Der Podcast-Boom von A bis Z

Der Podcast-Boom von A bis Z

Christoph Koch
Verfasst von
am, etwa % Minuten Lesedauer

Apps

Natürlich kann man Podcasts auch im Browser per Stream anhören. Das Praktische an dem Medium ist aber zum einen die Abofunktion – neue Folgen werden automatisch heruntergeladen – und zum anderen die Möglichkeit, diese Folgen dann offline und unterwegs anzuhören. Hier kommen sogenannte Podcatcher-Apps ins Spiel. Für iOS sind Downcast, → Overcast und die hauseigene Podcast-App von Apple zu empfehlen. Für Android haben sich Pocket Casts, AntennaPod und BeyondPod bewährt. Auch Streaming-Plattformen wie Spotify und Deezer bieten die Möglichkeit, Podcasts anzuhören (→ DRM).

Basics

Schnell das Wichtigste für Leser, die sich mit dem Thema noch gar nicht beschäftigt haben. Wer schon weiß, was Podcasts sind und welche abonniert hat, kann fröhlich zu Buchstaben C wie → Cash weiterhüpfen.

Ein Podcast ist eine Reihe von Audiodateien (streng genommen auch Videodateien, dieser Text wird sich aber vorwiegend auf Audiopodcasts konzentrieren). Diese Audiodateien werden meist in regelmäßigen Abständen veröffentlicht und liegen dann dauerhaft zum Abruf im Netz bereit. Man kann sie also auch uneingeschränkt auf eigene Geräte speichern und zeitversetzt anhören. Dadurch, dass diese Dateien nicht einfach nur ins Netz gestellt werden, sondern der Macher sie in einem Feed (→ RSS) ankündigt, ist es sehr einfach, einen Podcast zu abonnieren. Mit der entsprechenden → App wird man dann automatisch auf eine neue Folge aufmerksam gemacht oder diese – falls man das wünscht und so eingestellt hat – auch direkt heruntergeladen.

Cash

In der Recherchephase für dieses Alphabet habe ich Krautreporter-Leser (und alle anderen, die sich für Podcasts interessieren) in einer Online-Umfrage nach ihren → Empfehlungen gefragt. Ich wollte aber auch wissen, welche Hintergrundaspekte sie zum Thema Podcasts interessieren. Erst einmal ein herzliches Dankeschön an die über 1.400 Leser, die die Umfrage ausgefüllt haben. Hat extrem geholfen!

Sehr häufig wurde das Thema Finanzierung von Podcasts genannt und gefragt, ob sich die Sache im Verhältnis zum betriebenen Aufwand „rechnet“. Max Jacob Ost vom Fußballpodcast „Rasenfunk“ war so nett, mir einen Blick hinter die Kulissen zu gestatten.

Auf meine Frage nach dem zeitlichen Aufwand sagt Max: „Ich schaue im Idealfall pro Spieltag fünf Spiele über die komplette Spielzeit und zu allen anderen zwei Zusammenfassungen. Dazu kommt noch ein bisschen Statistikstöbern, Hörerfragen sammeln, manchmal Hintergrundgespräche. Für die Vorbereitung gehen dadurch acht bis zehn Stunden drauf, für die Produktion dann vier bis fünf inklusive Aufnahme.“ Die „Schlusskonferenz“, eines von drei Sendungsformaten, die der „Rasenfunk“ hat, sei in Sachen Aufwand aber ein Sonderfall. „Für meine anderen Formate kann man als Vorbereitungszeit immer von etwa der doppelten Sendungslänge ausgehen. Für das Tribünengespräch zu Doping im Fußball oder der Geschichte der Fußballtaktik habe ich mich vorher schon sauber eingelesen.“

Und wie viel Geld nehmen Max und sein Mitstreiter Frank Helmschrott mit dem Podcast ein? „Über → Patreon und Überweisungen kommen im Monat inzwischen 800 bis 900 Euro von über 300 Unterstützern rein.“ Das habe nach einer Weile die Startkosten eingespielt („Ich habe rund 2.000 Euro in Headsets und solchen Kram gesteckt“). Inzwischen bleibt abzüglich der laufenden Kosten jeden Monat etwas übrig.

