Viktors Kopf

von Carmen Eckhardt, Deutschland

05.03.2013

  • 05.03.2013

    Die Kraft von "unten"

    Liebe Unterstützer/innen,

    das Gemeinschafts-Funding war erfolgreich. Danke für euer Vertrauen in das Projekt und in meine Arbeit. Ihr/Euer Einsatz gibt mir Kraft und die Zuversicht, bis zum Ende durchzuhalten. Das bedeutet nicht nur die Recherchen abzuschließen, sondern auch einen guten Dokumentarfilm zu realisieren.

    Neben der großzügigen finanziellen Unterstützung ist viel Positives passiert. Die Aktion hat sich als Multiplikator entpuppt:

    Z.B. Theater Intendanten interessieren sich für die Geschichte. Ein Radio-Feature ist angefragt. In Stuttgart bahnen sich Aktivitäten und weitere Kontakte an - Dank der Initiative „Die AnStifter - Eigensinn + Zivilcouruage“. Vielleicht werden Schüler eines Stuttgarter Gymnasiums bei den Recherchen dabei sein. Über die Arbeit mit Schülern freue ich mich besonders. Ein öffentlich-rechtlicher Fernsehsender wird bald über eine Beteiligung am Projekt entscheiden. Ein renommierter Professor für Neuere Geschichte hat seine Unterstützung bei den Recherchen zugesichert. Der erste Austausch fand schon statt.

    Und es gab viel Kommunikation und das Teilen von persönlichen, berührenden Geschichten. Ich fühle mich beschenkt und mein Glaube an die Kraft von „unten“ ist gestärkt.

    Jetzt erstelle ich einen Zeitplan für das gesamte Projekt und werde Sie/euch über die konkreten Schritte auf dem Laufenden halten.

    Wir haben es geschafft!

  • 02.03.2013

    100%

    Liebe Unterstützer,

    ich bin überwältigt und kann es noch gar nicht fassen! Wenige Tage vor der Deadline sind dank euch die 100% Finanzierung erreicht. Was für eine Freude und die tiefe Zuversicht, dass gemeinschaftlich doch etwas zu bewegen ist!

    Jeder Cent der jetzt noch über das Ziel hinaus eingehen sollte, wird direkt in die Produktion des Filmes gesteckt.

    Ich danke allen von Herzen.

  • 01.03.2013

    Nahe dem Ziel

    Wir haben es bald geschafft. Fast 90% sind dank eurer Großzügigkeit zusammen für "Viktors Kopf" gekommen. Großartig. Jetzt fehlen noch 751,-- €. In knapp fünf Tagen kann das gelingen. Lasst uns die Trommeln rühren.

    https://krautreporter.de/de/viktorskopf

    In Dankbarkeit und Verbundenheit Carmen Eckhardt

  • 28.02.2013

    Die alten „Wilden“

    Unbeugbar, mutig, eigenwillig und fast 90 Jahre alt, beide haben die NS-Zeit erlebt und überlebt – Arno Grün und Claude Lanzmann. Arno Grün ist Schriftsteller und Psychoanalytiker. Es beschäftigt sich mit den Ursachen der menschlichen Destruktivität, wie totalitäre Systeme, totaler Gehorsam entstehen. Wir besuchen Arno Grün in der Schweiz mit der Kamera. Ein kurzer Auszug aus dem Gespräch:

    Meine Frage: Was haben wir heute noch mit der NS-Zeit zu tun? Arno Grüns Antwort: „Die Last der Geschichte ungeheurer Schmerzen und deren Verleugnung macht uns krank..... Es gibt individuelle und die politische Folgen der Verleugnung. Wer mit dem eigenen Schmerz nicht umgehen kann, verliert sein Mitgefühl und wird den Schmerz weiter geben.... Ich warne vor einer gnadenlosen Gesellschaft von Konsumenten, Konkurrenten, Kriegern, die so gespenstisch der Selbstzerstörung entgegeneilt. Was den Menschen zum Menschen macht, das Mitgefühl, darf nicht zerstört werden.“

