© Till Rimmele

Diese Fotos zeigen, was im Bundestag passiert, wenn gerade keiner guckt

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Als mein Praktikum bei der European Pressphoto Agency begann, regierte Bundeskanzlerin Angela Merkel schon zwölf Jahre und ich hatte nicht die Hoffnung, dass es spannend wird. Es war ein Januarmorgen im Jahr 2018, nasskalt, und ich trug zum ersten Mal den Presseausweis um meinen Hals, der mir erlauben würde, das Innerste der deutschen Politik zu fotografieren. Aber was wollte ich abbilden? Was sollte hier schon noch passieren? Nach drei Legislaturperioden unter Angela Merkel rechnete niemand mit einem Aufbruch. Stattdessen lagen Ruhe und Gleichmut in der Luft.

Ich fasste also einen Entschluss: Wenn all das, was hier passiert, schon fotografiert wurde, dann würde ich eben das fotografieren, was Pressebilder sonst nicht zeigen: den Alltag im Bundestag. Wie ist der Vibe in diesem Haus? Wie ist es, wenn man nicht wie üblich von außen auf die Politiker:innen schaut, sondern versucht zu sehen, was sie sehen? So begann mein Projekt: Demokratische Nebenerscheinungen – eine Innenansicht.
Ich habe nie davon geträumt, tagesaktuelle Politik zu fotografieren. Mich interessierten Konflikte, Kriege, Menschen. Bis ich neben den Kolleg:innen auf der Bierbank vor dem Kanzleramt saß. Und dann schließlich doch im Bundestag auf der Pressetribüne. Mit dieser Arbeit trete ich einen Schritt zurück aus dem Wust – und lege Zeugnis ab von dem System.

Ein rot gekleidter Hausmeister fegt den roten Teppich und wird dabei von drei Männer in Anzügen beobachtet.

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Das Kanzleramt im September 2018: Gleich werden sich hier Angela Merkel und der Präsident der Tschechischen Republik Miloš Zeman die Hände reichen. Doch noch zieht der Hausmeister in langsamen, sorgfältigen und behutsamen Strichen seinen groben Borstenbesen über den roten Teppich vor dem Kanzlerinnenamt. Immer wieder wehen Blätter auf das feine Geflecht. Geduldig wie ein Zen-Mönch entfernt er das Laub. Wenige Minuten danach folgen die feinen Gäste.

Zwei Bilder: links, ein Pulk Fotograf:innen sitzt dich an dich. Rechts, eni Fotograf hält sich den Nasensteg vor Überanstregnung.

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Im Ehrenhof des Bundeskanzleramts, 29. April 2019: So sehen sie aus, die Kolleg:innen bei der Arbeit. Sie produzieren die Pressebilder, die Sie in der Tageszeitung sehen. Es muss schnell gehen, für das perfekte Bild ist nicht viel Zeit. Wie die Hühner auf der Stange sitzen und stehen sie auf Bierbänken, dicht an dicht. Aufstehen ist nicht erlaubt – die Videokameras sollen die Besucher:innen ablichten, und nicht den Hinterkopf der Kolleg:innen. Gleich werden Angela Merkel und der französische Präsident Emmanuel Macron heranschreiten. Sie empfangen die Staats- und Regierungschefs aus Bosnien-Herzegowina, Kroatien, Kosovo, Montenegro, Serbien und Slowenien, um Lösungen im Konflikt zwischen Serbien und dem Kosovo zu besprechen.

Im Plenarbereich des Reichstagsgebäudes, 19. April 2018: Stunde um Stunde wartet dieser Fotograf auf der Pressetribüne des Bundestages. Nur ab und zu schießt er ein Bild der Plenarsitzung. Meist lohnt es sich nicht, die Plenarsitzungen in voller Länge zu begleiten. Oft kommen die Fotograf:innen nur dann, wenn bekannte Politiker:innen sprechen, Festakte stattfinden oder der Haushalt beschlossen wird.

Ein klassisches Quintett steht mit den Notenständern bereit, jedoch maximal entspannt, und wartet.