Da der „Rasenfunk“ werbefrei ist, sind die Einnahmen nicht unmittelbar an die Zahl der Zuhörer gekoppelt. Trotzdem wollte ich wissen, wie viele Fußballfans regelmäßig zuhören: „Wir liegen pro Folge bei rund 10.000 Downloads“, sagt Max. Downloads sind dabei allerdings nicht gleich Hörer (→ DRM).

„10.000 Downloads ist im Sportpodcastbereich sehr sehr gut, generell aber noch sehr nischig. Größere Podcasts erreichen um die 30.000, die ganz großen Dickschiffe 100.000 und mehr.“ Obwohl der „Rasenfunk“ also zu den größten Fußballpodcasts gehört, kann Max nicht ansatzweise davon leben. Sein nächstes Etappenziel, sagt er, ist genug einzunehmen, um seinen „normalen“ Beruf als Social-Media-Berater um einen Tag pro Woche zurückfahren zu können. „Der 'Rasenfunk' frisst meine Wochenenden ziemlich auf, und das wird auch so bleiben“, sagt er. „So ist Sportjournalismus nun mal. Aber Sportjournalisten haben halt unter der Woche mal einen Tag frei, was bei mir nicht drin ist.“

DRM

DRM steht für Digital Rights Management, also für einen digitalen Kopierschutz. Solche Einschränkungen sind dem Podcast vom Wesen her fremd. Die meisten Podcasts bestehen aus MP3-Sounddateien, die beliebig heruntergeladen und kopiert werden können. Dadurch ist es auch einfach, Podcasts zu erstellen, zu hosten – für die Nutzer ist es wiederum einfach, Podcasts auf nahezu jedem Gerät anzuhören.

Dieses System führt einerseits dazu, dass es sehr schwierig ist, valide Zahlen für einzelne Produktionen oder gar die Gesamtheit aller Podcasts zu erheben. Denn durch die unkomplizierte Verbreitung und Vervielfältigung es ist eben kaum möglich, alle verschiedenen Wege verlässlich zu tracken, auf denen ein Podcast abgerufen, gestreamt, kopiert, abonniert oder heruntergeladen werden kann. Gleichzeitig sorgt dieses Modell für ein dezentralisiertes, freies und offenes Ökosystem, das nur sehr schwierig zu kontrollieren und kommerzialisieren ist. Selbst Apple stellt im iTunes-Store den direkten → RSS-Feed des jeweiligen Podcasters zur Verfügung, verweist also die Podcatcher-→Apps direkt auf die Quelle.

Empfehlungen

Die 25 Podcasts, die die Teilnehmer in unserer Umfrage am häufigsten empfohlen haben, sind:

Update: Da zurecht bemängelt wurde das in dieser (durch Abstimmung entstandenen) Liste keine weiblichen Podcasts auftauchen, als Ergänzung hier eine von Nele Heise zusammengestellte und sehr umfangreiche Liste von Podcasterinnen: https://goo.gl/r9L64A

Fiktive Podcasts

Insgesamt sind Podcasts eindeutig ein Non-Fiction-Medium. Die große Mehrheit liefert journalistische Inhalte oder Talk- und Interviewformate. Seit einiger Zeit gibt es jedoch auch einige wenige fiktive Podcasts, vorwiegend allerdings aus den USA: „The Message“ und „LifeAfter“ sind zwei relativ aufwändig produzierte Podcasts, die von General Electric finanziert wurden. „Alice Isn’t Dead“ ist ein gruseliges Roadmovie zum Anhören, gemacht von den Produzenten von „Welcome To Nightvale“, einem sehr frühen fiktiven Podcast. „Homecoming“ ist der erste fiktive Podcast des erfolgreichen Netzwerkes → Gimlet, das für die Folgen seines Psychothrillers etablierte Schauspieler wie Catherine Keener („Capote“), Oscar Isaac („Inside Llewyn Davis“) und David Schwimmer („Friends“) engagiert hat.

Gimlet Media

Ein Beispiel für ein sogenanntes Podcast-Network. Diese Netzwerke fungieren mal als fester, mal als loser Zusammenschluss von verschiedenen Einzelpodcasts und deren Machern. Das erleichtert unter anderem die Verbreitung, die Werbevermarktung und das gemeinsame Nutzen von Ressourcen. Die Art und Weise, wie diese Zusammenschlüsse funktionierten, ist dabei sehr unterschiedlich. Manche Netzwerke bündeln unabhängige Podcasts für einen gemeinsamen Auftritt nach außen, andere bezahlen Podcaster mit einem pauschalen Honorar für jede aufgezeichnete Sendung und übernehmen die Produktion und Vermarktung komplett selbst.

