Wie du die Zuversicht bewahren kannst

Eine kurze Anleitung

7 Teile

Willkommen im Zusammenhang „Wie du die Zuversicht bewahren kannst“ Hier findest du alle wichtigen Texte und Informationen zum Thema, damit du dir einen schnellen und guten Überblick verschaffen kannst.

Eine Einführung

Mein Name ist Esther Göbel, und ich möchte dir an dieser Stelle etwas versprechen: Zuversicht. 
Womöglich lachst du jetzt kurz; Zuversicht? Im Jahr 2020? Corona, Lockdown 1, Lockdown 2, islamistische Attentate über Europa verteilt, die Präsidentschaftswahlen in den USA, das Flüchtlingsdrama in Moria (und das anhaltende im Mittelmeer), die Hafenexplosion in Beirut, der Krieg in Jemen – auch ich habe in diesem Jahr oft genug gedacht: „Die Welt geht den Bach runter. Es wird alles nur noch schlimmer.“ Bloß: Ist wirklich alles so schlimm? 

Die kurze Antwort lautet: nein. Wie ich zu dieser Aussage komme, erkläre ich dir in diesem Zusammenhang anhand von fünf Texten. Sie lehnen sich an ein Buch an, das meiner Serie als Inspiration diente und das mir im vergangenen Jahr ein Kollege in die Hand gedrückt hat: „Factfulness“ von Hans Rosling. Der schwedische Professor für Internationale Gesundheit hat zahlreiche Fakten zusammengetragen, die beweisen: Die Welt ist besser, als du denkst. Ja, tatsächlich!

Wenn du diesen Zusammenhang gelesen hast, wirst du danach klarer auf unsere Welt blicken. Weniger schwarz/weiss, mehr sowohl als auch. Ich möchte nichts schönreden. Aber ich will dich zu zwei Dingen ermutigen: Überprüfe deine Vorurteile – und wage einen selbstkritischen Blick. Dann verstehst du: Wir reden unsere Lage systematisch schlecht. Die Welt ist anders, als du denkst. Denn es gibt sehr viele Gründe, zuversichtlich zu sein:

Zeit für einen Artikel?

Grund 1: Unsere Instinkte legen uns herein

Fangen wir ganz von vorne an: Wieso denken wir so schlecht über die Welt? Weil negative Nachrichten uns stark beeinflussen – aber auch, weil wir in „falschen Instinkten“ denken. So drückt es Hans Rosling aus. Glaubst du nicht? Rosling konnte es beweisen: Er stellte 12.000 ziemlich klugen Menschen Fragen über den Zustand der Welt: von Armut bis zu Bevölkerungswachstum, von Gewalt bis zum Zustand der Umwelt. Im Schnitt beantworteten seine Probanden nur zwei von zwölf Fragen richtig. Sie schätzten die Lage der Welt systematisch schlechter ein, als sie tatsächlich ist. Hätten Affen per Bananenwurf antworten können – sie lägen rein statistisch öfter richtig, errechnete Rosling. Demütigend, oder? Mich haben Roslings Ergebnisse jedenfalls wach gemacht. Und ja, auch demütig. Vor allem, weil auch ich den Test nicht bestanden habe. Und du? Hier kannst du mehr lesen und den Test selbst machen:

Hier entsteht etwas Neues

Dieser Zusammenhang ist groß. Deswegen gibt es ihn bald auch als stückweisen E-Mail-Kurs. Daran arbeiten wir gerade, komm also bald zurück.

Zeit, das alles zu verstehen?

