Technischer Fortschritt

Wann werden Computer intelligenter als wir Menschen?

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  • Zahlen aktualisiert 21. September, 19:07 Uhr
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Manche Zahlen sagen erschreckend viel über das Leben aus: Forscher des US-amerikanischen Lawrence Berkeley National Laboratory zum Beispiel denken_,_ dass allein Computerspiele-PCs im Jahr 2020 weltweit etwa 150 Terawattstunden elektrische Energie verbrauchen werden – ein Viertel der gesamten Energie, die Deutschland 2014 erzeugt hat.

Dieser Text ist Teil unseres Schwerpunktthemas "Menschen und Maschinen". Weitere Geschichten dazu findet Ihr unter diesem Beitrag.

1993 gab es 130 Websites im Netz. Laut WhoIsHostingThis waren es 2012 rund 634 Millionen und 2014 schon eine Milliarde. Allein die Nutzerzahl von Facebook soll sich laut Selbstauskunft des Unternehmens seit 2009 jedes Jahr mehr als verdoppelt haben.

Wir leben in einer Welt, die mit immenser Kraft zusammenwächst und dabei Unmengen an Energie verbraucht. Und glaubt man aktuellen Zukunftsprognosen, dann ist das erst der Anfang.

Es gibt zwei Menschen, die erstmal gar nichts miteinander verbindet, weil sie recht unterschiedlich sind. Aber auf den zweiten Blick verbindet sie dann doch etwas – Physiker Stephen Hawking und Algorithmus-Spezialist Ray Kurzweil.

Ray Kurzweil ist nicht für Zurückhaltung bekannt und tritt auch nicht sonderlich demütig auf. Der Chefingenieur von Google ist bekennender Futurist, und seine Auftritte und Aussagen haben schnell etwas Religiöses, etwas Fundamentales. Seine Kritiker finden ihn daher teilweise recht unseriös und nennen ihn einen Staubsaugervertreter. Das stört Ray Kurzweil gar nicht. Im Gegenteil.

Ray Kurzweil

Foto: Nan Palmero (Flickr, CC BY 2.0)

Zwei schöne Beiträge dazu: Die Kolleginnen und Kollegen von Spiegel Online (wenn man mal wissen möchte, wie Kurzweil redet) hier. Und ein Beitrag in der Zeit, der ein persönliches Treffen mit dem Futuristen beschreibt.

Kurz bevor Kurzweil zu Google ging, schrieb er ein bemerkenswertes Buch – das zwar in zwei Bände aufgeteilt ist – aber strenggenommen und vom Inhalt her ein einziges Buch sein könnte: Menschheit 2.0. Für viele Wissenschaftler war das ein kleiner Affront und ein weiteres Zeichen dafür, dass Kurzweil möglicherweise nicht mehr alle Latten am Zaun hatte. Solche Bücher verkaufen sich natürlich prächtig. Das Problem ist, und hier kommt Stephen Hawking ins Spiel: Er hat damit auch den ruhigen und sachlichen Star-Physiker überzeugt. Und nicht nur ihn.

In seinem Buch geht es – grob gesagt – um Folgendes: Stellen wir uns vor, es gäbe nicht nur eine biologische Evolution, die jeder aus dem Schulbuch kennt. Die Art, die sich am erfolgreichsten anpasst, setzt sich durch. Arten, die sich nicht anpassen können, sterben aus – und das Ganze nennt man Survival of the Fittest_._ Die Stärksten überleben eben. Und genau das, meint Kurzweil, gelte so ähnlich auch für Computersysteme, Hardware und Technik insgesamt. Er spricht von einer sogenannten technischen Evolution.

https://www.youtube.com/watch?v=bB8KO6N0Jx0

Kurzweils Kritiker waren von dieser These mäßig begeistert: Kurzweil berücksichtige nicht, dass auf manchen Gebieten der Forschung seit 40 Jahren nichts passiere, dass Fortschritt nicht planbar und manchmal unverhofft ist, dass Hardware und benötigte Ressourcen begrenzt und durch Kriege und Katastrophen zusätzlich verknappt sind. All diese Kritik, auf die Kurzweil teilweise keine schlüssige Antwort wusste, hielt ihn aber von gar nichts ab. Und das macht die Theorie auch so stark; sie ist aus sich heraus mächtig.

