Update: Weitere Antworten zur Situation im Donbass

Update: Weitere Antworten zur Situation im Donbass

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Der Artikel „Wo Feinde den selben Bus nehmen“ ging auf eine Zusammenarbeit mit unseren Mitgliedern zurück, die aus der Ukraine kommen oder einen besonderen Bezug zu dem Land haben. In mehreren Mails baten wir sie um Themenideen und ihre Einschätzung zur Lage im Land.

Mehr noch als spezifische Themen bewegte viele Mitglieder, der Alltag normaler Bürger im Donbass. Sie schickten uns Fragen, die ich während der Recherche in der Ukraine und dem Verfassen des Textes im Kopf hatte. Einige davon haben jedoch im Text keinen Platz gefunden.

Haben die Bewohner des Donbass von dem Gerücht gehört, dass Poroschenko Putin den Donbass angeboten habe, dieser aber abgelehnt habe?

Die geschickt lancierte Meldung hat tatsächlich auch im Donbass die Runde gemacht, weil sie auch von den russischen TV-Sendern aktiv verbreitet wurde. Später wurden die angeblichen Aussagen allerdings vom ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko dementiert bzw. von Putins Sprecher Dmitrij Peskow „nicht kommentiert.“ Dass Russland die Gebiete nicht integrieren will, haben die Bewohner des Donbass schon im Mai 2014 verstanden, als anders als im Falle der Krim auf das Referendum kein Anschluss an Russland erfolgte. Moskau hat die Volksrepubliken bislang nicht einmal anerkannt.

Wie beurteilen Sie Putins und Poroschenkos Verhalten?

Der ukrainische Präsident wird von den meisten Menschen als „Kriegsverbrecher, der sein eigenes Volk bombardieren lässt“, wahrgenommen. Insbesondere die Rentner nehmen die Wirtschaftsblockade als zynische Strategie wahr: Schließlich haben sie über Jahrzehnte in die Rentenkassen eingezahlt. Putin wird weitaus positiver wahrgenommen, allerdings spürt man bei vielen Menschen auch Enttäuschung, immer wieder hört man: „Russland braucht uns nicht.“

Gibt es Unterschiede in den Generationen? Tendieren die Jüngeren eher zur EU?

Die Generation der 15-30-Jährigen ist in der Ukraine aufgewachsen und hat ein engeres Verhältnis zum ukrainischen Staat als die älteren, die in der Sowjetunion aufgewachsen sind. Besserverdienende haben grundsätzlich ein negatives Verhältnis zu den „Volksrepubliken“, weil sie verstehen, dass ihre Errichtung zum wirtschaftlichen Niedergang der Gebiete führen wird. Beide Gruppen haben die Gebiete über das vergangene Jahr jedoch überproportional in Richtung Ukraine oder Kiew verlassen, deshalb sind Umfragen vor Ort nicht mehr repräsentativ.


Die Geschichte über die aktuelle Situation im Donbass könnt ihr hier noch einmal nachlesen: „Wo Feinde den selben Bus nehmen“.

Aufmacherbild: Ein zerstörter ukrainischer Panzer im Donezker Vorort Spartak - unweit des Flughafens (Moritz Gathmann)