    Ich kontaktiere Claude Lanzmann, Filmemacher, Publizist, erst kürzlich für sein dokumentarisches Filmwerk mit dem Ehrenbären der Berlinale ausgezeichnet, damals aktiv in der Resistance. In seiner Autobiographie "Der patagonische Hase„ schreibt er: „Die Guillotine - und ganz allgemein die Todesstrafe und die verschiedenen Arten ihrer Vollstreckung -, das wird die wichtigste Angelegenheit meines Lebens gewesen sein..... die Abende vor und die Tage nach einer Hinrichtung waren Zeiten des Schreckens, in deren Verlauf ich mich zwang, die letzten Augenblicke, Stunden, Minuten, Sekunden der Verurteilten vorwegzunehmen oder nachzuspüren...“

    Ich schreibe Claude Lanzmann vom Schicksal meines Urgroßvaters und bitte ihn um Hilfe. Er antwortet mir und verspricht mir seine Unterstützung bei den Recherchen - wenn es zum Film kommt.

    Dank eures Einsatzes sind 5.169 € zusammen gekommen. Jetzt fehlen noch gut 1.400 € und es bleiben 5 Tage Zeit. https://krautreporter.de/de/viktorskopf

  • 28.02.2013

    Die alten „Wilden“

    Unbeugbar, mutig, eigenwillig und fast 90 Jahre alt, beide haben die NS-Zeit erlebt und überlebt – Arno Grün und Claude Lanzmann. Arno Grün ist Schriftsteller und Psychoanalytiker. Es beschäftigt sich mit den Ursachen der menschlichen Destruktivität, wie totalitäre Systeme, totaler Gehorsam entstehen. Wir besuchen Arno Grün in der Schweiz mit der Kamera. Ein kurzer Auszug aus dem Gespräch:

    Meine Frage: Was haben wir heute noch mit der NS-Zeit zu tun? Arno Grüns Antwort: „Die Last der Geschichte ungeheurer Schmerzen und deren Verleugnung macht uns krank..... Es gibt individuelle und die politische Folgen der Verleugnung. Wer mit dem eigenen Schmerz nicht umgehen kann, verliert sein Mitgefühl und wird den Schmerz weiter geben.... Ich warne vor einer gnadenlosen Gesellschaft von Konsumenten, Konkurrenten, Kriegern, die so gespenstisch der Selbstzerstörung entgegeneilt. Was den Menschen zum Menschen macht, das Mitgefühl, darf nicht zerstört werden.“

    Ich kontaktiere Claude Lanzmann, Filmemacher, Publizist, erst kürzlich für sein dokumentarisches Filmwerk mit dem Ehrenbären der Berlinale ausgezeichnet, damals aktiv in der Resistance. In seiner Autobiographie "Der patagonische Hase„ schreibt er: „Die Guillotine - und ganz allgemein die Todesstrafe und die verschiedenen Arten ihrer Vollstreckung -, das wird die wichtigste Angelegenheit meines Lebens gewesen sein..... die Abende vor und die Tage nach einer Hinrichtung waren Zeiten des Schreckens, in deren Verlauf ich mich zwang, die letzten Augenblicke, Stunden, Minuten, Sekunden der Verurteilten vorwegzunehmen oder nachzuspüren...“

    Ich schreibe Claude Lanzmann vom Schicksal meines Urgroßvaters und bitte ihn um Hilfe. Er antwortet mir und verspricht mir seine Unterstützung bei den Recherchen - wenn es zum Film kommt.

    Dank eures Einsatzes sind 5.169 € zusammen gekommen. Jetzt fehlen noch gut 1.400 € und es bleiben 5 Tage Zeit. https://krautreporter.de/de/viktorskopf

  • 26.02.2013

    Der Countdown läuft

    Liebe Unterstützer, jetzt sind wir auf der Zielgeraden und müssen noch mal richtig Gas geben. Es fehlen noch gut 2.000 € bis zum Ziel. Bitte seid so gut und verbreitet den Link weiter. Vielleicht fallen euch noch Stiftungen und Orgnisationen ein, die sich für das Projekt stark machen könnten. Mit vereinter Kraft werden wir es schaffen.

    https://krautreporter.de/viktorskopf

    Im nächsten Update geht es um die alten “Wilden“, Claude Lanzmann und Arno Grün.

