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Hi!
Ich habe seit vergangenem September chronische Migräne. Mindestens eine Kopfschmerzattacke erlebe ich täglich, meist tritt sie nachmittags ein. Dann nehme ich Geräusche intensiver wahr und das Zwitschern eines Vögelchens auf der Dachrinne wird zur Lärmbelästigung.
Zu Beginn wusste ich nicht, wie ich damit umgehen sollte. Es war, als ob mir jemand senkrecht einen Nagel in den Kopf hämmern würde. Das versuchte ich, mit Schlaf auszublenden. Wenn die Schmerzen auszuhalten waren, schaute ich im Liegen Serien oder lauschte Hörbüchern.
Die meiste Zeit verbrachte ich also im Bett. Wochenlang. Mein Freund Philipp sagte am Telefon: „Martin, dafür gibt es einen Namen. Bed rotting.“ Als ich das hörte, lachte ich zynisch. Mir war klar, dass dies nicht so bleiben konnte. Aber wie ändern?
Das tat mir gut⬆ nach oben
Eines Tages hatte ich eine Idee und begann, eine Anti-Bed-Rotting-Liste zu schreiben. Mit Aktivitäten, die ich jeden Tag versuchen wollte, egal wie schlecht es mir ging.
- Lesen
- Dehnübungen
- Schreiben
- Langsames Gehen
Ich trug alles in eine App ein und hakte ab, was ich erledigt hatte. Einfach war es nicht. Einmal musste ich nach zehn Minuten gehen abbrechen. Manchmal hatte ich keine Lust, in meiner schmerzfreien Zeit wie ein Zombie durchs Zimmer zu wanken.
Dennoch spürte ich in der ersten Woche, wie mich die Mini-Todos stabilisierten. Es fühlte sich gut an, jeden Tag etwas Sinnvolles getan zu haben. Später suchte ich mir ein einfaches Planungstool und klemmte meine Aktivitäten an feste Uhrzeiten.
9 Uhr: Langsames Gehen
11 Uhr: Lesen
15 Uhr: Schreiben
17 Uhr: Dehnübungen
19 Uhr: Langsames Gehen
21.30 Uhr: Reflexion – wie war mein Tag?
Plötzlich hatte ich jeden Tag Termine! Ich musste lachen, als ich Philipp erzählte, dass ich mich bemühte, pünktlich zu sein. Er meinte, „Boah, das klingt furchtbar stressig“, aber ich dachte: Das Gegenteil ist der Fall. Meine Tage hatten jetzt eine Struktur – und das tat mir gut.
EURE ANTWORTEN
Neulich hat Theresa euch gefragt: „Was war ein Moment, in dem du dachtest: Ich wünschte, ich hätte das schon viel früher gemacht?“
Kristina hat geantwortet:
Ich wünschte, ich hätte meiner Mutter gegenüber viel eher damit begonnen, Grenzen zu ziehen, wenn sie mich immer noch wie ein kleines Mädchen anspricht (herabsetzt/mit mir schimpft/mich niedermacht). Das hätte uns beiden viel Streit und Schmerz erspart und uns das Leben leichter gemacht. Ich habe erst mit ungefähr 50 damit begonnen, nicht mehr mit dem kleinen Mädchen in mir zu reagieren, wenn sie das kleine Mädchen in mir angesprochen hat.
FALKS BLICK AUF DIE WELT⬆ nach oben
Illustration: Falk Louis