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Im Plenarbereich des Reichstagsgebäude, 17. Januar 2019: Ein Festakt oder eine Trauerstunde sind ohne musikalische Untermalung nicht vorstellbar. Meist tritt ein Quintett auf, wie hier zum 100-jährigen Bestehen des Frauenwahlrechts in Deutschland. Trotz der hundert Jahre sitzen im Bundestag selbst noch immer deutlich mehr Männer als Frauen. Nur 31 Prozent der Parlamentarier:innen in dieser Legislaturperiode sind weiblich. Die meisten Frauen sitzen in der Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen – die wenigsten in der der AfD. Bei der diesjährigen Bundestagswahl stellt sich erstmals auch eine Transfrau zur Wahl. Ich habe es jedenfalls genossen! Politik sollte öfter musikalisch sein.

Allegorie auf das letzte Abendmahl. Im Hintergrund ist ein Wald abgebildet. Im Zentrum des Bildes ist Anton Hofreiter welcher uns skeptisch anschaut.

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Im Reichstagsgebäude, 25. Juni 2019: Immer wieder dienstags, in jeder Sitzungswoche, treffen sich die Bundestagsfraktionen und tagen zu den aktuellen Themen. Hier sitzt die Fraktion der Grünen vor einem Wandbehang, der aussieht wie ein Wald. Skeptisch blickt Anton Hofreiter in die Runde. Der Fraktionsvorsitzende und seine Co-Vorsitzende Katrin Göring-Eckardt warten darauf, dass sich die Kolleg:innen in den Fraktionsräumen zur Sitzung einfinden. Die Fraktionsvorsitzenden halten vor und nach den Parteitreffen eine Pressekonferenz. Für die Presse gibt es erfahrungsgemäß gutes Material, das Gros des Trosses findet sich jedoch bei den Regierungsparteien ein. Bei den Grünen ist es entspannter, es wird geplaudert, der Fotograf fällt auf, und so sehen sie doch scheu in die Kamera.

Eine weiße Wand mit Bildern. Von links nach rechts: Wolfgang Schäuble, Friedrich Merz und Angela Merkel (in jünger). Darunter ein Körbchen mit Kronkorken.

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Auf der Fraktionsebene des Reichstagsgebäudes, 25. Juni 2019: Ja, Sie sehen richtig. Friedrich Merz war vor Angela Merkel. Zumindest wenn es um den Vorsitz der CDU-Bundestagsfraktion geht. Dieses Stillleben habe ich im Flur der Fraktionsräume fotografiert. Ich glaube nicht, dass man die Kronkorkensammlung mit Absicht hier abgestellt hat. Und doch frage ich mich, wie viele Flaschen wohl durch diesen Gang gelaufen sind?

Eine EU Flagge mit Aktenklammer arretiert.

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Im Foyer des Bundeskanzleramts, 18. Juni 2019: Ach, wäre die Europäische Union doch nur so einfach in Form zu halten wie ihre Flagge! Die Aktenklammer ist wohl die verlässlichste Beamtin im Bundestag: Sie dient der Erhaltung des immer gleichen und somit korrekten Faltenwurfs der Flaggen bei Pressekonferenzen. Diese Aktenklammer leistete ihren treuen Dienst während des Besuches des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. Nach fast vier Jahren politischer Berichterstattung weiß ich, dass die EU wichtig, aber doch oft nicht greifbar ist, wenn es darauf ankommt. Insofern schafft die Klammer das, woran andere scheitern: Form geben, Haltung waren.

Zwei Bilder. Links vertikal: Greta Thunberg umringt von anderen Klimaaktivist:innen. Rechts, horizontal: Annalena Bearbock sitzt auf der Tribüne im Bundestag.

