Hände im Pullover blättern ein Buch um.

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Wenig Zeit? Hier kommen unsere Empfehlungen für kurze Bücher

Ich habe die besten Bücher unter 200 Seiten gefunden – mithilfe der KR-Community.

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Seit ich aus dem Sommerurlaub zurück bin, stecke ich in einer Leseflaute. Im Alltag bleibt zu wenig Zeit fürs Lesen, abends schaue ich lieber Netflix oder scrolle durch meinen Instagram-Feed. Dabei könnten kurze Bücher die Lösung für mein Problem sein. Die lassen sich nämlich einfacher in den Alltag integrieren, die Hemmschwelle, zum Buch zu greifen, ist niedriger und man hat schnell ein Erfolgserlebnis. Deshalb habe ich die Krautreporter-Community nach ihren Lieblingsbüchern unter 200 Seiten gefragt.

Und in diese Tabelle können alle Leser:innen ihre Lieblingsbücher unter 200 Seiten eintragen. So entsteht eine gemeinsame Liste, auf die man immer gucken kann, wenn man sich fragt, was man als Nächstes lesen soll.

1. Klarkommen von Ilona Hartmann, 192 Seiten⬆ nach oben

Bildcover von "Klarkommen" von Ilona Hartmann

In „Klarkommen“ beschreibt Ilona Hartmann ein Gefühl, das wir alle kennen: FOMO (Fear of missing out) – die Angst, etwas zu verpassen. Mit 18 Jahren zieht die Protagonistin zusammen mit ihren Freund:innen Mounia und Leon aus der Heimat in die Großstadt. Die Erwartungen sind hoch: nächtelang durchfeiern, die große Liebe und vielleicht auch sich selbst finden. Schnell stellt die Protagonistin fest, dass die große Party ausbleibt.

Mit dem Buch entzaubert Hartmann die Vorstellung vom Leben in der Großstadt als junger Mensch. Denn das kann oft einfach nur mittelmäßig interessant sein. Durch das Buch habe ich gelernt, dass das völlig normal und auch okay ist.

Um „ein Anfreunden mit der Realität“ geht es laut Hartmann selbst vor allem im Roman, der 2024 erschienen ist. Ein solches Buch hätte sie sich selbst damals als Teenagerin gewünscht. Stattdessen ist sie aufgewachsen mit einer super unrealistischen Vorstellung vom Erwachsenwerden wie in der Fernsehserie „Sex and the City“.

2. Nordstadt von Annika Büsing, 128 Seiten⬆ nach oben

Bildcover von "Nordstadt" von Annika Büsing

„Nordstadt“ haben mir Julia und Janna aus der KR-Community empfohlen. Als frech, humorvoll, rau, berührend und authentisch beschreibt Julia den Debütroman von Annika Büsing und hat ihn in einem Rutsch durchgelesen. Ein gutes Zeichen!

Es geht um Nene, sie ist Anfang 20 und Bademeisterin. Im Schwimmbad lernt sie Boris kennen, „den Mann mit den Puma-Augen“, wie sie ihn nennt. Klingt wie eine romantische Lovestory mit Happy End, ist es aber nicht. „Nordstadt“ ist eine düstere Version von Caroline Wahls „22 Bahnen“. Nordstadt steht für mehr als eine Himmelsrichtung. Es steht für Armut, Alkohol, Gewalt und Ausgrenzung. Nene und Boris sind beide stark traumatisierte Figuren, freunden sich an, verlieben sich. Eine gleichzeitig herzzerreißende und lebensbejahende Geschichte auf knapp 130 Seiten.

3. Farm der Tiere von George Orwell, je nach Ausgabe 90 bis 160 Seiten⬆ nach oben

Bildcover von "Farm der Tiere" von George Orwell

Ein Klassiker! Ursprünglich 1945 als Kritik am Stalinismus erschienen, ist die Fabel von George Orwell heute aktueller denn je. Die Protagonisten lassen sich problemlos auf andere Diktaturen übertragen. Die Erzählung ist zeitlos und erzählt von Faschismus und Unterdrückung.

Die Schweine des alkoholkranken Farmers Mr. Jones werden unterdrückt. Irgendwann schaffen es die Tiere, sich daraus zu befreien und zetteln eine Revolution an. Doch mit immer mehr Macht werden die Tiere irgendwann selbst zu Diktatoren.

„Alle Tiere sind gleich, aber manche Tiere sind gleicher als andere“, heißt es im Buch. Mit diesem Satz beschreibt Orwell das Verhältnis zwischen Mensch und Tier sehr treffend. Denn für mich geht es in „Farm der Tiere“ auch um Tierethik: Wie funktioniert ein Zusammenleben zwischen Mensch und Tier? Kann das funktionieren?

