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Schulen

So lernen Kinder, wenn du Schulen ganz neu denkst

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Stell dir vor, du hättest keine Ahnung, wie unsere Schulen heute aussehen oder wie unsere Kinder heute unterrichtet werden. Wie würdest du Kinder auf die heutige Gesellschaft vorbereiten? Wie sähen Schulen aus, wenn du sie ganz neu denkst, von Grund auf?

Dieses Gedankenexperiment ist nötig, wie ich in meinem ersten Text gezeigt habe. Aber: Es ist gar nicht so einfach. Im August habe ich mit hessischen Seminarleitern gearbeitet, sie haben versucht eine Gruppe zu bilden: „Disruptive Thinking – Schule neu denken“. Und ganz ehrlich: Sie waren ziemlich schnell ziemlich frustriert. Weil sie gemerkt haben, dass sie nicht disruptiv denken können. Sie kamen einfach nicht raus aus dem Modell der Traditionsschule.

Der Erfinder und Unternehmer Ray Kurzweil (man kann nicht über Bildungstrends schreiben, ohne jemanden aus dem Silicon Valley zu zitieren) hat gesagt: Im 21. Jahrhundert werden wir eine Veränderung der Lebensbedingungen, Anforderungen und Möglichkeiten des Menschen erleben, die in ihrer Intensität etwa den zurückliegenden 20.000 Jahren entspricht. Das habe ich neulich in einem Aufsatz geschrieben, den hat mir dann der Lektor zurückgegeben und gesagt: „Übertreiben Sie nicht so maßlos. Schreiben Sie 2.000 Jahre.“ Aber das habe ich nicht gemacht, im Silicon Valley sind sie nun mal der Auffassung, dass es 20.000 Jahre sind.

Deshalb habe auch ich mir die Frage gestellt: Wie könnte eine andere Schule, ein anderes Lernen aussehen, das diesen Veränderungen gerecht wird? Herausgekommen sind sieben Bildungstrends, die die Zukunft der Schulen maßgeblich mitbestimmen sollten.

Eines vorweg: Es gibt in der Zukunftsforschung nur eine Gewissheit – der Zeitgeist irrt immer. Zukunft ist nicht vorhersehbar. Deshalb sind die Trends, die ich hier nenne, eigentlich eine Mischung aus Trends und Wünschen. Nun aber los ...

Trend 1: Wir bringen Kindern den richtigen Umgang mit digitalen Medien bei

Steve Jobs hat kurz vor seinem Tod gesagt: „The next big thing is education.“ Und wenn die Menschen im Silicon Valley von „the next big thing“ sprechen, heißt das: Dort werden Milliarden Dollar investiert. Das wird die Zukunft des Lernens sehr stark prägen. Die Lebenswelt von Kindern hat sich bereits radikal verändert, da müssen wir gar nicht in die Zukunft schauen, sie sind umstellt von digitalen Medien.

Wir haben es mit einer neuen Generation an Schüler*innen zu tun, die 1995 bis heute Geborenen, die „Generation Selfie“. Diese Generation nutzt andere Medien und will anders lernen. 99 Prozent der Haushalte haben ein Handy und sogar 65 Prozent ein Tablet.

Und auch 80 Prozent der jungen Lehrer*innen informieren sich ausschließlich über digitale Netzwerke und digitale Medien. Zeitungen sind nur noch zu 20 Prozent vertreten, und das nicht jeden Tag, sondern gelegentlich. Im Unterricht allerdings werden digitale Netzwerke nur zu drei Prozent behandelt. Das bedeutet: Wir lassen die Kinder allein mit dem wichtigsten Medium, mit dem sie ihren Nachmittag verbringen.

Die Digitalisierung ist eine ambivalente Sache: Wir sind im Moment Teil eines gigantischen Verhaltensexperiments. Permanent klingelt und piept das Handy, wir müssen erst lernen, mit diesen Dingen umzugehen.

Du hast bestimmt schon mal vom „Digitalpakt“ gehört, fünf Milliarden Euro möchte der Bund für die Digitalisierung der Schulen ausgeben. Der ehemalige Schulleiter der deutschen Schule im Silicon Valley, Martin Fugmann, sagt: Bitte gebt das Geld des Digitalpakts nicht für Geräte aus, das ist ein reines Förderprogramm für die Firmen, die Geräte sind innerhalb von zwei Jahren sowieso wieder veraltet. Stattdessen: Investiert in gute Infrastruktur und in Fortbildung. Und das sagt jemand, dem die Digitalisierung sehr wichtig ist.

