habe. Ein anderes Mitglied schreibt: „Früher hätte ich gedacht, dass ich meinen zwei Kindern sagen würde, Kinder zu haben sei das Schönste auf der Welt. Inzwischen mache ich mir Vorwürfe, dass ich sie so sorglos in die Welt gesetzt habe. Ich rate ihnen heute eher davon ab.“
Finden also immer mehr Menschen es unethisch, Kinder zu bekommen?
Es ist nichts Neues, dass sich angesichts von Klimakrise, Kriegen und wirtschaftlicher Unsicherheit immer mehr Menschen fragen, ob ihre zukünftigen Kinder ein gutes Leben haben würden. Dabei fällt der Begriff Antinatalismus in Alltagsgesprächen selten. Kaum jemand weiß, was das ist. Und doch ähneln die antinatalistischen Argumente denen, auf die ich in meinem Umfeld und in der Krautreporter-Community gestoßen bin.
Wenn sich meine Freund:innen gegen Kinder entscheiden, weil die unter der Klimakrise leiden würden oder weil sie es egoistisch finden, spielen sie auf antinatalistische Argumente an, zum Beispiel Kinder nicht als Mittel zum Zweck zu sehen. Ein Krautreporter-Mitglied fragt sich: „Will ich den Kindern Leben schenken? Oder will ich mir Kinder schenken?“
Der Unterschied: Für viele hängt das Problem von aktuellen Krisen ab. Für überzeugte Antinatalist:innen ist es unabhängig von den Umständen immer falsch. Und diese Strömung sammelt überraschend viele Anhänger:innen hinter sich, online und auf der Straße.
Antinatalismus ist relevant – Hunderttausende beschäftigen sich damit⬆ nach oben
2019 versuchte ein indischer Antinatalist, seine Eltern zu verklagen, weil sie ihn ohne seine Einwilligung zur Welt gebracht hatten. Die Eltern (beide Anwälte) nahmen es mit Humor. Doch auch abseits von solchen kuriosen Meldungen tauschen sich täglich viele Menschen darüber aus, ob es vertretbar ist, Kinder zu bekommen.
Hauptsächlich sind die Antinatalist:innen im Internet aktiv. Der Subreddit r/antinatalism hat über 236.000 Mitglieder, 53.000 davon sind wöchentlich aktiv, es gibt mehr als 3.000 neue Beiträge pro Woche. Dort wird diskutiert, wie man antinatalistisch lebt und mit dem „Pronatalismus“ der Gesellschaft umgeht. Memes und Beispiele antinatalistischer Haltungen aus Büchern, Filmen oder Comedy-Sketchen werden geteilt. Es gibt auch eine deutsche Schwesterseite (r/antinatalismus) mit etwa 550 Mitgliedern.
Auf Nimrod’s Website Dontprocreate.org (auf Deutsch: Pflanze dich nicht fort) führt der Aktivist Argumente für Antinatalismus auf und widerlegt „pronatalistische Ausreden“. Auf der Homepage steht: „Statt uns fortzupflanzen, sollten wir alle verfügbaren Ressourcen darauf verwenden, unsere Probleme zu lösen.“
Puh, klingt das alles absurd.
Lawrence Anton, ein 28-jähriger Brite, hätte das vor etwa acht Jahren wohl auch gedacht. Heute ist er selbst überzeugter Antinatalist. Sein Weg dorthin begann bei einer Tierschutzdemo in Schweden, wo er zufällig ein Gespräch über Antinatalismus mitbekam. Monate später recherchierte er selbst zu dem Thema und fand die Argumente der Antinatalist:innen überzeugend.
Auf seinem Youtube-Kanal mit rund 8.000 Abonnent:innen führt Lawrence Interviews, debattiert auf der Straße und widerlegt Argumente für die Fortpflanzung. Er erzählt zum Beispiel, warum er findet, dass Antinatalist:innen trotz ihrer Überzeugung auch Geburtstage feiern können. (Fazit: Ein Boykott wäre unnötig seltsam. Man muss es ja nicht übertreiben.) Seine Videos haben zwischen 1.000 und 22.000 Klicks. In seinem Podcast „Antinatalism around the World“ spricht er mit Anhänger:innen aus aller Welt: Kenia, Aserbaidschan, Neuseeland, Iran, Somalia. Einmal kontaktierte ihn sogar jemand aus der Antarktis.
Lawrence erzählt mir, dass er sich mit 23 sterilisieren ließ: „Das ist einfacher. Man muss sich um keine Verhütung mehr kümmern.“ Er findet: „Das fühlende Leben ist eine Büchse der Pandora, die sich nicht mehr schließen lässt.“
Ähm, okay. Klingt irgendwie immer noch nach der Weltanschauung depressiver Männer, die sich ihrem Pessimismus in den dunklen Ecken von Reddit hingeben. Aber nein: Es gibt viele Wege zum Antinatalismus.