Grund 2: Wir denken viel zu negativ

Manchmal, wenn ich Nachrichten über Klimapolitik lese, denke ich: „Die Politik kriegts einfach nicht hin, es wird sich niemals etwas ändern!“ Diese Haltung nennt Hans Rosling „den Instinkt der Negativität“. Wir denken zu stark in negativen Mustern, einfach, weil wir es gewohnt sind. Aber es gibt Grund zur Hoffnung: Die Länder dieser Welt sind in der Lage, globale Probleme zu lösen. Sie haben es schon einmal geschafft: Damals, als das Montreal-Protokoll unterschrieben wurde. Es gilt als wichtigstes Umweltabkommen überhaupt. Denn es führte dazu, dass Fluorkohlenwasserstoffe (FCKW), die extrem schädlich auf die Erdatmosphäre einwirken und zum Ozonloch führten, seit 1989 verboten sind. So erholt sich das Ozonloch langsam. 196 Staaten haben sich über die Jahre zu dem Abkommen verpflichtet. In diesem Text rekonstruiere ich für dich, wie es dazu kam. Eine Erklärung ist die „Theorie der drei P’s“: Das Ozonloch hatte durch die Hautkrebsgefahr, die es verursachte, einen persönlichen Bezug zu jedem einzelnen (personal), es war spürbar (perceptable), und es gab praktische Lösungen (practical solutions) für den Ausstoß der FCKW. Die Entstehung des Abkommens ist eine abenteuerliche (Wissens-)Geschichte. Die gleichzeitig auch zeigt: Politischer Wandel ist möglich! 

Grund 3: Wir denken zu eindimensional

Schwarz – weiß, Frau – Mann, gut – böse, homosexuell – heterosexuell, Erste Welt – Dritte Welt: Unser Kopf denkt gern in Entweder-oder-Kategorien, in einem binären System. So haben wir es erlernt. Denn so ordnen wir für uns die Welt, schaffen uns Sicherheit (oder nehmen das zumindest an). Hans Rosling nennt diese Denkweise den „Instinkt der Kluft“. Denn neben einer vermeintlichen Sicherheit schafft dieses Denken leider noch etwas: Eine Distanz zwischen beiden Polen. Es gibt jedoch Menschen, die schon weiter sind und die Kluft übersprungen haben. So zum Beispiel in der „WG mal anders“ in Goch in Nordrhein-Westfalen. Dort leben behinderte und nicht-behinderte Menschen zusammen. Sie bewältigen den Alltag gemeinsam. Und haben mir beigebracht: Jenseits der Kategorien entsteht eine neue Freiheit. Nach den zwei Tagen meines Besuchs hatten sich die Kategorien behindert – nicht-behindert in meinem Kopf aufgelöst. Und die „WG mal anders“ war einfach nur noch ein Ort großer Gemeinschaft, an dem ich gern noch länger geblieben wäre.

Grund 4: Wir lassen uns von falschen Glaubenssätzen leiten

Was einmal so war, wird immer so bleiben. Wer einmal gelogen hat, wird wieder lügen. Menschen ändern sich nicht. Solche Glaubenssätze beschreibt Hans Rosling als „Instinkt des Schicksals“. Das Problem daran: Sie nageln Menschen in ihrem Schicksal fest, rauben jeden Raum für Veränderung. Dass dieser „Instinkt des Schicksals“ jedoch auf einer falschen Annahme fußt, hat mir ein Land gezeigt, von dem ich es niemals erwartet hätte: Ruanda. Dort, wo sich vor mehr als 20 Jahren Nachbarn ermordeten und den letzten Völkermord des 20. Jahrhunderts begangen haben, befindet sich heute ein Land im Aufbruch, voller Hoffnung und Wachstum. Im Global Gender Gap Index, der die Geschlechtergerechtigkeit misst, befindet sich Ruanda 2020 auf Platz 9. Noch vor Deutschland. Und die junge Generation sagt: „Wir haben den Genozid überwunden!“ 

Grund 5: Wir haben zu viel Angst und vertrauen nicht auf unsere innere Stärke

Kennst du diesen Gedanken? Dass bestimmt bald etwas Schlimmes passieren wird in deinem Leben? Dass eine Tragödie über dich hereinbrechen wird, die du niemals überstehen wirst? Ich denke diese Gedanken viel zu oft. Und vor allem: Ich denke sie immer ohne konkreten Anlass. Allein bin ich damit nicht: Viele Menschen blicken pessimistisch in die Zukunft und gehen vom Schlimmsten aus – sie lassen sich von ihrem „Instinkt der Angst“ leiten, wie Rosling es nennt. Doch selbst wenn die größten Ängste wahr werden, gibt es noch Hoffnung. Die drei Schicksale aus diesem Text erzählen davon: Jenny hat zwei Väter verloren, Silke ihren Job, Hannelore wurde vergewaltigt. Trotzdem hat jede von ihnen für sich einen Weg gefunden, an den Erfahrungen nicht zu zerbrechen. „Traumafolgen sind bearbeitbar und behandelbar“, so sagt es eine Expertin in meinem Text. „Niemand muss sich mit einem Trauma abfinden.“ Deswegen ist das meine Take-Home-Message für dich: Es gibt immer Gründe, zuversichtlich zu bleiben. Oder wie es die Philosophin Natalie Knapp formuliert (siehe weiterführende Tipps): Es ist vernünftig, Hoffnung zu haben.

