Krieg in der Ukraine: Wie konnte das passieren?

Eine kurze Anleitung

6 Teile

Willkommen im Zusammenhang „Krieg in der Ukraine: Wie konnte das passieren?“ Hier findest du alle wichtigen Texte und Informationen zum Thema, damit du dir einen schnellen und guten Überblick verschaffen kannst.

Eine Einführung

Hallo, mein Name ist Lisa. Ich bin Chefredakteurin von Krautreporter und genau so schockiert wie du. Es herrscht Krieg –  in Europa. Seit Russland die Ukraine angegriffen hat, „ist die Welt eine andere“. So hat es die deutsche Außenministerin Annalena Baerbock formuliert. Aber gerade in einem Moment, in dem die Ereignisse sich überschlagen und in dem Geschichte geschrieben wird, ist es uns bei Krautreporter wichtig, innezuhalten. Also haben wir uns gefragt: Wie konnte es überhaupt so weit kommen?
In diesem Zusammenhang erzählen wir aus mehreren Perspektiven, wie der Konflikt zwischen der Ukraine und Russland derart eskalieren konnte. Was will die pro-russische Separatistenbewegung, die schon seit 2014 kämpft? Was steckt hinter dem Streit um Nord Stream 2? Wie funktioniert die russische Propagandamaschine? Welche Rolle spielt die NATO? Und wieso sind die friedlichen Verhandlungsversuche des Westens so grandios gescheitert?

Wenn du die folgenden Texte gelesen hast, wirst du die Hintergründe von Putins Angriffskrieg besser verstanden haben. 

Zeit, das alles zu verstehen?

Ist der Kalte Krieg noch warm?

Die Wurzeln dieses Konfliktes liegen weit in der Vergangenheit und zwar mindestens im Jahr 1991. Damals zerfiel endgültig die Sowjetunion (UdSSR) und damit auch der Warschauer Pakt, das östliche Verteidigungsbündnis. Auf diesem Schlüsselereignis baut die Analyse meiner Kollegin Isolde Ruhdorfer auf: Die NATO weitete sich aus, auch die EU gewann an Stärke. Es war sogar von einer Aufnahme Russlands in die NATO die Rede. Wladimir Putin wünschte sich jedoch von Beginn an ein Russland alter Stärke. Er will vom Westen als gleichwertiger Partner respektiert und behandelt werden. Einer der wichtigsten Hintergründe im Konflikt mit der Ukraine ist, dass Putin den Westen auffordert, seine Sicherheitsforderungen zu erfüllen. Die scheinen mit den Werten des Westens aber unvereinbar. 

Geschichte: Der Konflikt in der Ost-Ukraine

Eine grundlegende Frage dieses Konfliktes lautet: Ist die Ukraine ein zerrissenes Land – oder wird es zu einem gemacht? Als prorussische Separatistenbewegungen im April 2014 die sogenannten Volksrepubliken „Donetsk“  und „Luhansk“ im Osten des Landes ausriefen, klang das, als hätte das Volk gegen eine unerwünschte Regierung in Kiew aufbegehrt. Diese Menschen würden sich „russisch“ fühlen, hieß es damals häufig, schreibt mein Kollege Sebastian Christ in dieser Analyse. Doch die Separatisten waren keinesfalls Freiheitshelden. Sie wurden von einem Großteil der Ukrainer:innen nicht unterstützt – dafür aber von einem mächtigen Russen: Wladimir Putin.

Energie: Welche Rolle spielt die Gasleitung Nord Stream 2?

Im Februar 2022 hat Bundeskanzler Olaf Scholz die Notbremse eines Projektes gezogen, dessen Stopp in den Augen vieler längst überfällig war: Nord Stream 2. Seit 2011 baute der russische Konzern Gazprom an seiner Pipeline, die jährlich rund 55 Milliarden Kubikmeter Erdgas von Russland nach Deutschland transportieren sollte. Die Bauphase war markiert von russischer Aggressivität. Warum das nicht reichte, das Bauprojekt zu stoppen, und warum das Gas für Deutschland so wichtig ist, erklärt meine Kollegin Isolde Ruhdorfer in diesem Text.

Friedenspolitik: Warum fürchtet Wladimir Putin die NATO?

Wladimir Putin fühlt sich vom Westen bedroht. Aber warum? Wenn man Putins aggressives Verhalten erklären will, kommt man um die Rolle der NATO nicht herum. Das westliche Verteidigungsbündnis hat seine Macht nach dem Zerfall der Sowjetunion nämlich deutlich ausgeweitet. Was von den US-Amerikanern als Sieg der Freiheit über den Kommunismus gewertet wird, deutet das russische Regime als Bedrohung. Aber was will die NATO wirklich? Stimmt Putins Vorwurf, sie habe Versprechen an ihn gebrochen? Und gibt es noch Hoffnung auf ein friedliches Ende – ja, vielleicht sogar auf einen Beitritt Russlands? Das erklärt mein Kollege Benjamin Hindrichs in diesem Text.

Medien: Welche Mittel nutzt Putin in seinem Propaganda-Krieg?

