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Corona-Impfung

Der Streit um die Impfstoffverteilung, verständlich erklärt

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Der erste zugelassene Impfstoff wurde in Mainz von der deutschen Firma Biontech entwickelt. Warum hat ausgerechnet Deutschland jetzt zu wenig Impfstoff?

Gegenfrage: Welches Land hat denn gerade genügend Impfstoff?

Woran liegt es, dass Impfstoff hier so knapp ist?

Biontech hat bisher 1,3 Millionen Impfdosen an die deutschen Behörden geliefert. Das sind genug Impfungen für ca. 650.000 Bürger:innen, zwei Dosen pro Kopf.

Es war dabei schon immer klar, dass die Impfung lange dauern wird, vermutlich ein gutes Jahr. Denn theoretisch müssen 83 Millionen Menschen in Deutschland geimpft werden. Tatsächlich werden am Ende wohl weniger geimpft sein, weil sich nicht alle impfen lassen wollen und manche nicht geimpft werden können. Um Herdenimmunität zu erreichen, müsste sich auf jeden Fall die Mehrheit der Menschen impfen lassen, wie viel Prozent genau ist im Moment unklar – die Schätzungen schwanken zwischen 60 und 80 Prozent.

Für uns beruhigend ist: Deutschland gehört zu den Ländern, die als erste mit dem Impfen starten konnten.

Großbritannien war schneller.

Stimmt, Großbritannien hat nicht auf die europäische Zulassungsbehörde EMA gewartet. Die nationalen Behörden sind in Großbritannien sehr gut aufgestellt, wie die medizinische Forschung dort insgesamt.

Und eventuell spielte der Brexit auch eine Rolle. Ein Beispiel dafür, wie die Pandemie auch für politische Zwecke missbraucht wird. Die britische Regierung hat das zu einem Beispiel für die Vorteile des EU-Austritts erklärt.

Aber nur daran, kann es doch nicht liegen, dass Deutschland schlechter abschneidet. Dort sind jetzt schon circa anderthalb Prozent der Bevölkerung geimpft, bei uns nur 0,3 Prozent.

Ein etwas unfairer Vergleich, Großbritannien hat früher mit dem Impfen angefangen. Aber du hast Recht: Großbritannien impft pro Tag mehr Menschen als Deutschland, kommt also schneller voran.

Wird deswegen jetzt so viel über den Impfstart diskutiert?

Ja, auch. Die Diskussion läuft etwas durcheinander, deswegen kurz eine Übersicht. Zwei Dinge werden kritisiert: Erstens, dass es jetzt in Deutschland nicht genug Impfstoff gebe. Zweitens, dass jener Impfstoff, der da ist, nicht schnell genug verimpft wird. Das Hauptargument lautete: Wie kann das sein, wenn doch jede Verzögerung Menschenleben und das Land viel Geld kostet – schließlich müsse ja der Lockdown dann immer wieder verlängert werden.

Die Diskussionen begannen schon vor dem Jahreswechsel, gewannen aber an Fahrt, als der Geschäftsführer von Biontech sich öffentlich in einem Spiegel-Interview wunderte, warum die EU nicht mehr Impfstoff seiner Firma bestellt hatte. Zeitgleich fragten sich Menschen, die eigentlich laut Impfplan als Erstes geimpft werden sollten, wo und wie genau das stattfinden sollte. Sie fanden augenscheinlich keine zufriedenstellende Antwort.

Was ist dran an der Kritik?

Das drösele ich in diesem Artikel auf. Klar ist, dass die EU wohl Fehler gemacht hat und die Regierungen von Bund und Ländern den Impfstart nicht gut gemanagt haben. Allerdings stimmt vermutlich auch die Behauptung nicht, dass jeder Tag Verzögerung einen längeren Lockdown bedeuten würde.

Warum nicht?

Der Lockdown, in dem wir stecken und der aller Voraussicht nach noch bis ins Frühjahr andauert, könnte mithilfe von Impfungen ja nur dann früher enden, wenn wir exponentiell impfen könnten. Wenn wir also beim Impfen mit den gleichen Prinzipien arbeiten könnten, wie sich das Virus vermehrt: nach dem Zins- und Zinseszins-Prinzip. Impfungen können aber nur eine nach der anderen erfolgen – also linear.