Wie wird man zum Antinatalisten?⬆ nach oben
Nimrod ist schon lange überzeugt. Mit 17 Jahren geriet er am Jom Kippur, dem heiligsten Tag im jüdischen Kalender, in eine existenzielle Krise. Als er sich hinsetzte und zur Besinnung kommen sollte, war sein erster Gedanke: „Es gibt gar keinen Gott. Meine Existenz beruht allein auf der Entscheidung meiner Eltern, ein Kind zu bekommen. Jetzt muss ich aber damit leben. Das ist doch falsch.“
Ohne das Wort dafür zu kennen, wurde Nimrod an diesem Tag zum Antinatalisten. Er überlegte verzweifelt, wie er noch Sinn im Leben finden könnte. Ein Zitat von Jackie Robinson, dem ersten Schwarzen Profi-Baseballspieler der Major League, beeinflusste ihn stark: „Der Wert eines Lebens bemisst sich an seinem Einfluss auf andere Leben.“ Nimrod beschloss, sein Leben daran auszurichten, das Leben anderer besser zu machen. Ihr Leiden zu lindern.
Heute ist Nimrod einer der sichtbarsten Aktivisten der antinatalistischen Szene. Nachts arbeitet er als Nachtwächter in einem Bürogebäude, am Tag unseres Gesprächs hat er gerade mal zwei Stunden geschlafen. Dafür hat er aber viel Zeit zum Lesen und um an seiner Website und seinen Youtube-Videos zu arbeiten.
Tagsüber steht er oft mit Plakaten draußen, spricht Passant:innen an und versucht, sie vom Kinderkriegen abzubringen. Viele finden seine Position provokant, aber in etwa drei von hundert Gesprächen überzeugt er jemanden, sich gegen Kinder zu entscheiden, sagt er. Sein Plakat, auf dem „Oral und anal ist ökologischer“ steht, kommt auf Pride-Paraden besonders gut an. „Der einzige Ort, an dem wir beliebt sind“, sagt Nimrod und lacht.
2024 tourte er durch 30 europäische Städte, um Menschen zum Zweifeln über das Kinderkriegen anzustoßen. Eines der erfolgreichsten Events war auf der Oranienburger Straße in Berlin, einer Gegend, wo viele unterwegs sind, rumhängen, ausgehen. Die Stimmung war gut. Eigentlich wollten er und sechs andere Aktivist:innen um 20.30 Uhr Schluss machen, aber nach ein Uhr morgens standen sie immer noch da und diskutierten, weil das Interesse so groß war. Nimrod grinst, als er davon erzählt: „Es war unglaublich! Die Berliner:innen sind sehr aufgeschlossen und offen.“
Lawrence und Nimrod sagen beide, sie hätten bis jetzt ein gutes Leben gehabt, wären nie depressiv gewesen und verstünden sich gut mit ihren Familien. Zynisch oder desillusioniert wirken die beiden in unseren Gesprächen nicht. „Antinatalismus wird oft pathologisiert“, sagt Lawrence. „Natürlich gibt es welche, die depressiv sind.“ Aber Depressionen kämen schließlich auch bei Menschen vor, die keine Antinatalist:innen sind. Antinatalismus entsteht, so Lawrence, vielmehr aus dem Wunsch, anderen keinen Schaden zuzufügen.
Diese Überzeugung mag ungewöhnlich sein, ihre Wurzeln reichen aber weit zurück.
Das sind die historischen und philosophischen Ursprünge der Bewegung⬆ nach oben
Die Skepsis gegenüber der Fortpflanzung ist uralt: Schon der griechische Dichter Sophokles schrieb um 400 v. Chr. im „Ödipus auf Kolonos“: „Nicht geboren zu werden ist weit das Beste.“ Im „Kohelet“, einem Buch der hebräischen Bibel, steht: „Besser als beide [Leben und Tod] ist, wer noch nicht geboren ist.“
Auch frühe Religionen wie der Buddhismus oder das frühe Christentum standen dem Kinderkriegen skeptisch gegenüber. Die Abkehr von weltlichen Bindungen galt als Ideal, inklusive des Verzichts auf Fortpflanzung. Diese strengen Regeln ließen sich für die meisten Menschen im Alltag jedoch kaum leben. Mit der Zeit wurde den Gläubigen das Kinderkriegen erlaubt, während Priester oder Mönche weiterhin zölibatär lebten.
