Grüße aus Volodymyr

Eine kurze Anleitung

6 Teile

Willkommen im Zusammenhang „Grüße aus Volodymyr“. Hier findest du alle wichtigen Texte und Informationen zum Thema, damit du dir einen schnellen und guten Überblick verschaffen kannst.

Eine Einführung

Profilbild von Christian Gesellmann
Christian Gesellmann

Reporter für Feminismus und Neue Männlichkeit

Hey, ich bin Christian. Anfang Juli war ich mit einem Hilfstransport aus meiner Heimatstadt Zwickau in unserer Partnerstadt Volodymyr, einer Garnisonsstadt in der Westukraine. Wir haben Spenden abgeliefert, mit Kommunalpolitiker:innen Borschtsch gegessen, mit ganz normalen Menschen über ihren Alltag im Krieg und die vielen Initiativen gesprochen, die sie ergreifen, um ihr Land zu verteidigen und ihre Angehörigen zu schützen.
Mittlerweile konzentrieren sich die Angriffe Russlands auf den Osten der Ukraine, den Donbass. In den deutschen Medien rutscht der Krieg langsam aus den Schlagzeilen. Aber weiterhin sterben täglich Hunderte Ukrainer:innen, kollabieren Wohnungen, Krankenhäuser, Supermärkte, Rathäuser, Kirchen, Theater und Kindergärten unter russischem Beschuss. 

Volodymyr wurde zu Beginn der Invasion bombardiert, seitdem setzt eine Art Normalität ein. Aber diese Normalität ist trotzdem der Krieg. Wie er Tag für Tag das Leben bestimmt, auch abseits der Frontgebiete, und warum die Menschen dort die Hoffnung nicht verlieren, beschreibe ich in diesem vierteiligen Reisetagebuch für Krautreporter.

Zeit, das alles zu verstehen?

Warum es für Karl-Ernst Müller aus Zwickau nichts Wichtigeres gibt, als den Menschen in Volodymyr zu helfen

Bereits zum 52. Mal reist Karl-Ernst Müller im Juli 2022 in die ukrainische Kleinstadt Volodymyr. Hier nennt man ihn „Mr. Zwickau“. Aber warum macht er das? Die Antwort liegt begraben unter einem Rapsfeld vor der Stadt.

Es gibt keine Männer mehr in Volodymyr – was machen die Frauen?

Iryna Smirnova ist Witwe, ihr Mann ist im Krieg gefallen. Gemeinsam mit den Halbwaisen in Volodymyr, mit den Kindern, deren Väter auch nicht zurückkommen werden, knüpft sie Tarnnetze und näht medizinische Verbände. Gegen die Trauer, sagt sie. Sie gibt die Hoffnung nicht auf. Der stellvertretende Bürgermeister auch nicht: Werden wenigstens die Geflüchteten zurückkommen, die seine Stadt zu Beginn des Krieges verlassen haben?

Es ist so heiß, fast könnte man vergessen, dass Krieg herrscht

Volodymyr ist ein Idyll. Die Sauerkirschen sind reif, die Birnen werden es auch bald sein. Man denkt kaum an Krieg, nur an Abkühlung. Wäre da nicht Galyna Yakovleva, deren Sohn zwar nicht im Krieg ist, ihr aber trotzdem Sorgen bereitet.

Gehen oder bleiben?

Tanya Scheichuk-Krupenya ist Bürgermeisterin Laskiw in der Westukraine. Als der Krieg begann, war sie noch in Mutterschutz und fragte sich: Gehen oder bleiben? Sie entschied sich zu bleiben – für ihre Stadt. Und sie bekräftigt es mit einem deftigen Essen, das es auch mir fast unmöglich macht, je wieder zu gehen.

Was andere dazu sagen

5 Quellen

Die Geschichte der Ukraine, unübertroffen

Der erste Historiker der Ukraine war Herodot. Warum der „Vater der Geschichtsschreibung“ die (spätere) Ukraine bereits im 5.Jahrhundert vor Christus intensiv erforschte, was die mittelalterliche Rus mit Russland zu tun hat, die Wikinger mit Kyiv und wieso die Hauptstadt der Ukraine Konstantinopel nachempfunden ist, erzählt dir Harvard-Professor Serhii Plokhy unübertroffen kompetent und unterhaltsam in seinem Buch „The Gates of Europe. A History of Ukraine“. Am günstigsten als Taschenbuch vom Penguin-Verlag.

Zum Buch

Der Euro-Maidan 2014, ungefiltert

Sergei Loznitsa ist in Belarus geboren, in Kiew aufgewachsen, in Moskau zum Regisseur geworden und wohnt nun in Deutschland. Sein Dokumentarfilm „Maidan“ ist nicht nur ein beeindruckendes Zeitzeugnis, er ist auch eine filmische Befreiung von westlichen Narrativen: ohne Kommentar, ohne Kamerafahrten, Experten, Hauptfiguren, spektakuläre Schnitte oder Reporter, die in Kameras plappern. Einfach Geschichte, aus dem Protestlager auf dem Maidan-Platz in Kyiv 2014, poetisch und packend. Läuft auch auf der sozialen Filmplattform Mubi.

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Die Ukraine, dekolonialisiert

Asia Bazdyrieva hat in Kiew analytische Chemie studiert und Kunstgeschichte in New York. Auf ihrem Instagram-Profil führt sie Tagebuch über den Krieg in ihrem Heimatland Ukraine, poetisch, erschütternd, manchmal sogar witzig, berichtet sie vom Alltag des Nichtalltags in Kiew. Ihre Beobachtungen stehen auf einem fundierten Wissen über Geschichte und Geographie der Ukraine – diese ist eine Geschichte der Kolonialisierung und jene eine der peripheren Existenz zwischen Deutschland und Russland. Die These, die Bazdyrieva formuliert, ist: Beides resultiere darin, dass die Ukrainer:innen, wie andere Osteuropäer:innen, zu einer Subklasse von Menschen gemacht wurden, dass sie entmenschlicht worden sind. Ob es auch um die deutsche Verantwortung für diesen Krieg geht? Ohja.

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Ukraine-News, qualitätsgeprüft

Welche Nachrichten aus und über die Ukraine gerade am wichtigsten sind – sowohl im lokalen als auch im globalen Kontext – und welche gerade eher unwichtig, erklärt die ukrainische Journalistin Olga Tokariuk. Ihr Newsfeed auf Twitter ist auch ein idealer Ausgangspunkt, um dir ein eigenes kleines Netzwerk vertrauenswürdiger Nachrichtenquellen zum Thema bzw. der Region aufzubauen.

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Ukrainer:innen, in ihren eigenen Worten

Ihren Podcast Ukrainian Spaces lasse ich Maksym Eristavi und Val Voshchevska am besten selbst vorstellen: „Wir sehen, wie Millionen Ukrainer:innen ihre Geschichten in perfektem Englisch auf Sozialen Plattformen teilen. Doch die öffentliche Debatte wird dennoch von ausländischen, mehrheitlich weißen und mehrheitlich männlichen Menschen angeführt. Das raubt Ukrainer:innen nicht nur ihre Stimme – es ist auch völlig aus der Zeit gefallen, irreführend und verbreitet falsche Narrative über die Menschen aus der Ukraine. Deshalb haben wir unseren Live-Broadcast und einen Podcast gestartet, um einen entspannten und sicheren Platz für Ukrainer:innen zu schaffen, in dem sie aussprechen können, was ihnen wirklich am Herzen liegt.“

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