Das eigenartige Wesen der Raketenwissenschaft

Das eigenartige Wesen der Raketenwissenschaft

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Als die US-Firma Orbital Sciences Ende Oktober eine Rakete ins All schicken wollte, die allerdings explodierte, wurde diese Rakete von sowjetischen Triebwerken in den Himmel gehoben. Also von Triebwerken, die nicht nur in der Sowjetunion entworfen, sondern dort auch in den 1960er Jahren gebaut wurden.

Vor sechs Jahren beschloss die Europäische Raumfahrtagentur einstimmig, ihre Ariane-5-Rakete von Grund auf zu modernisieren. Ariane ME sollte die neue Rakete heißen, die 2017 abheben sollte, aber nach derzeitigem Stand niemals starten wird. Die Europäer wollen nun lieber Teile aus drei verschiedenen Raketentypen zusammenschrauben.

Und als der Deutsche Lutz Thilo Kayser seine im Auftrag der Bundesregierung entwickelte Rakete 1977 im damaligen Zaire testete, argwöhnte nicht nur die SED-Parteizeitung Neues Deutschland, dass dahinter ein geheimes Cruise-Missile-Programm der BRD stecke.

Ihr merkt schon: Das Geschäft mit Raketen ist kein alltägliches. Und deswegen ist es sehr interessant. Zusammen mit der Krautreporter-Gemeinschaft würde ich es gern aufdröseln, würde gerne die Eigenheiten, Strukturen und Akteure finden und beschreiben, nicht zum Selbstzweck, sondern weil am 2. Dezember der ESA-Ministerrat über die neuen europäischen Raketen entscheidet - und weil ich Lutz Thilo Kayser gewinnen konnte, sich unseren Fragen zu stellen.

Der 75-Jährige hat ein Leben, das Ihr aufregend nennen könnt, wenn Ihr zu Untertreibungen neigt. Da ich nicht vorgreifen will, nur ein paar Stichworte. 1939 in Stuttgart geboren, an der Universität Stuttgart den ersten Prüfstand für Flüssigraketen in der BRD eingerichtet, Zaires Diktator Mobuto überzeugt, ihm eine Testfläche von der Größe der DDR zur Verfügung zu stellen, Zusammenarbeit mit Wernher von Braun, heute wohnhaft auf den Marshall Inseln und Berater der US-Firma Interorbital Systems. Seine Raketentechnik nennt er einen „Game Changer“, eine Technik, die das Geschäft revolutionieren kann.

Lutz Thilo Kayser entwickelte vor 40 Jahren Raketen, die auch heute noch die ganze Industrie umkrempeln sollen.

Image caption: Lutz Thilo Kayser entwickelte vor 40 Jahren Raketen, die auch heute noch die ganze Industrie umkrempeln sollen.

Copyright: Foto: privat

Lasst uns experimentieren!

Als ich ihn um eine Skype-Interview bat, antwortete er mir:

Seiner Bitte folge ich gerne, weil es uns ein kleines Experiment ermöglicht, eine andere Form der Krautrecherche. Wer die „Ask-Me-Anything“-Sektion der Homepage Reddit kennt, weiß ungefähr, wie ich mir das Interview mit Kayser vorstelle. Ich würde gerne zusammen mit euch

Für Krautreporter-Mitglieder habe ich eine Facebook-Gruppe eingerichtet, die uns zum Austausch dienen soll. Darin veröffentliche ich die bisherigen E-Mails, die Kayser und ich uns geschrieben haben. Außerdem beschreibe ich, wie ich mir das weitere Vorgehen vorstelle. Den Link dazu findet Ihr in den Anmerkungen rechts und im ersten Kommentar unten. Herzlich willkommen!

Aus dieser Facebook-Gruppe werde ich einzelne Fotos, Videos, Hinweise übernehmen und in diesem Beitrag veröffentlichen und so für alle zugänglich machen. Außerdem werde ich eine Woche lang jeden Tag Lutz Thilo Kayser eine E-Mail mit unseren Fragen schicken. Er hat versprochen, sofort zu antworten. Die Antworten werde ich täglich hier posten. Das Interview soll bis zum 3. Dezember gehen, damit wir Zeit haben, die ESA-Entscheidung einzuordnen.

Aber alle Interessenten können sich in einen E-Mail-Verteiler eintragen. Dort werde ich über neue Updates informieren und die wichtigsten Entwicklungen zusammentragen.

Der E-Mail-Verteiler: Raketen-AG.


Foto: Nasa/Flickr (CC BY 2.O)


Die ersten Fragen an Lutz Thilo Kayser

Nun genug der Vorrede. Ich hatte Lutz Thilo Kayser schon ein paar Fragen geschickt, die ich nummeriere, um spätere Referenzen zu vereinfachen:

24.11. Montag - 7 Tage bis zur Entscheidung des ESA-Ministerrat

1. Diese E-Mail erreicht Sie auf den Marshall-Inseln. Ich bin ehrlich: Ich musste erst nachschauen, wo genau diese Inseln liegen. Auf halbem Wege zwischen Papua-Neuguinea und Hawaii. Was könnte einen Raketenbauer wie Sie denn dorthin verschlagen?

2. Sie wissen, dass der Volksmund gerne sagt „Das ist keine Raketenwissenschaft“, um etwas zu bezeichnen, das einfach zu verstehen ist. Heißt das im Umkehrschluss, dass die Raketenwissenschaft besonders kompliziert ist?

3. Wann und wo haben Sie ihre erste Rakete gebaut?

4. Wie kam es dazu?

5. Auf der Homepage von Interorbital werden Sie ein „Protegé von Wernher von Braun während des Apollo-Programms“ genannt. Es gibt nur wenige Namen, die die Deutschen so stark mit der Raumfahrt verbinden. Daher muss ich einfach nach ihm fragen. Woran haben Sie mit von Braun gearbeitet?