Der Kompromiss zwischen Bund und Ländern beim Digitalpakt sieht auch vor, dass der Bund Geld für Personal ausgeben darf, das sich in den Schulen um die Wartung von Geräten kümmert. Das ist auch bitter nötig, wie unser Bildungsreporter Bent Freiwald herausgefunden hat. Denn tausende Lehrer*innen haben derzeit einen Nebenberuf als Technikhausmeister.

Ich denke, bei den Zukunftsvisionen wird immer eines vergessen. Der Begründer der Zukunftsforschung, Robert Jung, hat das schon in den 60er Jahren gesagt: Nach einem Jahrhundert der technischen Erfindungen brauchen wir ein Jahrhundert der sozialen Erfindungen. Das heißt, wir sind technisch super, wir können immer mehr. Aber wir haben auf der sozialen Ebene riesige Entwicklungsdefizite. Das ist umso problematischer, weil Technik-Firmen nicht nur viel Geld haben, sondern auch viel Einfluss. Deshalb müssen die Kinder den souveränen Umgang mit den neuen Medien lernen, und damit meine ich nicht den technischen Umgang.

Trend 2: Jedes Kind lernt auf seine Weise, und die Lehrer*innen unterstützen es dabei

Der englische Theaterwissenschaftler Sir Ken Robinson hat viele Jahre lang untersucht, wie Menschen ihr Leistungsoptimum erreichen können. Er sagt, Menschen sind erfolgreich, wenn sie ihr Element entdecken. Aber die Wahrheit ist: Die meisten Menschen haben dieses Glück nicht. Die Schulen interessieren sich gar nicht dafür, was das Element eines Kindes ist. Es soll – verdammt nochmal – den Lehrplan erfüllen. Individualität ist kaum oder nur wenig gefragt.

Wenn Kinder nicht in den Schulalltag passen, kann das an den Nerven von Familien und Lehrern zehren. Bent Freiwald hat zwei Schwestern getroffen, die mit unserem Schulsystem nicht klarkamen, aber aus ganz unterschiedlichen Gründen, die eine war unterfordert, die andere unterfördert. Hier kannst du die Reportage lesen: Lili und Maryse gegen das Schulsystem.

Wenn du heute dein Müsli kaufst, kaufst du nicht irgendein 08/15-Müsli, sondern gehst auf mymüsli.de und stellst dir dein persönliches Müsli zusammen. Unsere Schüler*innen müssen aber immer noch ein Standardmüsli zu sich nehmen und können nicht ihr individuelles Lern-Menü zusammenstellen. Wir können Schulen nicht weiter nach dem Industriemodell gestalten, während sich die Gesellschaft so stark verändert.

Für die Schule bedeutet das: Manche Kinder kapieren Mathematik ganz schnell und andere brauchen länger. Aber diese Kinder sind deshalb ja nicht dumm, sie brauchen einfach mehr Zeit. Diese Zeit haben sie heute aber oft nicht. Denn wenn sie im Rhythmus des Fließbands lernen müssen, hängen sie direkt hinterher. Wir wissen, wie es eigentlich sein sollte: Die Anforderungen sollten immer leicht über den eigenen Fähigkeiten sein – aber nicht zu hoch, denn genau dann lernst du am besten. Wenn sie zu hoch sind, steigst du aus. Das machen 20 Prozent der Kinder in der Schule dauerhaft. Und wenn die Anforderungen zu niedrig sind, bist du gelangweilt.

Wie soll man als ein einziger Lehrer 30 Schüler*innen in einer Klasse nach diesem Grundsatz bedienen? Wie führt man 30 Kinder in diesen sogenannten „Flow-Kanal“? Das schafft man nicht, wenn man ein traditionelles Unterrichtskonzept hat.

Wenn die Anforderung nicht zu schwer oder zu leicht sind, kommen Kinder in einen richtigen Flow. KR-Reporter Dominik Heißler hat sich dieses Gefühl mal näher angeschau, denn nicht nur Kinder kennen es.

