Was Frankreich und die Welt von Norwegens Reaktion auf das Utoya-Massaker lernen kann

Was Frankreich und die Welt von Norwegens Reaktion auf das Utoya-Massaker lernen kann

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Im Juli 2011 zündete der rechtsradikale, christliche Fundamentalist Anders Breivik eine Bombe in Oslo und schoss anschließend gezielt auf Jugendliche in einem Ferienlager auf der Insel Utøya. Insgesamt starben bei dieser Terrorattacke 77 Menschen.

Die Reaktion des Landes gilt vielen noch heute als vorbildlich. Während andere Länder auf Terrorattacken oft mit strengeren Gesetzen, harter Kriegsrhetorik und militärischen Gegenschlägen reagieren, tat Norwegens Regierung das Gegenteil. „Unsere Antwort ist mehr Demokratie, mehr Offenheit, mehr Humanität, “ sagte der damalige Ministerpräsident Jens Stoltenberg beim Trauergottesdienst nur 2 Tage nach der Tat. Statt mit Rache, Vergeltung und Härte zu drohen, setzt Stoltenberg auf Zuversicht und Besonnenheit.

Norwegen hat den Angriff des Islamhassers Breivik in erster Linie als Angriff auf die freie und offene Gesellschaft verstanden. Anstatt mit Angst zu reagieren, trotze Norwegen mit allem was Breivik verabscheute.

Wichtig für die Reaktion des Landes war der Gerichtsprozess bei dem Breivik zu 21 Jahren Haft mit anschließender Sicherheitsverwahrung verurteilt wurde. In dem geradlinigen, unaufgeregten, ja fast schon bürokratischen Prozess wurden die Taten in Paragrafenform abgehandelt; auf die einzigartige Grausamkeit reagierte der Rechtsstaat mit der alltäglichen Banalität der Gerichtsmühlen. Dadurch wurde dem Täter und seinen Taten jegliche Verklärung und Überhöhung geraubt.

Nichtsdestotrotz, wurde Stoltenbergs Sozialdemokraten danach abgewählt. Heute reagieren die Rechtskonservativen gemeinsam in einer Koalition mit der rechtspopulistischen Fortschrittspartei, deren Mitglied Breivik einst war.

Eine solche sanfte Reaktion ist heute in Frankreich viel schwerer vorstellbar. Zum einen, haben sich die Terroristen durch Selbstmord der rechtsstaatlichen, geordneten Aufklärung und Bestrafung entzogen.

Zum anderen handelt Breivik als unauffälliger, einheimischer Einzelgänger, während die Attentäter von Paris wohl im internationalen Terrornetzwerk IS agierten.

Dennoch kann Frankreich genauso wie Norwegen mit mehr Offenheit, Liebe, Großherzigkeit und Liberalität reagieren. Die Attentäter zielten in Paris auf die Lebenslust junger Menschen: ein Rockkonzert, Cafés, ein Fußballmatch. Auch Frankreich, ja die ganze Welt kann auf solchen Terror mit mehr Lebenslust und weniger Gewalt reagieren. Denn das ist das genaue Gegenteil des IS-Terrors. Oder um es mit den Worten einer Überlebende von Utøya zu sagen: "Wenn ein Mann so viel Hass zeigen kann, stell dir vor wie viel Liebe wir alle zusammen zeigen können.“


Aufmacher-Foto: Blumen und Kuscheltiere in Oslo nach den Anschlägen, 2011/flickr/CC BY-SA 2.0