James Bamford

„Die einzigen Terroristen, vor denen ich Angst habe, nennt man Krebszellen“

etwa 2 Min. Lesedauer

https://www.youtube.com/watch?v=ewMLqMmuT68

Wenn sich jemand mit der Geschichte der NSA und des amerikanischen Überwachungsstaats auskennt, ist es James Bamford. Der Journalist veröffentlichte 1982 das erste Buch über No Such Agency, als die Existenz des Geheimdienstes noch nicht mal offiziell anerkannt war. „Die NSA versucht seit ihrer Gründung, Terroristen zu fangen“, sagt Bamford. „Sie haben es bisher nicht ein einziges Mal geschafft, aber sie suchen trotzdem weiter.“ Stattdessen werde die Privatsphäre jedes einzelnen Amerikaners mit den Füßen getreten – dies müsse aufhören. Mit Spionage an sich hat der Enthüllungsjournalist aber kein Problem. So sei es legitim, beispielsweise das russische und chinesische Militär abzuhören und diese gut zu kennen.

James Bamfords Buch „The Puzzle Palace“ war 1982 das erste Buch über die NSA. Ihm wurde in der Entstehungsgeschichte des Buches mehrmals gedroht, dass der Espionage Act gegen ihn verwendet wird.

In der Jung-und-Naiv-Folge geht es hauptsächlich um die Ursache sowie den Sinn und Unsinn von Panikmache. Angst vor Terrorismus zu haben, sei unvernünftig, erzählt Bamford. „Die einzigen Terroristen vor denen ich Angst habe, nennt man Krebszellen. Die töten Menschen wirklich. Wie viele von uns kennen Menschen, die bei einem Terroranschlag getötet wurden und wie viele von uns kennen Menschen, die an Krebs gestorben sind“, fragt der Geheimdienstexperte. Wenn das viele Geld, das in die sogenannte Terrorismusbekämpfung fließt, in das Gesundheitswesen gesteckt werde, würden viel mehr Menschen vor dem Tod gerettet werden.

Hier gibt es das Interview als Audio-Datei zum Anhören:

James Bamfords Vortrag „Tell No One“ auf dem 31. Chaos Communication Congress:

Bamford erklärt in dem Gespräch zudem die Rolle des US-Präsidenten in der Terrorismusbekämpfung. „Ein demokratischer Präsident macht Innenpolitik für seine progressiven Wähler und Außenpolitik für die Konservativen.“ Alles aus dem Grund wiedergewählt zu werden. Bamford bringt den Gedanken ins Spiel, eine einmalige sechsjährige Amtszeit des US-Präsidenten einzuführen, sodass sie oder er sich nicht um eine Wiederwahl sorgen müsse. Ob ein US-Präsident, der mächtigste Mann der Welt, denn nicht wisse, dass Terrorismus „over-hyped“ ist? „Natürlich. Obama weiß das. Er wird es aber nicht sagen. Gespielte Unwissenheit ist in der Politik nicht nur ein Segen, sondern bedeutet auch Wählerstimmen.“ Und darum geht es.

Das naive Gespräch ist knapp eine Stunde lang und wurde auf Englisch geführt. Neben Panikmache, der Rolle des US-Präsidenten geht es auch um die Zukunft des „American Empire“. Bamford hofft auf einen Wandel des Imperiums: „We could be an empire for good instead of an empire for bad.“

Siehe hierzu auch die Jung-und-Naiv-Folge „American Empire“ mit Glenn Greenwald:


Gespräch: Tilo Jung; Produktion: Alex Theiler