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Klimaschutz

Was du gegen die Klimakrise tun kannst

zusammengestellt von Thomas Stöppler
etwa 9 Min. Lesedauer

Immer, wenn wir über die Klimakrise diskutieren, kommt irgendwann der Punkt, an dem es darum geht, was man selbst zum Klimaschutz beitragen kann. Klar ist: Das, was jeder Einzelne tun kann, um seinen individuellen ökologischen Fußabdruck zu reduzieren, ist verglichen mit dem, was Öl- und Gasindustrie, Fluglinien und Rodungsunternehmen tun, lächerlich gering.

Das heißt aber nicht, dass man nichts tun kann. Die Krautreporter-Community hat etwas getan und eine lange Liste mit Tipps, Hinweisen und Ideen erstellt. Sie hat über den Sinn und Unsinn von Elektroautos, über das Ausgleichen von Flügen und über Zahnbürsten aus Bambus diskutiert. Jeder hat sich im Verlauf der Diskussion die Frage gestellt: Auf was kann ich verzichten, auf was muss ich vielleicht verzichten, und was davon kann ich mir auch leisten?

Daraus ist eine kompakte Liste mit Vorschlägen gewachsen.

Allerdings wird sich ohne den Druck der Straße die Politik nicht bewegen, um die Klimakrise zu bewältigen. Und ohne die Politik geht es nicht.

Bis das erfolgreich ist, kannst du vielleicht ein paar dieser Dinge tun (oder eben lassen):

1. Achte auf deine Ernährung

Versuche, vor allem Regionales und Saisonales zu essen. Alles, was aus Übersee importiert wird, erzeugt große Mengen des Treibhausgases CO2. Daher ist es besser, heimisches Obst und Gemüse zu essen. Auch Gewächshäuser sind keine Lösung, denn sie verbrauchen viel Wasser und Energie. Ein Saisonkalender zeigt, was gerade natürlich wächst und was aus dem Gewächshaus kommt. Man kann auch Gemüse im eigenen Garten anbauen. In vielen Großstädten kann man sich eigens dafür kleine Gartenflächen mieten.

Es geht nicht nur um regional, sondern auch um saisonal. Dieses Obst und Gemüse ist ausgereift und enthält deshalb die meisten Vitamine. Wer saisonal isst, spart außerdem lange Lagerungszeiten. Ein Apfel von der Obstwiese nebenan, der monatelang im Kühlhaus lag, hat eine schlechtere CO2-Bilanz als ein saisonaler Apfel aus Neuseeland. Ein Biosiegel garantiert, dass das Essen weniger Pestizide und Fungizide enthält.

Was den Konsum von Fleisch-, Fisch- und Milchprodukten angeht, sollte die Devise „weniger ist mehr“ heißen. Bei der Produktion von einem Kilogramm Rindfleisch werden 15 Kilo CO2 ausgestoßen, bei Schweinefleisch drei Kilo. Da ist das Methan, das die Tiere produzieren, noch nicht als Treibhausgas berücksichtigt. Bei einem Kilogramm Brot dagegen sind es nur 0,75 Kilo CO2 und bei einem Kilogramm heimischer Äpfel 0,5. Dazu kommt noch, dass für die Futterproduktion in anderen Ländern der Erde große Flächen Regenwald abgeholzt werden.

Wer auf Fleisch nicht verzichten mag, sollte eher Geflügel essen als Rind und Schwein. Vieles lässt sich auch ersetzen: Milch mit Hafermilch, Butter mit Sonnenblumenöl.

Weltweit sind bereits 80 Prozent der Fanggründe für Fisch entweder komplett leergefischt oder ernsthaft gefährdet. Welche Folgen dieser Raubbau haben wird, ist nicht vorhersehbar. Fisch aus Aquakulturen benötigt oft riesige Mengen an Strom.

Fisch ist nicht gleich Fisch: Hering, Kabeljau aus Wildfang und Jakobsmuscheln und Karpfen aus Aquakulturen sind vom ökologischen Fußabdruck her besser als Königslachs, Garnelen oder Shrimps. Verzichte am besten komplett auf Seeigel, Aal und Blauflossenthun.

Achte beim Kauf auf vertrauenswürdige Öko-Siegel (wie „Bioland“ und „Naturland“). Das MSC-Siegel für Fisch entspricht nicht ökologischen Standards.

Beim Essen gilt (wie überall sonst auch): So wenig wie möglich wegwerfen.

Im Durchschnitt werfen die Deutschen rund 1,6 Kilogramm Lebensmittel pro Woche und Kopf weg. Dabei ist das oft unnötig. Die meisten Lebensmittel sind auch noch nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums genießbar. Wenn du nicht so recht weißt, was du mit den Resten im Kühlschrank anfangen sollst, kannst du hier ein paar Ideen bekommen. Vor dem Urlaub kann man Restbestände an Nahrungsmitteln bei Foodsharing-Communities abgeben.

