Das Superwahljahr beginnt. Den Anfang macht Baden-Württemberg am 8. März.
Diskutiert wird vor allem über die Wirtschaftskrise und Migration, aber auch zur Bildung wird viel debattiert: Darüber, ob es kostenfreie Kitas geben sollte (Grüne/SPD vs. CDU/FDP) und wer ein Smartphoneverbot befürwortet. Laut Fachverbänden und Studien ist der Personalmangel in Kitas eine der größten Herausforderungen in Baden-Württemberg. Die Bildungsgewerkschaft GEW sagt, es fehlten Kitaplätze und Fachkräfte. Doch auch der Lehrkräftemangel an Grundschulen ist weiterhin groß und die Chancengleichheit ist nach wie vor eine Baustelle. Das planen die einzelnen Parteien, um dem entgegenzuwirken.
- Christlich Demokratische Union (CDU)
- Bündnis 90/Die Grünen
- Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD)
- Die Linke
- Freie Demokratische Partei (FDP)
- Alternative für Deutschland (AfD)
Christlich Demokratische Union (CDU)⬆ nach oben
Wenn an diesem Sonntag Landtagswahl wäre, käme die CDU auf 28 Prozent und bliebe damit stärkste Kraft. „Agenda der Zuversicht - unser Land in guten Händen“ ist der Titel des Wahl- und Regierungsprogramms der CDU. Immerhin zählt die Partei Bildung zu ihren drei Kernthemen im Wahlkampf. Das sind die wichtigsten Punkte für Kita und Schule.
Kita
- Die CDU will ein verpflichtendes und kostenfreies Jahr in der Kita, direkt vor dem Schuleintritt.
- Die Ressourcenzuweisung soll stärker an den konkreten Problemlagen der Schulen und ihrer Schülerschaft ausgerichtet werden. Multiprofessionelle Teams sollen insbesondere an Standorten in sozial benachteiligten Lagen ausgebaut werden.
- „Erst deutsche Sprache, dann erste Klasse“ (so steht es wirklich im Programm): Bei Förderbedarf werden Kinder in der Kita verpflichtend unterstützt.
- Mit Geld aus dem Kita‑Qualitätsgesetz sollen mehr Fachkräfte für Kitas gewonnen und das vorhandene Personal entlastet werden. Dafür sollen auch zusätzliche Hauswirtschafts- und Verwaltungskräfte eingestellt werden.
- Kompetenzzentren sollen die Bedingungen für die Kindertagespflege zum Beispiel bei Tagesmüttern und -vätern verbessern.
- Die CDU will eine verbindliche Grundschulempfehlung nach dem Modell „2 aus 3“ für alle Schularten einführen: Der Elternwille, die Empfehlung des Klassenlehrers und das Ergebnis eines Tests bilden die Grundlage für die Schulwahl.
Schule
- Die CDU will ein Smartphoneverbot an Schulen.
- „Vielfalt statt Einheitsbrei“ (Ja, auch so steht es im Programm): Die CDU will das dreigliedrige Schulsystem beibehalten.
- Eine Abschaffung von Schulnoten lehnen sie ab.
- Jede Schule soll über einen Glasfaseranschluss verfügen.
- Außerdem wollen sie für das ganze Bundesland festlegen, dass Schulen im Rahmen der politischen Bildung mit Jugendoffizierinnen und -offizieren der Bundeswehr zusammenarbeiten.
Bündnis 90/Die Grünen⬆ nach oben
Seit 2011 regiert das Kabinett Kretschmann das Ländle. Nun wollen die Grünen mit dem neuen Frontmann Cem Özdemir „Stabil in bewegten Zeiten“ bleiben. Laut INSA-Umfragen kommen die Grünen derzeit auf 22 Prozent der Stimmen und liegen damit sechs Prozentpunkte hinter der CDU. Seit 2021 wird das Kultusministerium von der Grünen Theresa Schopper geleitet. Ihre Arbeit wollen sie wie folgt fortsetzen:
Kita
- Zuerst soll es sozial gestaffelte Kita-Beiträge geben, das langfristige Ziel ist die vollständig gebührenfreie Kita durch Aufstockung der Zuschüsse an Kommunen, Umschichtung von Erziehungsgeld und Erhöhung der Grunderwerbsteuer.
- Durch Fachkräfte für Sprachbildung, Sozialarbeit und Inklusion sollen multiprofessionelle Teams gestärkt werden.
