Smoke rise from a destroyed building that was hit by an Israeli airstrike in Dahiyeh, Beirut's southern suburbs, Lebanon, Tuesday, March 10, 2026. (AP Photo/Hussein Malla) MANHATTAN, NEW YORK - NOVEMBER 5: Trump supporters are gathered at Trump Tower to celebrate 2024 Presidential Elections in Manhattan, New York, United States on November 5, 2024. Fatih Aktas / Anadolu

Hussein Malla/picture alliance/ASSOCIATED PRESS/Fatih Aktas/picture alliance/Anadolu

Politik und Macht

Für Trump ist der Angriff auf Iran ein Desaster – auf den ersten Blick

Ich habe im US-Bundesstaat Wisconsin mit einem Dutzend Republikanern gesprochen, um zu verstehen, wie der Krieg in deren Weltbild passt.

0:00

Donald Trump hat seine Präsidentschaft unter anderem mit dem Versprechen angetreten, Kriege zu beenden, nicht zu beginnen. Die Spritpreise stiegen in Folge des Krieges. Erste Umfrageergebnisse, wie zum Beispiel von CNN oder Reuters/Ipsos zeigen, dass es in der Bevölkerung keine Mehrheit für diesen Krieg gibt.

Ich wollte wissen, wie Trump-Anhänger:innen das sehen, und bin nach Eau Claire gefahren, eine Kleinstadt in Wisconsin. Dort habe ich das lokale Parteitreffen der Republikaner besucht. Menschen wie sie bilden die Basis von Trumps Macht. Fühlen sie sich verraten von Trump?

Sie aber blicken anders auf die Welt und den Krieg gegen Iran als viele Menschen in Deutschland (oder als die Demokraten in den USA). Sie unterstützen den Krieg.

Er hat für sie eine innere Logik, die sich in sechs Punkten zusammenfassen lässt. Diese zu verstehen, hilft, die USA besser zu verstehen. Und was sie mir erzählt haben, zeigt, dass es wahrscheinlich ist, dass Trump noch weitere Kriege beginnt.

Erstens: Sie fühlen sich vom Iran bedroht⬆ nach oben

Alle, mit denen ich gesprochen habe, fühlten sich vom Iran bedroht, vor allem vor den möglichen Atomwaffen. Fred Kappus, Vorsitzender des Republikanischen Ortsvereins in Eau Claire, sagte mir, er glaube, Iran baue Langstreckenraketen, die die USA erreichen könnten und würde sie auch einsetzen. „Für den Frieden im Mittleren Osten und in der Welt darf man diesen Leuten nicht erlauben, Atomwaffen zu haben“, sagte er. Ein Teilnehmer des Ortstreffens, Bob Ourada, sagte ebenfalls: „Sie dürfen keine Atomwaffen haben, weil sie verrückt sind.“ Iran sei ein Unterstützer des Terrors und habe unzählige Menschen getötet. „Sie müssen gestoppt werden.“

Das iranische Regime hat zwei erklärte Feinde: Israel und die USA. Bei staatlichen Veranstaltungen wurden schon häufig US-Flaggen verbrannt und der Slogan „Tod den USA“ ist in Regimekreisen verbreitet. Iran reichert seit Jahren Uran an, um Atomwaffen zu bauen. Vergangenes Jahr haben Israel und die USA schon einmal Atomanlagen im Iran bombardiert.

Man sieht einen älteren Mann in rotem Hemd vor politischen Schildern.

Fred Kappus | © Isolde Ruhdorfer

Allerdings ist unklar, wie weit fortgeschritten das Atomprogramm des Iran wirklich ist. Rafael Grossi, der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) sagte bei einer Pressekonferenz Anfang März, dass seine Behörde seit einem Dreivierteljahr keinen Zugang zu den Anlagen im Iran habe. Er sagte aber auch: „Wir sehen kein strukturiertes Programm zur Herstellung von Atomwaffen“.

Insgesamt wird aber klar, warum es für Trump-Supporter überhaupt kein Widerspruch ist, dass ihr „Friedenspräsident“ ein anderes Land angreift. Zur Erinnerung, schon in seiner Siegesrede in der Wahlnacht sagte Trump: „Ich werde keine Kriege anfangen, ich werde Kriege beenden.“ Seine Anhänger:innen empfinden Iran aber als solche Bedrohung, dass für sie der „Präventivschlag“ dazu dient, etwas viel Schlimmeres zu verhindern.

