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Was fällt dir ein, wenn du an die Arktis denkst? Wahrscheinlich folgende Punkte:
- In der Arktis ist es kalt
- Donald Trump will sie beherrschen und ist deshalb so interessiert an Grönland
- Dort gibt es wertvolle Rohstoffe, z.B. Öl, Gas, Nickel, Kobalt oder Gold
- Der Klimawandel trifft die Arktis besonders hart
All das stimmt. Und doch ist es nicht die ganze Geschichte. Dass Donald Trump seine Drohungen in Bezug auf Grönland erstmal zurückgefahren hat, heißt nicht, dass die Region nicht mehr wichtig ist. Die Arktis war schon vorher einer der spannendsten Erdteile und wird es auch in Zukunft noch sein.
Drei Dinge helfen, die Bedeutung der Arktis besser zu verstehen:
Erstens: Vergiss nicht die Menschen, die dort wohnen⬆ nach oben
Bei all den geopolitischen Debatten geht oft unter, dass in der Arktis nicht nur Eisbären leben, sondern auch vier Millionen Menschen. Eine halbe Million davon gehört zu indigenen Völkern, zum Beispiel den Inuit, Sámi oder Nenzen.
Allein von der Bevölkerung Norwegens leben rund zehn Prozent in arktischem Gebiet. Übrigens hat vergangene Woche die nord-norwegische Fußballmannschaft Bodø/Glimt ein Heimspiel gegen Manchester City gewonnen. „Eine Fußballleistung von historischem Ausmaß für den Hohen Norden“, titelte die Zeitung „High North News“.
Bei der Arktis geht es also nicht nur um ein unbewohntes Gebiet, das sich dafür eignet, Rohstoffe zu fördern oder mit einem Schiff eine Abkürzung durch die Weltmeere zu finden. Es geht um einen Ort, den Menschen ihr Zuhause nennen.
Zweitens: Schau dir die richtige Karte an⬆ nach oben
Karten beeinflussen unser Denken. Und die Arktis ist einer dieser Orte, für die man die richtige Karte braucht, um ihn zu verstehen.
Du hast bestimmt schon von der Mercator-Projektion gehört: Die Welt ist eine Kugel (mehr oder weniger zumindest) und um sie auf einer zweidimensionalen Karte darstellen zu können, werden Flächen teilweise verzerrt dargestellt. Zum Beispiel erscheint Grönland auf dieser Karte flächenmäßig genauso groß wie Afrika, obwohl Afrika 14-Mal größer ist.
Modified by Jecowa, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons
Auf einigen Europakarten dagegen ist die Arktis gar nicht zu sehen. Norwegen und Schweden sind größtenteils abgeschnitten, Finnland ist gar nicht erst drauf.
Aber werfen wir doch mal einen Blick auf die Arktis, wenn wir quasi „von oben“ auf den Globus blicken.
Sanao, Public domain, via Wikimedia Commons
In dieser Perspektive sitzen mehrere Länder wie an einem großen Tisch zusammen. Russland, die USA, Kanada, Grönland (das zu Dänemark gehört), Island, Norwegen, Schweden und Finnland gehören zu den arktischen Staaten.
Die Arktis ist ein Ort der Konfrontation: Dort treffen Länder aufeinander, die miteinander konkurrieren oder sich in Konflikten befinden. Das ist der eine Teil der Geschichte.
Der andere Teil ist: Die Arktis war lange ein Ort der Kooperation. 1996 wurde der Arktische Rat gegründet, ihm gehören die acht arktischen Staaten an. Mehrere indigene Gruppen sind ständige Teilnehmer, außerdem gibt es mehrere Beobachterländer, darunter auch Deutschland. Der Arktische Rat befasst sich hauptsächlich mit Nachhaltigkeit und Umweltschutz.
Auch in der Forschung arbeiteten viele Länder lange miteinander – bis zum Angriff Russlands auf die Ukraine im Jahr 2022. Das beendete viele Kooperationen. Auch der arktische Rat arbeitet seither nur noch eingeschränkt.
Drittens: Am gefährlichsten ist das, was man nicht sieht⬆ nach oben
Ein Blick auf die Karte hat ja schon gezeigt, wie wichtig es für viele Länder ist, in der Arktis präsent zu sein. Ich dachte dabei lange, die Länder schicken nur Schiffe in die Arktis. Dabei sind Schiffe nicht die einzigen Gefährte, die die Arktis durchkreuzen – es sind auch U-Boote. Und die spielen vor allem für Russland eine wichtige Rolle.
Die Arktis ist ein wesentlicher Bestandteil von Russlands Nukleardoktrin. Die Nordflotte, ein Teil der russischen Marine, der Atom-U-Boote betreibt, hat ihre Hauptbasis in Seweromorsk, bei Murmansk.
Dazu muss man eine Sache wissen: U-Boote garantieren die Zweitschlagfähigkeit eines Landes. Angenommen, die USA würden Russland mit Atomwaffen angreifen und alle Städte auf einen Schlag zerstören. Dann könnte Russland immer noch mit den auf den U-Booten stationierten Atomwaffen zurückschlagen. So wissen alle Länder, dass es sich „nicht lohnt“, Russland atomar anzugreifen.
U-Boote können teilweise über Monate abtauchen und so verhindern, dass man sie ortet. Russische U-Boote sind dazu ausgerichtet, unter der Eisdecke der Arktis fahren zu können. Wir wissen also, dass es russische U-Boote in der Arktis gibt – wir wissen nur nicht wo genau.
Für Russland eignet sich die Arktis besonders gut, um atomare U-Boote loszuschicken, viel besser, als beispielsweise die Ostsee. Auch dort hat Russland einen Zugang zum Meer. Allerdings ist die Ostsee viel kleiner, in großen Teilen von Nato-Staaten kontrolliert – und vor allem ist die Ostsee flach. Mit einer Tiefe von durchschnittlich 50 Metern ist sie aus maritimer Perspektive eine große Pfütze. Die Arktis gehört mit einer Tiefe von durchschnittlich 1.000 Metern zwar zu den flachen Ozeanen, allerdings eignet sich sich trotzdem hervorragend, um U-Boote vor Satelliten und Sensoren zu verbergen.
Das alles ist natürlich immer noch nur ein Bruchteil von dem, was ich über die Arktis schreiben könnte. Aber vielleicht ist es immerhin genug, damit du zukünftige Nachrichten und Debatten über die Arktis besser einordnen kannst.
Redaktion: Astrid Probst