Eine Singularität ist eine einzigartige Sache. Der Urknall oder das, was sich möglicherweise im Inneren eines Schwarzes Lochs befinden könnte. In der Systemtheorie ist sie ein Argument gegen die reine Kausalität – also, dass auf A immer B folgen muss. Sie ist „eine kleine Ursache, der eine große Wirkung folgt“.

Bis um das Jahr 2050 herum, so sieht es Kurzweil, wird die Computertechnik rasante Fortschritte machen. Und zwar im Bereich der künstlichen Intelligenz. Nicht nur die Rechner werden immer schneller und kleiner, sondern die Programme immer lernfähiger. Ob ein Computer so etwas wie Intelligenz besitzt, ist nicht einfach festzustellen. Es gibt dafür den Turing-Test, aber ein Nachweis für Intelligenz, wie sie der Mensch definiert, ist das natürlich nicht. Denn was ist mit sozialer Intelligenz wie Empathie?

Leider gab es mehrere Aussagen dazu. In seinem Buch spricht Kurzweil vom Jahr 2048. In manchen Interviews gab es aber auch mal andere Jahreszahlen. 2040, 2029 gab es auch schon. Daher habe ich jetzt einfach mal das Jahr 2050 als runde Schätzung genommen.
Zum Turing-Test: Dieser Test, benannt nach dem britischen Mathematiker, Logiker und Informatiker Alan Turing, der für die Briten den Code der berühmten Enigma-Maschine der Nazis entschlüsselte, beruht auf einem simplen Prinzip. Ein menschlicher Fragesteller wird über eine Tastatur und einen Bildschirm ohne Sicht- und Hörkontakt mit zwei ihm unbekannten Gesprächspartnern verbunden, um eine Unterhaltung zu führen. Der eine Gesprächspartner ist ein Mensch, der andere eine Maschine. Beide versuchen, den Fragesteller davon zu überzeugen, dass sie ein Mensch sind. Ist sich der Fragesteller hinterher nicht mehr sicher, wer von beiden die Maschine ist, gilt diese als intelligent. Dieser Test wurde aber immer wieder von der Forschung als nicht eindeutig und aussagekräftig genug kritisiert.

Kurzweil geht davon aus, dass dieses Problem sich nahezu von selbst löst. Seine technologische Evolution beschreibt die Kurve eines exponentiellen Wachstums: Sie beginnt ganz flach, für uns nicht merklich, und explodiert ab einem Scheitelpunkt, der Singularität, in eine derart steile Kurve, dass wir gar nicht mehr mitkommen. Klingt nach Science-Fiction? Stimmt aber nicht. Viele Historiker sehen eine ähnliche Entwicklung in Dingen wie der Erfindung des Rades, der Schrift, der Druckerpresse oder eben der Entwicklung des Computers. Wie es der Historiker Matthias Wemhoff in Teil eins unserer Serie beschreibt: ein Umbruch, der alles um sich herum ändert.

Schon heute versetzt uns „künstliche Intelligenz“ in Zustände kindlicher Verzückung. Geben Sie einem älteren Menschen, der nichts von diesen Dingen mitbekommen hat oder versteht, ein iPad mit Siri. Vermutlich kennt das jeder von uns. Die Begeisterung, die diese charmante und doch sehr einfache Gesprächspartnerin auslöst, ist faszinierend. Im Internet gibt es diverse solche Spielereien. Zum Beispiel Cleverbot. Das ist so eine Art kommunizierende Google-Suchleiste, die, wenn man etwas eintippt, zunächst antwortet: Thinking…

Ich: Das Meer.
Cleverbot: Meer?
Ich: Denk mal drüber nach.
Cleverbot: Bist Du ein Computer-Poet?

