Foto einer Skulptur, die sich mit der Hand vor die Stirn fasst. Daneben Fotos einer Rakete, einen Handys und eines Panzers.

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Politik und Macht

Schon die alten Griechen und Römer waren politikverdrossen – das war ihr Umgang

Die Menschen hatten vor 2.000 Jahren schon die gleichen Probleme wie wir: Lügende Politiker, Stress und Frust, weil man so wenig verändern kann. Eine Lösung (damals wie heute): Humor.

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Du hast es einfach satt, wie die Dinge in der Welt gerade laufen? Ganz egal, welche politische Einstellung du hast: Was du fühlst, ist eine Emotion, die Menschen seit Jahrtausenden kennen.

Vielleicht fühlst du dich hilflos. Vielleicht geht es dir wie der Figur in dem Stück „Die Brüder“ des Dichters Terenz aus dem Jahr 160 v. Chr., die es folgendermaßen formuliert:

Wir sind von so vielen Dingen umgeben, aus denen es kein Entkommen gibt: Gewalt, Armut, Ungerechtigkeit, Einsamkeit, Schande. Was für ein Zeitalter, in dem wir leben!

Was also tun? Wie wir gleich sehen werden, hatten die Menschen in der Antike andere Vorstellungen davon, wie man sich in dieser Situation verhält.

Eine beliebte Meinung war, sich einfach zurückzuziehen von der Welt oder es zumindest zu versuchen. Man solle sich nicht gesellschaftlich beteiligen und die Gesellschaft ganz allgemein meiden. Eine weniger gängige Meinung war es, selbst zu versuchen, die Dinge in der Welt in Ordnung zu bringen; einer gegen alle Übel der Welt.

Heraklits Rückzug⬆ nach oben

Heraklit von Ephesus (ca. 540 bis 480 v. Chr.) ist einer der griechischen Philosophen, die dafür bekannt sind, dass sie von den Angelegenheiten der Welt ernüchtert waren.

Ein Mann mit Bart stützt den Kopf auf die Hand und schaut traurig.

Heraklit war ziemlich mies drauf, wie auch auf dem Gemälde „Heraclitus“ des Malers Abraham Janssen zu sehen ist. | Wikimedia Commons

Am meisten ärgerte sich Heraklit über die Politik. Er kritisierte die Überheblichkeit und Dummheit von Politikern sowie die Gesetze, die sie machten. Aber er fand auch die Bürger dumm, weil sie ihre Gesetze und Verfassung seiner Meinung nach nicht genug verteidigten: „Das Volk“, sagte er, „muss das Gesetz ebenso hart verteidigen wie die Stadtmauern.“

Als sein Freund Hermodorus aus Ephesus verbannt wurde, warf Heraklit der Stadt vor, törichte Männer auf ein Podest zu stellen und gute Männer zu vernichten. Wie der Historiker Diogenes Laertius festgehalten hat, sagte er den Führern von Ephesus, dass sie so unfähig seien, dass sie sich umbringen sollten:

Die Epheser täten gut daran, ihr Leben zu beenden, jeder erwachsene Mann von ihnen, und die Stadt bartlosen Knaben zu überlassen, weil sie Hermodoros, den würdigsten Mann unter ihnen, mit den Worten vertrieben haben: „Unter uns soll keiner der Würdigste sein; und wenn es doch einen gibt, dann soll er anderswo hingehen und mit anderen verkehren.“

Als die Einwohner von Ephesos fragten, warum ein kluger Mann wie Heraklit sich aus der Politik heraushalte und lieber mit Kindern Geschicklichkeits- und Würfelspiele spiele, soll er geantwortet haben, dass das öffentliche Leben der Zeit eines intelligenten Mannes nicht mehr würdig sei:

Wundert ihr euch? Ist das nicht besser, als an eurem öffentlichen Leben teilzunehmen?