Wichtige US-Netzwerke sind neben Gimlet unter anderen Earwolf, 5by5, HowStuffWorks, Panoply Media, RelayFM und TheHeard. In Deutschland sind Podcast-Netzwerke immer noch weitgehend unbekannt, am ehesten gehen vielleicht die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten in diese Richtung, die ihre Podcasts ebenfalls gemeinsam anbieten. Allerdings sind viele dieser Podcasts „nur“ recycelte Radiosendungen und werden nicht eigens als Podcast produziert.

Huffduffer

Die Webseite huffduffer.com liefert so etwas wie einen Podcast-Baukasten. Hat man ein Konto erstellt, kann man beliebige Audiodateien, die man im Netz findet, sammeln und in einem eigenen Podcast veröffentlichen (→ RSS).

International

Die USA gelten als Hochburg des Podcastings, die erfolgreichsten Sendungen kommen von dort. In Großbritannien wurde „Podcast“ im Jahr 2005 von den Redakteuren des New Oxford American Dictionary zum Wort des Jahres gewählt.

Jay Wilds

Zentraler Zeuge im Prozess gegen Adnan Syed – bekannt durch „Serial“, den extrem erfolgreichen True-Crime-Podcast aus dem Jahr 2014. „Serial“ ist ein Ableger des berühmten Podcasts „This American Life“ und wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. In zwölf Episoden rollten die investigativen Journalistinnen Sarah Koenig und Julie Snyder den Mordfall der Schülerin Hae Min Lee aus Baltimore im Jahr 1999 wieder auf. Ihr Ex-Freund Adnan Syed war damals verhaftet und zu lebenslanger Haft verurteilt worden – unter anderem aufgrund der belastenden Aussage des gemeinsamen Freundes Jay Wilds. Dieser sagte aus, Syed habe ihm den Mord an Hae Min Lee gestanden und sie hätten anschließend gemeinsam die Leiche vergraben. Koenig und Snyder weisen in „Serial“ auf eine Reihe von Ungereimtheiten hin, können am Ende aber auch nicht klar sagen, ob Syed ihrer Meinung nach schuldig ist oder nicht. Die Aufmerksamkeit durch den über 80 Millionen Mal heruntergeladenen und medial extrem präsenten Podcast sorgte jedoch dafür, dass das alte Verfahren gegen Syed für ungültig erklärt wurde und der Fall neu verhandelt werden wird.

Küche

Podcasts sind ein klassisches Nebenbei-Medium. Das bestätigte auch die Umfrage unter Krautreporter-Lesern (→ Empfehlungen). Dort wurde als Grund für die Beliebtheit von Podcasts sehr häufig genannt, dass man sie nebenbei konsumieren kann, ohne sich visuell darauf konzentrieren zu müssen. Auf dem Weg zur Arbeit etwa, beim Aufräumen, Bügeln – oder eben beim Kochen.

Leidenschaft

Da sich mit Podcasts nur schwierig Geld verdienen lässt (→ Cash), scheint Leidenschaft für ein bestimmtes Thema eine häufige Motivation hinter Podcasts zu sein. Viele Teilnehmer meiner Online-Umfrage wollten ebenfalls wissen, was Podcast-Macher antreibt. Ich habe deswegen bei einigen von Ihnen nachgefragt:

Was hat dich dazu gebracht, einen Podcast zu starten?

  • In der 2012 noch vergleichsweise dünnbesiedelten, deutschsprachigen Podcast-Szene fehlte mir ein Format, das mein Interesse für abseitige Kinokultur widerspiegelt. Ich bin ein ungeduldiger Mensch. Also beschloss ich, diese Lücke gemeinsam mit einem Freund selbst zu schließen. (Patrick Lohmeier, Bahnofskino-Podcast)
  • Ich war erst einige Mal als Gast bei dem bereits laufenden Projekt dabei und höre Podcasts schon lange sehr gerne selbst. Als der Gründer Manuel Fritsch Anfang 2012 das Team erweitern wollte, kam ich dauerhaft als Moderator an Bord. Seitdem betreiben Manu, Michael Cherdchupan und ich den Podcast zu dritt. (Daniel Raumer, Insert Moin)
  • Ich hätte gern beruflich den Weg zum Radio gewählt. Das hat sich damals aber leider nicht realisieren lassen. Insofern hole ich durch das Podcasten einen Kindheitstraum nach. (Martin Rützler, Sendegarten)

Wie viel Zeit investierst du pro Folge?

