Hätte ich meinem Mann auch nur eine Minute länger zuhören müssen, wie er über Claude Code sprach, wäre ich gestorben. Es war elf Uhr nachts in Berkeley, Kalifornien, wo ich mit unserer zehn Monate alten Tochter allein zuhause war, und zwei Uhr nachts in Cambridge, Massachusetts, wo er gerade für seinen noch recht neuen KI-Job war. „SCHAU DOCH MAL!“, schrie er. Er hielt die Handykamera auf seinen Laptop auf dem Hotelbett. „SIEHST DU DAS?!“
Was sollte ich sehen, fragte ich mich. Ich wollte duschen. Ich musste noch mit dem Hund raus.
„SCHAUST DU RICHTIG HIN?“, schrie er noch einmal. Tat ich nicht. Ich schaute auf unser echtes Baby. Das war das Problem. Es gab zwei Babys in unserem Haushalt: ein kleines Menschenkind und ein großes Sprachmodell. Beide forderten ständige Aufmerksamkeit. Beide halten uns bis um zwei Uhr nachts wach.
Müsste ich mich zwischen einem der Babys entscheiden: Ich würde das KI-Baby sofort rauswerfen.
Die Männer wollen rein in die KI, die Frauen raus⬆ nach oben
Der KI-Boom hat eine seltsame und kaum diskutierte Nebenwirkung: Er bringt die Familiendynamiken durcheinander. Damit meine ich: Er kann Familiendynamiken potenziell zerstören. Ich bin mir sicher, dass das auf alle Arten von Familien zutrifft, auf homo- oder heterosexuelle, reiche oder arme, auf alle, bei denen eine:r die KI-Pille geschluckt hat. Die Technologie hat uns längst alle eingeholt. Für diese Geschichte habe ich allerdings überwiegend mit heterosexuellen Angestellten aus der Bay Area gesprochen, weil mir bei ihnen folgendes psychologisches Problem besonders akut erschien. Oft arbeitet er im KI-Bereich und auch nur dort, sie übernimmt alles und auch wirklich alles andere. Manchmal ist es noch düsterer: Er möchte unbedingt im KI-Bereich arbeiten oder hat das Gefühl, das unbedingt tun zu müssen, und sie will, dass er das auf gar keinen Fall, zu keinem Preis der Welt tun sollte.
Die Männer wollen rein in die KI, die Frauen raus. Über wie viele Personen reden wir hier? Das kommt darauf an, wie man „im KI-Bereich arbeiten“ definiert. Laut einem Bericht sind rund 71 Prozent der qualifizierten Arbeiter im KI-Bereich Männer; es gibt in den USA rund 35.000 offene Stellen dort. Wenn man auch die Investor:innen dazuzählt, sind es Tausende mehr. Wenn man jeden Mann dazuzählt, der seiner Frau gegenüber erwähnt hat, dass er „sich in diesem Bereich umsieht“, dann sind wir schon bei Millionen. Selbst nach einer konservativen Schätzung kommt man damit auf Hunderttausende Ehemänner oder Partner und Freundinnen, die zu Hause die Stellung halten, während ihnen jemand mansplaint, was an der KI so besonders ist. Anders gesagt: Es gibt viele von uns und wir werden immer mehr. Wir alle ringen nach Luft und kämpfen jeden Tag darum, auch nur ein einziges Gespräch zu führen, in dem nicht das Wort „große Sprachmodelle“ vorkommt.
Wir haben einen Namen. Ich nenne uns: die unglücklichen Ehefrauen der KI.
Ich höre dieselben Formulierungen, dieselben Beschwerden, dieselben Klischees⬆ nach oben
Zuerst einmal: Es tut mir leid. KI ist ohnehin schon das einzige Thema, über das die meisten Leute reden, und für die armen Ehefrauen ist es noch schlimmer.