Um Kontakteinschränkungen lockern zu können, gibt es keine andere Lösung als niedrigere Infektionszahlen (nach allen Berechnungen liegt der Zielwert dafür weit unter 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner:innen in sieben Tagen, nämlich bei circa 25). Deutschland ist davon im Moment aber weit entfernt. Und dabei sind die drohenden Schwierigkeiten durch die neue Virusvariante noch gar nicht eingerechnet.

Die Hoffnung, die die Impfung verspricht, heißt vor allem: Sie kann einen schweren Sommer leichter machen und einen zweiten schweren Winter wohl verhindern, aber den aktuellen Lockdown substantiell verkürzen kann sie nicht. Denn wie gesagt: Wir können nicht so schnell impfen, wie sich das Virus momentan ausbreitet. Schnelle Abhilfe gäbe es nur auf die bekannte Art: weniger Kontakte.

Es ist aber unverständlich, dass jeden Tag Menschen sterben müssen, während die Impfstoffe ein paar Kilometer weiter in den Kühlschränken liegen. Woran liegt das?

Der Bund verwaltet den Einkauf und sorgt für die Verteilung des Impfstoffes an die Länder. Die Länder sind zusammen mit den Kreisen und Kommunen zuständig dafür, dass der vorhandene Impfstoff vor Ort verimpft wird – so steht es auf der Website des Bundesgesundheitsministeriums.

Bei der Verteilung stockt es jetzt aus unterschiedlichen Gründen:

  • Die meisten Impfzentren öffnen erst im Laufe des Januars. Deswegen bekommen gerade nicht alle einen Impftermin, die einen Anspruch darauf haben.
  • Die Terminvergabe ist Ländersache. Deshalb herrscht einige Verwirrung darüber, wie man einen Termin vereinbaren kann. Manche Länder laden per Brief ein, in anderen Ländern müssen die Menschen eine Hotline anrufen oder eine Online-Plattform nutzen. Die Telefonhotline ist dafür allerdings nicht ausgelegt und deshalb oft überlastet. Die Online-Plattform ist noch nicht überall nutzbar. Vielen älteren Menschen fällt es zudem schwer, sie zu bedienen.
  • Im Moment liegt der Fokus sowieso auf dem Impfen der Altenheimbewohner:innen und Krankenhausmitarbeiter:innen. Für die Altenheime organisieren die Gesundheitsämter zusammen mit Kassenärztlichen Vereinigungen und Hilfsorganisationen, dass mobile Impfteams in einzelne Einrichtungen gehen. In meinem Landkreis sollen das zum Beispiel mindestens drei sein. Für den gesamten Kreis mit 250.000 Einwohner:innen und circa 50 Pflegeheimen. Wenn in 401 Landkreisen, die Deutschland hat, mit diesem Verfahren gestartet wird, dauert es.
  • Zumal der Biontech-Impfstoff nicht leicht zu handhaben ist. Er muss durchgehend auf minus 70 Grad gekühlt werden. Eine einzige Unterbrechung dieser Kühlkette – und das Impfstoff-Fläschchen muss weggeschmissen werden. Ist natürlich auch schon passiert, zum Beispiel in Bayern. Das ist unter dem Strich eine enorme logistische Herausforderung, weil nicht nur die Lagerung vor Ort in speziellen Kühlschränken klappen muss, sondern auch der Transport von der Produktionsstätte zum Verteilzentrum der Länder, von dort zu den Lagern in den Ländern und von dort zu den Heimen und Krankenhäusern. Sowas musste in dieser Form noch niemals zuvor in so kurzer Zeit aufgesetzt werden.
  • Außerdem wird der Impfstoff nicht auf einmal geliefert. Die 1,3 Millionen Dosen sind nur der Anfang. Im Februar startet die Produktion des Biontech-Impfstoffs in Deutschland, in einem Werk, das sich leicht auf das spezielle Produktionsverfahren für mRNA-Impfstoffe umrüsten ließ. Solche Produktionsstätten gibt es nicht an jeder Ecke.
Eine Gruppe von sechs Personen steht und sitzt um einen Tisch verteilt und führt administrative Tätigkeiten für die Impfstoffausgabe durch.
Fast wie ein Renaissance-Gemälde: Rotkreuz-Mitglieder bereiten Ende Dezember 2020 die Impfung in einem Altenheim vor

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Okay, also ist alle Kritik überzogen? Kann ich gar nicht glauben.

