Wie du die Zuversicht bewahren kannst

Eine kurze Anleitung

6 Teile

Willkommen im Zusammenhang „Wie du die Zuversicht bewahren kannst“. Hier findest du alle wichtigen Texte und Informationen zum Thema, damit du dir einen schnellen und guten Überblick verschaffen kannst.

Eine Einführung

Profilbild von Esther Göbel
Esther Göbel

Reporterin für Feminismus und stellv. Chefredakteurin

Mein Name ist Esther und ich möchte dir an dieser Stelle etwas versprechen: Zuversicht. 
Im Jahr 2022? Nach nun mehr zwei Jahren Corona-Pandemie, mitten in einem Krieg, den Russland gegen die Ukraine führt, bei Inflationsraten so hoch wie seit der Wiedervereinigung nicht mehr? Ja, auch ich habe in den vergangenen drei Jahren immer häufiger gedacht: „Die Welt geht den Bach runter. Es wird alles nur noch schlimmer.“ Bloß: Ist wirklich alles so schlimm? 

Die kurze Antwort lautet: nein. Wieso ich das denke, erkläre ich dir in diesem Zusammenhang anhand von fünf Texten. Sie lehnen sich an ein Buch an, das meiner Serie als Inspiration diente: „Factfulness“ von Hans Rosling. Der schwedische Professor für Internationale Gesundheit hat zahlreiche Fakten zusammengetragen, die beweisen: Die Welt ist besser, als du denkst. Ja, tatsächlich!

Wenn du diesen Zusammenhang gelesen hast, wirst du danach klarer auf unsere Welt blicken. Weniger schwarz/weiss, mehr sowohl als auch. Ich möchte nichts schönreden. Aber ich will dich zu einer Sache ermutigen: Überprüfe deine Vorurteile. Dann wirst du sehen: Wir reden unsere Lage systematisch schlecht. Dabei gibt es viele Gründe, zuversichtlich zu sein:

Zeit, das alles zu verstehen?

Grund 1: Unsere Instinkte legen uns herein

Wieso denken wir so schlecht über die Welt? Weil negative Nachrichten uns stark beeinflussen. Aber auch, weil wir in „falschen Instinkten“ denken. Glaubst du nicht? Hans Rosling konnte es beweisen: Er stellte 12.000 ziemlich klugen Menschen Fragen über den Zustand der Welt: von Armut bis zu Bevölkerungswachstum, von Gewalt bis zum Zustand der Umwelt. Im Schnitt beantworteten seine Probanden nur zwei von zwölf Fragen richtig. Sie schätzten die Lage der Welt systematisch schlechter ein, als sie tatsächlich ist. Hätten Affen per Bananenwurf antworten können – sie lägen rein statistisch öfter richtig, errechnete Rosling. Demütigend, oder? Auch ich habe den Test nicht bestanden. Und du? Hier kannst du mehr lesen und ihn selbst machen.

Grund 2: Wir denken viel zu negativ

Wenn ich Nachrichten über Klimapolitik lese, denke ich oft: „Die Politik kriegt es einfach nicht geregelt!“ Diese Haltung nennt Hans Rosling „den Instinkt der Negativität“: Wir denken zu stark in negativen Mustern, einfach, weil wir es gewohnt sind. Aber es gibt Hoffnung: Die Länder dieser Welt sind in der Lage, globale Probleme zu lösen. Sie haben es schon einmal geschafft, mit dem Montreal-Protokoll. Es gilt als wichtigstes Umweltabkommen überhaupt. Denn es führte dazu, dass Fluorkohlenwasserstoffe (FCKW), die extrem schädlich auf die Erdatmosphäre einwirken und zum Ozonloch führten, seit 1989 verboten sind. So erholt sich das Ozonloch langsam. In diesem Text rekonstruiere ich für dich die Entstehungsgeschichte des Abkommens, das beweist: Politischer Wandel ist möglich! 

Grund 3: Wir denken zu eindimensional

Schwarz – weiß, Frau – Mann, Erste Welt – Dritte Welt: Unser Kopf denkt gern in einem binären System. So haben wir es erlernt. Denn so ordnen wir für uns die Welt. Hans Rosling nennt diese Denkweise den „Instinkt der Kluft“. Weil durch dieses Denken neben einer vermeintlichen Sicherheit leider noch etwas anderes entsteht: Eine Distanz zwischen beiden Polen. Es gibt jedoch Menschen, die schon weiter sind und diese Kluft übersprungen haben: In der „WG mal anders“ in Goch in Nordrhein-Westfalen leben behinderte und nicht-behinderte Menschen zusammen. Ich bin für ein Wochenende eingezogen und habe gelernt: Jenseits der Kategorien entsteht eine neue Freiheit. Am Ende meiner Recherchezeit hatten sich die Kategorien behindert – nicht-behindert in meinem Kopf aufgelöst. 