2. Bewege dich nachhaltig fort

Nimm das Fahrrad oder den Zug, jedenfalls so wenig wie möglich das Auto. Der Verkehr ist der einzige der fünf Sektoren (Energie, Industrie, Wohngebäude, Land- und Forstwirtschaft und eben Verkehr), bei dem die Emission von Treibhausgasen in den letzten 30 Jahren in Deutschland gestiegen ist. Er ist für jährlich 115 Millionen Tonnen CO2 verantwortlich. Davon gehen etwa 60 Prozent auf das Konto von Pkw.

Autos, egal mit welchem Antrieb, sind nicht umweltfreundlich. Auch ein Elektroauto mit Ökostrom produziert Mikroplastik, und das Entsorgen der Batterien ist oft noch eine ökologische Katastrophe.

Manchmal geht es nicht ohne Auto. Dafür bietet sich (privates) Carsharing an. Beim Fahren sollte man vorausschauend, nicht übermäßig schnell und nicht hochtourig fahren. So spart man Benzin.

Also das Fahrrad nutzen, den öffentlichen Nahverkehr oder vielleicht sogar laufen (das ist auch der eigenen Gesundheit zuträglich). Falls es nicht anders geht, kannst du versuchen, zumindest nicht allein im Auto zu sitzen, sondern Fahrgemeinschaften zu bilden.

Viele Arbeitgeber finanzieren Jahreskarten beim ÖPNV mit – zum Beispiel in München mit dem Jobticket. Statt eines Dienstwagens kann man ebenfalls nach einer Jahreskarte oder einer Bahncard 100 fragen. Vielleicht kommt auch ein Dienstfahrrad infrage.

Mancher Großeinkauf lässt sich mit einem Lastenfahrrad erledigen. In vielen Städten kannst du die mieten – und eventuell dem Nachbarn gleich ein paar Dinge mitbringen.

Für den Urlaub gilt: Besser nicht fliegen. Ja, man kann den CO2-Ausstoß der Flüge finanziell ausgleichen, und das ist besser, als es nicht zu tun. Aber das CO2 ist dann freigesetzt, und mit einer 50-Euro-Spende verschwindet es auch nicht wieder. Langfristig sollte der CO2-Ausstoß pro Kopf laut Umweltbundesamt nicht mehr als eine Tonne pro Jahr betragen. Ein Flug von Berlin nach Lissabon verbraucht pro Person schon eine Tonne.

3. Konsumiere bewusster

Kaufe Qualitätsprodukte, die langlebig sind und repariert werden können. Beziehungsweise: Repariere kaputte Dinge. Wegen eines Kabelbruchs musst du dir keine neuen Kopfhörer kaufen, wenn beim Laptop auf der Tastatur das „E“ nicht mehr reagiert, braucht man keinen neuen. Anleitungen lassen sich im Internet finden, zum Beispiel hier. Wer sich das handwerklich nicht zutraut, kann ein Repaircafé aufsuchen. Und wer handwerklich begabt ist, kann sich dort direkt selbst engagieren.

Besonders Elektrotechnik ist da oft schwierig. Aber es gibt auch da nachhaltige Lösungen: Das Fairphone zum Beispiel.

Das gleiche Prinzip gilt bei Kleidung. Ein Schneider kann so manch geliebtes Kleid noch retten. In Nähcafes findet man Hilfe und kann sich gleich einbringen.

Aber auch bei den Dingen, bei denen man den Energieverbrauch auf den ersten Blick nicht sieht, gibt es oft nachhaltigere Lösungen als die herkömmlichen Varianten. Zum Beispiel die Suchmaschine Ecosia oder die Handytarife von WeTell.

Am Ende gilt aber für jede Anschaffung die Frage: Brauche ich das wirklich? Muss es ein neues Smartphone sein? Wer nichts Neues kauft, belastet damit auch nicht die Umwelt.

4. Vermeide Müll

Recycling ist eine gute Sache, aber auch dabei wird Energie verbraucht. Außerdem lässt sich nichts unendlich oft recyceln. Es ist besser, von Anfang an weniger Müll zu produzieren.

Das einfachste Beispiel sind die Plastiktüten im Supermarkt. Bring lieber einen Beutel mit, den du danach weiter benutzt. Obst und Gemüse kann man auch schon in normalen Supermärkten ohne Verpackung kaufen, oder man besucht einen verpackungsfreien Supermarkt.

