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Hi!
Vergangenes Jahr wurde ich wegen chronischer Migräne auf unbestimmte Zeit krankgeschrieben. Ich sollte spezielle Medikamente gegen die Schmerzen nehmen. Als ich sie in der Apotheke abgeholt hatte und zu Hause ins Medizinfach stellte, musste ich einen Schritt zurückgehen. „Damn“, dachte ich. Mein Fach quoll über!
Ich schluckte täglich Tabletten gegen Migräne, Depressionen, Sodbrennen und Bluthochdruck. Vier Diagnosen und ein Fach, das die Schachteln nicht mehr fassen konnte.
Ein Arzt, der mich keines Blickes würdigte⬆ nach oben
Später im Winter begann sich mein Magen zu melden: tagelange Übelkeit. Sofort hatte ich einen Verdacht. Es mussten die Medikamente sein. Schließlich waren es sehr viele. Bestimmt verstärkten sich die Nebenwirkungen gegenseitig, dachte ich, und das überforderte meinen Körper.
An einem Sonntag wurde das flaue Gefühl im Magen unaushaltbar. Ich fuhr in die Notfallpraxis. Dort angekommen, bekam ich eine Wartenummer und war erleichtert, als sie nach 90 Minuten auf dem Fernsehmonitor angezeigt wurde. Die Erleichterung sollte nicht lange halten, denn als ich mich in den Stuhl im Arztzimmer fallen ließ, saß gegenüber ein Mensch im Kittel, der mich keines Blickes würdigte.
Stattdessen glotzte er in seinen Bildschirm und erkundigte sich nach meinem „Befund“. Ich zählte alle Medikamente auf, die ich nahm, berichtete von meinen Beschwerden und meinem Verdacht.
„Herr Gommel, die Medikamente sind in Ordnung und seit vielen Jahren auf dem Markt, daran liegt es mit Sicherheit nicht. Aber achten Sie mal auf Stress“, meinte er. Ich musste lachen. „Ich habe keinen! Schließlich bin ich seit Monaten krankgeschrieben.“
Wie hatte der mich genannt?⬆ nach oben
Zu meiner Verwunderung sagte er: „Das kann auch Stress sein“ und gab mir die Hand. Keine weitere Erklärung. Verdutzt und grübelnd verließ ich die Klinik. Hatte der mich gerade gestresst genannt?
Als ich mich in die Bahn setzte, um nach Hause zu fahren, dachte ich über seine Worte nach. In meinem Kopf machte ich eine Liste der Dinge, die mich in den vergangenen Monaten gestresst hatten:
- tägliche Kopfschmerzen, Schwindel und Geräuschempfindlichkeit
- die Frage: Wie lange wird das so bleiben?
- der Wegfall meiner Arbeit
- kein Kontakt zu meinen Kolleg:innen
- die Krebserkrankung eines nahen Verwandten
So reagierte mein Bauch⬆ nach oben
Ich begann, im Alltag zu beobachten, in welchen Situationen die Übelkeit stärker auftrat. Kurz vor einem Treffen mit Freunden spürte ich einen Anstieg, danach war für meinen Bauch alles in Ordnung. Allein das zu verstehen, half mir dabei, die Symptome besser einzuordnen.
Und dann geschah etwas, was mich überraschte. In den folgenden Wochen wurde mir kaum noch übel. Ich weiß bis heute nicht genau, woran das lag. Aber ich glaube, es half schon, die Übelkeit nicht mehr nur als Angriff von außen zu erleben, sondern als etwas, das mit mir zu tun hatte.
EURE ANTWORTEN
Silke hat gefragt: Welche Beziehung hast du zur Natur und wie pflegst du sie?
Alexander hat geantwortet:
Ich bin auf dem Land, am Waldrand aufgewachsen, das prägt fürs Leben, denke ich. Jetzt wohne ich in der Stadt. Ich nutze jeden Gelegenheit, um den Stadtwald, -see, die Flussauen oder meine alte Heimat, den Mittelgebirgswald aufzusuchen.
Vorletzten Sommer habe ich dort im Wald eine Nacht unter freiem Himmel übernachtet. Ich habe zwar nicht viel geschlafen, die Nachttiere haben mich wachgehalten, aber ich bin trotzdem erholt und beseelt wieder nach Hause gefahren.
FALKS BLICK AUF DIE WELT⬆ nach oben
Illustration: Falk Louis