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Wir können nicht ewig wachsen, Folge 2

Die Postwachstums-Idee, einfach erklärt

von Katharina Mau
etwa 25 Min. Lesedauer
Wir können nicht ewig wachsen
4 Folgen
Wir können nicht ewig wachsen
Wachstum löst nicht unsere Probleme

Was bedeutet Wachstum wirklich?

Wer heute „Wachstum“ sagt, meint oft: Wirtschaftswachstum. Das zeigt schon, wie „natürlich“ die Verbindung von Wachstum und Wirtschaft für viele Menschen heute ist. Wirtschaftswachstum im engeren Sinne sagt aus, dass ein Land in einem Jahr mehr Waren produziert und Dienstleistungen verkauft hat als im Jahr davor. Die Statistiker:innen messen das Wirtschaftswachstum mit dem sogenannten Bruttoinlandsprodukt (BIP). Dabei ist das BIP noch eine recht junge Idee: Es setzte sich in einer anderen Form im Zweiten Weltkrieg (1939 bis 1945) durch, weil die Regierungen der USA und Großbritanniens wissen wollten, wie viel Geld sie für den Krieg ausgeben konnten.

1968 sagte Robert Kennedy, der Bruder des US-Präsidenten John F. Kennedy: „Das Bruttoinlandsprodukt misst alles, außer dem, was das Leben lebenswert macht.“ Damit bringt er überspitzt auf den Punkt, was auch viele Ökonom:innen am BIP kritisieren: Politiker:innen orientieren ihre Politik am BIP und nehmen es als Messgröße für Wohlstand. Dabei stimmt der Zusammenhang – je höher das BIP, desto größer der Wohlstand – in vielen Fällen nicht.

Wenn sich zum Beispiel Eltern Zeit für ihre Kinder nehmen und deshalb weniger arbeiten, sinkt das BIP. Wenn sich ein Investmentbanker entscheidet, seinen Beruf aufzugeben, von seinem Ersparten zu leben und ehrenamtlich Menschen im Altersheim zu besuchen, sinkt das BIP. Dabei würden viele zustimmen, dass es einer Gesellschaft, in der Eltern ihren Kindern vorlesen und alte Menschen nicht einsam sein müssen, besser geht.

Wenn ein Hagelsturm Autos zerstört und Fenster zertrümmert und die Menschen sie danach reparieren lassen müssen, steigt das BIP auch. Und wenn Menschen krank werden, weil Autos in den Städten zu viel Feinstaub ausstoßen, geht es zwar den Menschen schlechter, aber das BIP sinkt nicht. Wenn die Kranken zum Arzt gehen und Medikamente kaufen, steigt es sogar.

Warum wollen so viele immer mehr Wachstum?

Ende der 1920er Jahre und in den 1930er Jahren gab es eine schlimme Wirtschaftskrise. In den USA waren 1933 ein Viertel der Menschen arbeitslos. Auch in Deutschland verloren Millionen Menschen ihren Job. Im Januar 1930 kamen in Köln auf eine offene Stelle 12 Menschen, die dort arbeiten wollten, im Januar 1932 waren es 101 Menschen. Viele konnten sich die Miete für ihre Wohnung nicht mehr leisten und mussten umziehen oder wurden obdachlos. Rentner:innen bekamen weniger Geld. Ein Bürgermeister sagte damals: „Was gezahlt wird, ist zu wenig zum Leben und zu viel zum Sterben.“ Die Menschen waren wütend auf die Politik – und Adolf Hitler und seine Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) haben stark von dieser Unzufriedenheit profitiert.

Nach dem Zweiten Weltkrieg haben die Menschen nicht nur zerstörte Häuser wieder aufgebaut, Ökonom:innen und Politiker:innen haben auch darüber nachgedacht, wie die Wirtschaft in Zukunft funktionieren soll. Sie wollten auf jeden Fall verhindern, dass es nochmal zu einer Wirtschaftskrise kommt. Deshalb nahmen sie sich vor, die Produktion einfach immer weiter zu steigern. Wenn die Produktion niemals stagniert, dann kann es auch keine Krise geben, so die Idee.

In seinem Buch „Die Macht der einen Zahl – Eine politische Geschichte des Bruttoinlandsprodukts“ beschreibt der Ökonom Philipp Lepenies, wie sich das Bruttoinlandsprodukt entwickelt hat und wie es sich in der Nachkriegszeit als Standard durchsetzte.