  • 23.02.2013

    Warum dieser Film

    Was mich antreibt „Viktors Kopf“ zu realisieren, ist der Drang, Licht in ein dunkles Kapitel meiner Familiengeschichte zu bringen. Kaum jemand meiner Generation hat von seinen Eltern und Großeltern offene, ehrliche Antworten auf Fragen über ihr Leben in der Nazi-Zeit bekommen.

    Unsere Eltern und Großeltern ersparten sich die seelische Arbeit, mit Schmerz, Trauer und Verantwortung umzugehen und schoben sie uns, der nächsten Generation in die Schuhe. Mittlerweile ist erwiesen: Traumata, die unsere Eltern und Großeltern erlitten haben, sind ein Stück weit auch unsere Traumata, die der Kinder und Kindeskinder. Für unsere Persönlichkeitsentwicklung brauchen wir Wahrhaftigkeit. Und so lebe ich - seit ich denken kann - mit dem diffusen Gefühl, da ist ein düsteres Loch, dass ich nicht greifen kann. Ich lebe in dem Gefühl der Unvollständigkeit und Unwahrheit. Seit ich jetzt angefangen habe hinzuschauen, fange ich an zu begreifen, warum ist unsere Elterngeneration so hilflos im Umgang mit Gefühlen ist, so gewalttätig, warum es ihnen so schwer fällt liebevolle Beziehungen zu haben...

    Über den persönlichen Aspekt hinaus, liegt mir die symbolische Rehabilitierung meines Urgroßvaters am Herzen. Viktor kämpft sein Leben lang für soziale Gerechtigkeit, wird enthauptet und „für immer ehrlos“ erklärt. Die junge Bundesrepublik Deutschland seinerzeit nimmt ihre Chance nicht wahr, politisch Verfolgte zu rehabilitieren und ihre Würde wiederherzustellen. Sie wälzt diese Verantwortung auf die Nachfahren der Opfer ab. Das hat nicht nur meine Familie erlebt.

    Der Versuch, Viktors Todesurteil offiziell aufheben zu lassen, zieht sich wie ein roter Faden durch den Film und hat symbolischen Charakter. Es wird sich zeigen, ob es gelingt Viktor Kunz zu rehabilitieren.

    Ich danke allen Unterstützern

  • 22.02.2013

    Auf in den Endspurt

    Die Crowdfundimg Aktion hat bislang schon viel ausgelöst: Intensiver Austausch ist entstanden. Die Plattform wirkt als Multiplikator.

    Der Intendant einer großen städtischen Bühne hat sich für die Geschichte begeistert und wünscht sich eine Theaterbearbeitung unter Einbeziehung des Films. Eine spannende Idee. Ein Radio Feature zu Viktors Geschichte ist angefragt. Und ein Redakteur eines öffentlich-rechtlichen Senders hat Laut gegeben. Er möchte seinen Sender für eine Beteiligung an der Produktion des Filmes gewinnen.

    Da zeichnen sich also großartige Möglichkeiten ab, auch in anderen Kultursparten öffentlich zu werden. Das ist mehr , als ich je erwartet hatte.

    Um so wichtiger: Bitte unterstützt das Projekt jetzt im Endspurt und empfehlt es weiter. Es wird ein Wettlauf mit der Zeit werden:

    https://krautreporter.de/viktorskopf

    P.S. Entschuldigt, dass das Update gestern mehrfach rausgeschickt wurde. Mea Culpa! Da es beim Hochladen hakte, habe ich ein paar Mal verzweifelt auf den Verschicken-Button gehämmert. Verzeih auch die Schreibfehler. Ich bin tatsächlich Legasthenikerin. Wortdreher, Fehler sehe ich manchmal nicht – und das bei meinem Job. Schreiben ist für mich wie das Erklimmen des Mount Everest. Die Luft ist dünn, nur die Aussicht ist nicht so schön.