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Fridays for Future: Am 29. März 2019 besuchte Greta Thunberg Berlin und demonstrierte mit Tausenden Schüler:innen auf den Straßen vor dem Bundestag für eine schärfere Klimapolitik. Ein Jahr später, im Juni 2020, sitzt Annalena Baerbock, Kanzlerkandidatin der Grünen, allein auf den Besucherrängen des Plenarsaals. Die Corona-Pandemie hat ein enges Beieinander der Abgeordneten unmöglich gemacht, stattdessen sitzen sie nun selbst auf den Plätzen, von denen sie sonst beobachtet werden. Thunberg war nie im Bundestag, Baerbock hat nie vor ihrer Schule gestreikt, aber beide wollen den Klimawandel und die damit verbundene Katastrophe noch abwenden – nur wie sie es tun, unterscheidet sie.

Vier durch Bewegungsunschärfe nicht genauer erkennbare Trachtenpaare tanzen auf einem dicken Teppich im Schloss Bellevue. Frank Walter Steinmeier sieht ihnen zu, sein Gesichtsausdruck ist irgendwo zwischen freundlich und gequält.

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Im Schloss Bellevue, 29. Oktober 2019: Es darf getanzt werden! Die Tanzpaare legen eine flotte Performance in ihren Trachten aufs Parkett von Schloss Bellevue. Sie feiern das 90-jährige Bestehen des Deutschen Trachtenverbandes. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier trägt es mit staatsmännischer Fassung. Die Termine in seinem Haus habe ich als Fotograf immer besonders geschätzt.

Eine Gruppe Männer gemischten Alters  in unterschiedlichen Trikots zweier Mannschaften steht andächtig die Köpfe gesenkt auf einem Fußballfeld. Der Schiedsrichter habt sich durch sein fortgeschrittenes Alter ab und hält den Ball.

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Zu Besuch beim Sport Club Siemensstadt Berlin e.V., 6. Mai 2019: Wie Nachbarsjungen, die gerade ein Küchenfenster zerdeppert haben, stehen sie da und gucken beschämt zu Boden. Dabei sind es die Fußballspieler des FC Bundestag und des russischen FC Duma. Ganz links steht, ganz in rot, Alexander Dmitrijewitsch Schukow, der stellvertretende Duma-Vorsitzende. Für den FC Bundestag treten an: Vizekapitän Mahmut Özdemir, SPD, mit beflaggter Kapitänsbinde, der ehemalige Profi-Torwart Norbert Henkel und der im Oktober 2020 verstorbene SPD-Politiker Thomas Oppermann. In gelb in der Mitte steht Schiedsrichter Udo Zuchantke, der in den 1970er Jahren in der Bundesliga pfiff und heute für die Politiker den Unparteiischen gibt. Sie lauschen andächtig der Nationalhymne ihrer jeweiligen Nation, während die Flieger im Landeanflug auf Tegel über sie hinweg ziehen. Vor dem Spiel in Siemensvorstadt am Abend trafen sich die Teams im Bundestag für einen informellen Austausch. Es ist die wohl ungewöhnlichste wie auch unbeachtetste internationale Liga. Für die Interessierten: Die Duma hat 2:1 gewonnen.

Zwei vertikale Bilder: links ein Mikrophon mit den Logos von RTL, ntv, RTL II und Vox. Rechts, ein Phoenix Mikrophon mit Plastikschutz während der Corona-Pandemie.

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Mittel der Massenkommunikation und Sprachrohre zur Gesellschaft: Die Mikrofone der Fernsehsender. Links, im Juni 2019, wartet die geballte Macht der privaten Fernsehanstalten vor den Fraktionssitzungen auf ihren Einsatz. Ein Jahr später, im Mai 2020, ist nur noch der öffentlich-rechtliche Politiksender Phoenix vertreten, corona-konform in Plastik gehüllt.

Wolfgang Schäuble vergräbt sein Gesicht in seinen Händen, hinter ihm steht eine Gruppe Menschen welche ihm keine Aufmerksamkeit bemisst, neben ihm lässt ihm eine weiblich gelesene Person Anteilnahme zukommen.