Nein, es gibt mehrere Kritikpunkte, die sich nicht schnell entkräften lassen. Hier steht die Regierung in der Verantwortung.

Muss man wirklich die gesamte erste Lieferung nur mobilen Impfteams, Covid-versorgenden Teams in Krankenhäusern und wenigen Impfzentren zuteilen? Man könnte einen Teil des für die zweite Impfdosis vorgesehenen Impfstoffs auch schon in Impfzentren verimpfen und in Kauf nehmen, dass nicht immer innerhalb von drei Wochen zweimal geimpft werden kann. Aber das ist ein schwieriges Thema, weil man jetzt noch nicht genau weiß, welche Auswirkungen eine zu spät gegebene zweite Impfung wirklich hätte. Die Gesellschaft für Immunologie schreibt in einer Stellungnahme, dass es sehr wichtig ist, die zweite Dosis innerhalb von 60 Tagen zu verimpfen. Allerdings schließt sie das aus dem, was man von herkömmlichen Impfstoffen weiß. Für den neuen mRNA-Impfstoff wurde noch nicht untersucht, was passiert, wenn man statt nach drei Wochen nach acht zum zweiten Mal impft.

Weiterhin könnte zeitverzögertes Impfen die Entstehung von Mutationen noch begünstigen.

Deutsche Behörden gehen da lieber auf Nummer sicher?

Ja, genau. Trotzdem könnte man mutiger beim Zuteilen sein. Auch das Verimpfen von sechs statt der genehmigten fünf Dosen pro Fläschchen wäre eine Möglichkeit, schneller voranzukommen – denn so viel gibt die Füllung des Fläschchens eigentlich her (für eine Dosis braucht man 0,3 Milliliter und jedes Fläschchen enthält 2,25 Milliliter, damit beim Aufziehen der Spritzen auch mal was daneben gehen darf). Die Genehmigung für sechs Impfungen pro Fläschchen ist aber inzwischen auf dem Weg. Die europäische Zulassungsbehörde prüft einen entsprechenden Antrag von Biontech.

Aber das erklärt nicht, warum die Ärzteverbände sagen, dass sie mehr impfen könnten, wenn mehr Impfstoff da wäre. Also fehlt es doch an Impfstoff?

Das hat natürlich auch was mit den noch geschlossenen Impfzentren zu tun, die erst nach und nach öffnen. Aber natürlich könnte man mehr dieser Impfzentren öffnen, wenn mehr Impfstoff da wäre.

Warum ist nun nicht genug Impfstoff da?

Kurzum: Weil die EU zunächst zu wenig Biontech-Impfstoff bestellt hatte.

Als sie mit den Herstellern im Sommer 2020 verhandelte, konnte sie nicht wissen, welcher Impfstoff zuerst zugelassen wird. Hinterher ist man natürlich immer schlauer.

Wenn niemand wissen konnte, welcher Impfstoff der beste ist, wieso haben dann zum Beispiel die USA und Israel so viel des Biontech-Impfstoffes schon früh bestellt. Konnte man es vielleicht doch wissen?

Diese Länder sind ins Risiko gegangen. Sie haben darauf vertraut, dass die bis dato in der Virologie unerprobte mRNA-Technologie funktionieren wird. In der EU allerdings zögerten einige Länder, sich zu sehr auf diese Technologie zu verlassen. Außerdem ist der Biontech-Impfstoff der teuerste. Das war für einige osteuropäische Staaten ein Problem, genauso wie die aufwendige Logistik. Stichwort: Kühlkette.

Kann nicht einfach Impfstoff nachbestellt werden, jetzt wo wir wissen, dass er funktioniert?

Darüber verhandelt die EU gerade mit Biontech. Und auch Deutschland selbst hat bei der Firma nachbestellt. Das Problem ist nur, dass der jetzt bestellte Impfstoff wohl erst im zweiten Halbjahr ausgeliefert werden kann. Deshalb überlegt die Bundesregierung im Moment auch, wie man es schaffen kann, schnell weitere Produktionsstätten in Betrieb zu nehmen. Dann könnte es mit der Nachlieferung schneller gehen.