6. Wenn Sie nur 30 Sekunden Zeit hätten, mir Ihr Raketenkonzept vorzustellen und zu verkaufen, was würden Sie mir sagen?


25. November. 21.07 Uhr

Er ist ungeduldig... ;)

Image caption: Er ist ungeduldig... ;)


27. November, 14:56 Uhr

Kaysers Antworten zur Raketentechnik

In der Raketen-AG erarbeiten wir Fragen (Link in den Anmerkungen). Ein Schwerpunkt ist die Technik, die Kayser einsetzt. Er hat geantwortet.

7. Die Stufentechnologie ermöglicht es, unterschiedliche Antriebsarten zu verwenden, die in der jeweiligen Umgebung am effizientesten arbeiten. Zudem kann man im Laufe des Fluges Masse los werden. Wie wiegt Ihre Technologie diese Vorteile auf?

Die Raketengrundgleichung von Ziolkovsky verlangt, die Stufentechnologie um die Orbitalgeschwindigkeit von 8 km/sec zu erreichen. Z.B. 1.Stufe 200 to, 2.Stufe 32 to. Das wird bisher mit großen Triebwerken in der 1. Stufe und kleinen in der 2.Stufe und oft auch noch mit verschiedenen Treibstoffen unnoetigerweise kompliziert. In der Kayser-Stufung werden stattdessen 100 Antriebsmodule mit je 2 to in der 1.Stufe und in der 2.Stufe 16 Module mit je 2 to parallel gebuendelt. Diese Technologie erlaubt Massenfertigung, hoehere Zuverlaessigkeit, billigere Montage am Startplatz und groesseren Nutzlastdurchmesser. Alles Vorteile gegenueber der bisherigen Baumethode.

8. Fliegen Ihre Raketen höher, schneller, weiter - oder sind diese einfach nur billiger?

Weder hoeher noch schneller noch weiter: nur billiger. Bisher verschlang man Kaviar und Sekt auf Staatskosten, obwohl man doch auch mit Bratwurst und Bier satt wird.

9. Wo sind die Schwachstellen Ihrer Entwicklung?

Von 1960 bis 1975 schien das Raketentriebwerk eine schier unueberwindliche Schwachstelle. Die billigste Treibstoffkombination Salpetersaure und Dieseloel benoetigte ueber 10 Tausend Brennversuche, um endlich eine stabile Verbrennung bei 99% Wirkungsgrad zu erreichen. Die Fachwelt hat bis heute nicht verstanden wie wir das damals erreicht haben. Die 2. Schwachstelle war die Flugerpobung, die ja in Deutschland nicht moeglich ist. Zentralafrika und die Sahara waren zwar technisch ideal, fuehrten aber zu politischen Meinungsverschiedenheiten. Mit abgeschlossenen Flugtests ist dieses Problem auch geloest. Es gibt nun keine weiteren Schwachstellen mehr.

10. Wenn ich mehrere Raketen bündele, müsste deren Fläche doch größer sein. Wie gehen Sie mit dem höheren Luftwiderstand um?

Der Luftwiderstand steigt mit dem Quadrat des Durchmessers (Querschnittsflaeche). Schub und Masse der Rakete steigen mit dem Kubus des Durchmessers (Volumen). Je schwerer eine Rakete ist desto kleiner wird also der anteilige Verlust durch Luftwiderstand. Eine kleine Hoehenrakete mit 1000 kg Masse hat einen Verlust von etwa 10%, aber eine grosse Satellitentraegerrakete mit 200 to hat nur einen Verlust von weniger als 1 %. Es ist also unerheblich.

11. Wie viele Tests mit gebündelten Raketen haben Sie gemacht?

10 statische Pruefstandtests bei der DLR Lampoldshausen und 5 suborbitale Flugtests in Zaire und Libyen.

12. Hand aufs Herz: Reichen diese Tests aus, um Ihre Technik als Game Changer zu beschreiben?

Diese Tests reichen aus um diese Technik fuer produktionsreif zu erklaeren Sie ist potentiell disruptiv. Als Game Changer wird sie sich erst erweisen, wenn sie sich am Markt fuer Staellitentraeger eingefuhrt und durchgesetzt hat. Um eine Analogie zu nennen: Apple's LISA war ein Flop; erst IBM's PC war der Game Changer, weil INTEL's IC and Massenfertigung den niedrigen Preis ermoeglichten. Trotzdem hatte Steve Jobs als erster recht.


27. November, 15.44 Uhr

Reaktion auf das obige Update:

Dieser Hinweis ist richtig spannend. Denn das steht in der Filmbeschreibung:

Quelle: Moviepilot

Ich werde mal nach dem Film schauen und auch Herrn Kayser nach diesen Fallschirmjäger fragen. Und vielleicht lebt Herr Aschenbrenner ja noch.


Foto: Die Kayser-Technik auf dem Prüfstand in Lampoldshausen

Copyright: DLR

Quelle: DLR - Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt


28. November, 14.12 Uhr

Kayser erklärt, wo seine Technik eingesetzt wird und von wem

Zunächst beginnen wir aber noch mit zwei technischen Nachfragen, die einige Leser hatten. (Wir koordinieren uns via Google und Facebook; Links in den Anmerkungen=

13. Gibt es Probleme bei der Schubsteuerung bzw. dem Ausbalancieren des Schubes über die gebündelten Triebwerke hinweg und dessen Auswirkungen auf die strukturelle Integrität? Sind die Ergebnisse Ihrer Tests überhaupt noch aktuell?