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Vor der Bibliothek des Jakob-Kaiser-Hauses, 31. Januar 2018: Es ist ein seltener Anblick. Dieses Bild zeigt den Bundestagspräsidenten Wolfgang Schäuble (CDU) nicht als Funktionsträger sondern als Mensch. Gerade hat Anita Lasker-Wallfisch, hier in grüner Samtjacke und zu diesem Zeitpunkt 92 Jahre alt, ihre Rede vor dem Parlament beendet. Die Holocaust-Überlebende erinnerte an ihre Zeit im Konzentrationslager Bergen-Belsen und dem Vernichtungslager Auschwitz. Sie, ihre Schwester und Wolfgang Schäuble nehmen anschließend an einer Gesprächsrunde mit europäischen Jugendlichen teil. Es ist diese Unterhaltung, die Schäuble berührt. Nachdem alle Teilnehmenden den Raum verlassen haben, bittet er um einen Moment allein – und lässt den Tränen ihren Lauf.

Anhörungssaal des Bundestag, wir sehen diesen im Hintergrund durch die Glaswand. Vor dem runden Tisch wird ein Mann von zwei Assistent:innen auf einer Bahre vorbeigeschoben.

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Im Marie-Elisabeth-Lüders-Haus, 20. März 2019: Franz-Josef Grotenhermen, Arzt, Sachverständiger und Vorsitzender der Arbeitsgruppe „Cannabis als Medizin“ wird auf einer Trage in die öffentliche Sitzung des Gesundheitsausschusses geschoben. In der Sitzung befasste sich der Ausschuss mit der Regulierung von medizinischem Cannabis in Deutschland. Grotenhermen leidet seit mehr als zehn Jahren an einer chronischen Erkrankung der kleinen Blutgefäße. Ihn plagen Herzbeschwerden, und er kann nur mit Mühe aufrecht stehen. Medizinisches Cannabis könnte ihm helfen.

Gerade die Arbeit der Ausschüsse erhält wenig öffentliche Aufmerksamkeit. Die Sitzungen werden selten fotografiert und über die Inhalte wird nur wenig geschrieben. Der Grund, weshalb Fotograf:innen hier nur selten vorbeischauen: Es ist selten, dass ein Bild entsteht, das so interessant ist, dass es auch verkauft werden kann.

Anhörungssaal im Bundestag. Eine Person die uns den Rück zuwendet macht mit ihrem Handy ein Foto von einem Transparent auf welchem "Freiheit/ Julien Assange" steht. Die Person Trägt auf ihrem Hinterkopf eine Papierschnittmaske Assanges.

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Im Marie-Elisabeth-Lüders-Haus, 27. November 2019: „Freiheit für Julian Assange“ fordern die Aktivisten bei dieser parlamentarischen Anhörung. Assange polarisiert. Er hält uns den Spiegel vor: Wie offen ist Politik wirklich? Was muss Geheimnis bleiben – und was darf nicht geheim bleiben? Gerade im Reichstag mit seinem Dach aus Glas ist das eine gewichtige Frage.

Panorama eines Sitzungssaals.

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Im Paul-Löbe-Haus, 14. Januar 2019: Dieses Panorama entstand zum Auftakt der Sitzung des Europaausschusses. Noch eilen die Ausschussmitglieder zu ihren Plätzen. In der Mitte des oberen Bildes ist auch ein Kuchenverkäufer zu sehen, der an eine Säule gelehnt auf hungrige Abgeordnete wartet. An diesem Tag tagt der Ausschuss, um das Brexit-Übergangsgesetz zu diskutieren, das Klarheit im Umgang mit Großbritanniens Austritt aus der EU schaffen soll. Das Bild selbst ist aus etwa einem Dutzend Einzelbildern zusammengesetzt.

Links oben, 1/3 groß, horizontal, eine Person baut gerade einen Joint im Anhörungssaal des Bundestages. Rechts unten, 2/3, horizontal, eine weiblich gelesene Person hört aufmerksam der Diskussion zu, während sie ein Baby auf ihrem Schoss hält.