  • Etwa 10-12 Stunden: (5-6 Stunden Vorbereitung, 2 Stunden Aufnahme, 2 Stunden Produktion & Release, 1-2 Stunden Bewerbung in sozialen Netzwerken. (Patrick Lohmeier)
  • Die reine Aufnahme dauert so zwischen 30 Minuten und einer Stunde. Wir laden das Rohfile dann in ein Online-Tool, das automatisch die Lautstärke normalisiert, Intro und Outro einfügt und auf unseren Server lädt. Da wir ein Games-Podcast sind, ist der größte Zeitfresser vielmehr das Sichten der Spiele. Da muss man schon mal 25 Stunden spielen, bis man auf einen Cast vorbereitet ist. (Daniel Raumer)
  • Ich habe verschiedene Produktionen. Für den 14-täglichen Sendegarten brauche ich schon mindestens einen Abend Planungsvorbereitung. Meist sogar etwas mehr Zeit, da ich möglichst viele Eindrücke sammeln möchte und Episoden der Gäste (ebenfalls Podcaster) vorhöre. Für die Nachbereitung geht dann meist noch ein Samstagnachmittag drauf. Die anderen Formate sind unterschiedlich und der Aufwand reicht je Folge von einer Stunde bis zu einem Tag. (Martin Rützler)

Was war anfangs die größte Hürde?

  • Warum klingt die Aufnahme über mein altes Mikrofon, als funke ich aus einem feuchten Kellerloch? Wie funktioniert eigentlich so eine Audio-Software? Wie mache ich meinen Feed iTunes-kompatibel? Kurz: Technik. Technik. Und nochmals Technik. (Patrick Lohmeier)
  • Da ich das Podcasten bereits als Gast kannte, war es im Grunde gar keine Hürde, selbst Folgen aufzunehmen. Wenn die Aufnahme läuft, gerät man schnell ins Plaudern mit den Gästen und vergisst schnell, dass einem später so viele Menschen zuhören. (Daniel Raumer)
  • Ich dachte, der Sache nicht gerecht werden zu können. Hatte Sorge, dass mir im Interview keine Fragen mehr einfallen würden. Dass ich das Thema überhaupt nicht durchdringen könnte. Und auch Sorge, aufnahmetechnisch zu versagen. Habe meine ersten Schritte deshalb sehr lange vor mir hergeschoben. Bis ich mir sagte, dass ich nur aus genau diesen Fehlern lernen würde. Dann habe ich es einfach gewagt. Aber die Aufregung/Sorge ist mir treu geblieben. Lampenfieber ist immer noch da. (Martin Rützler)

Mailchimp

Firma, die sich (ebenso wie Casper oder Squarespace) stark im → Sponsoring von US-Podcasts engagiert. Dabei werden die Werbetexte oft von denselben Personen gesprochen, die auch in den Podcasts zu hören sind – wodurch im Idealfall deren Authentizität und Glaubwürdigkeit auf die Marke abfärben soll. In einem Interview mit dem Wirtschaftsmagazin Fast Company sagt Mailchimp-Marketingchef Mark DiChristina: „Es ist keine so abrupte Unterbrechung. Die Zuhörer sind ein wenig geduldiger, wenn sie Werbung hören, die ihnen von der Person vorgelesen wird, der sie eh schon zuhören. Außerdem können sie sich danach besser an den Markennamen erinnern.“

Nachts

Nicht nur als Untermalung von Tätigkeiten im Haushalt und der → Küche sind Podcasts laut der KR-Umfrage beliebt. Viele gaben auch an, dass sie Podcasts gerne vor dem oder zum Einschlafen hören. „Super zum Einschlafen, gut gegen Einsamkeit“, schreibt beispielsweise Mira. Oder Steffen: „Perfekt für unterwegs und zum Einschlafen.“ Kein Wunder also, dass es inzwischen einen eigenen Podcast gibt, der sich darauf spezialisiert hat, Leute in den Schlaf zu reden.