- Die Grünen fordern einen kindbezogenen Fachkraft-Kind-Schlüssel: für eine bessere Betreuung, damit jede Fachkraft weniger Kinder individuell begleiten kann.
- Durch ein zusätzliches, verbindliches Sprachtraining im letzten Kita-Jahr soll sichergestellt werden, dass alle Kita-Kinder mit Sprachförderbedarf auch wirklich gefördert werden.
Schule
- Gemeinschaftsschulen sollen ausgebaut werden.
- Die Partei will eine stärkere KI-, Demokratie- und Finanzbildung.
- Beginnend an allen Startchancen-Schulen: Alle Kinder sollen ein ausgewogenes, nachhaltiges und kostenfreies Mittagessen erhalten.
- Langzeiterkrankte Kinder sollen die Möglichkeit bekommen, phasenweise online am Schulleben teilzunehmen.
- Das Pflichtfach „Informatik und Medienbildung“ soll an allen weiterführenden Schulen weiterentwickelt werden.
Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD)⬆ nach oben
Zehn Prozent der Wählerstimmen werden der SPD prognostiziert, wenn am nächsten Sonntag Landtagswahl wäre. Seit zehn Jahren sind die Sozialdemokraten in der Opposition zur grün-schwarzen Regierung. Werfen wir einen Blick darauf, was sie zum Thema Bildung sagen.
Kita
- Die Partei will kostenlose Kita-Plätze für alle Kinder.
- Das letztes Kita-Jahr soll als Vorbereitung auf die Schule verpflichtend sein.
- Ganztagsangebote an Kitas und Schulen sollen ausgebaut werden.
- Kitas brauchen ausreichend Personal. Die SPD schlägt das Zwei-Pädagog:innen-Prinzip vor: Zwei pädagogische Fachkräfte betreuen zusammen eine Gruppe.
- Inklusion: Möglichst viele Menschen sollen die Deutsche Gebärdensprache lernen, ob sie darauf angewiesen sind oder nicht.
Schule
- Die SPD will ein zweigliedriges Schulsystem aus Gymnasium und weiterentwickelter Gemeinschaftsschule. Beide Schulen sollen den Weg zum Abitur ermöglichen.
- Demokratiebildung und das Fach Gemeinschaftskunde sollen gestärkt werden.
- Außerdem soll digitale Bildung eine Pflicht in allen Schularten und Fächern werden. So sollen digitale Kompetenzen altersgerecht vermittelt und der Umgang mit KI gelernt werden.
- Die Partei will gesundes, kostenfreies Schulessen an Schulen und Ganztagseinrichtungen.
- Sie will herkunftssprachlichen Unterricht unter Kontrolle und Beaufsichtigung durch offizielle Schulbehörden und pädagogisch fundiert einführen, um Mehrsprachigkeit und Bildungschancen zu fördern.
- Als einzige Partei steht im Wahlprogramm der SPD, dass sie in Sanierungen und Neubau investieren will.
Die Linke⬆ nach oben
Der Siegeszug der Linken nach der Bundestagswahl 2025 setzt sich aktuell auch in Baden-Württemberg fort. Vielleicht liegt es an den Instagram-Videos des Parteivorsitzenden Jan van Aken, in denen er die Wähler:innen im baden-württembergischen Wahlkampf auf Italienisch und Türkisch anspricht. Bislang war die Partei nämlich noch nie im baden‑württembergischen Landtag vertreten, 2016 und 2021 scheiterten sie an der Fünf‑Prozent‑Hürde (2021: 3,6 Prozent). Innerhalb des vergangenen Jahres hat die Linke ihre Mitgliederzahl bundesweit verdoppelt. Auch der Landesverband in Baden-Württemberg hat erstmals die Marke von rund 10.000 Mitgliedern überschritten. Damit ist die Linke zur viertgrößten Partei im Südwesten geworden. In Umfragen zur Landtagswahl 2026 liegt die Partei bei etwa sieben Prozent, wodurch der erstmalige Einzug in den Landtag realistisch erscheint. Das plant die Linke für die Bildung.
Kita
- In Deutschland gibt es derzeit, trotz gesetzlicher Ansprüche auf einen Kitaplatz, keine flächendeckende Garantie für wohnortnahe Plätze. Die Linke fordert den Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz in Wohnortnähe für jedes Kind ab dem ersten Lebensjahr.