Seinen philosophischen Kern bekam der moderne Antinatalismus erst 2006, Jahre nach Nimrods erkenntnisreichem Jom Kippur. In diesem Jahr veröffentlichte der südafrikanische Philosoph David Benatar sein Buch „Besser nie gewesen sein“ und entwickelte darin sein Asymmetrie-Argument gegen die Fortpflanzung.
Kurz gesagt lautet es: Leiden ist schlecht, es zu vermeiden hingegen gut. Freude ist zwar auch gut, ihre Abwesenheit aber nur neutral. Wird jemand nicht geboren, wird Leid vermieden (das ist gut). Aber dass diese Person keine Freude erlebt, ist kein Schaden, weil diese Person nicht existiert, um das zu vermissen. Lawrence erklärt es mir so: „Es gibt keine Geisterföten, die darauf warten, geboren zu werden. Du und ich haben vor hundert Jahren auch nicht existiert, und das war uns völlig egal.“
Diese Argumente basieren auf der Annahme, dass Schmerz schwerer wiegt als Freude.
„Es gibt so etwas wie chronischen Schmerz, aber keinen chronischen Genuss“, erzählt Benatar dem New Yorker. Auch Théophile de Giraud, Autor des Buchs „Die Kunst, Fortpflanzer zu guillotinieren“ (dieses Buch heißt wirklich so), argumentiert folgendermaßen: „Vergleichen Sie eine Migräne mit einem Orgasmus.“ Seiner Ansicht nach würde niemand fünf Minuten des schlimmsten Schmerzes für fünf Minuten der größten Freude in Kauf nehmen. „Es ist viel schwieriger, glücklich zu werden, als unglücklich zu sein“, sagt de Giraud der Zeit. Besser also, nie gewesen zu sein.
Das sind die Kritikpunkte an der antinatalistischen Einstellung⬆ nach oben
In meiner Umfrage unter Krautreporter-Mitgliedern konnten viele den grundlegenden Zweifel der Antinatalist:innen gegen das Kinderkriegen in gewisser Weise nachvollziehen. 78 Prozent gaben an, dass die Weltlage ihre eigene Einstellung zum Kinderkriegen beeinflusst. 28 Prozent haben sich deswegen gegen Kinder entschieden, 36 Prozent sind sich unsicher.
Einige sehen in dieser moralischen Überlegung ein gesellschaftliches Problem. Ein Mitglied fragt sich, was passiert, „wenn gerade die Leute, die sich über die Verbesserung der Welt Gedanken machen, keine Kinder bekommen?“ Müssten „wir“ dann nicht gerade mehr Kinder bekommen, die für Demokratie, Umwelt und Gerechtigkeit kämpfen? „Eben jene Kinder, erzogen mit einem Bewusstsein für die Zustände der Welt, könnten diejenigen sein, die die Welt verändern“, schreibt ein Leser.
Nimrod nimmt diese Fragen ernst, auch, weil er in Israel lebt: „Hier bekommen liberalere Menschen weniger Kinder, religiöse und ideologisch extremere Gruppen mehr.“ Aber für die Lösung gesellschaftlicher Probleme brauche es andere Werkzeuge: Feminismus, Säkularisierung, Aufklärung, soziale Gerechtigkeit. „Die Lösung kann nicht darin bestehen, Demografien durch das Kinderkriegen ‚zu reparieren“, sagt er. „Menschen dürfen nicht als Mittel zum Zweck benutzt werden.“
Viele Kritiker:innen beziehen sich auch auf das Argument, dass ein allmähliches Aussterben der Menschheit reale Probleme verursachen würde: bröckelnde Infrastruktur, Ressourcenknappheit, sozialer Verfall. Also Probleme, die viele Gesellschaften aufgrund sinkender Geburtenraten ohnehin schon haben, auch Deutschland. Würde die Menschheit komplett aussterben, dann würden die letzten Generationen besonders stark leiden, insbesondere ohnehin schon marginalisierte Gruppen und das nur, um nichtexistierende Menschen vor Leid zu schützen? Das scheint nicht durchdacht.
Lawrence räumt ein: „Das sind berechtigte Sorgen.“ Sie rechtfertigten aber nicht, neuen Menschen erhebliches Leid aufzuerlegen. Außerdem gebe es eh schon eine sinkende Geburtenrate. „Ob wir das nun gut finden oder nicht, müssen wir uns mit solchen Problemen befassen“, sagt er.
Links vs. Rechts: Wo Anti- und Pro-Natalismus verbreitet sind⬆ nach oben
Pronatalistische Politik findet sich häufig rechts: In den USA verschärfen viele Bundesstaaten Abtreibungsgesetze, das Weiße Haus fordert eine „Mutterschaftsmedaille“ für Frauen mit mehr als sechs Kindern. In Russland ist es inzwischen illegal, öffentlich für kinderfreie Lebensentwürfe zu werben. In Deutschland will die AfD Abtreibungen weitgehend verbieten.