Der Nominalschub der einzelnen Antriebsmodule ist 2000 N+- 1 %. Je mehr Triebwerke gebuendelt werden desto geringer sind die Abweichungen des Schubvektors. Zur Lageregelung werden jeweils aussenliegende Triebwerke schubgedrosselt, das spart die teure Schwenkung. Die strukturelle Integritaet ist davon nicht betroffen. Die Frage nach der Aktualitaet der Tests ist mir unverstaendlich weil Tests nicht veralten.

14. Auf den Marshall-Inseln gibt es die Kwajalein-Testanlage. Nutzen Sie diese?

Kwajalein dient ausschliesslich der US Army fuer ballistische anti-Raketen Raketen tests und is off limits fuer kommerzielle Anwendungen.

15. Werben Sie aktiv für ihre Technologie? Wenn ja, wo und wie?

Geworben habe ich notwendigerweise fuer die Finanzierung der OTRAG 1977- 1981.

Es ist schwer fuer eine Raketentechnologie zu werben wie z. b. Waschmittel, denn Verbraucher ist immer staatlich. Vielleicht bin ich auch nicht der richtige Werbungsexperte hierfuer. Hat jemand eine gute Idee?

16. Gab es schon einmal konkretes Interesse von Esa, Nasa oder anderen Raumfahrtagenturen?

Ich habe zwar schon als Student Raketentriebwerke an die US AF fuer Satellitenkontrolle und Wiedereintrittskoerper verkauft. NASA hat meine Forschungsberichte ins Englische uebersetzt. Aber bezueglich der Anwendung fuer die Reduzierung der Satellitentransportkosten auf ein Zehntel steckten alle genannten staatlichen Organisationen den Kopf in den Sand weil die herkoemmliche Raumfahrtindustrie wild dagegen kaempfte. Dieses Problem koennte nur durch private Finanzierung geloest werden.

17. Wenn ich das richtig verstehe, sind die Neptun-Raketen der Firma Interorbital die einzigen zur Zeit aktiv genutzten. Welche Rolle spielen Sie bei dieser Firma?

Die Interorbital Systems nutzt mit meiner kostenlosen Beratung das Modulkonzept (CPM) mit Erfolg. IOS kann dies nur tun, weil voellig privat finanziert.

18. Wie laufen die Geschäfte?

Finanzielle Einzelheiten ueber IOS sind mir nicht bekannt. Randa Milliron [CEO von IOS - Anmerkung von R.G.] wird Ihnen darueber gerne Auskunft geben. Soweit ich gehoert habe, hat IOS sogar schon Astronauten Fluege verkauft.

19. Warum scheinen vor allem nur Universitäts-Teams diese Neptun-Raketen zu testen?

Der Mitflug fuer Nano- und Picosatelliten ist sehr preiswert und daher vor allem von Universitaeten genutzt.

20. Die Falcon Heavy von Space X bündelt drei Falcon 9 Stufen. Sehen sie in diesem Ansatz eine Kopie ihrer Technologie?

Dies ist nur ein kleiner Schritt zur Pararellstufung, der aber schon vor mir von Titan III und den Soviets genutzt wurde. In diesem Zusammenhang muss gesagt werden, dass SpaceX keinesfalls privat finanziert sondern aufgrund milder Wahlkampfspenden von 100 Millionen Dollar mit NASA Milliarden ueberschuettet wurde. Im uebrigen ist die SpaceX Technologie (Pumpentriebwerke, Titan, Lithium) voellig ungeeignet die Kosten zu verringern. Bemuehungen zur Wiederverwendung werden im selben Kostenfiasko wie das Spaceshuttle enden. Die derzeitig etwas billigeren Satellitenstarts sind NASA subventioniert, was aber nicht den WTO-Vertraegen widerspricht. Die vorgetaeuschte Angst der ESA vor SpaceX dient ausschliesslich dazu, dem Steuerzahler neue Milliarden fuer Ariane 6 aus der Tasche zu ziehen.

21. Noch eine etwas persönlichere Frage: Wie muss man sich denn einen durchschnittlichen Tag von Ihnen vorstellen?

Vormittags 2 Stunden Detailkonstruktion, nachmittags 2 Stunden physikalische Forschung, (Atommodelle, Gravitation, und Kosmologie). Dazwischen pflege ich meine Gesundheit durch Gartenarbeit und schwimmen im Jungbrunnen meiner Frau. [einem Urlaubsressort – Anm. RG]

22. Haben Sie etwa eine Werkstatt dort, wo Sie wohnen?

Leider nicht, haette ich aber gerne.


28. November, 14.39 Uhr

Eine Zeugenaussage von einem Fremdenlegionär aus Deutschland, der mit und für Kayser gearbeitet hat

Dank Dieter W. (siehe Tweets oben) haben wir herausgefunden, dass Günther Aschenbrenner tatsächlich bei der Otrag gearbeitet hat. Dieter hat uns die Dokumentation „Warheads“ von Romuald Karmakar sowie die passende Stelle herausgesucht:

Und KR-Mitglied Peter hat das Video transkribiert. Danke!

Es sind ein paar bemerkenswerte Stellen dabei. Etwa, wie er beschreibt, dass die Otrag im Kongo alle Rechte inne hatte, inklusive der Polizeigewalt. Oder Aschenbrenner Gaddafi als „Chef“ lobt.


29. November 2014 - 14.40 Uhr

Kayser über die Anfänge seiner Firma Otrag, ihre Finanzierung und Aktivitäte in Zaire, Libyen

23. Wann haben Sie die Otrag gegründet?

1976 nach erfolgreichem Abschluss der Entwicklungsarbeiten (zusammen mit der DLR Lampoldshausen) im Auftrag der Bundesministeriums fuer Forschung und Technologie. Das Kanzleramt hatte sich fuer die franzoesische Ariane entschieden und die Weiterfoerderung der Billig-Technologie gestoppt.