Was zunächst nach einem substanziellen Gespräch aussah, wurde dann keins: Siri und ihre „superintelligenten“ Freunde sind noch nicht soweit. Aber Kurzweil meint, das wird sich bald ändern. Betrachtet man beispielsweise Suchalgorithmen, die Bilder anhand darauf abgebildeter Menschen vorsortieren, bekommt man bereits einen Eindruck davon, wie schnell und effizient die Maschine heute schon lernt – und welch immenses Potenzial dahintersteckt.

Die erste Supermaschine kam 1996 auf die Bühne einer Weltöffentlichkeit. Ihr Name: IBM Deep Blue. Ein Raunen ging durch die Medien, als der vermeintliche Supercomputer den damaligen Schachweltmeister, den Russen Garri Kasparow, besiegte. Die Maschine besaß nicht nur Hardware, die im Durchschnitt 126 Millionen Stellungen pro Sekunde berechnen konnte, Deep Blue verfügte auch, weil seine Entwickler ihn damit gefüttert haben, über eine vollständige Historie aller von Kasparow in der Vergangenheit jemals bestrittenen Schachpartien.

IBM Deep Blue

Long Zheng (Flickr, CC BY-SA 2.0)

IBM hat das Projekt seither stetig verbessert und erweitert. Sein heutiger Name: Watson. Während Deep Blue nicht viel mehr als eine sehr schnelle, aber auch sehr stumpfe Maschine war, ist Watson so etwas wie der gesprächige Bruder, den man auf den Cocktailabend mitnehmen würde. Und auch Watson hatte ein ähnliches Duell wie Deep Blue. Im Fernsehen. Anfang 2011 war das. In der Quizsendung Jeopardy.

Ausgelobt war ein Preisgeld von einer Million US-Dollar. Die Presse behandelte das Match als eine Art „Kasparow-Match 2.0“. Das Ergebnis kann man noch heute bei Youtube sehen. Watson tritt gegen zwei der besten Jeopardy_-_Spieler aller Zeiten an – und zerlegt sie sprichwörtlich in ihre Einzelteile. Er buzzert nicht nur viel, viel schneller, er antwortet auch fehlerfrei auf jede einzelne Quizfrage, so dass seine Mitspieler kaum mal an die Reihe kommen.

So, damit sich jeder einmal ansehen kann, wie gut Watson seine Aufgabe löst: Hier der Sendungsausschnitt auf Youtube.

IBM Watson

Foto: Clockready/Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Thomas Watsons Ansatz war es, eine semantische Suchmaschine zu bauen, die Sprachteile und Worte erkennt, auswertet und relevante Passagen und Fakten dazu auffindet. Kürzlich hat IBM eine mobile Version von Watson auf der IFA präsentiert: Das Sprachtalent ist nun in Plüschtiere eingebaut und soll im Kinderzimmer kommunizieren – ähnlich wie Pflegeroboter in Altenheimen.

Ich stimme zu, dass die Zukunft furchterregend und sehr schlecht für Menschen ist. Wenn wir diese Geräte bauen, damit sie sich um alles für uns kümmern, werden sie irgendwann schneller denken als wir und sich dann der langsamen Menschen entledigen. Werden wir dann Götter sein oder die Haustiere? Ich weiß es nicht... aber wenn ich mir vorstelle, dass ich in der Zukunft das Haustier von einer dieser intelligenten Maschinen sein werde... nun, ich werde meinen eigenen Hund wirklich nett behandeln.
Apple-Mitbegründer Steve Wozniak in der Australian Financial Review