Von da an wurde es also sehr wichtig, dass es der Wirtschaft gut geht. 1967 verabschiedete der Bundestag das „Gesetz zur Förderung der Stabilität und des Wachstums der Wirtschaft“. Mit dem Gesetz wollte die Bundesregierung unter anderem Vollbeschäftigung und ein „angemessenes“ Wirtschaftswachstum erreichen. Das Gesetz gilt heute noch, auch wenn Politiker:innen es schon lange nicht mehr explizit anwenden. Der Fokus auf Wirtschaftswachstum ist aber immer noch da. Erst im August 2019 hat Bundeskanzlerin Angela Merkel gesagt: „Wir müssen um unser Wirtschaftswachstum kämpfen.“

Viele Politiker:innen, Ökonom:innen, Journalist:innen behaupten, Wachstum sei ein Schutz vor Rezessionen. Das sind sogenannte Krisenzeiten, in denen die Wirtschaft abrupt schrumpft. Rezessionen hatten in der Vergangenheit schlimme Auswirkungen für viele Menschen, ein Beispiel aus jüngerer Zeit ist Griechenland in der Finanz- und Wirtschaftskrise (2007 bis 2010). Viele Menschen verloren ihre Arbeit. Der Staat musste mit weniger Steuereinnahmen auskommen, hat zum Beispiel die Renten gekürzt, sodass viele ältere Menschen verarmt sind.

Umgekehrt heißt das aber nicht, dass wir unbedingt Wachstum brauchen, um Rezessionen zu verhindern. Und die Finanzkrise zeigt auch, dass der Plan, einfach immer weiter zu wachsen, um nie mehr eine Rezession zu haben, nicht aufgegangen ist. Der Ökonom und Wachstumskritiker Tim Jackson sagt im Interview des Online-Magazins klimareporter, er habe Anfang 2007, also kurz vor der Krise, mit Mitarbeitern des britischen Finanzministeriums gesprochen: „Die sagten mir, dass wir gerade die längste Konjunktur seit 200 Jahren erleben würden und dass man jetzt wüsste, wie das geht. Sie glaubten, sie hätten alles fest im Griff.“ Sie hatten also erwartet, dass das Wachstum immer so weitergehen würde. Jackson sagt: „Es wird immer deutlicher, dass die Weltwirtschaftskrise nicht nur durch finanzielle Verantwortungslosigkeit einzelner entstand, sondern dass sie Teil eines Trends war – dass es also eher unwahrscheinlich ist, dass die Weltwirtschaft unendlich weiter wachsen kann.“

Aber nochmal zurück zu der Frage, warum viele immer mehr Wachstum wollen. Die Ökonomin Kate Raworth sagt, wir seien süchtig nach Wachstum. Zum Beispiel finanziell süchtig, weil unser Wirtschaftssystem so aufgebaut ist, dass Unternehmen den Druck haben, immer mehr zu verkaufen und höhere Gewinne zu machen. Und zwar wegen Krediten und Zinsen.

Kate Raworth schafft es in ihrem Ted-Talk, das komplexe Thema Wirtschaftswachstum anschaulich zu machen. Sie beschreibt, warum unendliches Wachstum schadet und wie ihre Doughnut-Ökonomie helfen kann.

Wenn ich zum Beispiel ein Restaurant habe und einen Kredit aufnehme, um es zu vergrößern, dann hoffe ich, dass danach mehr Menschen in mein Restaurant kommen und ich mehr Geld einnehme. Dann kann ich das geliehene Geld und zusätzlich Zinsen zurückzahlen. So fördern Zinsen den Wachstumsdruck.

Auch technologische Innovationen fördern das Wachstum. Sie führen in der Regel dazu, dass neue Dinge auf den Markt kommen, während sich die alten nicht einfach in Luft auflösen. Vielleicht hast du dir schonmal einen neuen Laptop oder ein neues Smartphone gekauft, auch wenn man das alte Modell noch hätte reparieren können – bloß, weil sich innerhalb kurzer Zeit die Technik verbessert hat. Innovationen haben auch dazu geführt, dass zum Beispiel Handys immer günstiger wurden. Anfangs konnten sich nur wenige ein Handy leisten, heute besitzt fast jeder ein Smartphone. Durch Innovationen konsumieren wir mehr.

Wie kam das Wachstum in die Köpfe?

Eigentlich gibt es den Wachstumsgedanken, seit die Menschen sesshaft geworden sind. In „Eine kurze Geschichte der Menschheit“ beschreibt Yuval Noah Harari, dass der Übergang von der Gesellschaft als Jäger und Sammler zur Landwirtschaft dazu geführt hat, dass die Bevölkerung gewachsen ist und der Druck da war, Wachstum zu haben, um alle ernähren zu können.

Seitdem hat sich der Mensch bemüht, sein Leben bequemer zu gestalten. Über viele Jahrtausende war das Wachstum allerdings sehr klein. Unser exponentielles Wachstum ist keine 200 Jahre alt.

Denn über lange Zeit war der Fortschritt immer daran gekoppelt, was ein Mensch leisten konnte. Mit Pflügen und Ochsen konnte man das Feld schneller bearbeiten als mit der Hand. Aber erst mit der Erfindung von Maschinen konnte sich Wachstum komplett von der menschlichen (oder tierischen) Kraft abkoppeln.