24. Warum haben Sie sie gegründet?

OTRAG wurde zur privatwirtschaftlichen Finanzierung der Serienproduktion und Flugerpobung meiner modularen Traegerraketentechnik gegruendet. Die OTR Aktiengesellschaft machte die Arbeit und die angeschlossene OTRAG Stille Gesellschaft finanzierte.

25. Wie viele Menschen haben für sie gearbeitet?

50 direkt und etwa weitere 50 bei Unterauftragnehmern (Tankfertigung, Lenksystem, etc). Spaeter waeren es 1000 geworden. Im Gegensatz zu mehr als 12000 fuer die ARIANE 5 Fertigung. Das ist sehr wichtig, weil es die einfache Massenfertigung meiner modularen Technologie erlaubt, die Lohnkosten von 90% auf 20% zu senken. Dies war von Anfang an das entscheidende Optimierungskriterium.

26. Welchen (beruflichen) Hintergrund hatten ihre Mitarbeiter?

20% Raumfahrtingenieure und Physiker

20% HTL Ingenieure und Techniker

30% Mechaniker einschliesslich Meister

20% angelernte Mechaniker

10% Administration

27. Haben Sie noch Kontakt zu Kollegen von damals? Kann man die sprechen?

Ueber die Haelfte sind verstorben oder schon in Zaire umgekommen.

Ich habe keinen direkten Kontakt mehr, weil die meisten nach 1982 mit Foerdung des deutschen Geheimdienstes vom libyschen Militaer abgeworben wurden und dann fuer Waffenentwicklung arbeiteten.

28. Wie haben Sie die Otrag-Aktivitäten finanziert?

Durch 1500 private Stille Gesellschafter, die insgesamt 150 Mio D-Mark einzahlten.

Diese Form erlaubte nach dem deutschen Steuergesetz die Forschungs- und Entwicklungskosten, die ja abgeschrieben werden muessen, auf die Stillen Gesellschafter zu uebertragen. Letztere konnten ihre Beteiligungen mit ihren sonstigen Einkuenften verrechnen und haetten in der Zukunft eine 80%ige Gewinnbeteiligung am lukrativen Traegerschaeft genossen.

29. Wofür haben Sie dieses Geld ausgegeben?

Ferigung in Deutschland, Infrastuktur von Startanlagen in Zaire und Libyen und Flugtestoperationen. Nach dem Exportverbot von Kanzler Schmidt Aufbau von Fertigungsanlagen in Libyen fuer die 15 Flugerpobungen. Alle Investitionen von 50 Mio DM wurden 1983, nachdem sie meine Mitarbeiter angeworben hatten, vom libyschen Militaer beschlagnahmt und gegen meinen Willen verwendet. Ohne meine Hilfe endete dies nach ein paar Jahren im Sande.

Die letzten Millionen musste die OTRAG verwenden, um sich gegen die Machenschaften von Kanzler Schmidt und Genscher zu verteidigen. Breschniev, Antropov, Honecker, Nixon und d'Estaing hatten Druck wegen der OTRAG gemacht. Schmidt erreichte beim Bundesfinanzhof die Aufloesung der OTRAG Stille Gesellschaft wegen „fehlender Gewinnerzielungsabsicht“.

Eine Ironie politischer Korruption und ein Exempel wie in Deutschland Neues unterdrueckt wird, um immer allen fremden Einfluessen gerecht zu werden. So wird es auch am 2.Dezember beim Umfall wegen neuer Ariane-Milliarden geschehen. Es waere an der Zeit Kanzlerin oder die zustaendige Staatssekretarin Zypris oder wenigstens ein paar Abgeordnete aufmerksam zu machen. Vielleicht hat jemand aus der Raketen AG Zugang?


Dass jemand aus der Raketen AG Zugang hat, bezweifele ich. Aber Zugang zur Raketen-AG gibt es in den Anmerkungen.


29. November 2014, 14.49 Uhr

Wernher von Braun, „Der Raketenmann“ (ZDF-Doku)

KR-Mitglied Soenke hat diese Doku in den Anmerkungen empfohlen:


30. November 2014 - 18.19 Uhr

Zeitgenössische, kritische Stimme zu Kaysers Technik

Aus einem Spiegel-Artikel von 1975:

Wer eine aktuellere kritische Diskussion von Kaysers Raketentechnik lesen will, sollte sich diesen Thread im Raumfahrer-Forum anschauen. Oder den detaillierten Überblick von Bernd Leitenberger. Seiner Meinung nach hätte Kaysers Technik den entscheidenden Vorteil, billig zu sein. Aber sie wurde nie ausführlich genug getestet, um zu einem abschließenden Urteil zu kommen.


1. Dezember 2014, 21.14 Uhr

Kayser über die ESA- und Nasa-Entscheidungen

30. Sie sprechen im Zusammenhang mit der anstehenden ESA-Ministerratssitzung immer von einem “Umfallen der Deutschen”. Wie meinen Sie das?

Der deutsche Steuerzahler hat Milliarden in die Ariane 4 gesteckt. Die war den Franzosen dann ploetzlich nicht mehr gut genug. Daher mussten weitere Miliarden fuer die Ariane 5 her. Jetzt wird die aber ploetzlich fuer zu teuer gehalten und die Franzosen bestehen auf einer Ariane 6, die noch teurer werden wird. Die deutsche Seite hat seit Jahren an einer Verbesserung der Ariane 5 gearbeitet und dafuer eine weitere Milliarde aufgewendet. Diese sinnvolle Arbeit wird nun gestoppt. Das nenne ich Umfallen der Deutschen. Anstatt ein bestehendes verbesserungsbeduerftiges Produkt stetig zu verbessern wird leichtsinnig eine neues begonnen. Die Politiker lassen sich uebertoelpeln und der Steuerzahler muss blechen.

