Das Medienmenü von Volker Dohr

„Im Lokalen sollte man aus Podcasts mehr machen“

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  • Zahlen aktualisiert 17. Oktober, 21:51 Uhr
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Im Abo habe ich lediglich „Mint“, eine Fachzeitschrift zum Thema Schallplatten. Zur gelegentlichen Lektüre gehören themenabhängig der Spiegel und Die Zeit. Generell aber lieber die Magazin-Formate, die in den letzten Jahren um Zeitungen herum entstanden sind, etwa bei Zeit und SZ. Das liegt aber auch an einer generellen Abneigung meinerseits gegenüber großformatig gedruckten Zeitungen. Lang lebe das halbrheinische Format!

Im Netz nutze ich folgende deutschsprachige Angebote für einen Überblick in Sachen Nachrichten: Spiegel Online, FAZ, SZ, taz und Tagesschau. Außerdem bin ich mit dem Alter wohl auch etwas regional verhaftet geworden, ich lese also diverse Seiten rund um Darmstadt und Hessen (Darmstädter Echo, Hessenschau, Offenbach Post).

Dazu kommen die New York Times und die britische Times – hier bin ich aber eher, wenn es darum geht zu schauen, wie die deutschen Kollegen mit einer englischsprachigen Originalmeldung umgingen. Generell habe ich seit Jahren Netvibes als Feedreader, da ist alles drin, was relevant ist. Gezielt aufrufen würde ich aber nur die bislang genannten.

Blogs lese ich weniger als früher. Kraftfuttermischwerk, Nerdcore, Ruhrbarone (falls man die noch als Blog sehen kann) und Polyneux, bei dem ich selbst viel zu selten über Videospiele schreibe. Was dieses Thema anbelangt, haben Blogs dem Journalismus in Deutschland eben auch den Rang abgelaufen. Wer gute Texte über Spiele sucht, findet sie in Blogs – und sonst kaum noch. Ansonsten mag ich das Blog von Discogs, die Seite ist eine Art Wiki für Musik, Nutzer können verschiedene Ausgaben von Platten, CDs und Kassetten eintragen, kaufen und verkaufen und es gibt eben obendrein noch ein Blog.

Was mich nervt, sind Seiten, die mir vorschreiben wollen, ob ich sie mit oder ohne Adblocker ansurfe. Sicher, es ist schwierig, ein Finanzierungsmodell im Netz zu haben, aber es kann 2018 einfach nicht sein, dass man sich lediglich auf Werbeeinnahmen stützt, wo es gerade im amerikanischen und britischen Raum Häuser gibt, die zeigen, dass man sehr wohl auch anders Geld verdienen kann.

Auf Reisen lese ich tatsächlich ganz klassisch Bücher in gedruckter Form, die meist schon lange bei mir liegen und endlich mal gelesen werden wollen. Hinsichtlich Literatur bin ich ein etwas leidlicher Leser geworden.

Wenn ich mir mein Bücherregal so anschaue, hat Fiction dennoch den Löwenanteil, gute Bandbiographien (vor allem, wenn Neil Strauss der Autor ist) dürfen es aber auch gerne sein. Ein Buch, das mich sehr beeindruckt hat, ist zwar schon ein wenig älter, aber „The Circle“ von Dave Eggers war schon sehr deutlich in seiner Botschaft – die auch Jahre nach dem Erscheinen noch gilt (siehe Video unten). Wir sollten uns gelegentlich fragen, warum diese wunderbaren Konzerne, die uns all die Dienste im Netz kostenlos anbieten, das tun.

https://youtu.be/UtqY-k3rVGM?t=32m48s

Wenn es darum geht, informiert zu bleiben, nutze ich vorrangig die Apps der gängigen Nachrichtenseiten. Aggregatoren abseits des erwähnten Dienstes Netvibes habe ich mir abgewöhnt, das stresst nur. Fünf Tweetdeck-Spalten, die permanent in Bewegung sind, sorgen weniger für einen Überblick, sondern stattdessen vor allem für Hektik. Google News ist dennoch wichtig, sei es für den Überblick oder die Recherche, was eine Meldung (und deren Glaubwürdigkeit) anbelangt.