Eine von ihnen war von New York in die Bay Area gezogen, für die Karriere ihres Mannes. Er war erst Co-Gründer einer KI-Firma, mittlerweile leitet er die Designabteilung einer anderen. „Er ist so begeistert“, sagt sie. Sie dagegen mache gute Miene zum bösen Spiel, oft könne sie sich sowieso nicht merken, was er da überhaupt genau mache. „Ich neige dazu abzuschalten, wenn er davon erzählt, und dann vergesse ich es wieder.“ Sie sagte mir aber noch, dass seine Firma ganz vorne mit dabei sei bei … irgendwas. Die meiste Zeit ist sie einfach nur müde. „Ich war nicht darauf vorbereitet, wie homogen es hier zugeht“, sagt sie. „In New York hatte ich Freund:innen, die waren Lehrkräfte, arbeiteten in der Pflege, im Modebereich oder im Finanzwesen. Und wir sprachen nicht über unsere Jobs, wenn wir uns trafen. Jedes Mal, wenn ich in San Francisco ausgehe, fühlt es sich an, als wäre ich bei einem After-Work-Event. Ich verstehe es einfach nicht.“
Das Thema lässt sich nicht vermeiden. An den meisten Tagen fühlt es sich an, als würde jede Werbetafel in der Stadt sich mit KI befassen. Jede. Einzelne. „Mich macht das fertig“, sagte mir eine andere KI-Ehefrau, „aber mein Mann fährt an den Tafeln vorbei und sagt: ‚Oh wow, das ist von meiner Firma, wie cool. Das ist großartig.“ Wie fast alle unglücklichen Ehefrauen der KI möchte sie nicht, dass ich Details ihrer Geschichte verrate. Ehen, gesellschaftlicher Status und Finanzen stehen auf dem Spiel. Das Kapital muss geschützt werden!
Einige der unglücklichen Ehefrauen sind absurd reich; andere haben finanzielle Probleme. Doch je mehr ich mit ihnen spreche, desto häufiger höre ich dieselben Formulierungen, dieselben Beschwerden, dieselben Klischees. Die Arbeitszeiten. Die Besessenheit. Das Gefühl ihrer KI-zugedröhnten Männer, dass sie auf keinen Fall auch nur einen Moment verpassen dürfen, weil das bedeuten würde, den wichtigsten Moment des technologischen Wandels ihres Lebens zu verpassen. „Sie wollen unbedingt auf der Welle mitschwimmen“, sagte eine KI-Ehefrau. Eine andere meint: „Er ist immer wegen irgendwas deprimiert.“
Sind diese Männer die idealen Arbeiter oder sind sie in eine Falle gegangen?⬆ nach oben
Yana van der Meulen Rodgers, Inhaberin des Lehrstuhls für Arbeitswissenschaft und Arbeitsbeziehungen an der Rutgers University, New Brunswick, bringt es auf den Punkt: Was in den Familien der Bay Area passiert, ist keine Frage des Lifestyles. Sondern des Arbeitsmarktes. Der KI-Boom, sagt Rodgers, erschafft einen „perfekten Sturm“ aus verschiedenen Kräften, der die Dynamiken in den Familien durcheinanderwirbele, bis sie sich wieder entlang der vorhersehbaren Rollenbilder orientierten.
Diese Geschichte ist älter als das Silicon Valley. Jeder tiefgreifende technologische Boom bringt dieselbe Figur hervor: eine Person, die sich ganz der Welle hingibt. Während der industriellen Revolution war es der Fabrikarbeiter. Während des Goldrauschs waren es die Männer, die ihre Familien zurückließen und nach Westen zogen. Während des Dotcom-Booms waren es die Gründer, die in San Franciscos Startup-Viertel South of Market unter ihren Schreibtischen schliefen. Heute ist es jemand, der ständig am Coden ist und auch um Mitternacht noch Vibe Codes baut und Modelle upgradet, in der unbedingten Überzeugung, dass er alles verpassen würde, wenn er nur fünf Minuten innehalten würde. Volkswirtschaftler:innen nennen Menschen wie ihn den „idealen Arbeiter“. Rodgers spricht von einer Falle. „Wir sprechen hier von Menschen, die viele Stunden arbeiten, sich voll und ganz dieser neuen Kraft hingegeben und dadurch weniger Zeit für ihre Partner:innen, weniger Zeit für Carearbeit haben“, sagt sie.
Auch wenn sich solche Zahlen schnell ändern können, deuten aktuell einige Analysen darauf hin, dass Frauen generative KI etwa 20 Prozent seltener nutzen als Männer. „Das hängt nicht vom Geschlecht an sich ab“, meint Rodgers, „sondern von den Berufen, die Frauen ausüben.“ Frauen sind überproportional stark in Berufen vertreten, in denen KI derzeit noch wenig zum Einsatz kommt, etwa im Bildungs-, Gesundheits- oder im Sozialwesen. Daraus könnte sich nach und nach ein zunehmender Nachteil für sie ergeben. Denn auf längere Sicht profitieren Frauen dadurch weniger von den finanziellen Vorteilen des Booms und müssen aber mehr Verantwortung für Hausarbeit übernehmen.
