Warum Frauen 21 Prozent weniger verdienen (es ist anders, als Du denkst)

Warum Frauen 21 Prozent weniger verdienen (es ist anders, als Du denkst)

Friederike Knüpling
Verfasst von
am, etwa % Minuten Lesedauer

An der Supermarktkasse hat eine Kundin ihre Lebensmittel auf das Förderband gelegt. Die Kassiererin zieht ein Produkt nach dem anderen über den Scanner – und öffnet dann jedes einzelne, um je ein Stück davon wegzunehmen. Dann reicht sie es der Kundin zum Eintüten weiter. Die Kassiererin rupft ein paar Blumen aus dem Strauß, den die Frau kaufen möchte, und wirft sie in einen Mülleimer neben der Kasse. Sie öffnet den Saft der Frau, gießt etwas in den Eimer aus und gibt die drei viertel volle Flasche dann freundlich an die Kundin. Sie zieht die Kinderjeans über den Scanner und schneidet danach mit einer großen Schere ein halbes Hosenbein weg. Die Kundin nimmt jedes Überbleibsel einzeln entgegen, manchmal taucht ein Ausdruck flüchtiger Irritation auf ihrem Gesicht auf, aber auf die Idee, dass hier etwas nicht stimmt, kommt sie offenbar nicht. Alles paletti, ihr geht's gut und im Hintergrund läuft lustig-entspannte Vibraphonmusik. Die Frau zahlt und schiebt mit freundlicher Miene in Richtung Parkplatz ab.

In der EU beträgt die Lohnlücke 17 Prozent

„Weniger als 100 Prozent bekommen?“, hat die Europäische Kommission als Abspann auf dem Video einblenden lassen. „Im Durchschnitt verdienen Frauen in Europa 17 Prozent weniger als Männer.“

Statistisch gesehen machen Frauen immer noch weniger Karriere als Männer. Für weniger Lohn. Die EU-weite Lohnlücke von knapp 17 Prozent klafft in Deutschland auf eine Größe von 22 Prozent auf.

Frauen arbeiten gern in „weichen“ Branchen und viel häufiger in Teilzeit als Männer, sie leisten mehr unbezahlte Arbeit im Haushalt und sie rücken selten in die echten Power-Ränge auf.

Wenn ich an den Lohnunterschied und die Art denke, wie darüber geredet wird, wird mir immer etwas schwummerig. Ich fühle mich hin- und hergerissen. Denn die Zahlen zur Geschlechter-Lohnlücke, dem sogenannten Gender Pay Gap, sind nicht einfach verblüffend, sondern nachhaltig beunruhigend. In einem gewissen Maß bedeutet Geld Freiheit und Unabhängigkeit, gegebenenfalls sogar Gesundheit – und zu wenig Geld kann Formen von Unfreiheit und Abhängigkeit entstehen lassen. Wer weniger verdient, kann auch im Alter schlecht versorgt sein. Wie handfest die Unterschiede sind, die sich aus verschiedener Erwerbstätigkeit ergeben können, sieht man an der aktuellen Rentner-Generation. Die hat sich noch stark an traditionellen Rollenmustern orientiert – Frauen arbeiteten eher in der Familie, Männer eher in Unternehmen – und die Folge ist, dass die gesetzliche Rente für Frauen empfindlich niedriger ist.

Eigentlich waren Männer und Frauen mal auf einem guten Weg

Über die Zahlen zu Lohn- und Rentenunterschied so laut und deutlich zu reden, dass sie bis in den Bundestag geschallt sind, war also wichtig. Andererseits hat dieser Ruf ein Echo, das durch die Straßen geistert und das dem Geschlechterdenken einen neuen Ton der Ernsthaftigkeit verliehen hat. Sätze der Bauart „Männer tun dies, Frauen wollen jenes“ sind jetzt wieder öfter zu hören; die statistischen Unterschiede zwischen den Geschlechtern werden ganz genau ausgeleuchtet. Was ich ziemlich unbequem finde. Wollten wir nicht eigentlich alle Menschen werden, Männer wie Frauen, waren wir nicht auf einem guten Weg?

Man wird mir vielleicht vorwerfen, es sei nicht mehr als ein bisschen sentimentales Gejammere, wenn ich mich an Zeiten erinnere, in denen man Männern und Frauen vor allem beibringen wollte, dass sie stark und schwach und gleich genug sein könnten, um einander auf Augenhöhe zu begegnen; als alles Gerede über Männer oder Frauen vor allem etwas war, zu dem ironisch oder spielerisch Distanz zu gewinnen war, weil Brüste und Penisse dann, wenn zum Beispiel eine Exceltabelle auszufüllen war, eine verschwindend geringe Hilfe waren. Und weil Frauen manchmal auch gemeinsame Sache mit Männern machen wollten. Dieser Ansatz gefiel mir, den fand ich ausbaufähig.