Was auch eine wichtige Rolle spielt: Die heutige Form des Kapitalismus würde nicht so gut funktionieren, wenn wir nicht Dinge kaufen würden, die wir nicht brauchen. Ein Mensch, der hier einen großen Einfluss hatte, war der Neffe von Sigmund Freud – Edward Bernays. Er hatte im Krieg gesehen, wie wirkungsvoll Propaganda ist, und fragte sich, ob man sie auch in Friedenszeiten nutzen könnte. Weil der Begriff „Propaganda“ aus dem Krieg negativ konnotiert war, nannte er es „public relations“ und machte Werbekampagnen für große Kunden. Richard Gunderman schreibt in seinem Artikel über Edward Bernay für The Conversation: „Indem er Menschen überzeugte, dass sie etwas wollen, was sie nicht brauchen, wollte er Bürger:innen und Nachbar:innen zu Konsument:innen machen.“ Heute prasselt überall Werbung auf uns ein, auf Youtube, Facebook, auf der Straße. Und wir merken oft gar nicht, wie sie uns immer neue Wünsche einpflanzt.

Harald Welzer schreibt in „Mehr geht nicht! Der Postwachstums-Reader“, dass wir den Drang, immer produktiver zu werden, auch auf unser persönliches Leben übertragen. „Die Zwänge zur permanenten Fortentwicklung und Selbstoptimierung“, schreibt Welzer, „sind uns längst und unbemerkt zum Selbstzwang geworden.“

Was ist schlecht an Wachstum?

Menschen wie Kate Raworth, Tim Jackson, Serge Latouche oder Niko Paech kritisieren unseren Fokus auf Wachstum. Die vielleicht wichtigste Begründung: Eine endlos wachsende Wirtschaft basierend auf endlichen Ressourcen kann auf Dauer nicht funktionieren. Wirtschaftswachstum war bisher immer mit einem höheren CO2-Ausstoß verbunden. Dass die Welt hier ihre Grenzen erreicht, zeigt die globale Klima- und Umweltkrise. Ausführlich sind wir auf diese Frage im ersten Text dieser Serie eingegangen.

Ein anderer Punkt: Forscher haben herausgefunden, dass die Menschen ab einem bestimmten Punkt durch noch mehr Wirtschaftswachstum nicht glücklicher werden.

Quelle BIP: Statistisches Bundesamt. Quelle Lebenszufriedenheit: SOEP 2013 – SOEPmonitor Individuals 1984-2013 (SOEP v30)

Infografik: Bent Freiwald

Die Grafik zeigt: Seit 1990 ist das BIP in Deutschland stark gestiegen, die Menschen waren aber über den ganzen Zeitraum etwa gleich zufrieden.

Und wenn man nicht nur die Wirtschaft einbezieht, sondern auch andere Faktoren, die wichtig sind für ein gutes Leben, stehen andere Länder deutlich besser da als Deutschland. Sieht man sich den sogenannten Happy-Planet-Index an, ist Costa Rica regelmäßig ganz oben, trotz niedrigem BIP. Der Index bezieht die Zufriedenheit der Menschen ein, die Lebenserwartung, die Ungleichheit und den ökologischen Fußabdruck. Deutschland steht weit abgeschlagen auf Platz 49, hinter Ländern wie Kolumbien, Panama und Thailand.

Aber brauchen arme Länder nicht Wachstum, um ihre Bürger:innen aus der Armut zu holen?

Dieser Text bezieht sich vor allem auf Deutschland und Gesellschaften mit einem ähnlich hohen Wohlstandsniveau. In Ländern mit einem niedrigen Wohlstandsniveau und hoher Armut hat Wirtschaftswachstum noch eine andere Bedeutung als bei uns.

Der Ökonom Jagdish Baghwati sagt im Interview der taz: „Es gibt kein effektiveres Mittel, um Armut in Entwicklungsländern zu bekämpfen als Wachstum.“ Wirtschaftswachstum hat in der Vergangenheit Milliarden Menschen aus der Armut geholt.

Es gibt aber auch Menschen, wie den ecuadorianischen Wirtschaftswissenschaftler und Politiker Alberto Acosta oder den indischen Umweltaktivisten Ashish Kothari, die das klassische Wachstumsmodell nicht als beste Lösung für Länder im globalen Süden sehen. Alberto Acosta ist der Meinung: Die große Aufgabe ist es, „den Respekt und die Harmonie gegenüber unserer Mutter Erde wieder herzustellen“. Das sei die einzige Möglichkeit, wie die Menschheit auf diesem Planeten überleben kann.

Im Guardian haben Alberto Acosta, der italienische Ökonom Federico Demaria und Ashish Kothari geschrieben, warum das gegenwärtige Wachstumsmodell ihrer Meinung nach nicht funktioniert und was Alternativen sind.

Hilfreich für diese Frage ist auch das Modell der Doughnut-Ökonomie von Kate Raworth. Im Loch des Doughnuts sind die Menschen, die nicht genug zu essen haben, keine Gesundheitsversorgung, die nicht zur Schule gehen können. Unser Wirtschaftssystem sollte alle Menschen aus dem Loch raus und in den Doughnut hinein holen. Außerhalb des Doughnuts sind aber die Bedrohungen, die unsere immer wachsende Wirtschaft verursacht hat: Klimakrise, Luftverschmutzung, Versauerung der Meere. „Wir wollen in den Doughnut“, sagt Kate Raworth.