Und was passiert, wenn die Männer scheitern? Viele, wenn nicht sogar die meisten, werden im KI-Bereich keinen Fuß fassen. Es ist zwar ein lukratives, aber volatiles Geschäftsfeld. „Der Verlust eines Jobs kann zu Depressionen führen“, sagt Rodgers. „Wenn in einer Partnerschaft eine Person aufgrund von Arbeitsplatzverlust oder Unsicherheit unter psychischen Problemen leidet, rutscht die andere Person schnell in die Rolle der Stütze.“ Die grausame Ironie für manche unglückliche Ehefrauen besteht darin, dass in dem Moment, in dem ihr Mann KI verlässt, sei es freiwillig oder weil er muss, keine Erleichterung eintritt. Jetzt ist er zu Hause, gerät immer tiefer in eine Abwärtsspirale. Und nun muss sie auch noch damit fertigwerden.
Die Klient:innen meiner Therapeutin sind fast ausschließlich Frauen, deren Männer beruflich mit KI zu tun haben⬆ nach oben
Es war gegen Ende meiner Therapiesitzung. Ich hatte 50 Minuten lang über Mental Load, Hormonschwankungen und darüber gesprochen, ob meine postpartale Depression tatsächlich nur darauf zurückzuführen sei, dass mir meine alten Jeans immer noch nicht wieder passen, als meine Therapeutin mich unterbrach und fragte, wo mein Partner nochmal arbeitete. „Oh“, sagte ich. „Er leitet ein KI-Unternehmen.“
Was sie daraufhin sagte, musste ich aufschreiben. Ihre Klient:innen, so teilte sie mir mit, seien fast ausschließlich Frauen – Frauen, deren Ehemänner in den meisten Fällen beruflich in irgendeiner Weise mit KI zu tun hätten. Und das wirke sich auf deren Beziehungen aus. Der Druck, Schritt halten zu müssen, führe dazu, dass es zu Hause keinerlei Grenzen mehr gäbe. So viel maskuline Energie. Und dann die ständigen Streits, bei denen es um etwas geht, das größer sei als sie. Er befände sich in einer anderen Welt, einer Welt der Prompts, Benchmarks und Erleuchtungen, während sie fest in der irdischen verankert sei.
Da staue sich natürlich schnell Groll auf. Einige dieser unglücklichen Frauen, ergänzte meine Therapeutin, haben selbst Stellenangebote im KI-Bereich abgelehnt. Nicht weil sie nicht qualifiziert genug seien, sondern weil sie fanden, Kinder und gesellschaftliche Disruption seien schwer zu vereinbaren.
Prinzessin Diana sagte bekanntlich, dass es in ihrer Ehe drei Personen gibt. Bei den unglücklichen Ehefrauen der KI ist die dritte Person ein Chatbot. Ich habe mit einigen anderen Familientherapeuten gesprochen, und sie stimmten meiner Einschätzung zu: Das Phänomen verschlimmert sich. „Es gibt wirklich sehr viele ‚Tech-Ehefrauen“, sagte einer seufzend.
„Ich gebe alles, damit mein Mann an seinem KI-Startup arbeiten kann, das jeden Monat 30.000 Dollar Verlust macht“⬆ nach oben
Es gibt ein Tiktok-Meme, in dem junge Frauen an ihren Laptops sitzen oder sich schminken. Darunter steht etwas wie: „Ich gebe alles, damit mein Mann an seinem KI-Startup arbeiten kann, das jeden Monat 30.000 Dollar Verlust macht.“ Die Kommentarspalten sind voller Solidarität: „Ich lach mich schlapp“, „Yas Queen“, „Nur damit er ‚Gründer‘ in seine Bio schreiben kann.“ Ich habe versucht, einige dieser Frauen zu kontaktieren. Keine hat angebissen.
Ich sollte an dieser Stelle vielleicht auch erwähnen, dass ich für diesen Artikel mit keinem der Ehemänner gesprochen habe. Ich habe einfach keine Lust, dass immer nur die Männer der KI zu Wort kommen. Das geht vielen von uns so. Die Männer haben Podcasts, dürfen im Senat sprechen und werden in Magazinen porträtiert. Wahrscheinlich haben sie sogar einen Gruppenchat mit dem Präsidenten. Mit ihnen wurde schon gesprochen und zwar genug.