Jetzt aber heißt alles Bemühen um eine Art Geschlechtsblindheit-wenn-es-darauf-ankommt abschätzig „gefühlte Gleichberechtigung“. Die jungen Frauen, heißt es dann, lügen sich in die eigene Tasche, wenn sie tatsächlich glauben, dass durch Merkel, von der Leyen, Lagarde, Rousseff, Hillary Clinton, Condoleezza Rice oder andere bewiesen sei, dass Frauen in der westlichen Welt überall landen können. Formalgesetzliche Gleichberechtigung hin, hört man, oder her: Frauen seien strukturell nach wie vor massiv diskriminiert.

Also wird mehr Frauenförderung eingefordert. Es gibt Karriereratgeber extra für Frauen, „Girls' Days“ in techniknahen Berufen, feministische Blogs, eine feministische Partei („Die Frauen“), frauenmobilisierende Filme aus Steuergeldern (wie den „Nicht 100 Prozent bekommen?“-Clip) und Zeitungsartikel über die Lage der Frauen sowie Bücher und Fernsehsendungen, in denen über die Statistiken gewettert wird und darüber, dass die Geschlechter darin so unterschiedlich abschneiden. Für die Medienbranche fordert der Verein ProQuote, unterstützt von öffentlichkeitswirksamen Gesichtern wie Anne Will, Ursula von der Leyen und Frauke Ludowig, dass 30 Prozent aller Führungspositionen mit Frauen besetzt werden sollen. Die Vertreter solcher Quoten wollen, dass Frauen massiv rekrutiert werden, um endlich paritätische aus scheinbar immer noch patriarchalischen Verhältnissen zu machen.

Es ist nicht so, dass ich mich von diesen Initiativen und von den Texten, die meistens von Frauen für oder zumindest über sie geschrieben sind, nicht angesprochen fühle, im Gegenteil. Es ist eher so, dass ich mich häufig zu laut angesprochen fühle, gedrängt, bestimmte Haltungen einzunehmen (zum Beispiel, dass Frauen Karriere machen müssen), meinen Freund auf eine bestimmte Weise zu behandeln (bloß nicht in Abhängigkeit von ihm geraten!), bestimmte Sätze über mich als Frau zu sagen („Wir Frauen müssen einfach viel mehr die Rampensau aus uns rausholen und auch mal die Ellenbogen ausfahren“) und über meine Arbeit oder das Leben insgesamt nur ja auf diese, aber nicht auf eine andere Weise zu denken. Sieht man allerdings genauer hin, so ist es nicht überzeugend, wie die Situation vor allem der Frauen, aber auch zwischen den Geschlechtern dargestellt wird: dass Frauen so flächendeckend von Diskriminierung betroffen sind, wie es immer wieder dargestellt wird – quasi als käme die Diskriminierung vom Düngeflugzeug aus, also ganz systematisch und unausweichlich – das ist eine Interpretation der Lage, die in den letzten Jahren im Mainstream durchgedrückt wurde, ohne dass entscheidende Fragen aufgeworfen worden wären.

Wo Diskriminierung draufsteht, ist nicht immer Diskriminierung drin

Dabei rede ich mir nicht einmal ein, dass die Geschichte der Geschlechterverhältnisse keine Nachwirkungen in unserer Gegenwart hätte. Es ist vielmehr so, dass ich Zweifel habe, ob es wirklich hilft, wenn wir so tun, als seien alle Frauen durch ein und dasselbe Schicksal zu einer homogenen Gruppe verbunden. Hinzu kommt, dass ich nicht glaube, dass überall, wo „Diskriminierung“ draufsteht, auch Diskriminierung drin ist.

Dieses Jahr war am 18. März Equal Pay Day. Ziel der Veranstaltung und der jedes Jahr mit mehr Nachdruck vorgebrachten Berichterstattung ist, im öffentlichen Bewusstsein zu verankern, wie viel Frauen, gemessen am manchmal sogenannten „vollen“, dem durchschnittlichen Männerlohn, unbezahlt arbeiten.

Wer es genau wissen will, muss die richtigen Zahlen vergleichen

In der Zeitung steht also, dass Frauen 21 Prozent weniger verdienen als Männer. Diese Zahlen geben Anlass, um in der Öffentlichkeit von Diskriminierung zu sprechen, oder auch, es als „beschämend“ zu bezeichnen, „dass in Deutschland, das so stolz ist auf seine Wirtschaftskraft, Frauen so schlecht bezahlt werden“ - wie Nordrhein-Westfalens Gesundheitsministerin Barbara Steffens einmal gesagt hat. Diese Darstellung scheint aber nur so lange naheliegend, wie nicht nach dem Zustandekommen der Zahlen gefragt wird.