Wie würde eine Wirtschaft ohne Wachstum funktionieren?

In Anlehnung an Mr. Spock aus Star Trek könnte man sagen: „Es ist Kapitalismus, Jim. Aber nicht so, wie wir ihn kennen.“ Im Gegensatz zu jetzt gäbe es keine Panik, wenn das Bruttoinlandsprodukt wie im zweiten Quartal dieses Jahres um 0,1 Prozent schrumpft. Das BIP wäre einfach nicht mehr so wichtig, Politiker:innen würden es nicht als Messgröße nehmen, um politische Entscheidungen danach auszurichten.

Eventuell würden andere Indikatoren wichtiger werden, wie der schon erwähnte „Happy Planet Index“ oder der Nationale Wohlfahrtsindex (NWI), in den auch die Einkommensverteilung einfließt, sowie ehrenamtliche Tätigkeiten und Ausgaben für Bildung und Gesundheit (Rechnet man so, ging es Deutschland übrigens 1999 am besten.)

Wenn wir alle weniger arbeiten und weniger konsumieren würden, müsste eine schrumpfende Wirtschaft nicht zu mehr Arbeitslosigkeit führen. Wir würden dann weniger Geld verdienen und dadurch weniger Steuern zahlen, also würden erst einmal auch die Einnahmen des Staates zurückgehen. Das kann die Regierung natürlich ändern, indem sie die Steuern erhöht.

Weniger arbeiten und höhere Steuern zahlen kann für Menschen funktionieren, die ganz gut verdienen und dann ein bisschen weniger konsumieren. Die Menschen, die schon jetzt wenig verdienen, haben diesen Spielraum nach unten nicht.

Die Soziologin Silke van Dyk sagt im Interview der Wochenzeitung Der Freitag: „In einer Ökonomie, die nicht mehr oder nur noch gering wächst – und Letzteres ist in den Ländern des globalen Nordens längst Realität –, braucht es radikale Umverteilung.“

In einem Vortrag vergleicht van Dyk den Wirtschaftsboom der Nachkriegsjahre mit einer Fahrt auf einer Rolltreppe. Die Einkommen sind in dieser Zeit stark gestiegen, alle Menschen sind also mit der Rolltreppe nach oben gefahren. Aber sie haben auf der Rolltreppe nicht ihre Plätze gewechselt. Die Verteilung blieb also relativ gleich. „Es musste denen oben nichts genommen werden, um denen unten deutlich mehr geben zu können“, sagt van Dyk.

Den Vortrag, in dem Silke van Dyk über Postwachstum und die soziale Frage spricht, gibt es als Video.

In einer Postwachstums-Ökonomie würde die Rolltreppe vielleicht sogar ein Stück nach unten fahren, und dann wird es noch viel wichtiger, wer wo auf der Rolltreppe steht. Und van Dyk sagt, die Verteilung ist entscheidend dafür, ob etwa eine Arbeitszeitverkürzung umsetzbar ist.

Der Ökonom John Maynard Keynes hat schon in den 1930er Jahren gesagt: Durch neue Technologien und mehr Produktivität werde eine 15-Stunden-Woche innerhalb von ein paar Generationen realistisch. In einem Punkt hatte Keynes recht: Unsere Wirtschaften sind in den letzten Jahren viel produktiver geworden. In einem anderen Punkt aber nicht: Wir arbeiten nicht so viel weniger, weil der Fortschritt bei vielen Arbeitnehmern nicht ankommt. Eine Studie des amerikanischen Think Tanks „Economic Policy Institute“ hat gezeigt, dass die Löhne von amerikanischen CEOs von 1978 bis 2013 um 937 Prozent gestiegen sind. Die Löhne von typischen Arbeitnehmer:innen stiegen in der gleichen Zeit nur um 10,2 Prozent.

Zwei interessante Texte zur 15-Stunden-Woche gibt es bei The Conversation: In „It’s time to put the 15-hour work week back on the agenda“ geht es darum, wie Menschen und Klima von weniger Arbeitszeit profitieren würden. Und „Whatever happened to the 15-hour workweek“ beschäftigt sich mit der Frage, warum mehr Produktivität nicht zu weniger Arbeit geführt hat.

Bei uns stellt Susan Mücke fünf Alternativen zur 40-Stunden-Woche vor und geht der Frage nach: „Arbeiten wir bald nur noch sechs Stunden am Tag?“

Silke van Dyk sagt: „Wir können gigantische Produktivitätsfortschritte haben. Wenn diejenigen, die wenig verdienen, daran keinen Anteil haben, können sie auch nicht weniger arbeiten.“

Postwachstum und der Kampf gegen Ungleichheit sind also eng miteinander verbunden. Eine funktionierende Postwachstums-Gesellschaft, die alle Menschen mit einbezieht, müsste gleicher sein. Es müsste weniger arme Menschen geben und eventuell weniger reiche.