Overcast

Meine ganz persönliche Podcatcher-Empfehlung. Programmiert von Marco Arment, dem ich bereits den für mich unverzichtbaren Dienst Instapaper verdanke. Arment ist selbst ein umtriebiger Podcaster, er macht zusammen mit Casey Liss (→ Technik) den „Accidental Tech Podcast“ und schreibt auf seinem Blog immer wieder sehr lesenswert über das Podcasten.

Patreon

Neben → Sponsoring ist freiwillige Unterstützung durch die Hörer eine gute Einnahmequelle für Podcaster. In den vergangenen Jahren hat sich hier vor allem die Plattform Patreon hervorgetan. Im Gegensatz zum klassischen Crowdfunding geht es dabei nicht um eine einmalige Unterstützung, sondern um einen regelmäßigen (in der Regel monatlichen) Geldbetrag, mit dem eine dauerhafte Arbeit ermöglicht und Planung erleichtert werden soll. Der erfolgreichste Podcast auf Patreon, der Chapo Trap House Podcast (Thema: Politik & Humor) kommt mit über 10.000 regelmäßigen Unterstützern auf derzeit über 48.000 US-Dollar monatliche Einnahmen. Radio Nukular, einer der bekanntesten deutschen Podcasts, kommt auf derzeit rund 3.700 Dollar Patreon-Einnahmen pro Monat.

Quellen

Wichtige Ergänzung zu fast allen Podcasts: die sogenannten Shownotes. In dieser mit jeder Episode ausgelieferten Textdatei gibt es eine Art schriftliche Gliederung zur Sendung, und die Macher können Links zu den Dingen veröffentlichen, über die sie sprechen.

RSS

Abkürzung für Real Simple Syndication. Diese Technologie zum Abonnement von Webseiten wird auch für die meisten Podcasts eingesetzt (→ DRM). Dieses Bereitstellen von Artikeln oder Audiodateien im RSS-Format bezeichnet man auch als RSS-Feed.

Sponsoring

Wichtige Einnahmequelle für Podcasts. Wobei der Begriff Sponsoring zwar meist offiziell verwendet wird, jedoch ein wenig in die Irre führt. Sponsoring suggeriert ja, dass jemand einen fixen Geldbetrag bezahlt, um in der Sendung genannt zu werden („Diese Sendung wird Ihnen präsentiert von...“). In der Realität handelt es sich bei Podcast-Sponsoring in den meisten Fällen jedoch um eine klassische Conversion-Messung. Zusammen mit der Nennung des Sponsors wird ein Gutscheincode oder eine spezielle, mit dem Podcast verknüpfte Webadresse genannt (meist „Sponsorenwebseite-Schrägstrich-Podcastname“). Somit kann der Sponsor messen, wie viele Verkäufe tatsächlich durch das Sponsoring dieses einen Podcasts erzielt werden. Das kann natürlich auch bedeuten, dass er sein Sponsoring wieder einstellt, falls ihm diese Zahlen nicht gefallen. Trotzdem scheint dieses Modell ein einigermaßen fairer Kompromiss zwischen den Interessen des Sponsors und des Podcasters zu sein, vor allem vor dem Hintergrund der nicht valide messbaren Zuhörerzahlen.

Technik

Casey Liss comoderiert die Sendungen „Accidental Tech Podcast“ und „Analogue“. Beide sind sehr gut produziert, deshalb erachte ich ihn als sehr gute Quelle für die Frage: Welchen Technikkram brauche ich, um einen Podcast so aufzunehmen, dass er nicht klingt wie ein Dosentelefon? In einem ausführlichen Blogpost schreibt Liss, was er selbst nach einigen Jahren des Ausprobierens verwendet. Zusammenfassung: ein Mikro (Shure BETA 58A, ca. 180 Euro) mit Poppschutz aus Schaumstoff. Ein Stativ (Rode PSA1, 90 Euro), einen Stummschalter fürs Mikro (Rolls MS111, 85 Euro), einen Vorverstärker (Sound Devices USBPre2, 1.200 Euro), Kopfhörer (Beyerdynamic DT 770 Pro 32, 180 Euro) sowie Kabel. In seinem Blogpost beschreibt Liss außerdem noch sein mobiles Setup, mit dem er Podcasts auch auf Reisen produzieren kann, und die Software, die er verwendet.