Zweitens: Das Regime in Iran hat die Bevölkerung unterdrückt⬆ nach oben

Ein weiterer, sehr häufig genannter Grund war die Menschenrechtslage im Iran. Das Mullah-Regime hat die iranische Bevölkerung viele Jahrzehnte unterdrückt, Regimegegner:innen gefoltert und hingerichtet. Bei landesweiten Protesten Anfang dieses Jahres soll das Regime Tausende, wenn nicht sogar Zehntausende Demonstrant:innen getötet haben. Die genaue Zahl lässt sich nicht unabhängig überprüfen, ist aber plausibel.

Ich hatte den Eindruck, dass mit der berechtigten Sorge um die Menschen im Iran auch eine große Portion antimuslimischer Rassismus einhergeht. Fred Kappus, der Vorsitzende der Republikaner in Eau Claire, schrieb in einer Mail, dass das Ziel des Islam die „Vorherrschaft in der Welt“ sei. Man habe gesehen, welchen negativen Effekt der Zustrom von Muslimen in Deutschland und anderen Ländern habe. „Die Muslime integrieren sich nicht in die Gesellschaften der Länder, in die sie ziehen“, schrieb er.

Drittens: Amerika kann zeigen, wie stark es ist⬆ nach oben

In den ersten Kriegsstunden töteten die USA und Israel den obersten geistlichen Führer des Iran, Ajatollah Chamenei. Mit ihm starben auch noch weitere wichtige Führungspersönlichkeiten. Das ist – man kann es nicht anders sagen – ein Zeichen von Stärke und Macht. Und das gefällt vielen Republikaner:innen.

„Wir waren schwach, Amerika war schwach, endlich setzen wir uns zur Wehr“, sagte Diane Bowe, eine Teilnehmerin des Ortstreffens in Eau Claire. Ein weiterer Teilnehmer, Steve Aguiar, formulierte es so: „Donald Trump ist der einzige US-Präsident, der den Mut hatte, das zu tun, was die letzten vier Präsidenten hätten tun sollen.“

Man sieht einen Mann vor einem Auto.

Ken Anderson | © Isolde Ruhdorfer

Ein wichtiger Faktor: China. Das Land ist der größte Kunde iranischen Öls, und Peking hat über die Jahre Milliarden von Dollar in Iran investiert. Damit ist ein Schlag gegen Iran auch ein Schlag gegen China, wie mein Kollege Rico Grimm in diesem Text erklärt hat. Als ich an der Tankstelle mit Bürger:innen aus Eau Claire gesprochen habe, habe ich Ken Anderson getroffen, der sich selbst als „Trumpster“ bezeichnet und der Meinung ist, dass der Krieg irgendwann passieren musste. Einer der Gründe dafür: „Wir gewinnen Kontrolle über China und Russland.“

Viertens: Rache für Teheran 1979⬆ nach oben

In diesem Zusammenhang gibt es ein wichtiges Ereignis: die Geiselkrise von Teheran im Jahr 1979. Damals besetzten iranische Studenten im Zuge der islamischen Revolution die US-Botschaft in Teheran und nahmen für knapp drei Monate mehr als 50 Diplomaten gefangen.

Noch vor Beginn des Krieges habe ich mit Troy Olson über die Rolle der USA als Supermacht gesprochen. Olson ist Mitglied des New York Young Republican Clubs, einer Organisation für junge Republikaner:innen, die sehr rechtsgerichtet ist. In einem Substack-Post zum Krieg in Iran schlägt er einen Bogen zur Geschichte: „Die Terroranschläge gegen Amerika und den Westen begannen nicht erst 2001 oder 1993, sondern bereits 1979 mit der iranischen Geiselkrise.“

Ein Mann mit Cap.

Troy Olson | © Isolde Ruhdorfer

Auch Donald Trump ist geprägt von dieser Geiselkrise, schreibt der Autor Ben Macintyre bei der Times. Für ihn sei das eine „nationale Demütigung“ gewesen. Der jetzige Krieg gegen Iran ist in dieser Logik eine späte Rache, um Iran zu zeigen, wer der Stärkere ist.

