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Hi!
Vor Kurzem wollte ich in meiner Mittagspause laufen gehen. Um es auch wirklich durchzuziehen, wandte ich den wohl ältesten Motivationstrick unter Möchtegern-Sportler:innen an: Ich zog mir sofort nach dem Aufstehen meine Sportkleidung an. Laufleggins, Sport-BH, Laufsocken, Thermoshirt.
So saß ich an meinem Schreibtisch, tippte Texte, las Artikel, tat, was man halt so als Journalistin tut. Dann passierte, womit ich nicht gerechnet hatte: Eine Freundin schrieb mir kurz vor meiner Mittagspause, ob wir am Abend Tennis spielen wollten. Laufen oder Tennis? Da entscheide ich mich immer für Tennis.
Alles klar, könnte man meinen. Wo liegt das Problem?
Also, ich saß da nun in meiner Laufkleidung – ja, die unterscheidet sich von Tenniskleidung – und als ich sie schließlich auszog, fühlte ich mich kurz so, als hätte ich versagt. Ich hatte nicht getan, was ich mir vorgenommen hatte: zu laufen. Und tatsächlich sollte ich für einen Lauf trainieren, für den ich im April angemeldet bin.
Vermutlich fühlte ich mich also schlecht, weil ich meinen Trainingsplan nicht einhielt. Und das obwohl ich ja wusste, dass ich einen guten Grund hatte und ich mich ja am Abend noch bewegen würde. Aber mehr noch: Diese Laufkleidung auszuziehen und sie in den Schrank zu legen, ohne dass ich sie für ihren Zweck benutzt hatte, fühlte sich einfach komisch an. Für mich ist das so, als würde ich mir Schlittschuhe kaufen und sie nie benutzen, Backzutaten für einen Geburtstagskuchen besorgen und ihn nicht backen. Und immer, wenn ich in den Schuhschrank oder die Vorratskammer schaue, verhöhnen mich die Schlittschuhe oder das Mehl.
Vielleicht ist es das: Ich fühle mich von meiner Laufkleidung verhöhnt. Weil ich sie dem Schrank entrissen habe, weg von ihren Laufklamotten-Freunden, sie mit der Erwartung eines kleinen Auslaufes herausgezerrt hatte. Ich legte sie zurück und als sie dann von ihren Laufklamotten-Freunden gefragt wurden: „Na, wie wars? Wo wart ihr?“, konnten sie nur antworten: „Am Schreibtisch.“
Peinlich für alle.
Die Moral von der Geschichte? Sportkleidung erst kurz vor dem Sport anziehen? Oder vielleicht sollte ich darüber nachdenken, warum ich meiner Kleidung Gefühle zuschreibe und ihr erlaube, bei mir welche zu erzeugen.
Vielleicht ist das ja die Erkenntnis: Ich bin nicht nur eine People-Pleaserin, sondern auch eine Dinge-Pleaserin. Au Backe!
FRAGE DER WOCHE
Gruppentherapie ist viel unbeliebter als Einzeltherapie, obwohl man schneller einen Platz bekommt und sie sehr wirksam sein soll. Hast du Erfahrungen damit oder Gedanken dazu?⬆ nach oben⬆ nach oben⬆ nach oben
EURE ANTWORTEN
Rebecca hat gefragt: „Bist du selbst arm aufgewachsen? Welche Handlungen von Menschen in deinem Umfeld haben dir geholfen?“
Marie hat geantwortet:
Sehr wichtig war die Loyalität und der Zusammenhalt in unserer Familie. Das war zeitweise etwas Überlebenswichtiges für uns, da wir oft kaum jemanden hatten, der wirklich hinter uns stand. Wir hatten nur uns selbst. Gerade dadurch hat meine Mutter mir ein großes Vertrauen entgegengebracht. Dieses Vertrauen erlaubte mir auch, frei zu entscheiden, wie ich mein Leben gestalten will.
FALKS BLICK AUF DIE WELT⬆ nach oben
Credit: Falk Louis