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Hi!
Manchmal fühle ich mich wie ein kleines Kind, obwohl ich alles andere als das bin. Schließlich sind meine eigenen Kinder schon volljährig und wenn ich Anti-Falten-Creme benutzen würde, wäre niemand überrascht.
Trotzdem werde ich zuweilen innerlich ganz klein. Dieses Gefühl kann entstehen, wenn mich jemand zu belehren versucht. Wie neulich, als ich im Supermarkt das Mehl nicht finden konnte und die Angestellte meinte, das sei da, wo es immer steht: bei den Backwaren. Aha. Wieso frage ich eigentlich?
Oder wenn mir für ein Problem nicht sofort eine Lösung einfällt. Dann versuche ich wenigstens schlau zu gucken, fühle mich aber voll durchschaut. Als ob alle sehen können, dass ich in Wirklichkeit gerade erst vier Jahre alt bin.
Ich bilde mir ein, immer Rat wissen zu müssen⬆ nach oben
Ich fühle mich vor allem dann der Sache nicht gewachsen, wenn es um die Schwierigkeiten von anderen geht, zum Beispiel um die einer Freundin. Aus irgendeinem Grund, den ich noch nicht ganz verstehe, denke ich schnell, dass es entscheidend ist, immer zu wissen, was am besten zu tun ist. Doch wenn ich mich so klein fühle, bin ich davon weit entfernt.
Dabei ist mir total klar, dass es für viele Probleme sowieso keine guten und vor allem keine schnellen Lösungen gibt. Ganz objektiv nicht. Die Sache ist ja oft sehr verfahren, zum Beispiel beim Klimaproblem oder in der Liebe.
Dass irgendjemand die beste Lösung für die zunehmende Erderhitzung aus der Tasche ziehen kann, glaubt sowieso kein Mensch. Und wenn sich meine Freundin mal wieder über etwas ärgert, das ihr Mann gesagt oder getan hat, will sie wahrscheinlich auch gar nicht hören, was ich für die richtige Reaktion darauf halte. Dann würde sie sich womöglich ähnlich belehrt fühlen wie ich mich neulich im Supermarkt.
Ich versuche, schlau zu gucken⬆ nach oben
Also sage ich in solchen Situationen lieber nichts, höre zu und versuche dabei schlau zu gucken. Aber insgeheim bin ich mir sicher, gerade die nutzloseste Freundin unter der Sonne zu sein. So klein fühle ich mich dann.
Dabei könnte es doch auch sehr schön sein, sich wie ein Kind zu fühlen: Sich morgens auf den Tag freuen als sei gerade Urlaub, offen für neue Erfahrungen sein und eine Route nach Hause nehmen, die man noch nicht kennt oder einfach ohne Plan und Ziel in den Tag hineinleben. So wie früher. Ohne Angst, Fehler zu machen oder etwas Dummes zu sagen.
Wie wäre es wohl, wenn ich mit so einem inneren Gefühl meiner Freundin zuhören würde? Wie lange würde es wohl dauern, bis wir uns vor Lachen die Bäuche halten, weil wir uns gerade einen lustigen Streich für ihren Mann ausgedacht haben?
EURE ANTWORTEN
Neulich habe ich euch gefragt: „Welche Beziehung hast du zur Natur und wie pflegst du sie?“
Kirsi hat geantwortet:
Das hat mich an „Rewilding“ erinnert und dass wir heutzutage in unserer Umgebung tatsächlich einen „Aufwand“ betreiben müssen, um Zeit und Raum für Naturerlebnisse zu haben. Das ist so so so so verrückt!
Ich würde sogar so weit gehen, dass die Natur bzw. der Aufenthalt darin mir das Leben, zumindest aber meine psychische Gesundheit gerettet hat.
An einem sehr, sehr schwierigen Punkt in meinem Leben habe ich mir einen Hund angelacht und bin an den Stadtrand gezogen. Natur wurde (wieder) zu meiner wichtigsten und einzigen Ressource, vor allem auch, da das soziale Netzwerk für mich damals nicht mehr zugänglich war. Das ist bei mir alles intuitiv geschehen und ohne Konzept oder Plan, dafür bin ich wahnsinnig dankbar!
FALKS BLICK AUF DIE WELT⬆ nach oben
Illustration: Falk Louis