Was andere dazu sagen

5 Quellen

Für Cineast:innen

Schon x-mal gesehen, funktioniert bei mir immer noch: Der Indie-Film „Little Miss Sunshine“ über eine schräge Familie und die 7-jährige Olive, die nicht wirklich dem Ideal einer Schönheitskönigin entspricht, aber unbedingt bei einem Schönheitswettbewerb antreten will. Also setzt sich die ganze Familie in einen gelben Bulli und fährt los. Der kiffende Opa, der suizidale Onkel, der schweigende Teenie-Sohn, die verzweifelte Mutter, der erfolglose Vater. Es wird ein Roadtrip der Herzen, des Muts – und der Komik.

Jetzt ansehen

Für Musikliebhaber:innen

Allein dafür, dass der britische DJ und Komponist Matthew Herbert mit einer Big Band und einem Chor den Brexit vertont hat (ja wirklich!) sollte man ihn meiner Meinung nach feiern. Was für eine Idee! Für seinen Song „You’re welcome here“ sollte man es aber auf jeden Fall. Denn dieser Song ist Zuversicht und Wärme, gegossen in Töne. Wer immer sich allein fühlt, hoffnungslos, erschöpft und grau, höre diesen Song.

Jetzt anhören

Für Leseratten

Jeder Mensch durchlebt Krisen, Phasen des Umbruchs und der Erneuerung. Nicht immer geschieht dies freiwillig. Wie neuen Mut finden? Und sich von der Angst nicht auffressen lassen? In meiner letzten Krise hat mir das Buch "Der unendliche Augenblick" der Philosophin Natalie Knapp geholfen: Sie beschreibt das Gefühl der Unsicherheit so, dass ich nach dem Lesen weniger Angst hatte – und das ist schon die halbe Miete, um gut durch unsichere Lebensphasen zu navigieren.

Jetzt lesen

Für Sportbegeisterte

Zugegeben: Wer gerade an der politischen Weltlage leidet, für die oder den ist das hier keine langfristige Lösung. Für mehr gute Laune und das Moment-High hilft aber – so banal es klingen mag – Sport! Wenn ich richtig schlechte Laune habe, trete ich mir selbst in meinen Hintern, schnüre mir die Laufschuhe an und gehe joggen. Danach habe ich a) bessere Laune und bin b) entspannter. Und wer entspannter ist, blickt auch entspannter auf die Welt. Dieser kurze TED-Talk berichtet sehr konkret von den positiven Auswirkungen, die Bewegung auf dein Gehirn hat.

Jetzt ansehen

Für Dokufans

Meine Kollegin Theresa schwärmt von dieser Dokumenation, in der ein Tierfilmer und Freitaucher einen Tintenfisch trifft – und daraufhin sein Leben ändert. Man kann aus dieser wirklich rührenden, aber unkitschigen Doku viel mitnehmen: den Mut beispielsweise, sein Leben zu ändern. Demut. Und die Erkenntnis, dass es nie zu spät ist, sein eigenes Tun, den eigenen Umgang mit Tier und Mensch zu hinterfragen. Deswegen ist die Doku „My Octopus Teacher“ für mich ein Stück Hoffnung.

Jetzt ansehen

Haben Sie etwas hinzuzufügen?

Für Feedback zu diesem Zusammenhang, schreibe mir: esther@krautreporter.de

Für Kritik, Fragen oder Hinweise kannst du mich jederzeit kontaktieren.

Teile dein Wissen mit mir

Interesse geweckt?

Ich bin Reporterin. Abonniere jetzt meinen Reporter-Newsletter.

Profilbild von Esther Göbel
Prompt headline