In einer Postwachstums-Wirtschaft könnte es auch weiterhin Innovationen geben. Einerseits technologische Innovationen – solange sie nicht dazu führen, dass wir alte Produkte wegschmeißen und uns neue kaufen. Unternehmen könnten zum Beispiel Lösungen entwickeln, wie wir Dinge besser reparieren können. Und es gibt auch Innovationen, die nichts mit neuen Produkten zu tun haben: Sozialinnovationen. Erfinder:innen können Ideen entwickelt, wie wir noch besser zusammenleben und unsere Gesellschaft gerechter gestalten können. Das Zukunftsinstitut hat einen ausführlichen Artikel zu sozialen Innovationen veröffentlicht. Dort heißt es: Die größte Sozialinnovation war die Durchsetzung der Demokratie.

Wie würde unser Leben aussehen?

Wenn wir weniger arbeiten und weniger Geld verdienen, würden wir auch weniger konsumieren. Und seltener Dinge aus einem schnellen Impuls heraus kaufen, ohne zu überlegen, ob wir sie wirklich brauchen. Laut einer Studie von Greenpeace ziehen die Menschen in Deutschland im Schnitt ein Fünftel ihrer Kleidungsstücke fast nie an. In einer Postwachstums-Gesellschaft hätten wir weniger Kleidung und würden sie regelmäßig anziehen.

Weil wir weniger arbeiten würden, hätten wir mehr Zeit für Freund:innen, die Familie, zum Plauschen mit den Nachbar:innen und, um uns ehrenamtlich oder politisch zu engagieren. Und eventuell – wenn wir uns wirklich mehr mit unseren Nachbar:innen unterhalten würden – würden wir uns wieder trauen, Dinge zu teilen, wie Schlagbohrer, Rasenmäher, Waschmaschinen.

Wenn etwas kaputt geht, würden wir erst versuchen, es zu reparieren. Wir würden Löcher in Socken stopfen, wenn das Fahrrad einen Platten hat, würden wir versuchen, den Schlauch zu flicken, bevor wir einen neuen kaufen. Wir würden mehr Gemüse und Obst im Garten oder in Gemeinschaftsgärten anbauen, vielleicht Mitglied in einer Initiative zur Solidarischen Landwirtschaft sein, generell mehr regional anbauen.

Nach der Vorstellung von Niko Paech, Deutschlands bekanntestem Wachstumskritiker, hätte jeder Mensch eine Menge an CO2 zur Verfügung, die er ausstoßen kann. Laut dem jüngsten Bericht des Weltklimarats darf die Menschheit weltweit noch etwa 420 Gigatonnen CO2 ausstoßen, wenn sie das Ziel, den Anstieg der weltweiten Durchschnittstemperatur auf 1,5 Grad zu beschränken, mit 66 Prozent Wahrscheinlichkeit erreichen will. Nehmen wir einmal an, die Welt würde bis 2050 klimaneutral werden. Dann hätten wir bis dahin pro Jahr noch einen CO2-Ausstoß von etwa 14 Gigatonnen zur Verfügung. Wenn man mit einer Bevölkerungszahl von 7 Milliarden Menschen rechnet, sind das 2 Tonnen pro Mensch.

Ein Mensch in Deutschland verbraucht gerade im Schnitt das Fünffache. Um dieses Ziel zu erreichen, müssten wir unseren CO2-Fußabdruck also drastisch senken. Wir müssten weniger reisen, weniger Auslandspraktika und Auslandssemester machen. Viele würden auf einer kleineren Fläche leben als jetzt – weniger Einfamilienhäuser, mehr WGs.

Gäbe es dann noch Unternehmen?

Natürlich. Sie würden aber weniger verkaufen und hätten weniger Geld, um Löhne zu zahlen. Und es gäbe auch weniger Arbeit. Das könnte heißen, dass Unternehmen weniger Mitarbeiter:innen einstellen oder genauso viele Mitarbeiter:innen für eine kürzere Zeit beschäftigen. Als VW in den 90er Jahren deutlich weniger Autos verkaufte, entschied das Unternehmen, die Vier-Tage-Woche für alle Mitarbeiter:innen einzuführen. Dadurch musste VW keine Mitarbeiter:innen entlassen. Ein Unternehmen, das schon jetzt nach dem Postwachstums-Gedanken handelt, stellen wir im nächsten Teil der Serie vor.

Wenn mehr Menschen dem Postwachstums-Gedanken folgen, würden sie vielleicht Unternehmen gründen, die andere Schwerpunkte haben, die wieder mehr Wert darauf legen, dass Produkte möglichst lange halten und leicht zu reparieren sind. Unternehmen könnten Waschmaschinen vermieten, anstatt sie zu verkaufen. Das Ziel wäre, dass Produkte möglichst lange halten, nicht, möglichst viel zu verkaufen. Eventuell müssten sich auch bestehende Unternehmen umorientieren, wenn die Menschen weniger konsumieren und ihr bisheriges Geschäftsmodell nicht mehr funktioniert.

