Grundeinkommen

Welche Beiträge mir geholfen haben, das bedingungslose Grundeinkommen zu verstehen

von Rico Grimm
etwa 3 Min. Lesedauer

David Graeber – „On the Phenomen of Bullshit-Jobs“ (Artikel)

Die Arbeitslosenzahlen sagen nur etwas darüber aus, wie viele Menschen eine Arbeit haben, aber nicht welche. David Graeber, Vordenker der Occupy-Bewegung und Autor einer monumentalen anthropologischen Studie zu „Schulden“, beschreibt in diesem Artikel, dass eine neue Klasse der Berufe entstanden sei, der „Bullshit-Berufe“. Er versteht darunter all jene Tätigkeiten, die so unproduktiv sind, dass es sie eigentlich gar nicht geben dürfte. „Es ist, als würde irgendjemand da draußen sinnlose Jobs erfinden, nur damit wir weiter arbeiten“, schreibt er. „Im Kapitalismus sollte genau das nicht passieren.“

Martin Ford – „Aufstieg der Roboter“ (Buch)

Der US-Journalist Martin Ford fasst in diesem Buch die wichtigsten technologischen Entwicklungen zusammen und erklärt prägnant, was sie für den Arbeitsmarkt bedeuten. Der „Aufstieg der Roboter“ ist weder besonders glänzend formuliert noch besonders überraschend. Aber genau darin liegt sein Wert: Aas Einstieg in die Materie optimal.

Frank Rieger – „Roboter müssen unsere Rente sichern“ (Artikel)

Frank Rieger ist „deutscher Hacker, Sachbuchautor, Technikpublizist, Internetaktivist und einer der Sprecher des Chaos Computer Clubs“ (Wikipedia). Frank Rieger ist, man merkt es schon, umtriebig. Vielleicht war er deswegen einer der ersten, der aus Automatisierung und Digitalisierung radikale Schlüsse zog. Er würde gerne ein Grundeinkommen einführen, wird aber noch radikaler. Er plädiert für den Umbau Deutschlands in eine „roboterfreundliche Gesellschaft“.

Daniel Häni und Phillip Kovce – „Was fehlt, wenn alles da ist?“ (Buch)

Hier begründen die Initiatoren der Schweizer Volkabstimmung ihr Engagement. Manchmal etwas wolkig geschrieben, aber nach der Lektüre versteht jeder, warum ihr Grundeinkommensvorschlag der „humanistische“ genannt wird.

Heiner Flassbeck et al. – „Irrweg Grundeinkommen“ (Buch + Artikel)

Nachdem ich drei Bücher gelesen hatte, die mir gesagt haben, wie gut und krass und revolutionär das Grundeinkommen sein wird, war ich erleichtert, Kritik daran zu lesen. Der Hamburger Ökonom kritisiert es von links kommend in seinem Buch. Sein zentrales Argument: Das Grundeinkommen soll durch Steuern auf Arbeit finanziert werden, gefährdet aber durch sein Wesen genau diese Steuern. Da Flassbeck nur im ersten Viertel des Buches über das Grundeinkommen redet und die weiteren Seiten nutzt, um für eine Einführung des Mindestlohns zu agitieren (das Buch ist von 2012), reicht es vielleicht auch, diese drei Artikel auf seinem Blog zu lesen.

Brand Eins – „Grundeinkommen-Dossier“ (Artikel)

Das Wirtschaftsmagazin „Brand Eins“ hat schon früh und beständig über das Grundeinkommen geschrieben. In diesem Dossier hat die Redaktion zentrale Texte versammelt. Herausgreifen möchte ich aber eine Karte: „Weltweite Experimente mit dem Grundeinkommen“. Sie ist die umfassendste Zusammenstellung von Grundeinkommens-Experimenten, die mir bei der Recherche begegnet ist.

Ihr (Fragen + Kommentare)

Auf die Gefahr hin, mich mit den folgenden Worten ohne Not in die Ecke für die langweiligen Ranwanzer zu stellen. (Wo ich vielleicht auch schon bin?!) Aber ihr habt mich gezwungen, Gedanken zu präzisieren und eben doch nochmal tiefer zu recherchieren. Viel zu viele wichtige Aspekte des Grundeinkommens sind noch undiskutiert geblieben. Drei sehr spannende Fragen und Anmerkungen will ich herausgreifen:

  1. Frank, der fragte: „Würde das BGE nicht (betriebliche) Hierarchien auflösen, sind wirklich große Projekte dann noch machbar?“

  2. Lisa Altmeier, die feststellte: „Wäre das Grundeinkommen tatsächlich bedingungslos, hätte jeder Mensch der Welt Anspruch darauf.“ Und da hat sie recht. Und das ist ein Problem. Und darüber wird noch zu reden sein.

  3. Andrea Kockler, die den Begriff der „Drecksarbeit“ kritisiert, ihn überheblich findet und schreibt: „Es wird immer Menschen geben, die einfache, geistig wenig fordernde Routinetätigkeiten machen (wollen). Man darf nicht immer von den eigenen Fähigkeiten und Bedürfnissen ausgehen.“


Aufmacher-Foto: pio1976/flickr/by-nd/2.0/.

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