In der Küche kann man viele Einwegprodukte durch Wiederverwendbares ersetzen. Statt Küchenrollen kannst du aus alten Bettlaken Stofftücher ausschneiden. Die kannst du dann waschen, wenn sie schmutzig sind. Oder du nutzt Marmeladengläser statt Gefrierbeutel zum Einfrieren.

Du kannst auch aus alten Frotteehandtüchern Spültücher machen. Schwämme kannst du in die Waschmaschine stecken und so länger verwenden. Müllbeutel kannst du durch sowieso vorhandene Plastikverpackungen ersetzen. Kaffeefilter gibt es aus Edelstahl. Essensreste kannst du in Dosen und Schalen aufbewahren oder mit einem Bienenwachstuch abdecken.

Die meisten Reinigungsmittel kann man leicht selber anrühren oder einfach durch Hausmittel ersetzen.

Im Badezimmer ist das schon schwieriger. Aber du kannst zumindest recyceltes oder recycelbares Material verwenden – nicht nur beim Klopapier, auch Wattestäbchen und Zahnbürsten gibt es aus Papier oder Bambus.

Kosmetikpads aus Watte lassen sich durch selbst gemachte ersetzen, die aus alten Frotteehandtüchern zugeschnitten werden. Wer nicht gleich selbst Seife sieden möchte, findet auch in Unverpackt-Läden eine gute Auswahl. Sogar dm hat nun schon Haarseifen etc. ohne viel Plastikverpackung. Besser als Flüssigseife oder Duschgel ist ein ganzes Stück Seife. Binden und Windeln gibt es auch aus waschbarem Stoff. Weitere Anleitungen findest du hier.

5. Gib dein Geld einer Bank, der Nachhaltigkeit wichtig ist

Ja, es gibt sie, und gar nicht so wenige. Die GLS Bank, Umweltbank oder Ethikbank sind nur drei. Sie kosten oft nicht mehr als andere Banken und spekulieren nicht auf Lebensmittel, investieren nicht in Waffen, Kinderarbeit oder Atomenergie, dafür aber in ökologische Landwirtschaft, nachhaltiges Bauen oder Kindergärten.

Natürlich könnt ihr auch einfach bei eurer Bank nach nachhaltigen Anlagen fragen.

6. Gestalte deinen Wohnraum effizient

Ein gut gedämmtes Haus verbraucht deutlich weniger Energie und spart schon innerhalb weniger Jahre dem Bewohner eine Menge Geld. Dabei kann man viel selbst machen, zum Beispiel die Kellerdecke dämmen. Auch Fassadenbegrünung durch Efeu oder wilden Wein kann Wunder wirken und sieht auch noch gut aus.

Sowieso ist es am besten, wenn ihr euer Haus auf Wärmepumpen umrüsten könnt. Für alle Mieter kommt Strom aus nachhaltiger Energieproduktion infrage und sogenanntes Ökogas.

Aber vor allem hilft es, weniger zu heizen. Wenn das Haus zwei Grad kühler ist, spart das bei einem Zwei-Personen-Haushalt schon 160 Kilogramm CO2 ein. Das gleiche Prinzip gilt natürlich für vieles andere auch: weniger heiß waschen, lieber duschen als baden und lieber stoßlüften als die Fenster dauerhaft zu kippen.

Ein Kühlschrank mit A+++-Siegel verbraucht nur ein Drittel des Stroms, den ein Gerät mit A+ verbraucht. Doch neben effizienten Geräten kannst du ganz einfach Strom sparen, wenn du alles ausschaltest, was du nicht nutzt. Keiner braucht WLAN, wenn er nicht zu Hause ist. Geräte im Standby-Modus verbrauchen auch Strom, selbst ein ausgeschalteter Wasserkocher zieht Energie. Also am besten gleich die Steckerleiste ausschalten.

Grundsätzlich sollte man zu Hause saubere Energie beziehen – und nichts ist so einfach wie der Wechsel des Stromanbieters. Zuverlässige Label wie Grüner Strom oder OK power geben Auskunft, ob du echten grün produzierten Strom bekommst oder es sich um einen durch Zertifikate vergrünten Graustromtarif handelt. Das beste daran ist, es kostet nicht mal viel mehr als die herkömmlichen Tarife.


Vielen Dank an alle Mitglieder, die Ideen geäußert haben, die diskutiert und geschrieben haben: Julia, Alina, Magnus, Simon, Alexandra, Melanie, Ulrike, Ana, Jan, Jörn, Sonia, Anja, Johannes, Sonia, Sabine, Patrick, Monika, Matthias, Thomas, Rico, Jenny, János, Inge, Michaela, Mariana, Stefan, Anne, Carsten, Christine, Christof, Ingo, Jens, Marco, Ulrich, Werner, Lisa.

Redaktion: Philipp Daum; Schlussredaktion: Vera Fröhlich; Bildredaktion: Martin Gommel.

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