Irgendwann war es Heraklit einfach zu viel. Wie Diogenes Laertius weiter berichtet, wurde Heraklit zum Menschenfeind. Er begann, durch die Berge zu wandern und sich von Gras und Kräutern zu ernähren. Als er davon Ödeme bekam, ging er zurück in die Stadt und stellte den Ärzten das Rätsel, ob sie in der Lage seien, „nach starkem Regen eine Dürre herbeizuführen“. Danach versuchte er, sich selbst zu heilen, indem er sich in einem Kuhstall in Mist eingrub.

Als er so zurückgezogen in den Bergen fernab der Gesellschaft lebte, verschlechterte sich Heraklits Gesundheit rasch. Er starb bald darauf im Alter von 60 Jahren.

Sertorius’ Traum, allem zu entfliehen⬆ nach oben

Quintus Sertorius (123 bis 72 v. Chr.) war ein römischer Staatsmann, der bekannt war für seine Redekunst und seine militärischen Siege als Befehlshaber im Kampf gegen gallische Stämme.

Während der politischen Unruhen in Rom in den 90er Jahren vor Christus wurde Sertorius als Befehlshaber in die spanischen Provinzen geschickt. Dort wurde er zum Gegner der Führungsriege in Rom und herrschte de facto acht Jahre lang allein und unabhängig von Rom über Spanien.

Gemälde eines Mannes, zu dessen Füßen ein weißes Reh liegt.

Sertorius hatte immer ein weißes Rehkitz dabei, wie auf diesem Gemälde von Léon Pallière dargestellt. | Wikimedia Commons

Seine Feinde in Rom schickten ihre Armee nach Spanien, konnten ihn aber nicht besiegen. Sertorius gründete einen eigenen Senat mit 300 Mitgliedern, Römern, aber auch Angehörigen spanischer Stämme. Er stärkte seine Beliebtheit, indem er den lokalen Aberglauben für sich nutzte. Er hatte stets ein weißes Rehkitz bei sich, das als Symbol göttlicher Macht galt.

Nach Jahren der Bedrohungen und Plackerei hatte Sertorius schließlich genug. Laut dem griechischen Historiker Plutarch (ca. 46 bis 119 n. Chr.) traf Sertorius ein paar Seemänner, die, so Plutarch, erst kürzlich von den „atlantischen Inseln“ zurückgekehrt waren. Die Seemänner sprachen von einem Land vor der Küste Afrikas mit mildem Klima und reichlich Nahrung und Wasser. Vor allem aber war es weit weg von allen politischen und militärischen Aufruhen.

Plutarch hat uns überliefert, dass die Worte der Seeleute einen Eindruck bei ihm hinterließen:

Als Sertorius dies hörte, war er von einem erstaunlichen Verlangen ergriffen, sich auf diesen Inseln niederzulassen und ein ruhiges Leben zu leben, fernab jeder Tyrannei und nie enden wollenden Kriegen.

Heute kann keiner mehr mit Sicherheit sagen, von welchen Inseln die Seeleute sprachen. In Frage kommen Madeira, Porto Santo und die Kanarischen Inseln.

Leider hat Sertorius seinen Rückzugsort nie gefunden. Er musste viele weitere Jahre politischer und sozialer Unruhen ertragen, bis er im Jahr 72 v. Chr. schließlich von Verschwörern ermordet wurde.

Kann aus Rückzug Glück entstehen?⬆ nach oben

Viele Menschen, die im alten Griechenland oder Rom lebten, scheinen erkannt zu haben, dass es glücklich machen kann, sich aus dem öffentlichen Leben zurückzuziehen. Der griechische Philosoph Epikur (ca. 341 bis 270 v. Chr.) riet dazu, sich in die Abgeschiedenheit zu begeben und der Welt zu entfliehen. Sein berühmter Rat bestand aus zwei Worten:

„Lebe unbekannt.“

Natürlich gab es auch einige, die das anders sahen. Plutarch zum Beispiel fand, Epikurs Idee käme einer Kapitulation und Vergeudung des menschlichen Potenzials gleich:

Wer sich ins Unbekannte wirft, sich in Dunkelheit hüllt und sein Leben in einem leeren Grab begräbt, scheint über seine eigene Geburt gekränkt zu sein und auf das Bemühen des Daseins zu verzichten.