  • 21.02.2013

    Die Frauen

    Liebe Unterstützer, jetzt sind noch knapp 3.000 € aufzubringen. Die werden wir auch noch schaffen. Bleibt bitte weiter dran und streut „Viktor“ Kopf in euer Netzwerk: https://krautreporter.de/viktorskopf

    Einige Unterstützer/innen haben mich gefragt: Ja, wie ist denn den Frauen ergangen? Eine gute, wichtige Frage.
    Je nachdem auf welcher Seite sie standen, ist es ihnen sehr unterschiedlich ergangen:

    Meine Urgroßmutter, Anna Alma Kunz, hatte drei Kinder mit Viktor. Die jüngste war meine Oma Hella. Gesichert ist, dass Anna Alma ihre Kinder in den 20er Jahren mit Hilfe von „Fürsorge“ (heute wäre das HarzIV ) durchbrachte. Sie war bettelarm und hielt sich mit Hilfsarbeiten über Wasser.

    Hella wurde mit 16 für ein Jahr zwangsweise in die Fürsorgeerziehung eingewiesen. Der Staat hatte damals die gesetzliche Möglichkeit dazu geschaffen. Hella galt als „renitent“, war unangepasst. Das kostet meine Oma später das Leben. 1941 äußert sie sich abfällig gegen Hitler, wird denunziert und von der Gestapo verhaftet. Hochschwanger hält man sie im Gestapo-Gefängnis in Kassel fest. Kurz darauf stirb sie im Alter von 26 Jahren - angeblich an einer Sepsis. Die Umstände ihres Todes sind nicht geklärt – mein Vater ist zwei Jahre alt, als er seine Mutter Hella verliert.

    Anna Alma, Viktors Frau lebt nach dem Krieg ein zurückgezogenes Leben - von der Sozialhilfe.

    Margot Friesler, die Witwe des brüllenden, geifernden Präsidenten des Volkgerichtshofs, Roland Freisler - der Viktor zum Tode verurteilt hat - beantragt 1974 eine stattliche Aufstockung ihrer Witwenrente bei den Münchner Sozialbehörden - mit der Begründung: Ihr verstorbener Mann wäre auf Grund seiner fachlichen Qualifikation im Erlebensfall nach dem Krieg vermutlich als Rechtsanwalt oder Beamter des höheren Dienstes tätig geworden.

    Über 10 Jahre lang bekommt Margot Freisler einen Rentenzuschlag in Höhe von 400 DM.

  • 21.02.2013

    Die Frauen

    Liebe Unterstützer, jetzt sind noch knapp 3.000 € aufzubringen. Die werden wir auch noch schaffen. Bleibt bitte weiter dran und streut „Viktor“ Kopf in euer Netzwerk: https://krautreporter.de/viktorskopf

    Einige Unterstützer/innen haben mich gefragt: Ja, wie ist denn den Frauen ergangen? Eine gute, wichtige Frage.
    Je nachdem auf welcher Seite sie standen, ist es ihnen sehr unterschiedlich ergangen:

    Meine Urgroßmutter, Anna Alma Kunz, hatte drei Kinder mit Viktor. Die jüngste war meine Oma Hella. Gesichert ist, dass Anna Alma ihre Kinder in den 20er Jahren mit Hilfe von „Fürsorge“ (heute wäre das HarzIV ) durchbrachte. Sie war bettelarm und hielt sich mit Hilfsarbeiten über Wasser.

    Hella wurde mit 16 für ein Jahr zwangsweise in die Fürsorgeerziehung eingewiesen. Der Staat hatte damals die gesetzliche Möglichkeit dazu geschaffen. Hella galt als „renitent“, war unangepasst. Das kostet meine Oma später das Leben. 1941 äußert sie sich abfällig gegen Hitler, wird denunziert und von der Gestapo verhaftet. Hochschwanger hält man sie im Gestapo-Gefängnis in Kassel fest. Kurz darauf stirb sie im Alter von 26 Jahren - angeblich an einer Sepsis. Die Umstände ihres Todes sind nicht geklärt – mein Vater ist zwei Jahre alt, als er seine Mutter Hella verliert.

    Anna Alma, Viktors Frau lebt nach dem Krieg ein zurückgezogenes Leben - von der Sozialhilfe.