Grafik: Bent Freiwald, nach Olaf-Axel Burow

Ich denke: Das Vermitteln von Wissen wird immer unwichtiger. Man muss mit solchen Aussagen in Deutschland immer ganz vorsichtig sein, wahrscheinlich werden jetzt wieder 20 Studienräte aufspringen und sagen: „Der Burow ist gegen Wissen!“ Nein, Wissen ist natürlich wahnsinnig wichtig, aber wenn meine 14-jährige Tochter eine Frage hat, nimmt sie ihr iPhone und fragt Siri. Wenn man damit umgehen kann, ist Wissen überall und jederzeit verfügbar. Viel wichtiger werden Werte, Überzeugungen, unabhängiges Denken, Sport, Musik, Malen, Kunst, Kreativität.

Wenn wir aus jedem Kind sein Potenzial herausholen wollen, müssen Lehrer*innen ihre Rolle verändern, sie müssen Lernberater sein. Es ist ja alles im Netz, es gibt die traumhaftesten Angebote. Lehrer*innen sollten die Kinder darin beraten, wie sie mit dem Wissen, das überall verfügbar ist, umgehen können.

Trend 3: Kinder lernen nicht mehr in starren Fächern

Wie löst man dieses Problem? Im Silicon Valley entwickeln sie Systeme, die die Lernwege der Schüler*innen verfolgen und ihnen Aufgaben zuweisen, die genau ihrem Stand entsprechen, das nennen sie Learning Analytics.

Das kannst du dir so vorstellen: Wenn ich mit dem Auto irgendwo hinfahre, gucke ich nicht auf die Karte, sondern lasse mich von dem Navigationssystem leiten. Und wenn ich einen Fehler mache, bekomme ich sofort einen Hinweis: „Bitte wenden!“ Genau das brauchen Kinder: Ein Lernnavigationssystem, das – auf sie zugeschnitten – beschreibt, wie sie am besten lernen. Dadurch werden Lehrer*innen natürlich nicht überflüssig. Zumindest dann nicht, wenn sie aufhören, das zu machen, was Computer besser können. Stattdessen sollten Lehrer*innen das machen, was sie selbst besser können: Kinder fördern, beraten, Beziehungen herstellen, ermuntern.

Meistens kommen Außenseiter auf innovative Ideen. Ein solcher Außenseiter ist Salman Khan. Der hat sich geärgert, dass seine Nichte in Mathe immer nur Fünfen bekommen hat. Jetzt war das Problem, dass er 500 Kilometer entfernt wohnte und ihr keine Nachhilfe geben konnte.

Also hat er sich ein Tablet gekauft und kleine Erklärvideos gemacht – das war 2006, vor 13 Jahren. Die Videos bestanden aus einer schwarzen Fläche, man sieht einen bunten Stift, der sich bewegt und Mathe erklärt, zum Beispiel den Satz des Pythagoras. Danach bekommst du eine kleine Aufgabe, bist du erfolgreich, wirst du gelobt: „Excellent! You´re great!“ Schaffst du die Aufgabe nicht: „No Problem, repeat!“ Das hat er seiner Nichte geschickt – sie ist super gut geworden in Mathe.

Irgendwann hat ihm jemand vorgeschlagen, er solle die Videos doch mal ins Internet stellen. Daraufhin hat er seinen Job geschmissen, seine Videos haben über 100 Millionen Aufrufe. Dann hat er die gemeinnützige Khan Academy gegründet. Und der Witz ist: Im Hintergrund läuft Learning Analytics, die Lehrer*innen können am Ende der Woche sehen, wo ein Kind Fehler gemacht hat und welche Aufgaben es deshalb braucht.

Die Aufgaben, denen Schule sich stellen muss, lassen sich nicht mehr in Fächern lösen, sondern in vernetzten Strukturen. Der Leiter des Potsdamer Hasso-Plattner-Instituts, Ullrich Weinberg, nennt das „Network Thinking“. Eine Schule, die das beispielhaft macht, ist die Freiherr-vom-Stein-Schule in Neumünster. Die haben die Schulfächer teilweise abgeschafft, so wie in Finnland. Große Teile des Unterrichts sind in Projekten organisiert, in denen die Schulfächer integriert sind. Die Schüler*innen lernen in altersgemischten und leistungsgemischten Gruppen und entscheiden selbst aus Projektkatalogen, was sie wann machen wollen. Natürlich nicht von jetzt auf gleich, sie werden langsam an diese Selbstständigkeit herangeführt. Aber sie entscheiden auch, ob ein/e Lehrer*in es ihnen erklären soll oder ob sie sich das selbst beibringen wollen. Und tatsächlich: Ein Drittel der Schüler*innen möchte gar keinen Lehrervortrag, die machen das selbst.

