Hi!
„Ach entscheide du, ich bin mit allem glücklich“ und „ist mir wirklich egal, sag worauf du Lust hast“ – vermutlich ist das meine Standardantwort, wenn eine Freundin fragt, wann wir uns treffen wollen und wo, was wir essen wollen, ob es ein Kaffee sein soll oder eher ein Restaurant oder Drinks.
Ganz die People Pleaserin, die ich bin will ich, dass meine Freundinnen glücklich sind und sagen können, worauf sie Lust haben. Wollen sie italienisch essen? Fein! Wollen sie lieber Kaffee trinken gehen statt Abends auf Drinks? Auch schön!
Ich dachte, wenn ich sie entscheiden lasse, dann sind sie glücklich. Weil wir machen, was sie sich wünschen.
Tja, nur ist das verdammt unsympatisch – und meinen Wunsch, Freundinnen glücklich zu machen, erreiche ich damit auch nicht.
Doppelt blöd.
Forscher:innen haben in einer Studie genau das festgestellt.
Denn aus einem „mir egal“ folgt, dass die andere Person entscheiden muss. Und man macht es ihr schwerer. Wenn ich ihr nicht sage, worauf ich Lust habe, hat sie keine Ahnung, was ich mögen könnte. Gleichzeitig nehmen Menschen laut der Studie aber an, dass die anderen eigentlich eine Vorliebe haben, sie aber nicht nennen wollen. Also muss sie raten, um herauszufinden, was allen gefallen könnte. Das macht es anstrengend.
Und noch eines zeigte sich in der Studie: Die entscheidende Person wird tendenziell etwas auswählen, was sie weniger gern mag. Weil sie davon ausgeht, dass die andere Person andere Vorlieben als sie selbst hat.
Am Ende fühlt sich also eine Person allein dafür verantwortlich, eine Entscheidung zu treffen, mit der alle möglichst glücklich sind, trifft eine und ist dann damit auch noch unglücklich.
Kein Wunder also, dass die Forscher:innen feststellen, dass Mir-egal-Sager:innen unsympathisch sind und Entscheidungsträger:innen sie weniger mögen.
Die Forscher:innen stellten aber noch etwas Entlastendes für uns People Pleaser fest: Wer sagt, dass er keine Präferenz hat, rechnet überhaupt nicht damit, dass er oder sie mit ihrer Präferenzlosigkeit anderen Leuten das Leben schwerer macht.
Seit ich das gelesen habe, habe ich zwei Dinge geändert. Erstens mache ich konkrete Vorschläge, wenn ich gefragt werde, was wir machen könnten. Und zweitens wertschätze ich es deutlicher, wenn jemand einen Vorschlag macht, sich durch Websites mit den neuesten Cafés in Berlin wühlt und zwei oder drei vorschlägt. Dass das Arbeit ist, war mir schon immer bewusst – aber, dass ich mit meiner Präferenzlosigkeit noch mehr verursachte, nicht.
FRAGE DER WOCHE
Was tust du, das eigentlich lieb gemeint ist, aber manche verärgert?⬆ nach oben⬆ nach oben⬆ nach oben
Schreibe uns deine Antwort gern per E-Mail an weird@krautreporter.de.
EURE ANTWORTEN
Astrid hat gefragt: Welcher Satz hat dir geholfen, als du nervös warst?
Diana hat geantwortet:
“Deine Ängste werden Deine Grenzen sein”. Dieser Satz in Kombination mit dem Wissen, dass Angst einer der größten Antreiber im menschlichen Tun ist, hilft mir, mich dieser Ängste bewusst zu werden. Sobald mir klar wird, das die Angst mir im Weg steht, kann ich die daniederliegenden Ursachen besser ergründen und Bewältigungsstrategien entwickeln (und am Ende auch vor größeren Gruppen Vorträge halten).
TEXT DER WOCHE⬆ nach oben
Geht es ums Kinderkriegen, schauen wir meistens nur auf die Frauen, disktutieren ihre Gründe dafür und dagegen. Dabei gibt es laut Studien in Europa viel mehr kinderlose Männer als Frauen. Höchste Zeit, sich ihnen zu widmen.
FALKS BLICK AUF DIE WELT⬆ nach oben
Hat tatsächlich oft keine Präferenz, aber vielleicht ist das ja nur Übungssache
Astrid Probst