    Margot Friesler, die Witwe des brüllenden, geifernden Präsidenten des Volkgerichtshofs, Roland Freisler - der Viktor zum Tode verurteilt hat - beantragt 1974 eine stattliche Aufstockung ihrer Witwenrente bei den Münchner Sozialbehörden - mit der Begründung: Ihr verstorbener Mann wäre auf Grund seiner fachlichen Qualifikation im Erlebensfall nach dem Krieg vermutlich als Rechtsanwalt oder Beamter des höheren Dienstes tätig geworden.

    Über 10 Jahre lang bekommt Margot Freisler einen Rentenzuschlag in Höhe von 400 DM.

  • 21.02.2013

    Die Frauen

    Liebe Unterstützer, jetzt sind noch knapp 3.000 € aufzubringen. Die werden wir auch noch schaffen. Bleibt bitte weiter dran und streut „Viktor“ Kopf in euer Netzwerk: https://krautreporter.de/viktorskopf

    Einige Unterstützer/innen haben mich gefragt: Ja, wie ist denn den Frauen ergangen? Eine gute, wichtige Frage.
    Je nachdem auf welcher Seite sie standen, ist es ihnen sehr unterschiedlich ergangen:

    Meine Urgroßmutter, Anna Alma Kunz, hatte drei Kinder mit Viktor. Die jüngste war meine Oma Hella. Gesichert ist, dass Anna Alma ihre Kinder in den 20er Jahren mit Hilfe von „Fürsorge“ (heute wäre das HarzIV ) durchbrachte. Sie war bettelarm und hielt sich mit Hilfsarbeiten über Wasser.

    Hella wurde mit 16 für ein Jahr zwangsweise in die Fürsorgeerziehung eingewiesen. Der Staat hatte damals die gesetzliche Möglichkeit dazu geschaffen. Hella galt als „renitent“, war unangepasst. Das kostet meine Oma später das Leben. 1941 äußert sie sich abfällig gegen Hitler, wird denunziert und von der Gestapo verhaftet. Hochschwanger hält man sie im Gestapo-Gefängnis in Kassel fest. Kurz darauf stirb sie im Alter von 26 Jahren - angeblich an einer Sepsis. Die Umstände ihres Todes sind nicht geklärt – mein Vater ist zwei Jahre alt, als er seine Mutter Hella verliert.

    Anna Alma, Viktors Frau lebt nach dem Krieg ein zurückgezogenes Leben - von der Sozialhilfe.

    Margot Friesler, die Witwe des brüllenden, geifernden Präsidenten des Volkgerichtshofs, Roland Freisler - der Viktor zum Tode verurteilt hat - beantragt 1974 eine stattliche Aufstockung ihrer Witwenrente bei den Münchner Sozialbehörden - mit der Begründung: Ihr verstorbener Mann wäre auf Grund seiner fachlichen Qualifikation im Erlebensfall nach dem Krieg vermutlich als Rechtsanwalt oder Beamter des höheren Dienstes tätig geworden.

    Über 10 Jahre lang bekommt Margot Freisler einen Rentenzuschlag in Höhe von 400 DM.

  • 21.02.2013

    Die Frauen

    Liebe Unterstützer, jetzt sind noch knapp 3.000 € aufzubringen. Die werden wir auch noch schaffen. Bleibt bitte weiter dran und streut „Viktor“ Kopf in euer Netzwerk: https://krautreporter.de/viktorskopf

    Einige Unterstützer/innen haben mich gefragt: Ja, was ist denn den Frauen ergangen? Eine gute, wichtige Frage.
    Je nachdem auf welcher Seite sie standen, ist es ihnen sehr unterschiedlich ergangen:

    Meine Urgroßmutter, Anna Alma Kunz, hatte drei Kinder mit Viktor. Die jüngste war meine Oma Hella. Gesichert ist, dass Anna Alma ihre Kinder in den 20er Jahren mit Hilfe von „Fürsorge“ (heute wäre das HarzIV ) durchbrachte. Sie war bettelarm war und sich mit Hilfsarbeiten über Wasser hielt.

