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Hi!
Ich bin jetzt in einem Alter, in dem mir Leute am Geburtstag gerne sagen, dass ich jünger aussehe, als ich bin (ich bin 45). Ich weiß, das ist freundlich gemeint. Aber ich finde, das ist ein schlechtes Kompliment. Vielleicht sogar eine versteckte Beleidigung. Es unterstellt nämlich, dass gutes Aussehen bedeutet, jung zu wirken.
„Messerscharf kombiniert, Sherlock“, könnte man mir jetzt sagen. Natürlich finden Menschen glatte Gesichter allgemein schöner als solche mit Furchen. Auch mir gefällt die porenfreie Haut eines Babys besser als die von, sagen wir, Dick Van Dyke, der 1964 mit Pinguinen im Mary-Poppins-Film tanzte und letztes Jahr 100 wurde. Aber ich finde es bescheuert, dass man den größten Teil seines Lebens nicht so alt aussehen soll, wie man ist. Mit 17 will niemand hören, dass er wie 12 aussieht. Dann gibt es eine kurze Phase, in der es gut ist, genau so alt auszusehen, wie man tatsächlich ist. Und ab etwa 35 soll man wieder jünger aussehen.
Verzeihung, aber das ist doch komplett absurd. Menschen leben in Deutschland durchschnittlich um die 80 Jahre. Und nur in einem Fenster von vielleicht zehn Jahren, so um die 20, passt das eigene Gesicht zufällig zum Ideal. Für den Rest des Lebens gilt man entweder als zu jung oder als zu alt.
Noch absurder ist, dass man es heutzutage sogar hinkriegen kann, jahrzehntelang wie Mitte zwanzig zu wirken. Man braucht nur extrem viel Geld für regelmäßige Behandlungen mit Lachssperma und Deep-Plane-Facelifts. Vielleicht hat „Du siehst jünger aus“ also bald ausgedient. Und stattdessen sagt man: „Du siehst reich aus.“
Ich hoffe, so weit kommt es nicht. Lieber wünsche ich mir einen TikTok-Trend für Krähenfüße. Niemand redet darüber, wie hübsch die sind! Ich finde, das muss sich ändern.
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Illustration: Falk Louis