Fünftens: Sie sind bereit, Einschnitte in Kauf zu nehmen⬆ nach oben

Infolge des Krieges stiegen die Benzinpreise: Am 5. März zahlten Konsument:innen rund 27 Cent mehr pro Gallone (rund 3,7 Liter), weil der Krieg die weltweite Ölversorgung einschränkte. Iran sperrte die Straße von Hormus, ein Nadelöhr, durch das ein Fünftel des weltweiten Öl- und Gastransports geht. Das ist für Trump-Supporter besonders relevant, denn für seine Wähler:innen waren laut einer Nachwahlbefragung vor allem zwei Themen wichtig: Immigration und Wirtschaft.

Ich habe alle Gesprächspartner:innen auf die Gaspreise angesprochen: Keine:r hat diese Folge des Krieges geleugnet und keine:r sah darin ein großes Problem.

Man sieht eine junge  lächelnde Frau.

Tatiana Bobrowicz | © Isolde Ruhdorfer

„Als Studentin wirken sich die Benzinpreise sehr direkt auf mich aus“, sagte Tatiana Bobrowicz, „aber ich weiß auch, dass sie wieder sinken werden.“ Sie habe während Trumps erster Amtszeit mit dem Autofahren begonnen, als die Benzinpreise noch sehr niedrig gewesen seien. Unter Biden sei der Preis dann auf über vier Dollar angestiegen. „Daher finde ich es großartig, dass sie jetzt unter vier Dollar und sogar am unteren Ende der Drei-Dollar-Marke liegen.“

Diane Bowe sieht in den gestiegenen Spritpreisen ebenfalls kein Problem, weil sie glaubt, dass sie wieder sinken werden. Ken Anderson von der Tankstelle sagte: „Das ist ein sehr geringer Preis für das, was gerade los ist.“ In der Tat sank der Ölpreis deutlich, nachdem Trump am Montag in einem Interview sagte, er gehe von einer nur noch kurzen Dauer des Krieges aus. Diese Entwicklung fand nach meinem Besuch in Wisconsin statt.

Sechstens: Es kommt darauf an, wie lang dieser Krieg dauert⬆ nach oben

Seit Anfang des Jahres ist jeden Monat ein anderes Land in den Nachrichten, das von den USA bedroht oder angegriffen wird: Venezuela, Grönland (bzw. Dänemark) und jetzt Iran. Bisher waren Trumps außenpolitische Aktionen immer schnell wieder vorbei. Keine „Forever Wars“, wie man das in den USA nennt.

Mehr zum Thema

Ich habe diese Gespräche eine Woche nach dem Angriff auf Iran geführt. Ein Zeitpunkt, zu dem noch niemand das Gefühl hatte, in einen „Forever War“ gezogen zu werden. Niemand wollte mir einen konkreten Zeitraum sagen, ab dem er oder sie die Meinung zum Krieg ändern würde. Fred Kappus schätzt den Krieg als einen „Kurzzeit-Krieg für einen Langzeit-Frieden“ ein. Für den New Yorker Troy Olson wäre eine rote Linie, wenn Bodentruppen in den Iran entsendet werden, wie er mir schrieb.

Mein Fazit ist, dass Trump seine Anhängerschaft hinter sich hat, auch wenn es Einzelne in der MAGA-Bewegung gibt, die den Krieg gegen Iran kritisch sehen.

Für die Zukunft bedeutet das, dass sich die Welt auf noch weitere Kriege einstellen muss. Wenn Trump militärisch Erfolg im Iran hat, so wie in Venezuela, und bei einem Krieg ohne direkt absehbares Ende wie in Iran seine Anhänger:innen hinter sich weiß, dann gibt es für ihn keinen Grund, nicht noch mehr Länder anzugreifen.


Redaktion: Rico Grimm, Schlussredaktion: Susan Mücke, Bildredaktion: Gabriel Schäfer

Für Trump ist der Angriff auf Iran ein Desaster – auf den ersten Blick

0:00 0:00

Einfach unterwegs hören mit der KR-Audio-App