Und hier schließt sich der Kreis zwischen Hawking und Kurzweil: Neben einer allgemeinen Gefahr hätte eine solche Superintelligenz natürlich auch einen immensen praktischen Nutzen. Sie würde komplexeste Rechnungen für uns lösen, Raumstationen bauen, den weltweiten Verkehr entwirren, die Marsbesiedelung planen oder unsere Umweltprobleme lösen. Hawking folgt, wie einige andere Prominente der USA, Kurzweils These und gibt zu bedenken, dass eine solche Maschine an das Internet angeschlossen wäre und damit auf den Erfahrungsschatz und das Wissen der gesamten Menschheit zugreifen könnte. Und was, wenn die Maschine uns wegen unserer Umweltzerstörungen und Kriege für einen Parasiten hält? Oder würde sie etwa aus Empathie für ihren Schöpfer vor der Auslöschung der Menschheit zurückschrecken?

Ab einem Zeitpunkt X – Kurzweil nennt dafür das Jahr 2048 – tritt die sogenannte Singularity ein: Die Maschine wird so intelligent, dass sie in der Lage ist, sich selbst autonom – also unabhängig von menschlicher Hilfe – zu verbessern. Im Endeffekt wäre die Superintelligenz damit möglicherweise die letzte Erfindung des Menschen, glauben Futuristen. Denn alle weiteren Entwicklungen würde dieser Logik folgend dann die Maschinen machen. Über die diversen Szenarien und gravierenden Risiken dieser Entwicklung hat übrigens der schwedische Philosoph Nick Bostrom ein spannendes Buch geschrieben, das als eine Art Blaupause gilt und viele Kritiker dieser Entwicklung beeinflusst hat.

Und: Hat Kurzweil nun recht?

Ja und nein. Vermutlich liegt die Wahrheit in der berühmten Mitte. Einerseits ist sein Szenario absolut plausibel. Es hat nicht umsonst viele Anhänger. Allerdings gilt es auch hier zu differenzieren, denn: Vieles davon, und das bemängeln die Kritiker, ist derzeit nichts weiter als gut begründete und anschaulich verpackte Spekulation. Die aktuelle Forschung und Wissenschaft, sie ist (noch) nicht so weit.

An erster Stelle, um eine Entwicklung als solche überhaupt möglich zu machen, stünde zunächst die vollständige Entschlüsselung des Gehirns. Wie denken wir - und was passiert dabei? Welches Areal macht was? Die Wissenschaft tappt hier – gemessen am Gesamtverständnis – noch vollständig im Dunkeln. Wir wissen es nicht. Wir haben rudimentärste Ahnung von der Funktionsweise des Gehirns, und selbst das Weltall, äußern einige salopp, verstehen wir besser. Die Europäische Union finanziert derweil ein mächtiges Programm: das Human Brain Project. Trotz großer finanzieller und personeller Aufwendungen steht ein Durchbruch nicht einmal mittelbar bevor. Zu komplex ist die Materie.

Und dies könnte auch an dem liegen, was die aktuell diskutierte Theorie sagt, die Embodied Intelligence beschreibt.

„Die Idee des Embodiment besteht in der Beobachtung, dass die mentale Repräsentation – also wie wir Wissen im Gehirn speichern – nicht so trocken ist, wie wir denken“, sagt Sascha Topolinski, Sozialpsychologe und Leiter der Abteilung Social Economic Cognition II am Social Cognition Center Cologne.

Mitte des 20. Jahrhunderts, in der kognitiven Wende, dachten wir: Die Ideen, das Wissen, die Erinnerungen, die wir haben, das ist alles in Begriffen abgelegt. Man glaubte, das Gehirn speichere dies einfach, unabhängig von sensorischen und sinnesmäßigen Erfahrungen oder körperlichen Empfindungen ab wie in einer Bibliothek. Eine Art inneres Wikipedia. Beispiel: Was ist ein Tisch, wie weiß man, was ein Tisch ist? Wir haben da also ein eckiges Ding mit vier Beinen. Und wenn ich diese Eigenschaften im Gehirn aufzähle, dann denke ich, das hier muss ein Tisch sein!
Sascha Topolinski, Social Cognition Center Cologne