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Im Marie-Elisabeth-Lüders-Haus, 27. Juni 2018: Ein Joint wird auf der Zuschauertribüne nicht aller Tage gebaut. Handelt es sich dabei aber um Medizin, kann man mal eine Ausnahme machen. Auch wenn den Bundespolizisten, hier nicht im Bild, das nicht entzückt hat. Heute werden besprochen: der Entwurf eines Cannabiskontrollgesetzes, Cannabis-Modellprojekte ermöglichen, Gesundheitsschutz statt Strafverfolgung. Es sind die Anträge der Grünen, der Linken und der FDP, zu welchen Expert:innen gehört werden.

Im Marie-Elisabeth-Lüders-Haus, 26.Juni 2019: Ob Babys oder Haschisch im Bundestag seltener sind, kann ich nicht beantworten. Aber das Foto rechts stammt von der Anhörung des Referentenentwurfs des Hebammenreformgesetzes im Juni 2019. Ob die Mutter hier selbst Hebamme ist, oder die Hebammen nur unterstützt, weiß ich nicht. Aber wer weiß, wann es normal sein wird, dass eine Bundestagsabgeordnete ihr Kind mitbringt?

Der Porticus eines klassistischen Gebäudes, an dem sich ein runder schwarzer Gegenstand durch die Schärfe gegen Himmel abhebt.

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An der Neuen Wache, Unter den Linden in Berlin, 29. September 2018: Sehen sie es? Ja, genau, das schwarze Rohr, das aus dem Knick des Porticus der Neuen Wache hervorlugt. Es ist der Lauf eines Präzisionsgewehrs und gehört den Scharfschützen, die den Besuch des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan absichern. Erdoğan soll an der Zentralen Gedenkstätte für die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft mit Generälen der Bundeswehr einen Kranz niederlegen. Noch lässt er auf sich warten.

Eine Saaldienerin desinfiziert das Redner:innenpult im Plenarsaal des Bundestages

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Im Plenarsaal des Reichtagsgebäudes, 30. September 2020: Was kommt zwischen Christian Lindner und Angela Merkel? Richtig: die Saaldienerin. Vor der Corona-Pandemie tauschte sie nur das Wasserglas aus, jetzt desinfiziert sie auch das Rednerpult. Wenig später sagt Angela Merkel: „Wir riskieren gerade alles, was wir in den letzten Monaten erreicht haben.“ Sie meint die ersten Lockerungen, die auf die ersten Kontaktbeschränkungen folgten und die zweite Welle der Pandemie mit auslösten.

Links oben, 1/3 groß, die Spiegelung einer Hand über den Sitzbänken und dem Plenarsaal des Bundestages. Rechts unten, 2/3 groß, Ursula v.d.Leyen und Claudia Roth winken, während Katrin Göring Eckardt und Angela Merkel ihre Blick auf die Tribüne über ihnen im Bundestag richten.

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Im Plenarsaal des Reichtagsgebäudes, 30. September 2020: Die unsichtbare Hand gilt in der Marktwirtschaft als bestimmende Kraft. Und in der Politik? Wer hat die Fäden hier wirklich in der Hand? Ist es das Volk? Die Parteien? Die Machthaber:innen? Oder spielt auch hier ein unsichtbares Händchen rein? Dieses zufällig entstandene Bild hat mich zum Nachdenken gebracht: Wer lenkt die Politik eigentlich?

Im Plenarsaal des Reichstagsgebäudes, 14. März 2018: Hoher Besuch! Angela Merkel, die Grünen-Politikerinnen Katrin Göring-Eckardt und Claudia Roth sowie Ursula von der Leyen, damals noch Bundesverteidigungsministerin, winken der Mutter: Herlind Kasner, Angela Merkels Mutter, saß auf der Zuschauertribüne des Bundestages, während ihre Tochter ein viertes Mal zur Bundeskanzlerin vereidigt wurde. Es war wohl der letzte Besuch von Herlind Kasner im Bundestag. Ein Jahr später, im April 2019, verstarb die ehemalige Lehrerin für Englisch und Latein im Alter von 90 Jahren im brandenburgischen Templin.


Redaktion: Lisa McMinn, Schlussredaktion: Susan Mücke; Audioversion: Iris Hochberger

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