Manche Unternehmen würden wohl auch pleitegehen. Viele Modegeschäfte wie H&M oder Zara oder Schuhhersteller wie Nike setzen zum Beispiel darauf, dass wir uns jedes Jahr neue Kleidung kaufen, weil sich die Mode ändert oder neue Schuhe, weil sie modern sind. Wenn die Menschen das viel weniger tun würden, könnten nicht alle Unternehmen überleben. Oder stellen wir uns vor, viele Menschen wären immun gegen Werbung, weil sie sich ein neues Smartphone nur dann kaufen, wenn niemand mehr das alte reparieren kann – nicht, weil es gerade ein neues gibt. Dann würden auch Werbeagenturen pleitegehen oder Magazine, die sich durch Anzeigen finanzieren. Und wenn deutlich weniger Menschen ein Auto kaufen würden und es länger nutzen als bisher, könnten auch nicht alle Autohersteller überleben.

Haben wir dann nicht total viel Arbeitslosigkeit?

Wie gesagt, wenn alle weniger arbeiten, muss nicht die Zahl der Arbeitsplätze zurückgehen, wenn es weniger Arbeit gibt. Außerdem wären wir in einer Postwachstums-Gesellschaft weniger abhängig vom Arbeitsplatz. Wir würden mit weniger Geld auskommen und uns zu einem Teil selbst versorgen. Für Teil 4 dieser Wachstums-Serie habe ich Gerrit von Jorck interviewt. Er hat eine Zeit lang von 500 Euro im Monat gelebt. Das ist sehr extrem – viele Menschen könnten aber ihren Bedarf an Geld deutlich senken, wenn sie sich weniger Kleidung kaufen würden, weniger und weniger teuer in den Urlaub fahren würden, eine kleinere Wohnung hätten, etc.

In „Degrowth: Handbuch für eine Neue Ära“ (das Buch kann man hier online lesen) schreibt der Wirtschaftswissenschaftler Brandon Unti über den Vorschlag, eine Beschäftigungsgarantie einzuführen. Der Staat könnte Menschen Arbeit geben, die auf dem freien Markt keinen Arbeitsplatz finden. Sinnvolle Arbeit gebe es auch in einer Postwachstums-Gesellschaft – Menschen könnten Kinder erziehen, Alte pflegen, unterrichten. Sie könnten in urbanen Obst- und Gemüsegärten arbeiten oder kostenlose Software produzieren und würden vom Staat dafür Geld bekommen.

In einer Übersicht der Rosa-Luxemburg-Stiftung gehen die Autor:innen auf typische Bedenken gegen eine Welt ohne Wachstum ein und auf Vorurteile gegenüber Postwachstum.

Kann Deutschland eine Postwachstums-Gesellschaft überhaupt im Alleingang umsetzen, wenn die Welt nicht mitzieht?

Im Kleinen auf jeden Fall. Jede:r einzelne von uns kann sich entscheiden, weniger zu konsumieren. Deutschland könnte auch seine Sozialpolitik anpassen, wenn die Menschen deutlich weniger arbeiten würden und die Regierung mehr umverteilen müsste.

Wenn wir als Menschheit das Ziel haben, so zu leben, dass wir die Grenzen des Planeten nicht überschreiten, dann klappt das nur, wenn alle mitziehen. Trotzdem kann ein einzelnes Land einen Anfang machen, genau wie einzelne Menschen und Unternehmen Vorreiter für eine nationale Postwachstums-Ökonomie sein können.

Tipp zum Weiterlesen: Eine Einführung in Degrowth und Postwachstum von Matthias Schmelzer und Andrea Vetter.

Aber geht nicht auch beides: Wachsen und gleichzeitig Klima und Umwelt schützen?

Green New Deal, Grünes Wachstum, Qualitatives Wachstum. Viele Politiker:innen und Ökonom:innen wollen das Problem lösen, indem wir anders wachsen. Das ist auch verlockend. Es klingt wie ein Weg, das Klima zu retten, ohne dass wir unseren Lebensstil groß verändern müssen.

Zu wachsen, ohne der Umwelt zu schaden, würde aber bedeuten, dass Wachstum ohne Ressourcenverbrauch und ohne CO2-Emissionen funktionieren müsste. In dem Buch „Wohlstand ohne Wachstum“ beschreibt Tim Jackson die sogenannte Ehrlich-Gleichung. Sie sagt aus, dass die Umweltauswirkungen von dem, was Menschen tun, von drei Faktoren abhängen: der Zahl der Menschen, dem Einkommen pro Person und dem Technologiefaktor, der misst, welche Auswirkungen jeder ausgegebene Dollar oder Euro auf die Umwelt hat.