4. Mama, bitte lern Deutsch von Tahsim Durgun, 201 Seiten⬆ nach oben

Bildcover von "Mama, bitte lern Deutsch" von Tahsim Durgun

Streng genommen ist das Buch eine Seite zu lang für diese Liste. Aber das ist unsere Liste, also drücken wir ein Auge zu. „Mama, bitte lern Deutsch“ hat Barnali aus der KR-Community empfohlen, und das Buch steht auch schon viel zu lange auf meiner Liste der „Bücher, die ich unbedingt noch lesen muss.“

Tahsim Durgun kennen viele durch Social Media. Bekannt geworden ist er mit seinen Videos über seine kurdische Mutter, wie sie zu Hefe „Hifa“ sagt oder immer wieder Tahsims Geburtstag vergisst. Das Buch ist eine Geschichte über Tahsim, seine Familie und vor allem seine Mutter. Über 30 Jahre lebt Tahsims Mutter schon in Deutschland, spricht aber kein Deutsch. Schon als Kind war Tahsim Dolmetscher für sie und hat vielleicht deswegen heute eine große Liebe für die deutsche Grammatik entwickelt.

Als „Eingliederungsversuch in eine geschlossene Gesellschaft“ beschreibt Tahsim selbst das Buch. Es ist eine Hommage an seine Mutter und an das Lebenswerk postmigrantischer Familien, das für viele unsichtbar ist.

5. Nichts von Janne Teller, 140 Seiten⬆ nach oben

Bildcover von "Nichts" von Janne Teller

„Nichts bedeutet irgendetwas, deshalb lohnt es sich nicht, irgendetwas zu tun“, sagt Pierre Anthon am ersten Schultag nach den Sommerferien, verlässt den Unterricht und setzt sich auf einen Pflaumenbaum. Seine Mitschüler:innen sind irritiert und machen es sich zur Aufgabe, Pierre Anthon vom Gegenteil zu überzeugen. Es entsteht ein „Berg der Bedeutung“, persönliche Gegenstände, die den Kindern wichtig sind. Damit wollen sie ihrem Mitschüler zeigen, dass es doch Dinge mit Bedeutung gibt und das Leben einen Sinn hat. Doch Pierre Anthon lässt nicht ab von seiner nihilistischen Einstellung, auch als die Situation irgendwann völlig eskaliert.

Im dänischen Original ist „Nichts“ vor mehr als 20 Jahren als Jugendbuch erschienen. Seither wird es kontrovers diskutiert und war an Schulen in Dänemark, Frankreich und Norwegen sogar zeitweise verboten. Es mute den Leser:innen zu viel zu, hieß es damals von Pädagog:innen und Lehrkräften. Ob das Buch als Schullektüre geeignet ist, ist eine andere Frage. Klar ist, es wirft existentielle Fragen auf und regt wirklich zum Nachdenken an.

Das Buch der Autorin Janne Teller ist so ziemlich das Gegenteil von leichter Bettlektüre, zeitweise echt brutal und verstörend. Es geht um Gruppenzwang, um Gewalt und Eskalation und die Grenzen der Moral.

6. Die Verwandlung von Franz Kafka, je nach Ausgabe 88 bis 144 Seiten⬆ nach oben

Bildcover von "Die Verwandlung" von Franz Kafka

„Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in seinem Bett zu einem ungeheueren Ungeziefer verwandelt.“ Mit diesem weltberühmten Satz beginnt Kafka die Erzählung und hat damit übrigens 2007 den zweiten Platz des Wettbewerbs „Der schönste erste Satz“ gewonnen. Völlig zu Recht! Das Erste, woran Gregor Samsa denkt, als er als Käfer aufwacht, ist, wie er denn jetzt zur Arbeit kommt. Das sagt irgendwie schon alles. „Die Verwandlung“ von Kafka aus dem Jahr 1912 handelt von Entfremdung, Ausgrenzung und gesellschaftlichem Druck.

In der Schule fand ich das Buch damals einfach nur schräg. Mittlerweile liebe ich Kafka, und „Die Verwandlung“ zählt zu meinen Lieblingsbüchern. In der kurzen Erzählung steckt so viel drin, sie ist zeitlos und hoffentlich in 100 Jahren auch noch Pflichtlektüre.

7. Die souveräne Leserin von Alan Bennett, 116 Seiten⬆ nach oben

Bildcover von "Die souveräne Leserin" von Alan Bennett

Eines Tages spaziert Queen Elizabeth mit ihren Corgis durch den Hofpark vom Buckingham Palace und gerät durch Zufall in einen Bücherbus der Stadtbibliothek. „Aus Höflichkeit“ leiht sich die Majestät dann tatsächlich auch ein Buch aus und, zack, ist sie im Lesefieber. Mit der Küchenhilfe Norman tauscht sie sich über die vielen Bücher aus, die sie fortan liest. Dabei vernachlässigt sie immer mehr ihre königlichen Pflichten, liest in ihrer Kutsche, statt fleißig zu winken.

Alan Bennett ist ein britischer Schriftsteller, Dramatiker und Regisseur. Nicole aus der KR-Community empfiehlt, das Buch im englischen Original zu lesen – very british!


Redaktion: Bent Freiwald, Schlussredaktion: Susan Mücke, Bildredaktion: Sören Frey

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