31. Die ESA hat etwa 2013 eine britische Triebwerks-Technik auf ihre Machbarkeit geprüft. Damit soll es möglich sein, mehrmals ins All zu fliegen. In der Pressemitteilung heißt es: “Nobody else has this technology, so Europe has a real technological lead here.” Trotzdem setzt sie weiter auf die nicht wiederverwendbaren Ariane-Raketen. Aus Ihrer Sicht: Warum investiert die Esa nicht stärker in neue Technologien?

Leider ist ist der sogenannte SKYLON Vorschlag nicht durchfuerbar. Rein rechnerisch ist eine einstufiger wiederverwendbarer Orbitaltransporter nicht moeglich. SKYLON spricht von einem luftatmenden Raketenantrieb maerchenhafter Leistung, der aber „geheimgehalten“ wird. NASA hat in verschiedene aehnliche Versuche Milliarden gesteckt (z.B Venture Star, Lockheed) und wieder ausgegeben. Es waere so schoen, aber es geht einfach nicht. Auch eine Wiederverwendung der ersten Stufe von mehrstufigen Raketen ist kostenmaessig zweifelhaft. SpaceX erhaelt von der NASA fuer solche Versuche derzeit viel Geld. Es ist letzlich dasselbe Problem wie bei Coca-Cola Flaschen. Einsammeln, Ruecktransport, Waschen, Pruefen kosten weit mehr als die Massenfertigung der Einmalbuechse. Wir haben dies 1972-1973 in den ausfuehrlichsten Kostenoptimierungsstudien fuer das Bundesministerium fuer Forschung und Technologie nachgewiesen. Und das einschliesslich des damals entwickelten Space-Shuttle; technologische interessant und schoen fuer die Raumfahrtindustrie aber kommerzieller Unfug.

32. Der Markt an privaten Raumfahrtunternehmen wächst, welche Konzepte sind besonders vielversprechend und stehen damit in Konkurrenz zu Ihrem System?

Leider hat keines der privaten Raumfahrtunternehmen eine kostenoptimierte Raketentechnik. Die erfordert jahrzehntelange Entwicklung. Alle stuerzen sich daher auf NASA Millarden (Antares allein 1.9 Mrd.US$) . Von privater Finanzierung ist da nur die unwahre Rede. Bransons suborbitales Abenteuer ist die Ausnahme, verwendet aber einen hoffnungslosen Antrieb (hybrid) und eine falsche Aerodynamik. Selbst Indien und China mit ihren niedrigen Lohnkosten setzen auf teure pumpengefoerderte Technologie. Weit und breit ist keine Konkurrenz zur CPM Methode (Common Propulsion Module) zu sehen. (Mit Ausnahme die kleinen Anfangs von IOS Neptun)

33. Die Otrag hat ihre selbstgesteckten Ziele nicht erreicht. Bei den anderen privaten Raumfahrtunternehmen gibt es auch Probleme wie der Fehlstart bei Orbital Sciences oder das Unglück bei Virgin zeigten. Sie sind sehr kritisch gegenüber den staatlichen Raumfahrtagenturen, aber, wenn man auf die Ergebnisse schaut, haben Nasa & Co deutlich mehr geleistet als die privaten. Kann es sein, dass der Staat einfach nötig ist für die Raumfahrt?

Die Otrag hat die Erprobung bis zur Fertigungsreife erfolgreich abgeschlossen. Durch illegale Kabinettsverordnung hat Kanzler Schmidt die Otrag verboten. Wir waren im noch besetzten Deutschland zu frueh dran und die privaten deutschen Investoren wurden geschaedigt. NASA enwickelt selbst nicht, sondern verteilt Steuergelder an Firmen. Insofern ist der Staat wichtig fuer die Einfuehrung neuer Technologien. Aber Fehlentscheidungen wie Space-Shuttle oder Ariane 5 blockieren die kostenoptimale Entwicklung fuer Jahrzehnte. Wuerde VW so handeln, dann kaeme bald die Pleite.

Beides ist falsch: Sowohl das Verbot der Otrag Technologie als auch die jahrzehntelange Dauerfoerdung falscher Technologien. Aber welcher Politiker ist in der Lage die scheinbar komplizierte Raketentechnik zu durchschauen. Kennedy war der erste und einzige.

34. Wären Sie immer noch so ESA-kritisch, wenn ihre Raketen in den europäischen Ländern gebaut werden würde?

Ich bin nicht generell ESA kritisch. Nachdem mein Gutachten die Europa I Rakete gestoppt und die ELDO durch ESA ersetzt wurde, gab es Hoffnungsschimmer. Aber durch stetiges „Umfallen der Deutschen“ hat ESA Deutschland zum ewigen Unterauftragnehmer fuer ehrgeizige aber of unsinnige franzoesische Konstruktionen gemacht. Vielleicht wird der neue ESA Generaldirektor ab 1.Januar 2015 auch einmal Ausschreibungen fuer kostenoptimale Raketentechnik bringen. Dann waere ich nicht mehr so ESA kritisch. Ohne neue Wege ist die europaeische Raumfahrtzukunft gefaehrdet.


Der Otrag-Prospekt aus den 1970er Jahren

Hier könnt ihr euch den Prospekt anschauen. Darin finden sich u.a. spektakuläre Bilder der Startfläche im Kongo.


6. Dezember 2012, 04.32 Uhr

Kayser über den Beginn der Otrag - Antworten von 04.12.2014

35. Nachdem die Förderung durch die Bundesregierung auslief, haben sie das Modell einer Abschreibungsgesellschaft gewählt. Warum?