Es ist wichtig zu verstehen, wie die Prozentzahl von 21 zustande kommt: Sie gibt den sogenannten „unbereinigten“ Lohnvergleich an. Das steht im Unterschied zum „bereinigten“ Lohnvergleich. Beide Vergleiche werden von Organisationen wie der OECD, dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung oder dem Statistischen Bundesamt durch den Vergleich der Bruttostundenlöhne von Frauen und Männern erstellt. Allerdings bildet der „unbereinigte“ Vergleich den Lohnunterschied zwischen arbeitenden Frauen und Männern insgesamt ab; wohingegen man von „bereinigten“ Lohnvergleichen erst dann spricht, wenn die Gegenüberstellung sich auf solche Gehälter bezieht, die an Frauen und Männer mit denselben Merkmalen, welche sich auf die Bezahlung auswirken können, gezahlt werden. Als „bereinigt“ gelten also erst Vergleiche der Bruttostundenlöhne von Frauen und Männern mit dem gleichen Bildungsniveau und der gleichen Berufserfahrung, im gleichen Job, in der gleichen Branche, mit der gleichen Stundenwoche und so weiter.

Frauen mit hohen Bildungsabschlüssen verdienen etwas mehr als Männer

Weil strittig ist, ab welchem Feinheitsgrad ein solcher Lohnvergleich „bereinigt“ genannt werden kann, vertreten manche Statistiker die Auffassung, es seien 6 Prozent, andere Studien errechneten 12 Prozent. Berechnungen der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e.V. aus dem Jahr 2010 – als der Gender Pay Gap sogar noch größer war – kamen sogar zu dem Schluss, dass in Deutschland zwischen jungen Männern und Frauen (25 bis 35 Jahre), die nur eine kurze Babypause machen, statistisch kein Gender Pay Gap nachweisbar sei. Es wurde außerdem ausgerechnet, dass in Bayern Frauen mit hohen Bildungsabschlüssen – statistisch gesehen – sogar einen leichten Lohnvorteil gegenüber Männern haben, und bei der Betrachtung der bayerischen Ballungszentren konnten die Lohnunterschiede vollständig auf Merkmale wie Teilzeitarbeit zurückgeführt werden – aber nicht auf Gruppendiskriminierung, das heißt: nicht auf die Diskriminierung von Frauen oder Männern, weil sie Frauen oder aber Männer sind.

Die 21 Prozent sind im Gegensatz dazu also herausgekommen, als man alle arbeitenden Frauen in Deutschland zusammen genommen, ihre Gehälter addiert und diese Summe auf den Lohn, den eine einzelne Frau pro Stunde im Durchschnitt verdient, umgerechnet hat: Dann bekommt die Durchschnittsfrau knapp ein Viertel – eigentlich ist es etwas mehr als ein Fünftel – weniger in der Stunde als der Durchschnittsmann. Dabei gibt es ein deutliches Gefälle zwischen West- und Ost-Deutschland: Im Westen ist der Durchschnittslohn von Frauen teilweise knapp ein Drittel niedriger als der der Männer (bis zu 27 Prozent in Baden-Württemberg), und im Osten liegt die Lohnlücke – und zwar die unbereinigte – seit einigen Jahren konstant in einstelligen Prozentbereichen (am niedrigsten in Mecklenburg-Vorpommern mit 5 Prozent).

Offenbar ist es also nicht zwangsläufig so, dass Frauen und Männer verschieden viel Einkommen haben. Man muss sich vielmehr ganz genau ansehen, welche anderen Gründe (jenseits von Geschlechtsunterschieden) das unterschiedliche Einkommen haben könnte. Weil hier das Reich von Kombination und Spekulation betreten wird, gibt es natürlich verschiedene Erklärungsmodelle. Meistens werden folgende Ursachen für die Lohnunterschiede angeboten:

1) Viele Frauen wählen schlecht bezahlte Jobs. Häufiger als Männer gehen Frauen in die eher schlecht bezahlten Branchen und das macht den größten Teil des Lohnunterschieds aus.

2) Pflege ist billig, Technik teuer. Dass Frauen die falschen Berufe wählen, kann man auch umformulieren: typische „Frauenberufe“ werden schlecht bezahlt oder als minderwertig betrachtet – weil sie historisch als „Hinzuverdienerjobs“ betrachtet werden oder als „wenn das eine Frau schafft, kann es ja nicht schwer sein“ oder auch, weil es häufig Tätigkeiten sind, die Frauen traditionell unentgeltlich verrichtet haben, zum Beispiel Kinderbetreuung oder, sagen wir, gegenseitige Haarpflege. Dass das so sein muss, ist alles andere als klar: Warum soll die körperliche Belastbarkeit, die auf dem Bau nötig ist, besser bezahlt werden als die Lärmbelastung in einer Grundschule? Warum soll man wenig Geld bekommen, wenn man was mit Menschen oder Kultur macht und dagegen richtig viel Zaster, wenn man was mit Kabeln oder Exceltabellen macht?