- Abschaffung aller Elternbeiträge in Kitas: Bildung und Betreuung im Vorschulalter sollen vollständig beitragsfrei sein. Wie das finanziert wird, steht nicht im Wahlprogramm.
- Die Partei wünscht einen besseren Personalschlüssel, höhere Löhne und bezahlte Vorbereitungszeit für Erzieher:innen.
- Als einzige Partei spricht die Linke in ihrem Wahlprogramm von Kinderschutz. Sie will, dass Einrichtungen bei Gewalt und Diskriminierung aufmerksam reagieren, Fachkräfte weitergebildet werden und klare Verfahren sowie Sanktionen in Kitas, der Kindertagespflege, Schulen, der Ausbildung und an Universitäten angewandt werden.
Schule
- Gymnasien, Real‑ und Werkrealschulen sollen perspektivisch durch eine gemeinsame Schule für alle Kinder ersetzt werden.
- Die Linke will für kostenfreie Lernmittel und kostenloses Mittagessen sorgen.
- Sie will Hausaufgaben abschaffen.
- Die Partei lehnt pauschale Handyverbote an Schulen ab.
- Die inklusive Schule soll zum Normalfall werden: Alle Kinder sollen gemeinsam lernen, Barrieren (baulich, sprachlich, sozial) abgebaut werden.
- Sie will ein Ende des Religionsunterrichts an Schulen, stattdessen sollen sich alle Schüler:innen im Ethikunterricht kritisch mit Religionen auseinandersetzen.
Freie Demokratische Partei (FDP)⬆ nach oben
Man mag sie bereits aus den Köpfen verbannt haben, weil der Verbleib im Bundestag nicht gelang, in Baden-Württemberg aber spielt die Freie Demokratische Partei immer noch eine Rolle. Es ist unwahrscheinlich, aber sie könnte theoretisch Teil der Regierung werden und kommt aktuell auf sechs Prozent laut der INSA-Umfrage. „Zurück auf vorwärts“ heißt das Wahlprogramm. Was darin über Bildung steht:
Kita
- In Baden-Württemberg dominieren kommunale Träger (ca. 70 bis 80 Prozent der Plätze), freie Träger (kirchlich, privat, gewerblich) machen rund 20 bis 30 Prozent aus. Die FDP fordert einen stärkeren Mix aus kommunalen und freien Trägern.
- Die Partei will keine gebührenfreie Kita, stattdessen starke Ganztagsbetreuung, die Eltern selbst finanzieren.
- Die Kinderbetreuung soll ausgebaut werden, um die „Arbeitskräfteverfügbarkeit zu steigern“.
Schule
- Sie will das gegliederte Schulsystem und verbindliche Grundschulempfehlungen beibehalten.
- Schulen erhalten eigene Haushalts- und Personalbudgets für individuelle Profile.
- Lehrpläne sollen stärker digitale Bildung, wirtschaftliche Kompetenzen, politische Bildung und Berufsorientierung betonen.
Alternative für Deutschland (AfD)⬆ nach oben
Zwar hat die AfD keine Chance darauf, eine Regierung zu bilden und damit auch keine Chance auf einen Ministerposten, trotzdem kommt die Partei in Baden-Württemberg als rechtsextremistischer Verdachtsfall in den Hochrechnungen auf 20 Prozent der Stimmen. In ihrem Wahlprogramm findet sich nichts darüber, was sie für die Kitas plant. Dafür umso mehr Punkte, die sie für die Schule planen.
- Sie will die Schulpflicht in Bildungspflicht umwandeln, um Homeschooling zu ermöglichen.
- Auch möchte sie neue Bildungspläne „ohne Ideologie“, mit Fokus auf „Leistung, Disziplin und Identität“.
- Sie fordert einen verpflichtenden Deutsch-Nachweis vor dem Schulabschluss.
- Alle Schulen sollen Schwarz-Rot-Gold beflaggt werden.
- Es soll keine Inklusion„um jeden Preis“ geben, die „Sonderschulen“ sollen erhalten bleiben.
Was sich in den Kitas und Schulen tatsächlich verändern wird, hängt davon ab, welche Koalition gebildet wird. Momentan läuft es sehr wahrscheinlich wieder auf eine schwarz-grüne Regierung hinaus.
Redaktion: Lea Schönborn, Schlussredaktion: Susan Mücke, Fotoredaktion: Gabriel Schäfer