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Hi!
Vor Kurzem las ich eine Überschrift, die in etwa so klang: „Immer mehr Menschen fürchten sich vor der Natur.“ Das hat mich zuerst sehr überrascht, weil Natur für mich ein Ort ist, an dem ich mich erhole. Ich kann mich dort frei bewegen, lange Spaziergänge machen, mit dem Hund flitzen, frischen Wind um die Nase wehen lassen. Ich dachte im ersten Moment nur an die Natur, in der ich mich selbstbestimmt aufhalte – zu Zeiten, die mir passen, an Orten, die mir gefallen.
Viele wissenschaftliche Untersuchungen bestätigen, was ich fühle, wenn ich draußen bin: Natur ist gut für die Seele. Wer von grünen Blättern und Vogelzwitschern umgeben ist, bei dem sinken Stresshormone im Blut. Und es gibt Studien, die nahelegen, dass Grünanlagen sogar molekularbiologische Spuren in den Zellen hinterlassen, die wie ein Jungbrunnen wirken: Diese Veränderungen regulieren Gene, die fürs Altern zuständig sind. Man kann sich das so vorstellen, als ob die Natur an der biologischen Uhr dreht und sie verlangsamt.
Als ich im Artikel weiterlas, lernte ich, dass meine Beziehung zur Natur einen wissenschaftlichen Namen hat: Biophilie. So nennt sich die angeborene Verbundenheit mit Pflanzen, Tieren und allem, was draußen passiert. Doch die Beziehung zwischen Mensch und Natur hat auch eine Schattenseite. Sie nennt sich Biophobie und zeigt: Natur kann auch negative Gefühle auslösen.
Diese Gefühle entstehen durch das Zusammenspiel von äußeren und inneren Faktoren, zeigt eine Analyse aus Schweden. Wenn du mitten in der Stadt lebst, umgeben von Hoch- und Parkhäusern, Straßen und grell blinkender Reklame, hast du kaum Chancen auf ungefilterte Naturerlebnisse. Du kommst vielleicht nur auf einem Bildschirm mit ihr in Kontakt und alles, was ich oben gesagt habe, erlebst du womöglich nur, wenn du im Urlaub bist. Vielleicht auch noch seltener.
Manchmal habe ich Angst, wenn ich in der Natur bin⬆ nach oben
Trifft diese Umgebung auf einen Menschen, der eher ängstlich veranlagt ist, gesundheitlich belastet oder vielleicht schon mal eine schlechte Naturerfahrung gemacht hat, zum Beispiel eine Flut erlebt oder sich im Wald verlaufen hat, kann daraus ein Überforderungsgefühl entstehen. Dann erleben Menschen Natur vor allem als etwas Unberechenbares. Und manchmal entsteht daraus eine Furcht vor dem Wald oder starker Ekel vor Kriechtieren – ein Bild reicht.
Kinder können Biophobie lernen, wenn ihnen ihr Umfeld keine positiven Naturerlebnisse ermöglicht. Da wir Menschen Situationen meiden, die uns unangenehm sind, verstärkt sich die Abneigung immer weiter, je weniger Kontakt wir zum lebendigen Grün haben.
Ich wohne nicht in einer Großstadt und bin auf dem Land groß geworden. Grün gehört zu meinem Leben. Trotzdem habe ich manchmal Angst, wenn ich in der Natur bin: wenn es dunkel wird, ein starkes Gewitter aufzieht oder wenn ich in den Bergen wandere. Und wenn ich an die Folgen der menschengemachten Erderhitzung denke, entsteht oft eine Art von Furcht, die mir neu ist. Dann erscheint mir Natur vor allem eine unberechenbare Macht zu sein, der ich ausgeliefert bin.
Mir ist durch den Text über Biophobie klar geworden, dass Naturliebe Pflege braucht. Diejenigen, die so wie ich, viel Wald vor der Nase haben, unterschätzen vielleicht manchmal, wie sehr das Schöne-Gefühle-im-Grünen-pflücken ihr Leben bereichert. Und diejenigen, die viel Aufwand dafür betreiben müssen, verdrängen vielleicht manchmal, was ihnen entgeht – vor allem, wenn ihnen das letzte Outdoor-Erlebnis in schlechter Erinnerung ist.
FRAGE DER WOCHE
Welche Beziehung hast du zur Natur und wie pflegst du sie?⬆ nach oben⬆ nach oben⬆ nach oben
Schreibe uns deine Antwort gern per E-Mail an weird@krautreporter.de.
EURE ANTWORTEN
Rebecca hat gefragt: “Bist du arm aufgewachsen? Welche Handlungen von Menschen in deinem Umfeld haben dir geholfen?”
Simone hat geantwortet:
Mir hat glaube Ich am meisten geholfen dass es Menschen gab, die an mich geglaubt haben und daran dass ich viel erreichen kann. Es stand für mich außer Frage dass ich aufs Gymnasium gehen und studieren will. Hat auch alles geklappt. Allerdings: an innerer Sicherheit und Entspanntheit hapert es immer noch.
FALKS BLICK AUF DIE WELT⬆ nach oben
Falk Louis