    Hella wurde mit 16 für ein Jahr zwangsweise in die Fürsorgeerziehung eingewiesen. Der Staat hatte damals die gesetzliche Möglichkeit dazu geschaffen. Hella galt als „renitent“, war unangepasst. Das kostet meine Oma später das Leben. 1941 äußert sie sich abfällig gegen Hitler, wird denunziert und von der Gestapo verhaftet. Hochschwanger hält man sie im Gestapo-Gefängnis in Kassel fest. Kurz darauf stirb sie im Alter von 26 Jahren - angeblich an einer Sepsis. Die Umstände ihres Todes sind nicht geklärt – mein Vater ist zwei Jahre alt, als er seine Mutter Hella verliert.

    Anna Alma, Viktors Frau lebt nach dem Krieg ein zurückgezogenes Leben - von der Sozialhilfe.

    Margot Friesler, die Witwe des brüllenden, geifernden Präsidenten des Volkgerichtshofs, Roland Freisler - der Viktor zum Tode verurteilt hat - beantragt 1974 eine stattliche Aufstockung ihrer Witwenrente bei den Münchner Sozialbehörden - mit der Begründung: Ihr verstorbener Mann wäre auf Grund seiner fachlichen Qualifikation im Erlebensfall nach dem Krieg vermutlich als Rechtsanwalt oder Beamter des höheren Dienstes tätig geworden.

    Über 10 Jahre lang bekommt Margot Freisler einen Rentenzuschlag in Höhe von 400 DM.

  • 18.02.2013

    Viktors Urteilsaufhebung

    Bisher haben wir es weit gebracht. 50 % sind geschafft. Doch es ist noch eine ganz schöne Strecke zu bewältigen. Helft dabei Viktor's Kopf zu realisieren. Begleitet mich dabei, die Geschichte ans Licht zu bringen und Viktor – stellvertretend auch für viele andere – zu rehabilitieren.

    Zum Recherche-Stand: Mein Urgroßvater wurde von Roland Freisler, dem ewig brüllenden und geifernden Präsidenten des Volksgerichtshofes, wegen seines „geradezu einmaligen volkverräterischen Verbrecherlebens“ zum Tode verurteilt und für „immer ehrlos“ erklärt.

    Während der NS-Zeit war es gefährlich über Viktor zu sprechen – er wurde im gesamten Reich gesucht und so schwiegen fast alle meiner Verwandten.

    In der düsteren Adenauer –Zeit wurden die politischen NS- Opfer bestenfalls ignoriert, stigmatisiert und kriminalisiert, wenn sie oder ihre Angehörigen Laut gaben. Der Teil meiner Verwandtschaft schämte sich einen Volksverräter im Familienkreis gehabt zu haben und schwieg - weiterhin.

    1990 endlich! ! wurde ein Gesetz zur Beseitigung nationalsozialistischer Unrechtsurteile verabschiedet. (G v. 25.05.1990 BGBI. IS.966) Kaum jemand strengte dann noch eine Urteilsaufhebung an.

    Diesem Gesetz nach darf ich als direkte Angehörige einen Antrag auf Aufhebung des Unrechtsurteils stellen. Nach einer elenden Odyssee – keiner hatte je von dem Gesetz gehört!!! oder konnte mein Anliegen auch nur zuordnen (davon gibt es Tonaufnahmen) – stellte ich den Antrag an die Präsidentin des Kammergerichts, Monika Nöhre, in Berlin:

    Monika Nöhre wies meinen Antrag als unzulässig zurück.

    Es scheint so zu sein, dass ich die erste überhaupt bin, die ein solches Verfahren nach dem genannten Gesetz anstrengt.

    Jetzt fängt mein Einsatz für Viktors Rehabilitation erst richtig an: Ich werde vor den Bundesgerichtshof ziehen müssen. Wenn es soweit kommen sollte, brauche ich wirklich viele Unterstützer, ein starkes Netzwerk, vom Herzen und Kopf und Geldbeutel. https://krautreporter.de/de/viktorskopf

  • 16.02.2013

    Viktors Scharfrichter

    Viktor wurde von Scharfrichter Reichart enthauptet. Er hatte seinen Sitz in München und war für Dresden, München-Stadelheim, Weimar, Wien und Stuttgart zuständig. Mit der Guillotine im Anhänger bereiste er den gesamten Raum. Er war so viel beschäftigt, dass er beim Verkehrministerium für seinen Kraftwagen eine Ausnahme von der geltenden Höchstgeschwindigkeit beantragte, um alle Enthauptungen termingerecht durchführen zu können. Die Gebührenordnung für Scharfrichter in der NS-Zeit: Anfangs erhielt Herr Reichart im Jahr ein Fixum vom 3.000,--RM und eine Leistungsprämie von 60,--RM pro Kopf. Später, als die Aufträge um ein Vielfaches Stiegen, gab es ab der zweiten Hinrichtung am Tag nur noch 30,--RM.

