Martin Gommel

Frage des Monats

Ihr habt abgestimmt! Dieser Frage gehen wir als nächstes nach

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etwa 3 Min. Lesedauer

Was muss alles in einem Chat passieren, dass er später als „übelste und widerwärtigste Hetze“ bezeichnet wird? Zum Beispiel: Bilder von Adolf Hitler und von Hakenkreuzen, Reichskriegsflaggen und die fiktive Darstellung eines Geflüchteten in der Gaskammer eines Konzentrationslagers.

Dass es solche Chats gibt, ist widerlich, wird euch aber nicht sonderlich überraschen. Vielleicht schon eher, dass sich 29 Beamt:innen der Polizei Essen auf diese Weise in fünf Chatgruppen rechtsextrem geäußert haben. Das kam Mitte September heraus. Der zuständige Innenminister Herbert Reul (CDU) sagt, er habe damit nicht gerechnet: „Aber ich kann heute nicht mehr von Einzelfällen sprechen.“

Nordrhein-Westfalen ist nicht das erste Bundesland, in dem solche rechtsextremem Chatgruppen aufgeflogen sind. Und während ich diesen Text schreibe, geht es weiter: Bei der Berliner Polizei ist jetzt eine Chatgruppe aufgetaucht, in der ebenfalls „menschenverachtende Nachrichten“ ausgetauscht wurden. 26 Studienanfänger:innen sollen der Gruppe angehören. 377 Fälle von vermutetem oder nachgewiesenem Rechtsextremismus sind in den Sicherheitsbehörden von Bund und Ländern zwischen Anfang Januar 2017 und Ende März 2020 bekannt geworden.

Jetzt kann man sich fragen: Wie kann das sein? Und warum fliegen diese Gruppen gerade gefühlt alle paar Wochen auf?

Das fragt ihr euch auch, in unserer Frage des Monats. Zehn Themenideen aus der Community standen wieder zur Auswahl, 1.073 Leser:innen haben abgestimmt. Wie immer: von 1 wie langweilig bis 5 wie sehr interessant. Es war knapp, nur ein paar Stimmen haben den Unterschied gemacht. So haben die Vorschläge abgeschnitten:

  1. Plötzlich werden immer mehr Fälle von rechtsideologischen Fällen in der Polizei bekannt. Woher kommt diese Welle? (3,9 Pkt.)
  2. Wie können wir das schweigsame oder ablehnende Drittel der Bürger:innen in die Demokratie einbinden? (3,8 Pkt.)
  3. Warum sollte ich noch an die EU glauben, obwohl sie in der Flüchtlingsfrage so kläglich versagt? (3,8 Pkt.)
  4. Wie finden wir ein Endlager für Atommüll? (3,7 Pkt.)
  5. Welche Marken im Bioladen gehören zu großen Konzernen? (3,5 Pkt.)
  6. Hat die junge Generation überhaupt eine Chance beim Kampf um Wohnraum? (3,5 Pkt.)
  7. Wie gehen Klimawissenschaftler:innen mit der „Klimaangst“ um? (3,4 Pkt.)
  8. Welche Rolle spielen Hilfsorganisationen beim Aufrechterhalten von Sexismus und Rassismus? (3,4 Pkt.)
  9. Wie sieht eine Schule aus, in der Spicken erlaubt ist? (3,3 Pkt.)
  10. Wie geht es heute den Menschen, die vor der Wende aus der DDR ausgereist sind und alles hinter sich gelassen haben? (3,2 Pkt.)

Wie es jetzt weitergeht

Die von euch ausgewählte Frage hat KR-Mitglied Michael gestellt. Er schreibt: „Seit Monaten wird eine Studie über Rechtsextremismus in der Polizei gefordert und von den Verantwortlichen abgewehrt. Plötzlich werden viele Fälle bekannt. Wie schlimm ist es wirklich? Ist unsere Exekutive noch vertrauenswürdig?“

Unsere Reporterin Belinda Grasnick will sich mit der Frage beschäftigen. Und sie hat es auch schon getan. In einem Artikel Mitte August schrieb sie, nachdem die Kritik an der Polizei immer lauter wurde: Liebe Polizei, das müsst ihr jetzt aushalten! Für die Antwort auf die Gewinnerfrage will sie vor allem herausfinden: Gibt es inzwischen vielleicht mehr Bewusstsein für Rassismus und Rechtsextremismus in der Polizei? Immerhin gibt es ja offenbar auch Polizist:innen, die problematische Chats an ihre Vorgesetzten oder an Journalist:innen weiterleiten. Wenn ihr Ideen für die Recherche habt, schreibt ihr gerne an belinda@krautreporter.de.

Wie weit unsere Recherche zur letzten Frage des Monats ist

Unser Reporter Rico Grimm arbeitet derzeit an der Antwort auf die letzte Frage des Monats: Ist der oder die Durchschnittsbürger:in wirklich zu ungebildet, um politische Sachverhalte zu beurteilen?


Nach der Abstimmung ist bei der Frage des Monats bekanntlich vor der Umfrage. Ihr könnt also wieder neue Fragen einreichen, vielleicht wird schon nächstes Mal über sie abgestimmt. Hier könnt ihr mitmachen:


Redaktion und Schlussredaktion: Belinda Grasnick, Fotoredaktion: Martin Gommel.

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