Andere hingegen schienen der Ansicht zu sein, dass ein Rückzug in ein ruhiges und abgeschiedenes Leben, fernab von den Geschehnissen der Welt, Glück bringen könne. Der römische Dichter Horaz (65 bis 8 v. Chr.) schrieb zum Beispiel:

Glücklich der Mann, der fernab von geschäftlichen Sorgen das Land seiner Vorfahren mit Ochsen bewirtschaftet, wie die Menschen alter Zeit, frei von jeder Verpflichtung; er wird nicht wie ein Soldat vom schrillen Klang des Horns geweckt und fürchtet sich nicht vor der wütenden See; er meidet sowohl das Stadtzentrum als auch die hohen Tore mächtiger Bürger.

Für Horaz ist glücklich, wer weit von den Städten und Armeen ein einfaches Leben lebt, auf dem Bauernhof seiner Vorfahren, mit Tieren und geliebten Menschen und ohne jede Verpflichtung.

Die Dinge selbst in die Hand nehmen⬆ nach oben

Nicht jede:r will sich aus sämtlichen Angelegenheiten zurückziehen. Manche Menschen wollen Probleme lösen und die Welt um sich herum besser machen. Aber wie geht das als ganz normaler Mensch?

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Der Athener Drehbuchautor Aristophanes (450 bis 388 v. Chr.) hatte darauf eine witzige, augenzwinkernde Antwort. In seinem Stück „Die Acharner“, das 425 v. Chr. uraufgeführt wurde, zeigt er einen Mann namens Dikaiopolis, der die Politik gründlich satt hat.

Dikaiopolis hat nicht nur genug von lügenden Politikern, die ständig neue Kriege anzetteln. Er hat auch genug von Menschen, die aus Eigennutz für Wohltaten oder auch schädliche politische Maßnahmen stimmen. Die Menschen, so Dikaiopolis, könnten ge- und verkauft werden.

Dikaiopolis findet daher seine eigene Lösung: Er will seinen eigenen Friedensvertrag mit den Spartanern schließen – nur für sich, seine Kinder und seine Frau, damit seine Familie in Frieden leben kann.

Und tatsächlich gelingt ihm das. Er verhandelt erfolgreich, lebt frei und genießt Privilegien, die anderen Bürgern verwehrt bleiben: Er darf Landwirtschaft und Handel mit anderen Staaten betreiben und Alkohol trinken.

Natürlich ist das Stück nicht ernst gemeint. Es ist eine Komödie, und kein Privatmensch könnte wirklich allein einen Friedensvertrag mit einem anderen Stadtstaat schließen. Aber die Handlung zeigt, wie tief der Frust über die politische Lage bei gewöhnlichen Menschen sitzen kann.

Was also tun, wenn man die Politik satt hat?

2.000 Jahre später gibt es nicht wirklich viel mehr neue Möglichkeiten. Der Rat der Antike ist klar: Zieh dich zurück, halte durch oder lache. Die letzte Option ist die beste. Sie scheint die höchste Überlebensquote zu haben.


Dieser Artikel ist zuerst am 5. April 2026 auf Englisch bei The Conversation erschienen. Wir haben ihn mit Einverständnis des Autors übersetzt. Hier könnt ihr den Originalartikel lesen.

Übersetzung: Nina Roßmann, Redaktion: Isolde Ruhdorfer, Schlussredaktion: Susan Mücke, Bildredaktion: Sören Frey

Schon die alten Griechen und Römer waren politikverdrossen – das war ihr Umgang

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