Update: Ein deutlich preisgünstigeres Setup empfiehlt Ralf Stockmann auf der insgesamt sehr nützlichen deutschen Podcast-Plattform Sendegate.

Ultraschall

Beliebte Podcast-Software, genauer gesagt eine Erweiterung der Audiosoftware Reaper (eine Alternative zu Reaper wäre Audacity, diese Art von Software nennt man offiziell Digital Audio Workstations oder DAWs). Eine häufig in der Postproduktion eingesetzte Software, die beispielsweise Störgeräusche eliminiert oder die Lautstärke intelligent auspegelt, ist Auphonic. Bei der Veröffentlichung von fertigen Podcasts kann der Podlove Publisher von Tim Pritlove helfen, einem der wichtigsten deutschen Podcaster.

Video

Die ersten Podcasts waren Sendungen zum Hören und wurden anfangs noch als „Audioblogging“ bezeichnet. Die Verbreitung (ein → RSS-Feed, der Nutzer benachrichtigt und auf die Datei verweist, sowie die Datei, die zum Download bereitsteht) lässt sich aber natürlich auch für Videopodcasts anwenden.

Wie viele?

Wie viele Leute hören den Podcast XY? Diese Frage ist schwierig zu beantworten. Denn durch die vielfältigen Abrufmöglichkeiten (→ DRM) gibt es nicht eine zentrale Stelle, an der alle Hörer erfasst werden. Der Podcaster selbst sieht zwar die Anzahl der Downloads, also wie häufig die Audiodatei von seinem eigenen Server heruntergeladen wurde, aber a) bedeutet diese Zahl nicht, dass die Folge auch tatsächlich gehört wurde und b) gibt es oft noch zahlreiche andere Kanäle, auf denen Hörer nicht in die Downloadstatistik einfließen (→ Youtube, Spotify, Deezer etc.) Verglichen mit den Metriken, die für Webseiten verfügbar sind (wer kommt von wo auf meine Seite, was klickt er an, wie lange bleibt er etc.), sind Podcasting-Statistiken eine ziemliche Black Box.

In einem sehr interessanten Interview gibt Rob Walsh von der Firma Libsyn, dem größten Hosting-Service für Podcasts, ein paar generelle Zahlen heraus. Walsh sagt, die relevante Metrik, auf die Podcaster achten sollten, sind die Downloads pro Episode 30 Tage nach Veröffentlichung. Der Median für alle bei Libsyn gehosteten Podcasts liegt bei 150 Zugriffen binnen dieser ersten 30 Tage. Mit 5.000 Downloads ist man bereits in den obersten 8 Prozent. Ebenfalls interessant: Am meisten Hörer (über 70 Prozent) kommen nach wie vor über die Podcast-Sparte des iTunes Music Stores und die Apple-eigene Podcast-App.

X-Oriente

Auch die Freimaurer haben ihre eigenen Podcasts. Einer davon heißt „X-Oriente“. Bitte keine Verschwörungstheorie wittern – es ist einfach wahnsinnig schwierig, einen Begriff mit X zum Thema Podcasting zu finden...

Youtube

Vielleicht größte (wenn auch weniger offene) Konkurrenz zum Medium Podcast. Auch hier sind die Zutrittsbarrieren für Produzenten niedrig, man kann bequem Sachen abonnieren und → zeitsouverän nischige Dinge gucken, die außer einem vielleicht nur ein Dutzend andere Menschen interessieren. Selbst klassische Audio-Podcasts (wie beispielsweise das oft zurecht empfohlene „This American Life“) stellen ihre Sendungen ebenfalls auf Youtube ein.

Zeitsouveränität

Ein weiteres großes Plus für viele Teilnehmer der Podcast-Umfrage: Zeitsouveränität. Man kann Podcasts hören, wann immer man will und ist nicht an feste Sendezeiten gebunden. Klingt heute, im Zeitalter von Netflix und Co. selbstverständlich – aber man darf nicht vergessen, dass Podcasts diese Feature schon seit kurz nach der Jahrtausendwende bieten.


Illustration: Sibylle Jazra für Krautreporter; Bildredaktion: Martin Gommel; Produktion: Vera Fröhlich