Keiner der Ehemänner meiner Freundinnen verdient tatsächlich Geld mit KI. Noch nicht⬆ nach oben
An einem ungewöhnlich warmen Abend traf ich zwei Freundinnen in einer Weinbar. Beide sind mit Männern zusammen, die sich irgendwo auf dem KI-Spektrum befinden, sei es, weil sie tatsächlich KI entwickeln, ihr wie besessen nachjagen oder einfach nicht aufhören können, darüber zu reden.
Wir waren in Oakland, einer Stadt, die sich schon immer damit gerühmt hat, das Gegenteil von San Francisco zu sein – vielfältiger, weniger mit Risikokapital finanzierte Cold-Brew-Läden. Noch nie hat ein einziges großes Techunternehmen hier seinen Sitz gehabt. Trotzdem sprachen wir vier Minuten später über KI.
Es ist so existenziell. Darüber nachzudenken deprimiert mich.
Ja. Denk nicht darüber nach!
Wir verbrachten die nächsten zwei Stunden damit, darüber nachzudenken.
Jeden Abend diese existenzielle Angst.
Und dann erst die Männer. Keiner der Ehemänner meiner Freundinnen verdient tatsächlich Geld mit KI. Noch nicht.
Ich meine, da ein Gefühl wahrzunehmen, das Gefühl, dass genau jetzt die letzte Chance gekommen ist. Dieses Gefühl kursiert unter Leuten, die im KI-Bereich arbeiten, aber auch unter denjenigen, die am Rande damit zu tun haben, sowie denjenigen, die sich recht sicher sind, dass die KI nur auf sie wartet. Diese Männer haben alles andere bereits ausprobiert, sie haben Drehbücher geschrieben und in Kryptowährungen investiert. Entweder KI oder nichts. Ihre Partnerinnen haben unterdessen still und leise einen zweiten Job übernommen: emotionale Unterstützung. Chief Existential Officer, unbezahlt. Niemand hat uns gefragt, ob wir diesen Job wollen.
Was passiert also jetzt?
Vielleicht kehren wir einfach in die Steinzeit zurück.
Eine Freundin hat angefangen, sich dafür einzusetzen, dass ihre Familie zu „Outdoor-Leuten“ wird. Zu denen, die in die Wildnis ziehen und komplett abschalten. Eine ganze Woche lang, ohne jeglichen Kontakt zur Außenwelt. Aber sag das bloß nicht Claude.
Pause.
Was bestellen wir zum Nachtisch?
„Man denkt unter der Dusche darüber nach, beim Sex. Es lässt einen nie los“⬆ nach oben
Bridget Balajadia, eine Psychotherapeutin bei Lupine Counseling in San Jose, beschreibt das Problem des KI-Ehemanns folgendermaßen: „Wenn man um Mitternacht nicht auf eine E-Mail antwortet, könnte man am nächsten Morgen aufwachen und keinen Job mehr haben.“ Es ist unerbittlich. „In dieser Branche ist man ständig erreichbar. Man denkt unter der Dusche darüber nach, beim Sex. Es lässt einen nie los.“ Und weil es einen nie loslässt, gerät die Beziehung ins Wanken. „Es wird zu einer Rund-um-die-Uhr-Sache, bei der keiner der Partner das bekommt, was er braucht. Beide errichten um sich herum Mauern des Grolls.“
All das wissen wir bereits. Aber dann erzählt mir Balajadia zwei überraschende Dinge: Das erste ist, dass einige der unglücklichen KI-Frauen mit ihr nicht über ihre Männer reden wollen. Warum? „Ich habe darüber schon mit meinem Chat gesprochen“, sagen sie. Damit meinen sie: ChatGPT. Ganz genau. KI treibt nicht nur einen Keil durch Beziehungen, sie ist auch zum Mittel der Wahl geworden, wenn es darum geht, eine Ehe zu retten.