Grund 4: Wir lassen uns von falschen Glaubenssätzen leiten

Was einmal so war, wird immer so bleiben. Menschen ändern sich nicht. Solche Glaubenssätze beschreibt Hans Rosling als „Instinkt des Schicksals“. Das Problem daran: Sie nageln Menschen in ihrem Schicksal fest, rauben jeden Raum für Veränderung. Dass diese Denkweise jedoch auf einer falschen Annahme fußt, hat mir ein Land gezeigt, von dem ich es niemals erwartet hätte: Ruanda. Dort, wo sich vor mehr als 20 Jahren Nachbarn ermordeten und den letzten Völkermord des 20. Jahrhunderts begangen haben, befindet sich heute ein Land im Aufbruch, voller Hoffnung und Wachstum. Und die junge Generation sagt: „Wir haben den Genozid überwunden!“ 

Grund 5: Wir haben zu viel Angst und vertrauen nicht auf unsere innere Stärke

Viele Menschen blicken pessimistisch in die Zukunft und gehen vom Schlimmsten aus – sie lassen sich von ihrem „Instinkt der Angst“ leiten, wie Rosling es nennt. Doch selbst wenn die größten Ängste wahr werden, gibt es noch Hoffnung. Die drei Schicksale aus diesem Text erzählen davon: Jenny hat zwei Väter verloren, Silke ihren Job, Hannelore wurde vergewaltigt. Trotzdem hat jede von ihnen für sich einen Weg gefunden, an den Erfahrungen nicht zu zerbrechen. „Niemand muss sich mit einem Trauma abfinden“, so sagt es eine Expertin in meinem Text. Deswegen ist das meine Take-Home-Message für dich: Es gibt immer Gründe, zuversichtlich zu bleiben. Oder wie es die Philosophin Natalie Knapp formuliert: Es ist vernünftig, Hoffnung zu haben.

Was andere dazu sagen

5 Quellen

Für Cineast:innen

Schon x-mal gesehen, funktioniert bei mir immer noch: Der Indie-Film „Little Miss Sunshine“ über eine schräge Familie und die 7-jährige Olive, die nicht wirklich dem Ideal einer Schönheitskönigin entspricht, aber unbedingt bei einem Schönheitswettbewerb antreten will. Also setzt sich die ganze Familie in einen gelben Bulli und fährt los. Der kiffende Opa, der suizidale Onkel, der schweigende Teenie-Sohn, die verzweifelte Mutter, der erfolglose Vater. Es wird ein Roadtrip der Herzen, des Muts – und der Komik.

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Für Musikliebhaber:innen

Allein dafür, dass der britische DJ und Komponist Matthew Herbert mit einer Big Band und einem Chor den Brexit vertont hat (ja wirklich!) sollte man ihn meiner Meinung nach feiern. Was für eine Idee! Für seinen Song „You’re welcome here“ sollte man es aber auf jeden Fall. Denn dieser Song ist Zuversicht und Wärme, gegossen in Töne. Wer immer sich allein fühlt, hoffnungslos, erschöpft und grau, höre diesen Song.

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Für Leseratten

Jeder Mensch durchlebt Krisen, Phasen des Umbruchs und der Erneuerung. Nicht immer geschieht dies freiwillig. Wie neuen Mut finden? Und sich von der Angst nicht auffressen lassen? In meiner letzten Krise hat mir das Buch "Der unendliche Augenblick" der Philosophin Natalie Knapp geholfen: Sie beschreibt das Gefühl der Unsicherheit so, dass ich nach dem Lesen weniger Angst hatte – und das ist schon die halbe Miete, um gut durch unsichere Lebensphasen zu navigieren.

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Für Sportbegeisterte

Zugegeben: Wer gerade an der politischen Weltlage leidet, für die oder den ist das hier keine langfristige Lösung. Für mehr gute Laune und das Moment-High hilft aber – so banal es klingen mag – Sport! Wenn ich richtig schlechte Laune habe, trete ich mir selbst in meinen Hintern, schnüre mir die Laufschuhe an und gehe joggen. Danach habe ich a) bessere Laune und bin b) entspannter. Und wer entspannter ist, blickt auch entspannter auf die Welt. Dieser kurze TED-Talk berichtet sehr konkret von den positiven Auswirkungen, die Bewegung auf dein Gehirn hat.

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Für Dokufans

Meine Kollegin Theresa schwärmt von dieser Dokumenation, in der ein Tierfilmer und Freitaucher einen Tintenfisch trifft – und daraufhin sein Leben ändert. Man kann aus dieser wirklich rührenden, aber unkitschigen Doku viel mitnehmen: den Mut beispielsweise, sein Leben zu ändern. Demut. Und die Erkenntnis, dass es nie zu spät ist, sein eigenes Tun, den eigenen Umgang mit Tier und Mensch zu hinterfragen. Deswegen ist die Doku „My Octopus Teacher“ für mich ein Stück Hoffnung.

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