Im ersten Halbjahr rechnet Deutschland mit 13 Millionen Biontech-Impfdosen und für das ganze Jahr mit circa 85 Millionen. Dazu kommen Lieferungen anderer Hersteller. Wenn alle Impfstoffe zugelassen werden, die bestellt wurden, sind das 300 Millionen Dosen. Deutschland könnte dann seine Bevölkerung mehr als dreimal impfen.

Aber auf eine Sache will ich hinweisen.

Auf welche?

Das Spiegel-Interview des Biontech-Geschäftsführers Uğur Şahin war ein aus Geschäftssicht sehr geschickter Schachzug. Er hatte gesagt: „Übrigens, ich habe mich gewundert, dass die EU nicht mehr bestellt hat.“ Denn Sahin weiß: Der Impfstoff seiner Firma ist teuer und schwer zu handhaben. Aber, wenn die Logistikkette erst mal steht, will man sie auch nutzen. Die anspruchsvolle Kühlkette kann jetzt gewährleistet werden, die hat der Staat ja gebaut. Also ist es auch kein Problem, mehr Biontech-Impfstoff zu bestellen.

Sobald die anderen Impfstoffe zugelassen werden, verliert dieser Impfstoff im Vergleich aber an Wert. Lieber billiger impfen und mit weniger Aufwand. Mit dem Interview konnte sich Biontech also sehr effektiv Marktanteile sichern. Der harte Verteilungskampf existiert natürlich auch zwischen den Impfstoffherstellern.

Aber wenn andere Länder in Europa blockiert haben beim Biontech-Impfstoff. Wieso hat Deutschland nicht einfach allein verhandelt?

Normalerweise verhandeln die Länder einzeln mit den Herstellern. Der Preis, den sie aushandeln können, hängt davon ab, wie viel Impfstoff sie bestellen, wie hoch die weltweite Nachfrage ist und wie geschickt sie verhandeln. Da ganz Europa (und die Welt) jetzt viel Impfstoff braucht, sollte durch ein gemeinsames Verhandeln aller EU-Staaten erreicht werden, dass auf jeden Fall möglichst früh Impfstoff für alle zur Verfügung steht – und nicht einige Länder leer ausgehen oder zu spät beliefert werden. Es ist kein völlig abwegiger Gedanke, dass die reichen Länder wie Deutschland, Niederlande oder Dänemark den armen Ländern wie Rumänien oder Kroatien die Impfstoffe salopp gesagt vor der Nase weggekauft hätten.

Das wäre schlecht für den europäischen Zusammenhalt, aber auch aus epidemiologischer Sicht vermutlich keine gute Entscheidung gewesen. Denn es hätte dazu kommen können, dass das Virus aus Ländern ohne Impfstoff immer wieder neu eingetragen wird in Länder, die das Infektionsgeschehen zuvor kontrollieren konnten. Was im Schengenraum mit seinen offenen Grenzen ja nicht zu verhindern ist – es sei denn, man schließt die Grenzen.

Deshalb hat die EU gemeinsam bei sechs Herstellern eingekauft – ohne zu wissen, welcher Impfstoff am Ende zuerst ausgeliefert wird. Durch Verteilung auf mehrere Firmen wollte die EU das Risiko streuen – das war klug. Und sie wollte möglichst viel Impfstoff zu einem möglichst guten Preis bestellen – das war wirtschaftlich gesehen vernünftig.

Ich habe gelesen, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel persönlich verhindert hat, dass Deutschland im Alleingang mehr bestellt.

Als es um die Impfstoffbeschaffung ging, stand die deutsche Bundesregierung vor einer Entscheidung: Kaufen wir auf eigene Faust ein, oder tun wir uns mit anderen EU-Ländern zusammen? Deutschland hatte im vergangenen Jahr den Ratsvorsitz der Europäischen Union inne, war also verantwortlich für die reibungslose Zusammenarbeit der Mitgliedstaaten. Außerdem kritisieren die anderen EU-Länder Deutschland immer wieder für seine Alleingänge in der Vergangenheit, etwa im Flüchtlingssommer 2015. Die Impfstoffbeschaffung an die EU abzugeben, war eine politische Entscheidung – für die Angela Merkel jetzt vor allem von konservativen Publizisten kritisiert wird.