3) Top-Männer bekommen statistisch mehr Geld als Top-Frauen, und zwar je nach Quelle bis zu 30 Prozent. Bislang sind es meistens Männer, die auf den richtig gut bezahlten Führungspositionen sitzen, und die wenigen Frauen in Top-Positionen erhalten im Durchschnitt weniger Gewinnbeteiligungen und sonstige Prämien – zum Beispiel, weil sie durchschnittlich kleinere Betriebe oder solche in weniger finanzkräftigen Bereichen führen.

4) Frauen nehmen häufiger sowie längere Familienpausen vom Job. Das wirkt sich über die Pause hinaus negativ auf das Einkommen aus, denn durch jede Unterbrechung sinkt der Marktwert des Arbeitnehmers, der in seiner Abwesenheit den Anschluss in Form von Kontakten oder neuestem Wissen verliert.

5) Auf dem Arbeitsmarkt zählt nicht die Qualität der Arbeit, sondern die Quantität. „Karriere in Deutschland“, hat der Trendforscher Matthias Horx einmal geschrieben, „ist ein Wettbewerb um Anwesenheitszeiten, um kommunikative Präsenz. Wer führt, muss nach dem Acht-Stunden-Tag noch für Meetings und Absprachen an der Bar zur Verfügung stehen. Kann sein Wochenende vergessen. Muss immer erreichbar sein.“ Karrieren unterliegen also häufig einer eigentümlichen Zeitrechnung. Dazu gehört, dass, wer nur selten da ist, in der Regel auch nicht die Beförderung bekommt, die alle wollen – und meistens sind es Frauen, die nicht da sind: Nur 9 Prozent der Teilzeitbeschäftigten sind Männer, und auch Mutterschutz und Elternzeit führen häufig dazu, dass man langsamer vorankommt.

6) Oft arbeiten Frauen unter Wert. Nicht nur, dass zeitlich befristete Arbeitsstellen und Jobs mit Mindestlohn überwiegend mit Frauen besetzt sind. Laut einer Studie der Uni Hohenheim ist fast jede vierte Frau für ihre Stelle auch noch überqualifiziert. Die einen sagen: weil sie sich unklug verhalten, indem sie sich unter Wert verkaufen. Die anderen sagen: weil sie nur solche Jobs angeboten bekommen. Häufig steigen Frauen schon mit weniger Gehalt in den Job ein als männliche Berufsanfänger. Und zwar selbst dann, wenn sie in eher gut bezahlte Branchen gehen. Zu diesem Ergebnis kam die Non-profit-Organisation Catalyst Inc., die sich für Frauenförderung am Arbeitsplatz einsetzt und 2010 die Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage herausgab, die sie unter den Absolventen renommierter MBA-Programme durchgeführt hatte. Frauen steigen laut der Catalyst-Studie oft auf niedrigerem Level ein als Männer, sie sind öfter unzufrieden mit ihrem Chef und im Durchschnitt verdienen sie monatlich 380 US-Dollar weniger als ihre männlichen Kollegen. Besonders einschneidend wirken sich Kinder auf das Gehalt von Frauen aus: Nach einer Kinderpause nehmen Frauen häufig besonders niedrige Löhne an, um überhaupt wieder im Job Fuß zu fassen, wohingegen frischgebackene Väter ihr Arbeitspensum und damit auch ihre Karrierechancen steigern: Denn einer muss ja die Brötchen verdienen.

7) Schlechtere Teilzeitlöhne. Die Stundenlöhne in Teilzeitjobs, die, wie gesagt, in den meisten Fällen an Frauen gezahlt werden, sind, obwohl wissenschaftlich bewiesen ist, dass Teilzeitmitarbeiter meist besser organisiert und produktiver arbeiten, im Schnitt niedriger als Vollzeitstundenlöhne. Zwar sind Lohnabschläge für Teilzeit, also die gehaltsmäßige Herabstufung derselben Tätigkeit, nur weil sie weniger als 37 Stunden wöchentlich ausgeübt wird, gesetzlich verboten. Allerdings werden viele der gut bezahlten Jobs schlichtweg nicht in Teilzeit vergeben.

8) Die liebe Kollegin, der gerissene Kollege. In einer Harvard-Studie haben Chefs weibliche Jobbewerber, die hart um ihr Gehalt feilschten, nicht gemocht. Diese Bosse wollten Frauen lieber dann einstellen, wenn sie sich genügsam und bescheiden präsentiert hatten. Männliche Kandidaten wurden nicht schlecht eingeschätzt, wenn sie über Gehalt verhandelten.

9) Schwangerschaftsgefahr. Es gibt immer wieder Personaler, die mit unkenntlich gemachtem Namen in der Zeitung behaupten, dass eine Frau bis zu einem gewissen Alter in Jobverhandlungen häufig schon allein deshalb schlechte Karten hat, weil die Chefs sich sagen: Prinzipiell finden wir Arbeitnehmerinnen ja super, aber wenn überhaupt bekommt die den Job nur mit einem Lohnabzug fürs Frausein. Sorry, aber sie scheint gebärfähig zu sein, und auch wenn die jetzt ein qualifiziertes und hochmotiviertes Gesicht macht, ist uns die statistische Wahrscheinlichkeit einfach zu hoch, dass sie bald aussetzen muss, um sich um einen neugeborenen Schreihals zu kümmern und an weitere Schreihälse zu denken.

