Zwei Männer die sich liebevoll umarmen

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Leben und Lieben

„Heated Rivalry“: Spart euch das Buch, die Serie ist besser

Auf einmal ist Konsens sexy.

Die Serie „Heated Rivalry“, geschrieben und inszeniert von Jacob Tierney, ist zu einem Überraschungserfolg geworden. Unter Fans schwuler Liebesgeschichten ging sie viral, auf TikTok sammelte der offizielle Account der Serie Millionen Likes.

Tierneys Adaption des Romans von Rachel Reid aus dem Jahr 2019 macht aus der Vorlage eine sinnliche Geschichte über queere männliche Liebe und Sexualität.

Während Reids Liebesroman vor allem auf ein weibliches Publikum zielt und die Dynamik einer schwulen Beziehung nicht immer trifft, erzählt die Serie das Ganze unter der Regie eines schwulen Mannes deutlich genauer.

Nicht nur ein hübsches Gesicht⬆ nach oben

„Heated Rivalry“ handelt von der Liebesbeziehung zwischen zwei aufstrebenden Profi-Eishockeyspielern: dem kanadischen Kapitän der Montreal Metros, Shane Hollander (Hudson Williams), und dem russischen Kapitän der Boston Raiders, Ilya Rozanov (Connor Storrie).

In Reids Roman werden die Figuren entlang klarer Klischees beschrieben. Shane ist der „hübsche“ Junge, der „wie eine Puppe“ aussieht. Er sei von Natur aus „geschmeidig“ und sehe aus „wie ein Schwimmer“. Ilya dagegen erscheint als Inbegriff von Männlichkeit: groß, breit, mit muskulöser Brust, kräftigen Armen und dicken Oberschenkeln.

Da überrascht es kaum, dass die Rollen in der Beziehung festliegen. Shane erscheint als der weichere, emotionalere Part – der „Bottom“. Ilya dagegen ist der „Top“: größer, dominanter, körperlich präsenter. Eine Einteilung, die mehr aus dem Aussehen der Figuren folgt als aus dem, was zwischen ihnen passiert.

In der Serie verändert Regisseur Tierney diese Rollen zwar nicht. Statt Ilyas Eigenschaften als „männlich“ und Shanes als „weiblich“ zu markieren, interessiert ihn, wie ihre jeweiligen Lebensumstände sie geprägt haben. Und wie sich das in ihrer Beziehung zeigt, im Alltag wie im Bett.

Ilyas Dominanz und seine zur Schau gestellte Männlichkeit rücken in der Serie in den Hintergrund. Stattdessen zeigt sie ihn als verletzlichen bisexuellen Mann, der mit seinen Gefühlen und den Erwartungen seiner Familie ringt. Und der sich im Kern einfach danach sehnt, von dem Menschen gehalten zu werden, den er liebt.

Auch Shane ist mehr als nur ein hübsches Gesicht. Die Serie beleuchtet seine asiatisch-kanadische Herkunft, zeigt den medialen Druck, unter dem er als Person des öffentlichen Lebens steht, und die leisen, intimen Momente nach seinem Coming-out mit seiner Mutter.

Tierneys Perspektive macht aus beiden Figuren vielschichtige Menschen mit eigenen Konflikten. Sie zeigt, dass das Leben queerer Männer nicht auf pikante, sexy Momente zu reduzieren ist. Und dass ihre Sexualität oft mitentscheidet, wie sie in Karriere, Familie, Beziehungen und selbst auf der internationalen Bühne wahrgenommen werden.

Konsens ist sexy⬆ nach oben

Einer der deutlichsten Unterschiede liegt darin, wie die Serie mit dem Thema Konsens umgeht. Shane und Ilya haben sowohl im Buch als auch in der Serie viel Sex. In einer bekannten Szene des Romans wird Shane von einem Teamkollegen angerufen. Ilya nutzt den Moment, um Shane oral zu befriedigen. Reid beschreibt, Shane sei „weich“ gewesen und habe womöglich gar nicht gewollt, dass Ilya weitermacht; später nennt Shane die Situation selbst „fucking creepy“.

Die Serie entschärft diese Szene deutlich. Der zweifelhafte Konsens und Shanes stiller Widerstand aus dem Buch fallen weg. Stattdessen signalisiert Shane nach kurzem Zögern aktiv Zustimmung: Er bewegt sich so, dass Ilya leichteren Zugang hat, und seine Mimik macht unmissverständlich klar, dass er einverstanden ist.

Tierney sagte in einem Interview, dass der eindeutige Konsens diese Szene „heißer macht“. Durch solche Anpassungen zieht die Serie eine deutlich klarere Grenze dessen, was akzeptabel ist, als der Roman von Reid.

Konsens ist in der Schwulenszene weit verbreitet und gilt vielerorts als selbstverständlich. Tierneys Perspektive holt diese Haltung in die Serie: Sie zeigt Shane und Ilya als ein Paar, das so gut aufeinander eingespielt ist, dass Grenzen klar benannt sind. Genau das macht die Szenen nicht weniger, sondern eher mehr sexy.

Tierney zeigt Ilya und Shane weniger als harte Athleten, sondern als zwei Menschen, die erst lernen, sich einander verletzlich zu zeigen. Ilya wirkt dadurch weicher, seine Männlichkeit wird nicht demonstrativ, sondern liebevoll erzählt.

Im Buch, als sie beide „Ich liebe dich sagen“, ist Ilya stoisch und „verängstigt“. In der Serie weint er vor Glück.

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In den Sexszenen löst Tierney die Schichten harter, demonstrativer Männlichkeit auf und rückt stattdessen Zärtlichkeit und emotionale Nähe in den Mittelpunkt. So, wie sie viele schwule Beziehungen tatsächlich prägen. Er nimmt Gefühle hier ernst und zeigt damit ein klares Gespür für das Bedürfnis seines schwulen Publikums nach verletzlichen, erfüllten queeren Männern auf der Leinwand.

Ein Publikum finden⬆ nach oben

Bei der Adaption der Sexszenen für die Leinwand sprach Tierney davon, dass er „verdammt nochmal alles aus diesen Sexszenen herausholen“ wollte, weil er wusste, dass die Fans des Buches „dieses Zeug lieben“. Er wollte auch „geilen guten Sex für Schwule im Fernsehen“ in den Vordergrund stellen, Sex, der „nicht in Elend oder AIDS oder Bestrafung endet.“

Tierneys Adaption spricht sowohl die Leserinnen an, die über den Roman zur Serie gekommen sind, als auch ein neues männliches Publikum. Sie bleibt pikant und der Vorlage verpflichtet, ist dabei aber zugleich eindeutig und authentisch schwul erzählt.

Damit tritt Tierney in die Fußstapfen anderer großartiger queerer Regisseure und Autoren wie Greg Berlanti mit „Love, Simon“ (2018) und Peter Paige mit „The Thing About Harry“ (2020).

Tierneys Shane und Ilya dürfen weinen, guten Sex haben, ihre Ängste teilen und gemeinsam an ihren wunden Punkten arbeiten – ohne dabei aufzuhören, aktive, attraktive und widersprüchliche queere Männer zu sein.


Dieser Artikel ist zuerst am 13. Januar 2026 auf Englisch bei The Conversation erschienen. Wir haben ihn mit Einverständnis des Autors übersetzt und leicht aktualisiert. Hier könnt ihr den Originalartikel lesen.

Übersetzung: Nastasja Kowalewski, Redaktion: Isolde Ruhdorfer, Schlussredaktion: Susan Mücke, Bildredaktion: Gabriel Schäfer

„Heated Rivalry“: Spart euch das Buch, die Serie ist besser

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