Konzentrieren wir uns einmal nur auf die CO2-Emissionen, nicht auf die anderen Umweltauswirkungen. Tim Jackson schreibt: „Seit 1990 ist die Kohlenstoffintensität im Durchschnitt um 0,7 Prozent (pro Jahr) gesunken.“ (Kohlenstoffintensität heißt, wie viel Kohlenstoff jeder ausgegebene Dollar oder Euro verursacht.) „Das ist gut, aber nicht gut genug. Die Bevölkerung hat mit einer Rate von 1,3 Prozent zugenommen, das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen (inflationsbereinigt) in der gleichen Zeitspanne um 1,4 Prozent pro Jahr. Die Effizienzgewinne haben nicht einmal das Bevölkerungswachstum kompensiert, ganz zu schweigen vom Einkommenswachstum. Stattdessen sind die Kohlendioxid-Emissionen durchschnittlich um 1,3 + 1,4 - 0,7 = 2 Prozent pro Jahr gestiegen.“

Quelle Graph 1: Word Bank. Quelle Graph 2: European Commission, Joint Research Centre (JRC)/Netherlands Environmental Assessment Agency (PBL). Emission Database for Global Atmospheric Research (EDGAR)

Infografik: Bent Freiwald

Wenn wir den CO2-Ausstoß bis 2050 so sehr reduzieren wollen, dass wir die Klimakrise stoppen können, müsste die Kohlenstoffintensität jedes Jahr um sieben Prozent sinken – fast zehn Mal so schnell wie jetzt, schreibt Jackson. Wenn wir davon ausgehen, dass dann neun Milliarden Menschen auf der Erde leben und die Wirtschaft weiter wächst wie bisher.

Wer diesen Zusammenhang noch genauer nachlesen möchte: „Wohlstand ohne Wachstum” - von Tim Jackson.

Wenn in den letzten 30 Jahren die Kohlenstoffintensität im Schnitt jedes Jahr um 0,7 Prozent abgenommen hat – wie soll sie plötzlich zehn Mal so schnell sinken? Klar können wir darauf hoffen, dass die wundersame Erfindung kommt, die das möglich macht. Aber das ist sehr unwahrscheinlich.

Ein Beispiel: Elektroautos sollen Benzin- und Dieselautos ersetzen, sodass der Verkehr deutlich weniger CO2-Emissionen verursacht. Dabei ist noch nicht klar, wie Deutschland seinen jetzigen Energiebedarf durch erneuerbare Energien decken soll, geschweige denn den von einer ganzen Flotte an Elektroautos zusätzlich.

Ein Beitrag bei The Conversation erklärt auch, wie wir uns in reicheren Ländern vormachen, wir würden das BIP von den CO2-Emissionen entkoppeln – während wir oft Produktion ins Ausland verlagern. Sodass wir Dinge konsumieren und das BIP steigern, der Umwelt und dem Klima aber in anderen Ländern schaden.

Wir leben jetzt in einer Wachstumsgesellschaft. Der Umbruch hin zu einer Post-Wachstumsgesellschaft wäre doch gigantisch. Wie soll das gelingen?

Japan ist ein Beispiel dafür, dass eine Gesellschaft nicht zusammenbrechen muss, wenn das Wachstum ausbleibt. Japans BIP ist seit der Mitte der 90er Jahre nicht mehr wirklich gewachsen. Es gab Schwankungen, aber keinen allgemeinen Trend mehr nach oben. Im Jahr 2000 soll ein britischer Politiker bei einer Reise nach Tokio gesagt haben: „Wenn das eine Rezession ist, dann will ich auch eine.“

Anders als bei der Finanzkrise in Griechenland müsste die Entwicklung hin zu einer Wirtschaft ohne Wachstum oder einer schrumpfenden Wirtschaft langsam passieren, nicht als Umbruch innerhalb von kurzer Zeit.

Der Wandel könnte in der Gesellschaft anfangen. Menschen vorzuschreiben, dass sie auf etwas verzichten sollen, ist schwierig. Vor ein paar Jahren haben die Grünen einen fleischfreien Tag in öffentlichen Kantinen gefordert, und es gab sofort einen Aufschrei. Bei der Wahl haben die Grünen damals sehr schlecht abgeschnitten, und die damalige Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt sagte danach in einem Interview der Welt: „Wir haben bei vielen den Eindruck erweckt, dass wir die Erziehungsbeauftragten der Nation sind.“ Das Beispiel zeigt: Die Entscheidung, weniger Fleisch zu essen, muss von den Menschen selbst kommen.

Auch Niko Paech sagte kürzlich im Deutschlandfunk: „Die Politik ist handlungsunfähig, weil sie die Mehrheit für eine Klimapolitik, die diesen Namen verdient, niemals bekommen wird.“

Natürlich können Politiker:innen eine Postwachstums-Ökonomie fördern. Wenn sie zum Beispiel dafür sorgen, dass es sichere Radwege gibt und zuverlässige öffentliche Verkehrsmittel, würden vielleicht mehr Menschen aufs Auto verzichten.