10) Nicht nur der Lohn zählt. Und noch andere sagen: Männern geht es häufig mehr um Geld und Karriereerfolg, Frauen um Zufriedenheit, angenehme Rahmenbedingungen und persönliche Identifikation mit ihrem Job. Die Catalyst-Studie etwa zeigte, dass Frauen häufiger als ihre männlichen Kollegen aus Unzufriedenheit insbesondere mit der Unternehmensleitung den Job wechseln, während jene eher für ein größeres Gehalt oder eine höhere Position in ein anderes Unternehmen gehen. Es gibt also mehr Frauen als Männer, die einen geringeren Lohn in Kauf nehmen, damit das „Drumherum“ stimmt.

11) Arbeitnehmer ist nicht gleich Arbeitnehmer. Eine wirkliche Bereinigung der Lohnlücke gibt es nicht. Keine zwei Arbeitnehmer sind identisch. Einfaches Beispiel: Nicht erhoben wird, wie viele Stunden die einzelnen Mitarbeiter wöchentlich am Arbeitsplatz verbringen – inklusive Überstunden. Dementsprechend gibt es sogar Vermutungen, dass Männer – die statistisch gesehen mehr Überstunden machen als Frauen – länger arbeiten, um denselben Lohn zu bekommen wie ihre Kolleginnen.

Fazit: Nur wer hinter die Zahlen blickt, sieht die Wahrheit

Tatsächlich ist also alles weniger eindeutig und auch weniger niederdrückend, wenn man sich klarmacht, was man über diese 21 Prozent eigentlich weiß und was man bedenken muss, um die Frage, wo die Diskriminierung anfängt, überhaupt sinnvoll stellen zu können.

Emanzipationsministerinnen und andere Experten äußern scheinbar vollkommen unbesorgt nur einen kleinen Teil der Wahrheit über diese Zahlen. Die Situation ist relativ komplex und trotzdem sagen sie bloß, dass Frauen immer noch 21 Prozent weniger für die gleiche Arbeit verdienen als Männer. Das klingt so, als würde beispielsweise Jana ein Viertel weniger Lohn bekommen als Jens, obwohl beide im letzten Herbst an derselben Gesamtschule als Lehrer angefangen haben. Es klingt auch so, als würde ich, wenn ich einen Schlips und einen Bart hätte, am Monatsende 21 Prozent mehr auf dem Konto haben – und als sei das bei meinen männlichen Kollegen längst der Fall. Das ist es, was ich meine, wenn ich sage, dass ich mich von der Debatte häufig unangemessen gedrängt, ja, auf eine perfide Weise unter Druck gesetzt fühle und mir mehr Gelassenheit und Differenzierung wünschen würde.

Die Frau im Video verkörpert eigentlich ein Balkendiagramm

Mit einem differenzierteren Blick kann man auch das Video anders ansehen, das die Europäische Kommission zum Thema Lohnungleichheit gedreht hat. Der kleine Film ist gut gemacht und nett anzusehen. Obwohl es um das schwere Thema „Diskriminierung“ geht, ist der Clip nicht sauertöpfisch oder bitter. Ziemlich siegesgewiss kommt der kurze Gleichstellungsfilm mit seinem spielerischen Humor daher. Botschaft: Und das soll nicht geändert werden? Und dazu macht die Frau gute Miene? Die statistische Lohnlücke, das ist der Konsens, muss weg; längst werden bestimmte Formulierungen der Menschenrechte zitiert, um die Dringlichkeit des Themas deutlich zu machen. Wenn man den Clip aber mit ein paar Überlegungen, wie die niedrigeren Gehälter von Frauen eigentlich zustande kommen, unterfüttert, dann bröckelt die Eindeutigkeit, mit der in Bezug auf den Gender Pay Gap von Diskriminierung gesprochen wird.

Zunächst einmal muss klar sein, dass die Frau in dem Video, obwohl sie aussieht, als könnte sie meine Nachbarin sein, nicht für irgendeine Frau aus Fleisch und Blut steht, die morgens für die Arbeit aufwacht, abends die letzten E-Mails schreibt und dazwischen ihr Leben einstielt. Die Frau, der im Clip so viel von ihrer Kaufkraft genommen wird, ist kein Individuum, sie steht nicht mal metaphorisch für eine von uns. Sondern sie verkörpert etwas Abstraktes, nämlich ein Balkendiagramm. Die Frau ist eine Statistik; sie steht für die Gesamtheit der Frauen in Europa, die man natürlich nicht in einem Frauenkörper unterbringen kann, ohne dabei alle, einzeln genommen, etwas falsch abzubilden: Diejenigen zum Beispiel, die gar nicht arbeiten gehen, oder diejenigen, die mehr verdienen als ihre männlichen Kollegen, müssten in der Videoclipwelt der Europäischen Kommission ein vollkommen anderes Einkaufserlebnis haben.