Auf dem Smartphone oder Tablet lese ich nach wie vor wenig. Ich mag meinen Notebook-Bildschirm lieber. Ganz einfach. Lesezeichen setze ich mir ganz klassisch per Bookmark im Browser. Wenn ein Artikel Informationen enthält, die so wichtig sind, dass ich denke, sie später nochmal brauchen zu können, dann speichere ich ihn als PDF, mit den entsprechenden Stellen angestrichen.

Eines der wenigen medialen Rituale ist für mich das gezielte Ansurfen einiger Twitter-Accounts von Journalisten, das für mich doch täglich dazugehört. Einfach für den schnellen Überblick, der hier tatsächlich oft besser ist als auf Nachrichtenseiten selbst – einfach, weil die Mischung besser ist und ich natürlich auch eher auf mich zugeschnittene Inhalte sehe – ich folge den Menschen ja nicht umsonst. Twitter läuft hier tatsächlich einigen Aggregatoren den Rang ab, vor allem, wenn man wie ich eher zu den „Online-Flaneuren“ gehört, die nicht fest an einer Seite hängen, sondern gezielt die Beiträge herauspicken, die für sie von Interesse sind.

https://www.youtube.com/watch?v=LDsq9iOwljw

Wenn es um Lieblingsautoren geht, fällt mir Henry Rollins ein. Er ist neben einem eher unterschätzten Musiker ein großartiger Poet. Hans Leyendecker lese ich ebenfalls sehr gerne, bei Sibylle Berg schätze ich den bissigen Ton. Harald Schmidt sollte öfter seine Kolumne schreiben (ich hoffe, die gibt es überhaupt noch?). Und Andrea Diener, die für die FAZ schreibt und auch eine Freundin ist – ihre Reisebeschreibungen sind ganz großes Kino.

Im Radio höre ich HR1, wann immer Werner Reinke moderiert, was meist am Wochenende ist. Der Mann ist ein wandelndes Musiklexikon und gestaltet seine Sendungen unglaublich humorvoll. Man merkt, dass er da mit Leib und Seele dabei ist. Ansonsten Deutschlandfunk ab 13 Uhr – „Informationen am Mittag“ heißt das Format, geht 30 Minuten und man ist danach bestens informiert.

Was ich vermeide ist alles an neurechten „Meinungsmachern“, die sich gerne als „Anti-Mainstream“ positionieren und etablierte Medien mit Attributen wie „Staatsfunk“ oder „Mainstream-Presse“ überziehen. Diese Angebote verfolgen ganz klar eine Agenda, gehören vielfach zu den Fake-News-Verbreitern, als die sie andere brandmarken, und sind grundsätzlich journalistisch eher von niedrigem Wert. Zu allem Übel gestehen sie die Agenda, die sie verfolgen, aber nicht mal ein. Sie sind also auch noch feige.

Wenn ich mein Medienverhalten insgesamt betrachte, merke ich, dass die Zeit, die ich mit gedruckten Inhalten verbringe, weniger geworden ist. Das liegt aber auch daran, dass ich sie mir nicht so bewusst nehme, wie ich vermutlich sollte. Ich höre zudem während Autofahrten gerne Nachrichtensender, etwa den Deutschlandfunk, einfach weil die Informationsdichte hier derart geballt ist, dass schon 30 Minuten Fahrt ausreichen, um etwas Neues zu lernen und bei einem Thema fundiert mitreden zu können. Das muss man erst einmal schaffen. Das gilt auch für den sehr erwähnenswerten Podcast „Der Tag“ vom DLF – kurz alles zusammengefasst, was heute wichtig war, und das unterhaltsam präsentiert. Podcasts sehe ich ohnehin als einen der größeren Trends und ich würde mich freuen, wenn man da im Lokalen mehr draus macht – denn gerade da kann man mit dem Medium gut punkten.


Volker Dohr studierte von 2004 bis 2008 an der Hochschule Darmstadt Online-Journalismus und arbeitete von 2006 bis 2017 in wechselnden Positionen bei t-online.de. Seit 2014 ist er Lehrbeauftragter an der Hochschule Darmstadt.

In der von Christoph Koch betreuten Rubrik Medienmenü stellen regelmäßig interessante Persönlichkeiten die Medien vor, die ihr Leben prägen. Ihr könnt per Mail an christoph@krautreporter.de vorschlagen, wen er porträtieren soll.

Illustration: Veronika Neubauer. Foto: privat.