Umgekehrt findet sich eine Art bevölkerungspolitischer Antinatalismus oft unter Linken, die ablehnen, mehr Menschen in eine Welt zu bringen, die von Klimakrise, Kriegen und Ungerechtigkeiten geprägt ist. Für viele geht es auch darum, dass der Staat sich aus Fragen der Fortpflanzung heraushält. In vielen Ländern ist es jungen Frauen praktisch unmöglich, sich sterilisieren zu lassen. Auch in Deutschland verweigern viele Ärzt:innen den Eingriff aus Sorge vor späterem Bedauern.
Vor allem das Klima treibt viele dazu, sich das Kinderkriegen zweimal zu überlegen. 78 Prozent der Krautreporter-Leser:innen nannten in meiner Umfrage die Klimakrise als wichtigste Sorge, die bei der Entscheidung, Kinder zu bekommen, eine Rolle spielt. In einer repräsentativen Umfrage der Universität Bath von 2021 gaben drei Viertel der befragten jungen Menschen an, Zukunftsängste im Zusammenhang mit der Klimakrise zu haben. Fast die Hälfte zögerte deshalb, eigene Kinder zu bekommen. Auch unter kinderfreien Aktivist:innen gelten Kinder unter anderem als „Klimakiller Nummer eins“. Ein Krautreporter-Mitglied schreibt mir: „Das beste Mittel, den CO₂-Fußabdruck zu verringern, ist, kein zusätzliches Paar Füße zu generieren.“
Manche Antinatalist:innen sehen im Pronatalismus auch ein Mittel, Menschen gefügiger zu machen. Die Verweigerung, Kinder zu bekommen, wird als antikapitalistische Ablehnung dessen verstanden. Der Blogger Antonio Melonio argumentiert, Kinder zu bekommen, sei „das Ende radikaler Haltung“. Wer Verantwortung für ein anderes Lebewesen trägt, protestiere seltener, riskiere weniger und passe sich schneller an. „Es ist sehr schwer zu randalieren oder Polizeiautos anzuzünden, wenn man Familien zu ernähren und Hypotheken abzuzahlen hat“, schreibt Melonio.
Eine kinderfreie Bewegung gibt es im Feminismus schon lange. Dabei geht es weniger um Weltuntergangsszenarien oder Moral, sondern darum, dass Frauen zunehmend überhaupt die Freiheit haben, sich bewusst gegen Kinder zu entscheiden.
Trotzdem leben⬆ nach oben
Je länger ich mich mit diesem Thema beschäftige, desto mehr verstehe ich Nimrods Existenzkrise an Jom Kippur. Lohnt das Leben überhaupt?
Die Anmerkungen vieler Krautreporter-Mitglieder holen mich zurück. David schreibt: „Ich habe trotz aktueller Weltlage ein positives Menschenbild. Mein Vater machte sich vor meiner Geburt auch schon Sorgen, ob die Welt noch lebenswert für uns sein würde. Letztlich fiel mein Leben bisher in eine der friedlichsten und wohlhabendsten Zeiten in Deutschland.“
Andere sehen darin eine Frage der Verantwortung. Ioanna schreibt: „Wenn man meint, dass es für nachfolgende Generationen sehr schwer wird, dann sollte man sich dafür einsetzen, dass genau dies nicht passiert, anstatt sich moralisch über potenzielle Eltern zu erheben.“
Nach meinem Streifzug in die Welt der Antinatalist:innen denke ich: Vielleicht gibt es, zumindest auf individueller Ebene, tatsächlich keinen moralisch vertretbaren Grund, Kinder zu bekommen. Genauso wenig, wie man im Leben einen Sinn findet, wenn man zu lange darüber nachdenkt. Die allermeisten von uns leben aber trotzdem weiter. Ohne eine Begründung dafür zu haben und obwohl man vielen Risiken ausgesetzt ist. Wer entscheidet schon, wann Schmerz zu viel und Freude genug ist?
Für unsere Gehirne ist es wahrscheinlich besser, nicht alles bis zum Abgrund zu rationalisieren. Manches fühlt man einfach und fertig.
Nächsten Sommer zieht Nimrod wieder mit seinen Plakaten durch Deutschland. Und die Geisterföten? Die warten weiter. Aber zum Glück haben sie ja nichts Besseres vor.
Vielen Dank an alle KR-Mitglieder, die an meiner Umfrage teilgenommen haben!
Redaktion: Isolde Ruhdorfer, Schlussredaktion: Susan Mücke, Bildredaktion: Gabriel Schäfer