Schon bei der Frau, die man im Clip sieht, ist das Bild sehr verkürzt. Um die Story komplett zu machen, hätte man zum Beispiel zeigen müssen, dass die Frau, die ja hier statistisch präsentiert wird, typischerweise etwas wie Kunstgeschichte oder Kommunikation studiert hat. Im Anschluss hat sie wahrscheinlich als Projektleiterin in einem Jugendhaus gearbeitet und dann, nach der Pause anlässlich der ersten zwei Lebensjahre von ihrem Sohn Finn, ist sie auf eine 25-Stunden-Stelle gerückt. Es hätte auch gesagt werden müssen, dass sie nicht gerade mit der Brechstange verhandelt hat, als es um ihren ersten Vertrag ging, und schon gar nicht, als der zweite her musste.

Schlechte Bezahlung betrifft ganze Berufszweige

Natürlich gibt es Arbeitnehmer, die von handfester Diskriminierung betroffen sind. Diskriminierung ist verboten, das ist gut so, Diskriminierung gehört bestraft. Als Indiz für Diskriminierung gegen Frauen kann es etwa gewertet werden, wenn wichtige Beförderungen in einem Betrieb ständig an Männer vergeben werden, obwohl die Mehrheit der Belegschaft weiblich ist und sich erfolglos um Beförderungen bemüht. Auch wenn eine Stelle nicht geschlechtsneutral ausgeschrieben war und eine weibliche Bewerberin den Job als „Geschäftsführer“ dann nicht bekommt, gibt es Anlass zu der Vermutung, dass die Entscheidenden von Vornherein einen männlichen Mitarbeiter vor Augen hatten.

Um noch ein Beispiel zu nennen: Bei einem Vorstellungsgespräch wurde meine Schwester gefragt: "Und wenn Sie dann mal schwanger werden, was machen sie dann?“ – astreine Diskriminierung. Benachteiligungen aufgrund des Geschlechts sind verboten, so steht es im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz. Wenn eine Frau schlechtere Chancen hat oder weniger Lohn erhält als ein gleich qualifizierter männlicher Kollege im gleichen Job, kann sie ein juristisches Verfahren anstoßen und sich auf das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz berufen, um die Hölle aus ihrem Arbeitgeber herauszuklagen (oder wenigstens eine Entschädigung).

Es gibt also Diskriminierung – und es gibt das, was viele Menschen Diskriminierung nennen. Man könnte auch ganz einfach davon sprechen, dass mehr Frauen als Männer sich nicht den Erfolgsgesetzen des Jobmarkts, so wie er im Moment gestaltet ist, anpassen können – oder wollen. Dass es vielen Frauen beeindruckend wenige Schwierigkeiten bereitet, finanziell riskante Entscheidungen zu fällen, Entscheidungen also, mit denen sie später dann oft finanziell weniger gut dastehen als andere, und dass das auch mit Rollenbildern zu tun haben kann, scheint auf der Hand zu liegen. Aber ist das wirklich Diskriminierung?

Wie viel Diskriminierung ist es, wenn der eine Kinderpfleger wird und die andere Elektroingenieurin? Klar: Es kann von den Rollenbildern beeinflusst sein. Aber trotzdem könnten Frauen sich mehr Mühe geben, die Konturen dieser Bilder zu dehnen, und in lukrativere Branchen und Berufe vordringen, wenn sie wirklich so unzufrieden mit ihrer Stellung in der Gesellschaft – und das heißt wohl vor allem: mit ihrem Einkommen – sind. Denn es ist nicht so, dass Frauen auch dann ein Viertel weniger verdienen würden, wenn sie ebenfalls zum Werkzeugkasten griffen und Raketen reparierten – oder klarmachen würden, wie wichtig traditionelle oder heute sogenannte „Frauenarbeit“ für unsere Gesellschaft ist. Denn es sind nicht ausschließlich Frauen, die schlecht bezahlt werden, sondern massenhaft Mitarbeiter ganzer Branchen. Schlechte Bezahlung wird als Frauenproblem verhandelt, obwohl sie ganze Berufszweige betrifft.

In Wirklichkeit ist es genauso abhängig von politischen Vorlieben und Ansichten wie bei anderen Themen auch, wie die Lage der Frauen interpretiert wird. Es ist eine Frage der Perspektive: Man kann auch finden, dass Berlin – um ein anderes Beispiel heranzuziehen – voll ist mit armen Schluckern, die kein Büro haben, sondern nur einen Haufen Projekte und ein Laptop im Café – oder man kann diese Menschen „digitale Bohème“ nennen und eine neue Art der Selbstbestimmung darin sehen, wenn Menschen auf die Festanstellung pfeifen. Die 21 Prozent Lohnunterschied rundheraus als Diskriminierung zu bezeichnen – und nicht stattdessen zum Beispiel zu sagen, „nach wie vor verbringen Frauen statistisch mehr Zeit mit der Familie als Männer, und weniger Zeit am Arbeitsplatz“ –, erfordert jedenfalls so viel Deutung, Abkürzung und Vereinfachung wie sonst vielleicht nur die Blümchen-und-Bienchen-Aufklärung.