Das ist jeweils wegen der rechtlichen Finanzierung geschehen. Zuerst war fuer die Arbeitsgemeinschaft fuer Raketentechnik und Raumfahrt an der Universitaet Stuttgart e.V. (AGRR) das Wirtschaftsministerium Baden-Wuerttemberg sehr foerderlich mit kleinen Forschungs- und Beratungsauftraegen. Hierfuer habe ich auch Lampoldshausen als zentralen Raketenprufstand oertlich ausgewaehlt und Wolfgang Pilz aus Vernon, Frankreich, angeworben.

Nach Abschluss meines Studiums der Luft- und Raumfahfrtechnik musste ich die Technologieforschung GMbH gruenden, weil der Bund wegen der Kulturhoheit der Laender der AGRR keine Auftraege geben durfte. Da machte ich das Gutachten ueber die EUROPA I Explosionen. http://www.academia.edu/9182857/DesignReviewEUROPA1SatelliteLauncher1970declassified2014_

Vor allem aber die Durchfuehrbarkeitsstudie mit Entwicklung der Billigraketentechnik gemeinsam mit der DFVLR (heute DLR) 1971 bis 1972. Nach dem erfolgreichen Abschluss stoppte der Bund die Arbeiten aufgrund der Einsprueche der aengstlichen Konkurrenz, vor allem Boelkow (MBB).

Um eine privatwirtschaftliche Finanzierung zu ermoeglichen, gruendete ich dann 1975 die OTRAG und ORTAG Stille Gesellschaft, der ich meine gesamten Erfindungen und Patente verkaufte.

36. Wenn wir in die Datenbank des Bundesforschungsministerium schauen und alle Bewilligungen, die der Technologieforschungs GmbH zu Gute kamen, kommen wir nicht auf die Summe von 3,7 Millionen Mark. Können Sie diese Diskrepanz erklären? Wie viel haben Sie bekommen?

Dies Zahl ist schon richtig. Hinzu kamen noch die Mittel der DFVLR Lampoldshausen fuer die Brennversuche mit meinen Raketentriebwerken (mehrere tausend), deren Hoehe ich nicht genau kenne

37. Im Spiegel steht, dass sie sich 4 Millionen aus der Otrag selbst auszahlten. Ist das korrekt?

Das ist jaehrlich fuer 3 Jahre korrekt. Nach der Aufloesung der OTRAG Stille Gesellschaft durch den Bund habe ich davon 9 Millionen DM an OTRAG zurueckgegeben um einen Start in Kiruna zu ermoeglichen. Der Rest wurde fuer Miete eines Learjets verwendet, der logistisch zwischen Zaire und Libyen notwendig war fuer meine Mitarbeiter und mich.

38. War die Summe gerechtfertigt in ihrer Höhe?

Ja

39. Ein Reporter, der sie etwas länger begleitet hat, sagt, dass sie „auf großem Fuß“ gelebt hätten. In der Rückschau: Hätten Sie mehr Geld in der AG lassen sollen?

Das war neidisches SPIEGEL Geschwaetz wie alles was aus der Stasi-Desinformation stammte. Wie oben dargestellt habe ich alles in der OTRAG gelassen, bin also durch die illegalen Machenschaften der Bundesregierung regelrecht enteignet worden.

40. Wir haben bei unseren Recherchen herausgefunden, dass Sie in den 1970er Jahren Mitarbeiter der DLR angeworben haben. Ist das korrekt?

Das ist korrekt. 1976 musste die DFVLR Lampoldshausen wegen Auftragsmangel viele Mitarbeiter entlassen. Hiervon habe ich 10 bei der OTRAG eingestellt, die mit Begeisterung in Zaire zum Erfolg beigetragen haben.

41. Wie würden sie die Haltung der DLR-Belegschaft zu Ihrer Rakete beschreiben?

Sehr anstaendig und hilfsbereit. Ein Gutachten der DLR im Auftrag der Bundesregierung war auch positiv. Der Vorstand Professor Jordan wurde dann von Kanzler Schmidt veranlasst zu korrigieren. Der moegliche Nutzlastanteil wurde einfach von 1% auf 0% gesetzt!. Er hat sich dafuer beim OTRAG AR-Vorsitzenden Dr. Debus persoenlich entschuldigt. Auf Anweisung des Kanzleramtes wurden die Kopien vernichtet. Aber eine NASA-Uebersetzung ist geblieben; die konnten die Haescher nicht verschwinden lassen:
http://www.spl.ch/publication/OTRAG/19760019163_1976019163.pdf

42. Aus ihrer Sicht: Wie würden Sie die Haltung der Bundesregierung vor ihrem Umzug nach Zaire und in den ersten Monaten dort beschreiben?

Wir haben unseren Pachtvertrag mit Zaire dem Aussenminister Genscher und dem Kanzler Schmidt 1975 geschickt; ohne Reaktion oder erkennbare Haltung. Nach dem ersten Flugtest war aufgrund der Ostberliner Presseaktion der Teufel los, und seitdem hat sich die Bundesregierung immer mehr empoert ohne jemals mit OTRAG oder mir zu sprechen. Nach der genoetigten Kuendigung unseres Pachtvertrages durch Mobutu hat die Rechtsabteilung des AA ein Memo verfasst, das die Ilegalitaet der Aktionen des Kanzlers festhaelt.

43. Wir haben herausgefunden, dass die Baufirma Stewering, die zur Otrag gehörte, eine Brücke auf dem Otrag-Gelände im Auftrag der Bundesregierung baute. Wie kam es dazu?