    Dank eurer Großzügigkeit gehen meine Recherchen weiter. Bitte lasst nicht nach, noch ist das Ziel nicht erreicht.

    https://krautreporter.de/viktorskopf

    Zu meinem Kampf, Viktors Unrechtsurteil aufheben zu lassen - im nächsten Update

  • 14.02.2013

    Bald ist die Hälfte des Ziels erreicht.

    Danke an alle Unterstützer. Warum ich für Vorbereitung des Filmes„Viktors Kopf“ so verhältnismäßig „viel“ Geld brauche: Die Recherchen sind sehr aufwendig. Wie die Nadel im Heuhaufen, suche ich nach Orten, Anhaltspunkten und Dokumenten. Ein Beispiel sind die Vernehmungsakten, die auch ein Tagebuch von Viktor enthalten. Auf diesen Hinweis bin ich in seiner Anklageschrift beim Volksgerichtshof gestoßen. Viktor galt als französischer Staatsbürger, weil er in Frankreich geboren wurde. Nach dem Krieg wurden seine Akten durch die französischen Besatzungsbehörden requiriert und nach Frankreich gebracht. Viktor wurde dem französischen Widerstand zugerechnet. Also werde ich Archive in Marseille, in Paris, im Elsass nach den Vernehmungsakten absuchen. Sie enthalten viele wichtige Hinweise auf Viktors Leben. Wenn es soweit ist, brauche ich einen Helfer, der hervorragend französisch spricht. Mit meinem Wald-Feld-Wiesenfranzösisch komme ich da nicht weiter. Ich muss die Recherchen mit der Kamera begleiten. Aus diesem Material wird nicht nur der Trailer erstellt, es wird auch Bestandteil des eigentlichen Films sein. Das heißt, die Geber helfen jetzt schon dabei, den eigentlichen Film auf die Beine zu stellen. Das ist großartig.

    Warum der Film wichtig ist: Es geht nicht nur um meine persönliche Familiegeschichte. Spurensuche Justizgebäude Stuttgart. Justizgebäude Stuttgart, Urbanstraße 18, nördlicher Lichthof, 17. August 1943, morgens 5.00 Uhr – die Hinrichtungen dieses Tages beginnen. Alle drei Minuten wird ein Verurteilter enthauptet. Der dritte ist Viktor Kunz, Widerstandskämpfer, von Roland Freisler vom Volksgerichtshof in Berlin als „Eiterbeule am Volkskörper“ verurteilt. Er wird aus dem Gefängnis durch einen unterirdischen Gang in den Lichthof geführt. Man bindet seine Hände auf den Rücken. Ein Richter liest ihm das Urteil noch einmal vor und teilt ihm mit, dass alle seine Gnadengesuche abgelehnt worden sind. Die letzten Worte des Richters lauten: "Das Urteil wird jetzt vollstreckt." Viktor wird gepackt, auf das Brett der Guillotine geschnallt und sein Kopf mittels eines Holzkeiles fixiert. Dann saust das Fallbeil zu Boden. Anschließend wird die Guillotine mit Wasser gereinigt und ist so für die nächste Exekution wieder bereit. Allein in Stuttgart werden in der NS-Zeit mindestens 450 Menschen mit dem Fallbeil hingerichtet.

    Im nächsten update geht es um das Volksgerichtshofurteil und meinen Versuch der Aufhebung.

  • 11.02.2013

    Krautreporter schafft Kommunikation

    Schon mehr als 2.500 Euro sind zusammengekommen. An jeden einzelnen Unterstützer herzlichen Dank . Einige Unterstützer habe berührende Familiengeschichten mit mir geteilt. Danke für Ihre Geschichten, für Ihr Vertrauen.