Trend 4: Die Räume passen sich uns an, nicht wir uns den Räumen

Der klassische Unterricht ist noch immer zu oft so aufgebaut: 75 Prozent Instruktion von der Lehrkraft, ein bisschen Hausaufgaben und vielleicht auch noch ein bisschen Gruppenarbeit. Wir brauchen aber viel öfter Gruppen- und Projektarbeit, Tanz, Theaterspielen oder auch Kunst. Das bedeutet aber auch, dass wir veränderte Architekturen brauchen: Räume, in denen eine Lehrkraft etwas erklären kann, Räume, in denen man für sich selbst lernen kann, Räume, in denen Gruppen zusammenarbeiten und diskutieren können.

In der Schule wird immer noch ein Schwerpunkt auf den isolierten Einzellerner gelegt, der möglichst noch Bücher aufstellt, damit keiner abschreibt. Das ist nicht mehr zeitgemäß. Eine Schule, die Team-Modelle ausgezeichnet einsetzt, ist die Integrierte Gesamtschule Göttingen. Dort lernen Schülerinnen der fünften bis zehnten Klasse schon lange in festen Sechster-Teams, die über fünf Jahre gemeinsam arbeiten. Und auch die Lehrerinnen bilden Teams.

Vor einigen Jahren gab es einen Skandal in Göttingen, denn diese „schmuddelige Gesamtschule“ mit diesen „komischen“ Schülern und ihren „merkwürdigen Team-Modellen“ hatte einen besseren Abi-Schnitt als die Gymnasien in Göttingen. Das zeigt: Wenn man die Selbstständigkeit der Schüler stärkt und ein intelligentes Team-Modell fährt, kann man erstaunliche Leistungen erreichen.

Auf der Bildungsmesse Didacta habe ich Lehrer*innen den Klassenraum der Zukunft zeichnen lassen. Das sieht dann so aus:

Bild: Olaf-Axel Burow

In diesen Raum passen lediglich sechs Schüler*innen. Ist doch spitze, alle Lehrkräfte wollen ja schließlich kleine Klassen, oder? Nun, alle Untersuchungen zeigen, dass es keinen Zusammenhang zwischen Klassengröße und Lernerfolg gibt (zwischen Klassengröße und Lehrerbelastung schon, aber das ist etwas anderes). Die sechs Schüler*innen, die in diesem Raum Platz hätten, werden auch noch einzeln gesetzt, frontal ausgerichtet, vorne gibt es eine Lehrkanzel und einen Beobachtungsposten zur Entspannung an der Seite. Ken Robinson sagt: Dieses Modell, wie wir es oben sehen, ist in den Genen der öffentlichen Erziehung verankert. Es kommt uns ganz normal vor. Aber: Wie sieht eine anregende Lernumgebung wirklich aus?

Eine Lehrerin aus Südtirol hat sich überlegt, wie ein Klassenraum aussehen würde, wenn man ihn von den Schüler*innen aus konfigurierte. Also gab sie den Kindern Pappkartons, die sie aufstellen durften, wie sie wollen. Das Ergebnis: Es gibt keine geraden Linien mehr, mal sitzen welche zu zweit, mal sitzt einer allein. Die entwickeln völlig neue Reviere, Umgebungen. Das heißt: Die Form, wie wir die Klassenräume derzeit gestalten, ist völlig willkürlich und letztlich ein Abbild der Massenproduktion.

Trend 5: Eine gute Schule ist eine gesunde Schule

Lehrer*innen sind durchschnittlich doppelt so hoch belastet wie der Durchschnitt der Bevölkerung. Woran liegt das? Wir unterscheiden da in unserer Forschung zwischen drei Faktoren: Was liegt an den Rahmenbedingungen, was am Kollegium, und was ist mein eigener Anteil? Lehrkräfte sagen immer, es liege an den schlechten Rahmenbedingungen.