Aber Frankreich hat das doch auch gemacht. Einen Teil des ohnehin nicht großzügigen Budgets ist für den Impfstoff des französischen Unternehmens Sanofi reserviert, weil Präsident Macron darauf gedrängt hat. Obwohl dieser Impfstoff erst im Sommer fertig wird – wenn überhaupt.

Das zeigt, dass die EU noch nicht da ist, wo sie vorgibt zu sein.

Eine ältere Dame mit einem herausfordernden Gesichtsausdruck wird geimpft.
Brigitte Klausch, 88, erhält Ende Dezember 2020 den Impfstoff in einem Pflegeheim in Großraeschen

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Wenn reiche EU-Länder schon solche Probleme mit der Impfverteilung haben, wie bekommen es ärmere Länder hin?

So wie manche arme Länder die Corona-Pandemie viel besser gemeistert haben als erwartet, so werden auch in dieser Frage einige Länder allein zurecht kommen. Indien hat zum Beispiel gute Chancen, weil es die größte pharmazeutische Industrie der Welt besitzt.

Aber viele andere Länder werden Unterstützung brauchen zum Beispiel von der Weltgesundheitsorganisation WHO, die allerdings so etwas bisher auch noch nicht gemacht hat. Sie wird Geld brauchen und muss neue Strukturen aus dem Boden stampfen.

Um das Geld für Einkauf und Aufbau der Logistik besser einsammeln und verwalten zu können, hat die WHO zusammen mit der Impfallianz „Gavi“ und der Forschungsallianz „Cepi“ die Plattform „Covax“ gegründet. Dort arbeiten 188 Staaten zusammen daran, den Impfstoff fair in der Welt zu verteilen – auch Deutschland gehört dazu. Das ist wichtig, denn die Welt kann sich nicht leisten, Virusreservoirs in ärmeren Ländern zu halten. Sonst könnte das Virus immer wieder neu eingeschleppt werden.

Hätte das nicht auch anders laufen können? Die reichen Länder kaufen zu viel ein und geben, das, was übrig ist, an ärmere Länder weiter.

So lief es bisher oft.

Covax ist ein Schritt zu einem faireren Ansatz. Die Allianz soll sicherstellen, dass die ärmeren Länder nicht nur die Krümel vom Tisch der westlichen Nationen bekommen. Und der Westen hat – auch wieder aus geopolitischen Gründen – ein Interesse daran, dass ärmere Länder nicht von Russland oder China abhängig werden. Die USA ist unter Trump übrigens ausgeschert und macht bei Covax nicht mit. China und Russland schon.

Mehr Fairness ist wünschenswert. Aber muss das ausgerechnet in dieser Situation ausprobiert werden? Schließlich steht für alle sehr viel auf dem Spiel.

Die Weltgesundheitsorganisation hat schon lange das Ziel ausgerufen, den Zugang zur Gesundheitsversorgung gerechter zu machen. Das Konzept dahinter nennt sich Global Health.

Wenn die Deutschen jetzt darüber streiten, wie der Impfstoff innerhalb der Bevölkerung verteilt wird und innerhalb der Europäischen Union, zeigt das, dass der Global-Health-Gedanke nicht greift. Das ist auch peinlich für Deutschland. Denn das Land hat im Jahr 2019 eine Führungsrolle in der Global-Health-Initiative übernommen. Deutschland hilft auf wissenschaftlicher und organisatorischer Ebene mit, dass sich globale Gesundheitskonzepte etablieren können.

Insofern ist der Ansatz, eine fairere Impfstoffverteilung hinzukriegen, eine Chance und ein Test, wie ernst es der Welt ist, an einem Strang zu ziehen, wenn es um globale Aufgaben geht. Und genau das ist ja diese Pandemie.


Nachtrag 6. Januar 2021: In einer ersten Version des Textes wurde die Menge der Impfstofflösung in einem Fläschchen des Herstellers Biontech mit 1,8 Milliliter angegeben. Nach Aufbereitung der Impflösung befinden sich jedoch 2,25 Milliliter in einem Fläschchen.

Redaktion: Theresa Bäuerlein, Rico Grimm, Schlussredaktion: Susan Mücke, Bildredaktion: Till Rimmele

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