Seit Jahren werden über die staatlichen russischen Medien Ängste und Lügen verbreitet. Putin nennt den Krieg in der Ukraine eine „militärische Operation“. Ihn Krieg zu nennen, hat der Kreml verboten und mit zahlreichen Gesetzen kritische Stimmen im eigenen Land so zensiert, dass eine freie Berichterstattung von dort nicht mehr möglich ist. Wie genau Putins Propagandamaschine funktioniert, erklärt dir dieser Text in vier Schritten. Und noch etwas erfährst du in diesem Artikel: Ausgerechnet Deutschland ist besonders anfällig für russische Propaganda.

Militär: Make Russia great again

Als Putin im Jahr 2000 an die Macht kommt, ist Russland wirtschaftlich schwach. Die Reformbemühungen von Michael Gorbatschow und Boris Jelzin sind genauso gescheitert, wie ihr Wunsch, stärker mit der NATO zusammenzuarbeiten. Für den neuen Kreml-Chef gibt es deshalb nur einen Weg: Er will Russland zu alter, sowjetischer Größe führen – wenn nötig mit Gewalt. Seitdem geht Putin mit unheimlicher Brutalität vor und bringt nach und nach Teile Georgiens, Tschetscheniens und der Ukraine in seine Gewalt. Wie genau er vorgegangen ist, erklärt in diesem Text mein Kollege Stephan Anpalagan.

Putin selbst: Diese Denke steckt hinter dem Ukraine-Krieg

Das offizielle Narrativ Putins geht so: Die NATO habe jahrelang die Sicherheitsforderungen Russlands missachtet. Deswegen sehe Russland sich quasi genötigt, die Ukraine anzugreifen. Dabei deutet einiges daraufhin, dass Putin nie über den Bruch der Sowjetunion hinweg gekommen ist – und dass er die Ukraine nie als eigenständigen, demokratischen Staat anerkannt hat. Anhand seiner Worte und Verbindungen zu bestimmten Personen hat meine Kollegin Isolde Ruhdorfer Rückschlüsse auf Putins Weltanschauung gezogen und erläutert sie anhand von vier Punkten: der Kirche, der Geschichte, dem Imperialismus und uns – dem Westen.

Außenpolitik: Wie Deutschlands Strategie scheiterte

Wie konnte sich Deutschland so abhängig von Russland machen? Ein Teil der Antwort ist eine 50 Jahre alte Idee, die ein SPD-Politiker prägte und Grundstein für die Annäherung der BRD an die DDR wurde: "Wandel durch Annäherung". Ihr Kerngedanke: Menschenrechte werden zur Bedingung für wirtschaftliche Annäherung. Im Verhältnis mit dem modernen Russland hat die deutsche Politik allerdings eine Hälfte davon vergessen, jene mit den Menschenrechten. 

Was andere dazu sagen

5 Quellen

Stimmen aus der Ukraine

Eine der wichtigsten Quellen für unabhängigen Journalismus aus der Ukraine ist Kyiv Independent. Das Onlinemedium wurde im vergangenen Jahr gegründet und berichtet auf Englisch. Aktuelle Entwicklungen findet ihr auf Twitter, ausführlichere Berichte auf der Internetseite.

Jetzt lesen

So erklärt der US-Geheimdienst den Krieg

Im Podcast „Intelligence Matters” spricht der ehemalige CIA-Deputy Director Micheal Morell mit einer Gruppe Expert:innen, ob Diplomatie in der Ukraine-Russland-Krise überhaupt noch eine Option ist – und wie ein Europa nach einer russischen Invasion der Ukraine aussehen kann.

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So wurde aus den Maidan-Protesten eine Revolution

Jewgeni Afinejewski dokumentiert in diesem Film aus dem Jahr 2015 eindringlich und schmerzhaft die Maidan-Proteste. Er zeigt, wie und warum viele Ukrainer:innen zum Westen gehören wollen – und wie Putin diese Proteste unter anderem als Anlass nahm, um die Halbinsel Krim zu besetzen.

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Wie wurde Putin zu dem, der er ist?

Das Kurzvideoformat MrWissen2Go fasst die großen Fragen der Geschichte zusammen. In der Folge „Das Leben des Wladimir Putin” ergründen die FUNK-Kolleg:innen, wie Waldimir Putin zu dem wurde, der er heute ist. Und in der Folge „Wem gehört die Ukraine“ bekommt ihr einen guten Überblick über die gemeinsame Geschichte der Ukraine und Russlands, die bis in das 8. Jahrhundert zurückgeht.

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Muss die EU sich mehr um die Russ:innen bemühen?

Der Direktor des Russland-Instituts am Londoner King´s College, Samuel Greene, forderte schon 2017, dass Europa sich dringend einig werden müsse, wie mit Russland umzugehen ist. Statt Putin zu fürchten, sagte er, solle die EU sich lieber darum kümmern, vom Volk, den Russ:innen, gemocht zu werden. Eine interessanter, neuer Blick, der statt Waffengewalt einfach Menschlichkeit in den Mittelpunkt stellt.

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