Der Wandel in der Gesellschaft könnte beim Prestigekonsum anfangen, also bei den Dingen, die wir uns kaufen, weil sie Status-Symbole sind. Wie wäre es zum Beispiel, wenn SUVs ein schlechtes Image bekommen, weil Rezo nach der CDU nun dicke Autos und Flüge nach Mauritius zerstört? Wenn Karriere weniger unseren Status bestimmt und mehr Influencer für Second-Hand-Mode und „Reparieren statt Wegschmeißen“ werben?

Ganz klein können wir anfangen, indem wir weniger konsumieren und davon erzählen und auch mit anderen diskutieren. Dass das einen Unterschied machen kann, hat der Wissenschaftler Steve Westlake am Beispiel Fliegen geforscht. „Ich habe eine Umfrage gemacht und die Hälfte der Befragten, die jemanden kannten, der wegen des Klimawandels aufgehört hat zu fliegen, sagte, dass sie wegen dieses Beispiels auch weniger fliegt“, schreibt er in einem Gastbeitrag für The Conversation.

Silke van Dyk weist allerdings darauf hin, dass man nicht so tun kann, als ob sich die Ideen im Kleinen einfach auf das ganze Wirtschaftssystem übertragen ließen. Die Frage, wie man Ungleichheit verringern kann, ist zum Beispiel sehr wichtig. Und sie lässt sich nicht durch Gemeinschaftsgärten und Kleidertauschmärkte lösen.

Welche politischen Parteien unterstützen Postwachstum?

Die Redaktion des Blogs Postwachstum hat zur Bundestagswahl 2017 analysiert, welche Parteien in ihren Wahlprogrammen das Wirtschaftswachstum als Zweck wirtschaftlichen Handelns infrage stellen oder eine Postwachstums-Ökonomie einführen möchten.

Wirklich konkrete Kritik am Wachstumsparadigma übten vier kleine Parteien: die Ökologisch-Demokratische Partei (ÖDP), Die Violetten, die Bergpartei und die V-Partei3. Keine dieser Parteien hat bei der Bundestagswahl mehr als 0,3 Prozent der Stimmen bekommen.

Übrigens hat auch „Die Partei“ eine Postwachstums-Forderung im Europawahlprogramm: „Gesundschrumpfung des BIP auf 50 %! Durch die Reduzierung des Bruttoinlandsprodukts auf ein ökologisch und sozial vertretbares Maß steigt auch der Anteil deutscher Rüstungsausgaben auf weit über 2 %. So können wir Trump und Stoltenberg (angeblich Sozialdemokrat) vorwerfen, dass sie viel zu wenig Geld in ihre beschissene NATO stecken.“

Hat so ein Umbruch jemals in der Vergangenheit funktioniert?

Einen starken Wertewandel ohne Druck von außen und ohne Kriege oder Blutvergießen gab es zum Beispiel bei der Religiosität. Während es vor hundert Jahren für viele Menschen undenkbar war, nicht in die Kirche zu gehen, ist man heute gerade in den Städten eher die Ausnahme, wenn man jeden Sonntag in den Gottesdienst geht. Und die Zahl der Gläubigen nimmt immer mehr ab.

Manche bezeichnen den Konsumismus sogar als Ersatzreligion. Es könnte also auch sein, dass wir uns vom Konsumismus abwenden und stattdessen Umweltbewusstsein die Werte in unserer Gesellschaft stärker bestimmt. Wenn wir jetzt mit unserem Kleidungsstil zeigen, welchen Gruppen wir uns zugehörig fühlen, könnten wir das auch zeigen, in dem wir weniger konsumieren. Solche Prozesse entwickeln sich natürlich nicht innerhalb von Jahrzehnten, sondern eher über Generationen.

In einem Arbeitspapier für das Kolleg Postwachstums-Gesellschaften schreibt Frank Adler, dass es in der Geschichte keinen Vergleich gibt, wo es schon einmal so etwas wie einen bewussten Übergang zu einer Postwachstums-Gesellschaft gab. Der Übergang zum Kapitalismus mit der industriellen Revolution war eine riesige Veränderung, aber die Menschen hatten sich nicht davor bewusst dafür entschieden.

Es gibt aber Beispiele, die zeigen, dass Postwachstums-Gesellschaften im Kleinen funktionieren können, etwa indigene Gemeinden in Südamerika. Alberto Acosta sagt im Interview des Deutschlandfunks, dass viele dieser Gemeinden das „Buen Vivir“ leben, also in Gemeinschaft mit anderen Menschen und in Harmonie mit der Umwelt leben.


Danke an alle, die uns ihre Fragen geschickt haben! Und Danke an Dominik Heißler, Jakob Kandler und Leonie Sontheimer für ihren Input zum Text.

Redaktion: Rico Grimm; Schluss- und Fotoredaktion: Vera Fröhlich; Infografiken: Bent Freiwald.

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