Man hat das diffuse Gefühl, vielleicht ein Opfer zu sein

Die Sprache der Statistiken ist eine Sprache der Tropen. Und es ist wichtig, das im Kopf zu behalten, denn es ist eine Sprache, die in der aktuellen Geschlechterdebatte ständig verwendet und dabei normativ funktionalisiert wird. Als Tropen bezeichnete man in der klassischen Rhetorik ein Verfahren, bei dem über das eigentlich Gemeinte „uneigentlich“, also mit nicht wörtlich passenden Ausdrücken gesprochen wird. Es ist eine Art Verschlüsselung.

Häufig wird dabei eine Größenverschiebung vorgenommen: Man sagt „Frauen“, zum Beispiel: „Frauen werden in Deutschland schlecht bezahlt“ – meint aber „viele Menschen, die in den sogenannten Frauenberufen arbeiten“ oder „manche Frauen“ oder „Menschen, die für Familienarbeit ihre Karriere drosseln“. Man zeigt eine Frau an der Supermarktkasse – meint aber ein Balkendiagramm. Eine Frau sagt: „Wir Frauen lieben es, Blumen geschenkt zu bekommen.“ Sie meint: Ich liebe es, Blumen geschenkt zu bekommen.

Es ist nicht notwendigerweise schlecht, dass die Geschlechterdebatte voll ist von Tropen. Es ist praktisch, weil durch dieses Verfahren die an sich ja ziemlich wirre Welt in sehr einfache und doch stark meinungshaltige Sätze zu bringen ist, jedenfalls versuchsweise. Das Reden in Tropen provoziert vielleicht auch Rückfragen und Gegeninterpretationen und ganz sicher ist es eine hilfreiche Strategie, um Dinge schön dramatisch klingen zu lassen und ihnen so die nötige Wucht zu verleihen, damit alle hinhören und möglichst schnell verstehen, was zu tun ist. Allerdings frage ich mich, bis zu welchem Grad wir uns bei dem ganzen Männer-Frauen-Gerede dessen noch bewusst sind.

Rhetorik gibt es nicht seit gestern, sondern seit der Antike; sie systematisiert und lehrt Techniken, mit denen Redner durch Sprache bestimmte Wirkungen und Reaktionen bei einem Publikum erzielen können. Rhetorik gehört zum politischen Tagesgeschäft, und die „Frauen!“-Rhetorik soll angeblich emanzipatorisch und progressiv sein. Sie soll die Frauen mobilisieren, ihnen Mut machen, sich Karrieren zu wünschen und gemeinsam Forderungen zu stellen.

Trotzdem denke ich manchmal, dass die Geschlechterdebatte uns mehr und anders über unser Geschlecht nachdenken lässt, als das gut ist. Man hat jetzt das diffuse Gefühl, vielleicht Opfer von Diskriminierung zu sein. Das hemmende Gefühl: Vielleicht sollte ich mich lieber in Acht nehmen, vielleicht lauern da Gefahren, die ich nur nicht sehe, vielleicht sind die ja alle gegen mich, diese Männer. Ich stelle mir eine Frau vor, die morgens mit einer Schale Milchkaffee am Küchentisch sitzt und missmutig in den beschissenen Hinterhof starrt, während das Radio in ihrem Kopf „This is a man’s world“ jault.

Frauen sind nur schlechter in Mathe, wenn man es ihnen vorher einredet

Wenn ich sage, dass das viele Nachdenken und Reden über Männer und Frauen aus dem Bereich der Lösungen in den der Probleme übergegangen sein könnte, dann meine ich, dass es eher Verunsicherung und Misstrauen anstatt Mut und Tatkraft verbreitet hat. Oder, anders gefragt: Welche Wirkungen hat die Geschlechterrhetorik wirklich? Aus der Psychologie kennt man das Phänomen des „stereotype threat“. Es besteht darin, dass Frauen genau dann, aber auch nur dann schlechtere Ergebnisse bei mathematischen Aufgaben erzielen als Männer, wenn man ihnen vorher sagt, dass sie eine natürliche Mathebehinderung hätten. Was für eine Wirkung, frage ich mich, hat es auf eine Vierzehnjährige, wenn sie hört: „Frauen verdienen in Deutschland ein Viertel weniger Lohn für gleiche Arbeit“? Ich denke, dass schon genug Missverständnisse entstanden sind aus den Weisen, wie wir derzeit über die Bevölkerung reden.