Bent Freiwald hat eine Lehrerin getroffen, die mit Burnout, Depressionen und Angtzuständen krankgeschrieben ist. Sie kam an einen Punkt, an dem sie sagte: Wenn ich gesund bleiben möchte, kann ich nicht mehr unterrichten.

Die Forschung zeigt, Rahmenbedingungen sind zwar wichtig, aber mindestens so entscheidend ist die Kommunikation im Kollegium. Gute Schulen haben gute Schulleitungen und gute Schulleitungs-Teams. Und ein zentraler Faktor ist die Wertschätzung, die man erfährt. Leider ist Schule immer noch ein System, das auf Aburteilung beruht. Es ist kein positives System, bei dem man ständig positive Rückmeldungen bekommt. Eine AOK-Studie hat gezeigt: Beschäftigte sind seltener krank, wenn sie sich wertgeschätzt fühlen und ihre Arbeit als sinnstiftend erleben. Das ist eigentlich banal, und das betrifft nicht nur die Lehrer*innen, sondern auch die Schüler*innen.

Falls du Lehrer*in bist: Überleg mal, wann dir jemand das letzte Mal gesagt hat, dass du deinen Job gut machst. Und das vorletzte Mal?

Trend 6: Die Kinder entscheiden mit, denn sie wissen mehr, als wir glauben

Autoritäre Systeme sind wieder auf dem Vormarsch, das ist beängstigend für die Demokratie. Vor allem, weil Schule immer noch kein Ort ist, an dem man wirklich lernt, was Demokratie ist, weil Kinder und Jugendliche fast nie mitentscheiden dürfen. Wenn ich Werkstätten zur Zukunft von Schule veranstalte, lade ich immer auch Schülervertreter*innen ein. Wenn die eine Schule entwerfen sollen, entwickeln sie typischerweise Rundbauten, mit Glaskuppeln, eingebaut in die Natur.

Meine These ist: Es gibt so etwas, wie ein pädagogisches Tiefenwissen. Wir müssen den Kindern nicht erklären, wie gute Lernumgebungen aussehen, sie wissen es – sie werden bloß nicht gefragt. Wenn man Demokratie vermitteln will, kann man das heute mit den digitalen Medien eigentlich ganz wunderbar, über etwas abstimmen oder Vorschläge machen, geht ganz schnell. Deshalb ist jetzt die Chance, Schüler*innen viel stärker in die Schulentwicklung einzubinden.

Trend 7: Wozu das alles? Um glücklich zu sein

Eine Berufsschule in Heidelberg hat das Schulfach Glück eingeführt. Ich glaube zwar nicht, dass Glück unbedingt in ein Schulfach muss, aber es müsste eigentlich ein durchgehendes Prinzip sein.

Wir sind im Zeitalter der evidenzbasierten Pädagogik, alles muss gemessen und erforscht werden. Nichts ist so gut erforscht wie die Glücksforschung, an ihr sollten wir unsere Schulen orientieren. Denn Aristoteles wusste es, David Hume wusste es. Und am besten zusammengefasst hat es Voltaire: Ich habe beschlossen glücklich zu sein, weil es besser für die Gesundheit ist.

Bei all diesen Trends, die ich jetzt vorgestellt habe, sollte man sich immer fragen: Wozu tun wir das eigentlich alles? Diese Frage wird in Schulen und vielen anderen Einrichtungen gar nicht mehr berücksichtigt. Das übergreifende Ziel, „um glücklich zu sein“, würden die Wenigsten hervorheben.

Wir setzen so viel auf quantitative Bildungsforschung, versuchen das Rätsel vom guten Lernen zu lösen. Aber ich sage: Wir wissen es! Die Pädagogik hat weniger ein Erkenntnisdefizit als ein Umsetzungsdefizit.



Dieser Text ist aus einem Vortrag entstanden, den Olaf-Axel Burow am 26. September 2018 in Koblenz beim Kongress Pro Kreativität gehalten hat. Olaf-Axel Burow ist Lehrer, Gestaltpädagoge und emeritierter Professor für Allgemeine Pädagogik an der Universität Kassel. Er arbeitet am privaten Institute for Future Design. Anfang Februar 2019 erschien sein neues Buch „Schule digital – wie geht das?“ im Beltz-Verlag.

Redaktion: Bent Freiwald; Fotoredaktion: Martin Gommel; Schlussredaktion: Vera Fröhlich.