Balajadia ist skeptisch. „Das Ergebnis ist nicht besonders gut“, sagt sie. „Die KI widerspricht ja kaum. Am Ende bestätigt sie, was man denkt. So bleiben beide bei ihrem Standpunkt.“
Es kommt aber noch schlimmer. Manchmal stiftet ChatGPT die unglücklichen Ehefrauen sogar zum Seitensprung an. Einige von ihnen, so Balajadia, bekommen „zustimmende Nachrichten“ wie etwa „Ja, es ist nur nachvollziehbar, dass du woanders nach Zuneigung suchst, wenn dein Partner sie dir nicht gibt. Er ist emotional einfach nicht zugänglich.“ Sie denkt kurz nach. „Wahrscheinlich ist das keine gute Idee. Es ist besser, die Probleme in einer Ehe anzusprechen, statt Sex mit einem anderen zu haben.“
Manche Frauen haben eine unkomplizierte Beziehung zu KI⬆ nach oben
Einige Frauen, auch so viel soll gesagt sein, haben eine unkomplizierte Beziehung zu KI. Eine sagte mir, dass sie ihr Leben leichter mache: Hochzeitsplanung, die Pflege der alternden Eltern, Haushalt, tierärztlicher Rat. Während ihr Mann sich darauf konzentriert, wie KI die Wirtschaft verändern wird, interessiert sie sich dafür, wie KI sie selbst verändern, sie optimieren wird. „Der Tag hat einfach nicht genug Stunden, ich muss versuchen, bei manchen Dingen effizienter zu werden.“ Sie hat gerade einen Vibe Code für irgendetwas geschrieben. Vielleicht wird ihr Mann eines Tages ein unglücklicher KI-Ehemann sein.
Vielleicht sind auch Roboter die Lösung des Problems. Eine weitere Frau erzählte mir, dass ihr Mann, Gründer eines KI-Startups, überzeugt davon sei, dass sie innerhalb der nächsten zehn Jahre einen Haushaltsroboter haben werden. „Vielleicht werde ich, wenn wir einmal Kinder haben, sagen: ‚Jetzt ist es Zeit für einen Roboter.“ Aktuell könne sie sich dazu noch nicht durchringen. „Aber vielleicht ging es den Leuten früher bei Waschmaschinen genauso.“ Das ist ihre Antwort auf die Frage, die ich allen gestellt habe: Hat der KI-Boom irgendetwas zu Hause verbessert? Wäre das überhaupt möglich?
Die meisten der Antworten waren uninspirierend. Oft ist das Einzige, was eine unglückliche Ehefrau als Trost anführen kann, dass die KI ihr ein neues Gesprächsthema bei einem Abendessen beschert hat.
KI ist eine Blase. Und Blasen können schnell platzen.⬆ nach oben
Es ist jedes Mal dasselbe Muster: Eine Generation (von Männern) ist überzeugt, dass genau jetzt ihr Moment gekommen ist, und alle anderen müssen zusehen, wo sie bleiben. Eine Blase. Und Blasen können schnell platzen, wie jeder bestätigen kann, der 2001 dabei war. Eine KI-Ehefrau, diejenige, die an Werbetafeln für Unternehmen vorbeifährt, an denen ihr Mann beteiligt ist, bringt es auf den Punkt: „Die Hälfte unseres Einkommens hängt davon ab, ob es mit der KI gerade gut läuft.“
Das ist bei mir auch so. Mehr als die Hälfte, ehrlich gesagt.
Auf dem Rückflug von seiner Geschäftsreise nach Massachusetts saß mein Mann im Flugzeug neben jemandem, der gerade „Train Dreams“ schaute. In dem Film geht es um einen Mann, der seine Familie verlässt, um im Westen Amerikas des vergangenen Jahrhunderts als Holzfäller und bei der Eisenbahn zu arbeiten. Selbst ohne Ton war mein Mann ein wenig gerührt. „Tue ich das gerade auch?“, fragte er mich später.
Im Film verliert der Mann am Ende seine Frau und seine Tochter. Er ist sein ganzes Leben lang von Reue geplagt.
„Aber ich tue das für unsere Tochter“, versichert mir mein Mann. Und: „Ich wollte immer schon, dass die Dinge, an denen ich arbeite, wichtig sind.“
Ich habe eine Weile darüber nachgedacht. Dann bat ich ihn, mit dem Hund rauszugehen.
Dieser Artikel ist ursprünglich im Magazin Wired erschienen. Wir haben ihn mit Einverständnis der Autorin übersetzt. Hier kannst du den Originalartikel lesen.
Übersetzung: Nina Roßmann, Redaktion: Astrid Probst, Schlussredaktion: Susan Mücke, Bildredaktion: Sören Frey