In einem feministischen Blog las ich neulich einen Text über den Gender Pay Gap. Die Autorin hatte ihren Text mit der bissigen Bemerkung eingeleitet, dass sie – sie schrieb wirklich „ich“ – bekanntlich ein Viertel weniger Gehalt bekomme als ihre männlichen Kollegen. Vielleicht dachte die Bloggerin tatsächlich, dass ihre männlichen Kollegen 21 Prozent mehr Lohn hatten; Vielleicht wollte sie sich nur die Mühe ersparen auszuformulieren, dass sie einen Begriff vom Frausein hatte, dem gemäß alle Exemplare dieser Gattung einander repräsentieren. Ich weiß nicht, ob es Wirkung war, ein Missverständnis der Tropensprache – oder nur selbst wiederum Rhetorik. Ich weiß aber, dass es, genau genommen, falsch war, und selbst wieder falsche Wirkungen erzeugt haben dürfte.

Der Ruf der Hausfrau wurde geschädigt – von Kapitalisten und Feministen

Die Art, wie über Gehaltsstatistiken gesprochen wird, impliziert ganz bestimmte Werte. Finanzielle. Folgt man der Logik der Lohnlückendiskussion, dann hat das beste Leben der, der am besten verdient, alle anderen werden diskriminiert. Bis zu einem gewissen Grad spiegelt das wahrscheinlich die Geldwünsche oder auch -nöte unserer Gesellschaft wider – aber es ist weder die einzig mögliche Lösung noch unbedingt gesellschaftlich sinnvoll, allen aufzutragen, nach stattlichen Verdiensten und dem Leben, das solchen Verdiensten vorausgehen muss, zu streben. Schließlich ist längst nicht gesagt, dass es eine reine Frauensache ist, auf Distanz zu den Verhaltensregeln des „entfesselten Kapitalismus“ zu leben, der derzeit herrscht.

Wir könnten auch sagen, dass das eine Position in der Gesellschaft ist, die wir unbedingt erhalten möchten: diese ironische Figur, die den Einzelnen einen individuellen Wert gibt, und nicht immer das Allgemeine im Blick hat. Vielleicht würden wir in der klassischen Frauenrolle viel mehr gesellschaftskritisches Potential sehen, wenn der Ruf der Hausfrau nicht so gründlich herabgezogen worden wäre, von Kapitalisten und auch von Feministen. Das gilt für Männer wie für Frauen gleichermaßen: Die Gesellschaft kann nur davon profitieren, wenn wir verschiedene Lebensentwürfe erlauben.

Entsprechend ist es auch längst nicht klar, dass es nur gut wäre, wenn Männer und Frauen in den Statistiken endlich genau gleich abschließen würden. Sympathischer ist mir die Formel, dass die Gesellschaft genau dann gut ist, wenn statistische Gleichheit zwar möglich, aber nicht notwendig oder erzwungen ist. Und falls aber die Statistiken doch ein Problem bergen, dann kann die Lösung nicht selbst wieder in den Statistiken liegen, das heißt, in der Hauruckernennung von so und so vielen Frauen zum Boss, bis eine bestimmte Prozentzahl erreicht ist. Denn an den Hintergründen der Zahlen wird sich dadurch nicht automatisch etwas ändern. Eher sind Änderungen an dem, was man „das System“ nennen könnte, nötig: zum Beispiel daran, dass Kinder in unserer Gesellschaft immer in die Peripherie gedrängt werden, also daran, dass viele Eltern den ganzen Tag weg sein müssen, um sie zu ernähren, und daran, dass Karrieren so früh im Leben beginnen müssen.

Der Gegensatz zu einer echten Veränderung, erstmal dafür zu sorgen, dass die Statistiken sich angleichen – zum Beispiel durch Quoten –, ist eine Strategie, die an eine Szene aus „The Big Bang Theory“ erinnert: Das nette Girl Penny will den halb-autistischen Sheldon dazu überreden, sich einen neuen Anzug zu kaufen. Sie sagt: „Weißt du, manchmal, wenn ich total gestresst bin, gehe ich einfach einkaufen und hole mir ein hübsches Top oder einen coolen Rock und dann sehe ich das Leben wieder ganz anders.“ Sheldon sagt: „Fällt dir dann letztlich nicht auf, dass du immer noch die gleiche gestresste Person in einem süßen Top oder einem coolen Rock bist?“ Sie sagt: „Jap, dann kaufe ich Schuhe.“ Eins sollte klar sein: Dass die Strategie nicht aufgeht, liegt nicht einfach daran, dass der Schuhverkäufer von den Schuhen die Hälfte absäbelt.


Dieser Essay ist im Buch „Tussikratie“ von Friederike Knüpling und Theresa Bäuerlein erschienen. Wir haben ihn für Krautreporter leicht bearbeitet. Redaktion: Theresa Bäuerlein; Bildredaktion: Martin Gommel; Produktion: Vera Fröhlich