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Hallo!
KR-Mitglied Güde wollte wissen, was passiert, wenn Putin stirbt. Die Frage hat in der Abstimmung letzte Woche gewonnen. Los gehts.
Die Antwort auf die Frage
Das passiert, wenn Putin stirbt⬆ nach oben
Putin fragt sich nicht, wer nach ihm kommt – sondern, wie er unsterblich werden kann.
Als er im September 2025 eine Militärparade in Peking besuchte, unterhielt er sich mit dem chinesischen Machthaber Xi Jinping. Ein laufendes Mikrofon fing ein Gespräch zwischen den beiden auf.
Demnach sagte Putins Übersetzer auf Chinesisch, dass sich die Biotechnologie immer weiter entwickele. „Menschliche Organe können fortlaufend transplantiert werden. Je länger man lebt, desto jünger wird man, und man kann sogar Unsterblichkeit erlangen.“
Putin braucht also keinen Nachfolger und ich kann den Newsletter an dieser Stelle beenden… Spaß!
Bis Science Fiction zur Realität wird, kann es jederzeit passieren, dass Putin stirbt. Immerhin ist er 74 Jahre alt. Was kommt dann? Selbst die schlausten Expert:innen und die ausgefeiltesten Szenarien können das nicht mit Sicherheit vorhersagen. Vielleicht bricht ein Machtkampf aus und Regionen wie Tschetschenien oder Burjatien spalten sich von Russland ab. Vielleicht wandelt sich Russlands Verhältnis zu Westeuropa.
Lass mich die Überlegung, was nach Putin kommt, deshalb auf zwei Fragen herunterbrechen. Erstens: Würde Russland weiter Krieg gegen die Ukraine führen? Zweitens: Könnte Russland demokratischer werden?
Zolotov, Kirijenko oder Djumin – es gibt viele mögliche Nachfolger⬆ nach oben
Lass uns zuerst über konkrete Personen sprechen. Die ukrainische Zeitung Kyiv Post hat 2023 eine Liste mit Personen zusammengestellt, die auf Putin folgen könnten. Darunter Sergej Kirijenko, einer von zwei Ersten Stellvertretenden Leitern von Putins Präsidialverwaltung. Oder Viktor Zolotov, Armeegeneral und Direktor der Nationalgarde Russlands.
Der Investigativjournalist Roman Anin hat sich auf einen Namen festgelegt, den er als den wahrscheinlichsten Nachfolger betrachtet: Alexej Djumin, Sekretär des Staatsrates. Djumin war mal Putins Bodyguard, spielte eine wichtige Rolle bei der Besetzung der Krim und soll maßgeblich dazu beigetragen haben, den Prigoschin-Putsch 2023 zu beenden. Djumin ist 54 Jahre alt und damit um einiges jünger als die meisten anderen Nachfolgekandidaten.
Du merkst: Alle Personen, die ich hier aufzähle, stammen aus Putins Machtzirkel.
Putin hatte ein Vierteljahrhundert Zeit, Russland umzubauen⬆ nach oben
Anstatt die möglichen Nachfolger einzeln zu diskutieren, finde ich deshalb einen anderen Aspekt wichtiger. Wenn Putin stirbt, heißt das nicht, dass Russland demokratischer wird. Und es heißt auch nicht, dass Russland seinen Krieg gegen die Ukraine beendet.
Putin ist seit 26 Jahren an der Macht. Ein Vierteljahrhundert, in dem er Russland zu einem autoritären Staat umgebaut; Kritiker:innen umgebracht, verhaftet oder ins Exil getrieben, unabhängige Medien und Organisationen zerschlagen; und den kompletten Machtapparat mit Vertrauten besetzt hat.
Die Politikwissenschaftlerin Margarita Zavadskaya sagte der Moscow Times, die einzige Gewissheit in Bezug auf ein Russland nach Putin sei, dass es „wahrscheinlich kein demokratisches Regime werden wird“.
Es gibt immer noch Russ:innen, denen der Krieg nicht weit genug geht⬆ nach oben
Und der Krieg? Kurz nach dem Großangriff auf die Ukraine verwendeten viele den Begriff „Putins Krieg“. Vor allem Ukrainer:innen sagten schon damals: Es ist nicht Putin allein, der Drohnen nach Kyjiw schickt, den Abzug eines Gewehrs drückt oder neue Soldaten mobilisiert. Es gibt eine ganze Gruppe von Menschen in Russland, denen der Krieg gegen die Ukraine nicht weit genug geht.
