„Am liebsten reiße ich noch immer Artikel heraus“

„Am liebsten reiße ich noch immer Artikel heraus“

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Eines meiner wenigen regelmäßigen Medienrituale ist der Deutschlandfunk, morgens um 8.00 Uhr. Ansonsten zappe ich morgens beim Autofahren durch die Radiosender, private wie öffentlich-rechtliche.

Bei den Zeitungen ergibt sich bei mir das übliche Menü: FAZ, SZ, BILD, Financial Times. Und dann mischt sich mal mehr, mal weniger anderes dazu. Genauer möchte ich nicht werden, weil ich dann die gesamte Kollegenschar rezensieren müsste. Außerdem schaue ich natürlich regelmäßig auf die Medienseiten der vielen lieben Kollegen. Ist leider nie ganz ausgeschlossen, dass es einen interessieren muss.

Auf Reisen variiert das etwas, da versuche ich Sachen zu lesen, zu denen ich sonst nicht genug komme. Viel Feuilleton zum Beispiel.

Bei den Onlinemedien steht für mich natürlich Spiegel Online obenan. Der Rest? Siehe oben. Und ich bin sehr gespannt auf Politico aus Brüssel. Die Kollegen gehen mit einer sehr großen Redaktion an die Sache, es ist ein großangelegter Versuch, politischem Qualitätsjournalismus eine neue Marktfähigkeit zu verschaffen.

Was Blogs betrifft: Eine Zeit lang habe ich das Bildblog regelmäßig angeschaut, aber die schwächeln nun schon seit geraumer Zeit. Ansonsten lasse ich mich gern auf Blogs verweisen, ohne sie regelmäßig zu verfolgen.

Wenn es um Bücher geht, lese ich am liebsten Romane, aber weil ich muss (oder darf), sind auch einige aktuelle Politiker-Biografien darunter. Leider habe ich erst viel zu spät „Tschick“ von Wolfgang Herrndorf gelesen, großartig. „Sonnenfinsternis“ von Arthur Koestler bleibt auch beim x-ten Lesen einer der besten politischen Romane aller Zeiten. Und bei Peer Steinbrücks Wahlkampf-Resümee „Vertagte Zukunft“ fand ich den Befund schlagend, die SPD habe das „falsche Foto“ von Deutschland gehabt und darum verloren.

Ich lese nur wenig auf dem Tablet, auf dem Handy deutlich mehr. Wobei ich gerade übe, es auf Taxifahrten in Berlin nicht mehr aus der Tasche zu holen. Gerade Twitter ist für mich eine große Fundgrube. Sehr spannend, auf was die, denen ich folge, so alles verweisen.

Um Gelesenes aufzubewahren, reiße ich immer noch am liebsten Artikel heraus. Was ich dort angestrichen habe, kann ich mir am besten merken. Das kommt dann alles in eine große Ablage, chronologisch geordnet.

Als Brüsseler Korrespondent (lange her) habe ich sehr international lesen können. Das würde ich gern wieder hinkriegen.

Zum Abschluss noch eine Sache: TV-Talkshows werden immer heftiger und pauschaler kritisiert, so scheint mir. Ich schaue das trotzdem ganz gerne, wenn auch nicht jedes Mal bis zum Ende. Irgendetwas nimmt man immer mit, entweder zum Lernen oder zum Lachen.


Nikolaus Blome leitete ab 2006 das Parlamentsbüro der BILD-Zeitung, deren stellvertretender Chefredakteur (und Wirtschaftsressortleiter) er 2011 wurde. 2013 sorgte sein Wechsel zum Spiegel für Aufsehen. Noch bevor Wolfgang Büchner als Chefredakteur selbst richtig gestartet war, hatte er Blome zum stellvertretenden Chefredakteur und Leiter des Hauptstadtbüros berufen. Im Mai 2015 gab der Spiegel-Verlag bekannt, dass Blome das Haus „im gegenseitigen Einvernehmen“ verlassen wird. Seine Medienmenü-Antworten stammen noch aus der Zeit vor dieser Ankündigung.


In der von Christoph Koch betreuten Rubrik „Medienmenü stellen alle zwei Wochen interessante Persönlichkeiten die Medien vor, die ihr Leben prägen. Krautreporter-Unterstützer können in der Kommentarspalte rechts oder per Mail an christoph@krautreporter.de vorschlagen, wen sie gerne in dieser Rubrik porträtiert sehen würden. Nikolaus Blome war ein solcher Leserwunsch.

Illustration: Veronika Neubauer, Foto: Spiegel