Stewering war 1975 pleite und hatte 2 angefangene Brueckenbauprojekt der KfW in Zaire liegen lassen. Da wir Bautechnik brauchten, haben wir die Firma gekauft und die Projekte (Lukuga und Mbiji May) erfolgreich beendet und auf unsere Kosten eine 200 km Strasse und die Flugpiste zum Startplatz gebaut. Zusammen mit der erzwungenen Schliessung der OTRAG mussten auch TF und Stewering aufgeloest werden. Dies galt auch fuer die Investitionen in Libyen im Werte von 50 Mio US$ die allesamt nach den Interventionen der Bundesregierung vom Libyschen Militaer beschlagnahmt wurden. Meine Nachforschungen haben erst spaeter ergeben, dass offenbar und interessanterweise die FDP (Genscher, Moellemann und Mitarbeiter) gemeinsam mit dem BND das Projekt in Libyen weitergefuehrt hat. Und das mit vielen verbotenen Exporten gegen viel Geld! Ab 1983 liegt da noch vieles im Dunklen.


21.12.2014, 14.02 Uhr

Liebe Leser, ich muss mich für die längere Funkstille entschuldigen. Ich war erst verreist, danach habe ich an anderen Geschichten arbeiten müssen, daher war gar nicht mehr viel passiert, das berichtenswert gewesen wäre. In der Raketen-AG hatten wir vor allem die bisher bereits gefundenen Materialien ausgewertet und kamen dann erstmal nicht mehr weiter. Wir mussten entscheiden, was nun passieren sollte: weiterrecherchieren oder es bei diesem Stand belassen und das überarbeitete Interview veröffentlichen. Die Raketen-Ag hat sich für weiterrecherchieren entschieden :)

Genaueres finden Mitglieder in den Links in den Anmerkungen.

Ich werde morgen aber nochmal die neuesten Fragen nachtragen. Schönen Sonntag euch allen!


Fotos von Kayser, 22.12.2014, 13.30 Uhr

Kayser hat uns Fotos geschickt, leider noch ohne genaue Erklärung, was da zu sehen ist. Das werde ich dann im neuen Artikel, der Anfang Januar erscheint, nachtragen. Here we go:


…. lose Fäden, Sonstiges, Aschenbrenner - 22.12.2014, 13:38

44. Warum war den Kennedy der erste und einzige, der in Lage war, die komplizierte Raketentechnik zu durchschauen, wie sie schreiben?

Kennedy hat sich von Wernher von Braun davon überzeugen lassen, dass die USA für 20 Milliarden $ zum Mond und heil zurückfliegen können. Dafür gehört für einen Politiker viel Mut. Nixon hat dann nach dem Tod Kennedy's alle von Braun SATURN Raketen verschrotten lassen und sich das unselige Space Shuttle aufschwaetzen lassen. Hat über 100 Milliarden gekostet und die USA um 40 Jahre zurückversetzt.

45. Wir haben in der Datenbank des Forschungsministeriums nochmal nachgeschaut. Dort wird auch eine Förderung 1974-1975 erwähnt. Thema: Kohlestaub-Anwendungen. Wissen Sie etwas davon?

Da der Bund keine Raketentechnik mehr von mir haben wollte wegen der ausländischen Einsprueche, wollte das Ministerium meine Technologie auf die Kohlestaubvergasung anwenden. Dies ist dann wegen meiner OTRAG Gründung von Kanzler Schmidt auch gestoppt worden.

46. Es gibt in einem DLR-Jubiläumsband folgenden Satz: „Als sich das Bundesforschungsministerium 1983 endgültig aus dem Projekt zurückzog, war die Kayser-Rakete gescheitert...:“ - In welcher Form war das Ministerium noch bis 1983 aktiv?

In keiner positiven Weise. Auf Kabinettsverordnung wurde angewiesen, den Bundesfinanzhof die Finanzierung durch die OTRAG Stille Gesellschaft mit allen Mitteln zu verhindern. OTRAG hatte Absichtserklaerungen für etwa 20 Satellitenstarts und trotzdem hat der BGH befehlsgemäß unsere „Gewinnerzielungsabsicht“ bestritten weil keine anderen rechtlichen Argumente gab.. Dass die Kayser-Rakete gescheitert sei, hat der Vorstandssprecher der DFVLR Professor Jordan auf Befehl Schmidt's schreiben müssen.

47. Wir wissen nicht so recht, was wir mit dem Nasa-Dokument anfangen sollen, dass Sie uns geschickt haben. Als Beweis für eine Fälschung kann es ja nicht dienen, da darin der Nutzlastanteil bei 0t ist..

Eben diese 0% Nutzlast war die befehlsgemäße Fälschung. Die Rechenergebnisse auch der DFVLR waren wie bei uns etwa 1%.

48. Im Übrigen sprechen Sie da von Fälschungen und Korrekturen. Haben Sie dafür Belege in irgendeiner Form?

Professor Jordan hat dies in einem persönlichen mit Dr.Kurt Debus, OTRAG Aufsichtsratsvorsitzender, und mir als OTRAG Vorstandssprecher, mitgeteilt. Auf Jordans Wunsch haben wir uns dazu in einer Autobahnraststätte nahe Flugplatz Koeln-Wahn getroffen. Prof. Jordan war tief bedrückt über die Vorgehensweise der Bundesregierung und fürchtete um eine Stelle.

49. Sie sprechen von Stasi-Desinformation... Wie meinen Sie das? Haben Sie Belege?

Stasi-Abteilung Desinformation hat die Falschmeldungen zuerst in die afrikanische Presse z.B. Daressalam und Angola gebraucht. Von dort wurden sie dann in die „Prawda“ übernommen. Breshniev und Andropov haben das gelesen und als Wahrheit an Genscher und Schmidt geklagt. Sie können dies alles googeln.Wenn Sie Zugang zum alten Stasi haben, würde mich das sehr interessieren.