Russlands Wirtschaft hat auf Kriegswirtschaft umgestellt. Die russischen Staatsmedien vergiften die Köpfe der Menschen mit Hass gegen die Ukraine und gegen Europa. Kürzlich habe ich einen Text über die Rekrutierung von Soldaten an russischen Hochschulen gelesen. Der Dekan peitscht die Studierenden auf, bezeichnet alle als Schlappschwänze, die sich nicht für die Armee melden, und spricht von Ukrainer:innen mit dem russischen Schimpfwort „Chochly“. Eine solche Gesellschaft ist bereit, weiter Krieg zu führen.
Natürlich denken nicht alle so. Es gibt Exilpolitiker:innen wie Wladimir Kara-Mursa oder Ilja Jaschin. Es gibt Russ:innen, im Land und im Exil, die sich eine freie und demokratische Heimat wünschen. Doch diese Menschen sind gespalten in verschiedene Strömungen und verteilt auf der ganzen Welt. Wenn Putin morgen tot umfällt, gibt es vielleicht ein kleines Zeitfenster, in dem diese Menschen Russland in eine neue Richtung lenken können. Doch um ehrlich zu sein, ist das nicht sehr wahrscheinlich.
Um noch einmal zur Anfangsfrage zurückzukommen: Was passiert, wenn Putin stirbt? An der Situation in Russland würde sich wahrscheinlich kaum etwas ändern. Vielleicht würde ein Nachfolger zumindest zu dem Schluss kommen, dass es vorteilhafter für ihn ist, den Krieg gegen die Ukraine zu beenden. Das ist der einzige positive Ausblick, der bleibt.
Das politische Vorfeld: Pop x Politik
Dorfkultur⬆ nach oben⬆ nach oben⬆ nach oben
Im „Testkanal“ philosophiert der Youtuber Simon Rube in Hemd und schlecht sitzender Krawatte über Deutschland. Wie zum Beispiel in dem Video Der Niedergang der Dorfkultur. Es kommt als Klamauk daher, wird aber schnell zu einem ernsthaften Essay über die Rolle von Kneipen und Kirchen, über städtische Arroganz und gleichwertige Lebensverhältnisse. Mein Lieblingssatz: „Gleichwertige Lebensverhältnisse bedeutet auf dem Land: Du hast das gleiche Recht auf den Bus wie ein Münchner Tech-Bro aus Schwabing, nur bei dir kommt er halt nicht im Minutentakt, sondern in Menstruationszyklen.“
Die Volksabstimmung
Worüber sollen wir nächste Woche schreiben?⬆ nach oben
Das Hauptthema jedes Newsletters widmen wir immer einer Frage von euch. Fünf stehen in unserer Umfrage zur Wahl. Gib jeder Frage einen bis fünf Sterne, dauert 30 Sekunden. Die Frage mit den meisten Sternen beantworten wir in einer der nächsten Ausgaben.
1. Soll man die „Spaltung der Gesellschaft“ überhaupt überwinden wollen? ⟳ zweite Chance
2. Die SPD hatte in den 90ern eine Brandmauer zur PDS. Was lässt sich daraus für den Umgang mit der AfD lernen?
3. Was würde eigentlich passieren, wenn die NATO Artikel 5 auslöst?
4. Warum ist es so schlimm, wenn die Wirtschaft nicht wächst?
5. Wie baut man autoritäre Systeme wieder in demokratische um?
Du hast selbst eine Frage, die dich umtreibt? Dann stell sie uns hier. Vielleicht steht sie nächste Woche zur Wahl.
Das waren die Ergebnisse von letzter Woche: Platz 1: Was passiert, wenn Putin stirbt? – 3,63 Sterne. Platz 2: Soll man die „Spaltung der Gesellschaft“ überhaupt überwinden wollen? – 3,55 Sterne (Tritt diese Woche noch einmal an.) Platz 3 bis 5: Dobrindt und das EU-Recht (3,43), Was die Regierung Gutes hinbekommen hat (3,40), Das Demokratiefördergesetz (3,20).
Die Nachricht, die du diese Woche ignorieren kannst
Wer wird Bundespräsident:in?⬆ nach oben⬆ nach oben⬆ nach oben
Ilse Aigner, Hape Kerkeling – oder vielleicht doch das Sams? Die Debatte darum, wer Bundespräsident:in wird, kannst du getrost überspringen und dich erst wieder damit befassen, wenn die Entscheidung gefallen ist. Damit sparst du Zeit. Und wahrscheinlich ist es für dich eh irrelevant, wer Bundespräsident:in ist.
Redaktion: Rico Grimm