    Jetzt bleiben noch 22 Tage. Teilen Sie den Link mit interessierten Freunden und Bekannten. Machen Sie auf das Projekt aufmerksam:

    https://krautreporter.de/de/viktorskopf

    Im nächsten update halte ich Sie über die aktuellen Rechercheergebnisse auf dem Laufenden.

"Viktors Kopf" ist eine filmische Spurensuche. Mein Urgroßvater Viktor wurde von den Nazis enthauptet – ein Familiengeheimnis bis heute.

Ich habe vor, einen Dokumentarfilm über die ungeheuerliche Geschichte meines Urgroßvaters zu machen – jahrzehntelang ein düsteres Familiengeheimnis. Er sei verschollen, ein Verräter, hieß es.

Auf was ich bisher gestoßen bin

Georg Viktor Kunz ist der uneheliche Sohn des Georg Baron von Örtzen, geboren 1885 in Marseille. Großgezogen wird er von dessen Hausdame, Hermine Kunz. Mit 15 verlässt er seine Pflegemutter und wird politisch aktiv. Viktor kämpft für soziale Gerechtigkeit im Berlin der 20er Jahre. Er mobilisiert Zigtausende und organisiert Aufstände. 1923 gehört er zu den Mitbegründern der Autonomen Pfalz. Später verfolgen ihn die Nazis. Er geht in den Untergrund und organisiert Widerstand und Sabotageakte. Viktor fliegt auf und wird wegen Hochverrat zum Tode verurteilt und „für immer ehrlos“ erklärt. Mein Urgroßvater wird 1943 in Stuttgart enthauptet. Sein Leichnam verschwindet im Anatomischen Institut der Universität Tübingen ...

Warum der Film

Wir Kinder der Kriegskinder haben von unseren Eltern und Großeltern kaum Ehrliches über ihr Leben in der Nazi-Zeit erfahren. Traumata, die unsere Vorfahren während der Zeit erlitten haben, sind ein Stück weit auch unsere und wirken nach bis in unsere Generation – so weiß es die moderne Traumaforschung. Es heißt, mit dem Begreifen geschieht Veränderung, beginnt Heilung. Vieles in meiner Familiengeschichte hängt mit Viktors Geschichte zusammen.

Im Dokumentarfilm erzähle ich die tot geschwiegene Geschichte meines Urgroßvaters - im Kontext der Zeitgeschichte. Im Film mache ich mich sinnbildlich auf die Suche nach Viktors Kopf. Ich werde versuchen, Viktors Todesurteil offiziell anzufechten.

Wie viel Geld brauche ich und wofür?

Für den nächsten Schritt brauche ich 6.600 €. Das Geld deckt die Kosten für die weiteren Recherchen ab, wie, Reisen zu Gesprächspartnern und in verschiedene Archive, quer durch Deutschland und nach Frankreich. Die Recherchen möchte ich mit der Kamera begleiten einen Trailer herstellen. Das Geld ermöglicht die Anmietung der notwendigen Technik und die Auswertung der Recherchematerialien. Dann kann ich das Drehbuch schreiben. Erst nach diesen Vorbereitungen kann der Film realisiert werden. Zwei Fernsehsender sind an „Viktors Kopf“ interessiert.

Zu meiner Person

Seit 18 Jahren bin ich Filmemacherin und habe über 20 Fernsehdokumentationen, Dokumentarfilme und Reportagen realisiert – für die ARD das ZDF, 3sat, ARTE u.a.

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Angst! Christen im Irak (ARD)

Einer meiner Themen-Schwerpunkt ist Zeitgeschichte. Nie hätte ich mir träumen lassen, dass meine Familiengeschichte zum Gegenstand eines Dokumentarfilmes werden könnte. Mit im Filmteam ist Gerardo Milsztein, Regiekameramann, Preisträger Deutscher Kamerapreis 2010.

Helfen Sie, die Recherchen abzuschließen und den Film möglich zu machen.

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Die Arbeiten zu diesem Projekt sind noch nicht abgeschlossen.
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