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Hi,
mein Hund hat Angst vorm Tierarzt. Blöderweise müssen wir jeden Morgen an der Tierarzt-Praxis vorbei, um ins Büro zu kommen. Dagegen protestiert mein Tier jeden Tag, indem es sich auf den Bürgersteig setzt und keinen Meter weitergehen will.
Ich bilde mir ein, dass der Hund damit einen Satz verkörpert, den ich aus einer Geschichte des Moby-Dick-Autors Herman Melville kenne. In Bartleby, der Schreiber erzählt Melville von einem Rechtsanwaltsgehilfen, der irgendwann beschließt, nicht mehr mitzumachen: nichts mehr zu kopieren, nichts mehr aufzuschreiben, nicht mehr ans Telefon zu gehen. Sein Verweigern begründet er mit dem Satz: „Ich möchte lieber nicht.“
An diesen Satz muss ich jeden Morgen denken, wenn ich meinem Hund bei seiner Sitzblockade zusehe: „Ich möchte lieber nicht … dem Tierarzt zu nahe kommen.“ Das finde ich total nachvollziehbar. Aber es ist auch ein Problem: Das Verhalten meines besten Freundes hält mich enorm auf.
Ich finde, mein Hund ist sehr fotogen. Meine Mutter sagt zwar, er sei hässlich, aber das stimmt natürlich nicht. | privat
Wie mit Verweigerung umgehen?⬆ nach oben
Wenn ich es eilig habe, erwarte ich von meinem Hund, dass er seine Angst vorm Tierarzt ignoriert, damit ich mich nicht verspäte. Dann unterstelle ich ihm, dass er diese blöde Sitzerei nur macht, um an ein Extra-Leckerli zu kommen. Es ist inzwischen zu einem Ritual geworden: „Ich möchte lieber nicht … es sei denn, es lohnt sich für mich.“
Ähnlich wie der Arbeitgeber in Melvilles Novelle nicht recht weiß, wie er mit der Verweigerungshaltung seines Angestellten umgehen soll, fällt auch mir nicht viel ein. Meistens hilft zwar Bestechung, weil ein Leckerli einfach ein guter Grund ist, sich zu bewegen. Aber ich weiß genau: Morgen wird der Hund wieder auf dem Bürgersteig sitzen, an derselben Stelle, und ich werde es nicht verhindern können.
Muss man alles mögen, was man soll?⬆ nach oben
Dieses kleine Beispiel aus meinem Alltag als Tierhalterin führt zu einer Frage, die mir sehr philosophisch vorkommt: Darf man etwas nicht mögen wollen? Unsere Welt ist schließlich voll von Dingen, die wir wollen sollen: erfolgreich sein, glücklich werden, viel Geld verdienen. Immer weiter gehen, auch wenn man an einer Stelle vorbei muss, die unheimlich ist.
Vielleicht setze ich mich morgen einfach mal zu meinem Hund auf den Bürgersteig, um ihm zu zeigen, dass ich verstehe, was er mir sagen will.
Frage der Woche
Hast du schon mal gesagt: „Ich möchte lieber nicht!“?⬆ nach oben⬆ nach oben⬆ nach oben
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Eure Antworten
Theresa hat gefragt: Was war ein Moment, in dem du dachtest: „Ich wünsche, ich hätte das schon viel früher gemacht?“
Laura hat geantwortet:
Das Hinterfragen von “Schließ mal die Augen und stell’ dir vor, …”.
Erst mit circa 30 habe ich herausgefunden, dass ich Aphantasie habe und solche Sätze deshalb nie mehr als Verwirrung bei mir ausgelöst haben. Es ist gut, wenn etwas plötzlich Sinn ergibt.
Aus meiner Perspektive ist es aber ganz schön weird, dass die meisten Menschen in ihrer Vorstellung echt etwas “sehen” können. Manchmal macht es mich auch traurig, dass mir diese Welt verborgen bleibt und ich mir nicht mal meine liebsten Menschen oder Erinnerungen bildlich vor Augen bringen kann. Naja, die langsam einsetzende Forschung zum Thema sagt, es hätte auch Vorteile.