50. Sie schreiben: „Nach der genötigten Kündigung unseres Pachtvertrages durch Mobutu hat die Rechtsabteilung des AA ein Memo verfasst, das die Illegalität der Aktionen des Kanzlers festhält.“ - Wissen Sie noch, wann genau das gewesen ist? Tag, Monat, Jahr? Ich will versuchen, das Memo zu bekommen.

1979. Rechtsabteilung des AA and das Bundeskanzleramt.

51. Sagt Ihnen der Name Günther Aschenbrenner etwas?

Wegen A. habe ich ein ausführliches attachment gemacht:

Fakten:

Seine Behauptung im Film Warhead, er sei nach 20 Dienstjahren aus der Fremdenlegion in 1979 ausgeschieden ist eine Luege, denn von 1976 an arbeitete er auf Empfehlung eines in Lumumbasch ansassigen Bekannten Kapani Toni in Zaire, wo er, wie er sagte Zairern Nazi Lieder beibrachte und die vertagsgemaesse zairische Sicherheitstruppe aufbaute. Er fuehrte logistische Arbeiten und Reparaturen durch und war fuer den Fuhrpark verantwortlich. Ihm understand ein weiterer ex Legionaer und einige Zairer. In 1979 half er OTRAG Geraet abzubauen und zu verpacken. Er war im September 1979 auf Kapani Tono als die 6 deutschen OTRAG Mitarbeiter toedlich bei einem Bootsausflug auf der Luvua verunglueckten. Die Leute hatten keine Schwimmwesten dabei, die waren aus unerfindlichen Gruenden auf Kapani Tono geblieben. Der zweite ex-Legionaer begleitete die Bootsausfluegler. Er stieg jedoch kurz vor dem Unfall aus dem Boot und ging zu Fuss zurueck aufs Plateau. Hier wartete Aschenbrenner zwei Tage bis Leichenteile unten im Tal in der Luvua angeschwemmt wurden. Dann verstaendigte er Lubumbashi und half beim Bergen der Leichen.

Ende 1979 begleitete Aschenbrenner einige Mitarbeiter und die verpackten Kisten des OTRAG Materials mit dem Transportflugzeug nach Libyen. Hier arbeitete er beim Aufbau des camps Tauwiwa mit, w.z.B. OTRAG Einrichtungen aufstellen und Unterkuenfte fuer die Leute zu bauen. Ihm unterstanden in Tauwiwa ein ex Legionaer, De Vivi und drei Mali Farmarbeiter.

Ab 1980 bis 1982 arbeitete er in Tauwiwa fuer OTRAG, wo er 1982 fristlos wegen Betrugs entlassen wurde. Er hatte Ueberstundenabrechnungen eingereicht, die ergaben, dass sein Tag 24 ¼ Stunden hatte. Er bat Kayser um Wiedereinstellung. Ende 1982 beteiligte sich Aschenbrenner zusammen mit Walter Ziegler fuer das libysche Militaer an der Enteignung von Kayser und arbeitete von da ab bis 1983 fuer sie, dann warfen sie ihn hinaus. In 1984 tauchte Aschenbrenner in Zaire auf, wo er versuchte gestohlene Gegenstaende aus Kaysers Tauwiwa Bungalow zu verkaufen. In 1986 veranlasste der damalige Aussenminister Bula Mandungo Nyati seine Ausweisung aus Zaire. Daraufhin tauchte Aschenbrenner wiederum in Libyen auf.

Sein Interview basiert auf einer Legende, allerdings einer sehr schlechten, da er die Jahreszahlen und Daten nicht im Kopf behalten hat. Seine Aussagen z.B. dass Gadhafi oefters in Tauwiwa war und “mithalf” ist pure Fantasie. Gadhafi kam zu einem einzigen statischen Raketenversuch Mitte 1980 nach Tauwiwa. Aschenbrenner hat ihn vielleicht aus der Ferne gesehen. Seine Aussage er waere mit OTRAG in der ganzen Welt herumgereist um einen neuen Startplatz zu finden, unwahr.

Seine Behauptung OTRAG hatte die Absicht Atommuell ins All zu befoerdern ist Unsinn. Bundeskanzler Schmidt versprach Mobutu 100 Millionen extra Entwicklungshilfe wenn er den OTRAG Vertrag kuendigte.

Mit den Tatsachen verglichen kommen Zweifel an Aschenbrenners Dienst im 2nd Fallschirm Regiment der Fremdenlegion auf. Da er fuer OTRAG seit 1976 arbeitete, war er nicht beim Einsatz im 2. Shaba Krieg im Mai 1978, bei dem das 2nd Fallschirm Regiment mitkaempfte. Er wurde auch nicht nach 20 Dienstjahren entlassen, sondern verliess die Legion bereits frueher bevor er 1976 fuer OTRAG anfing zu arbeiten. Da er behauptet, er waere 1958 in die Legion eingetreten, waere seine Dienstzeit 1978 beended gewesen. Aschenbrenner bestahl und betrog Kayser, OTRAG und half dem libyischen Militaer Kayser und OTRAG zu enteignen. Er wirkte 1982 auf Kaysers Angstellte ein und ueberredete diese ebenfalls fuer das libyische Militaer zu arbeiten. Aschenbrenner verhielt sich als Mitarbeiter unethisch und enttaeuschte mich sehr.


Liebe Leser, das war es soweit. Dieser Artikel wird nicht mehr aktualisiert. Im Januar veröffentliche in einen zweiten Text, der den Recherchestand und hoffenltich auch die wunderbare Arbeit der Raketen AG darstellen wird.

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Lutz Thilo Kayser hat eine englische Tastatur ohne Umlaute. Der Autor hat seine Antworten so übernommen, wie sie bei ihm eintrafen.


Aufmacherfoto: Nasa/Flickr (CC BY 2.O)