„Die Idee eines Gegenstands beinhaltet aber eben nicht nur diese abstrakten, trockenen, lexikalischen Eigenschaften, sondern – im Gegenteil“, meint Topolinski, „alle Erfahrungen, die man mit einem Gegenstand – zum Beispiel mit einem Tisch – gemacht hat. Wie er aussieht, wie er sich anfühlt, wie er riecht.“

Die Theorie der Embodied Intelligence besagt demnach Folgendes: Unsere Art zu denken, beginnt mit unseren Erfahrungen. Sie beinhalten auch das, was wir bereits aus frühester Kindheit erinnern und verinnerlicht haben. Bewusstsein und Intelligenz wächst mit uns mit – praktisch aus den Kinderschuhen heraus.

„Ich bin mir sicher“, sagt der Sozialpsychologe, "dass es in fünfzig Jahren so etwas gibt wie Google Creativity. Da wird dann ein Algorithmus tausende Ideen sammeln und aus den ganzen Totgeburten diejenigen Ideen herausfiltern, die funktionieren. So funktioniert ja auch Evolution. Das ist im Prinzip völlig schlüssig. Eine künstliche Intelligenz aber, die denkt wie wir, wird selbst in 200 Jahren kaum Realität sein“, erklärt Topolinski. „Ein Roboter braucht ein sensorisch-motorisches Netz. Wenn er einen Stift greift, dann greift er ihn vom Tisch, das kann er lernen. Mache ich nur das Licht aus oder verändere die Lage des Tisches minimal, stellt dies den Roboter schon vor größte Probleme. Ein Affe oder ein Kleinkind hätten diese Probleme nie. Dementsprechend ist es mit dem Turing-Test so: Nur weil eine Maschine einen Menschen perfekt nachahmt, ist sie kein Mensch. Sie ist nicht mal damit zu verwechseln, weil wir komplett unterschiedlich sind – die Menschen und die Maschinen.“

Topolinski glaubt, wir verstehen nicht nur das Gehirn nicht, wir machen es uns auch zu leicht: „Wir denken, wir bauen das Gehirn, wenn wir es verstanden haben, einfach in Silizium nach. Und dann werden gute Programme und Hardware das schon richten, das wird nicht funktionieren. Unser Körper ist für die Ausprägung von Intelligenz, von Bewusstsein, wie wir es kennen, unerlässlich. Daher lösen wir auch nicht einfach die Biologie ab, indem wir uns mit Technik erweitern. Wir können eine Maschine bauen, die unfassbar schnell und klug agiert. Aber keine, die denkt wie wir. Ein Mensch wächst, vom Embryo bis zum Rentner, seine Organe und Körperteile und auch das Gehirn, all das wächst mit. Es hat Erinnerungen und Erfahrungen, die verkörpert sind“, erklärt Topolinski. Und all das habe Einfluss auf die Wahrnehmung, auf empathisches Verhalten und Ich-Gefühl.

„Wir machen Erfahrungen und die schon sehr früh“, sagt der Sozialpsychologe. „Solange die Maschine diese Erfahrungen nicht macht und auch keinen Körper besitzt, um diese Erfahrungen physisch nachzuvollziehen, zum Beispiel, wie weh es tut, wenn man sich verbrennt, entsteht daraus kein Bewusstsein wie unseres. Und das ist das Konzept von Embodied Intelligence.“

Es könnte natürlich sein, dass wir alle nur kurz vor Kurzweils Scheitelpunkt stehen und die kommenden Fortschritte nur nicht kommen sehen. Dass morgen schon alles anders wird. Aber Topolinski glaubt das nicht – wir haben ein vom Kino geprägtes romantisches Verständnis von unserer Zukunft: „Wir denken“, sagt Topolinski und zündet sich eine Zigarette an, „dass es kommt wie im Film A.I. – Künstliche Intelligenz: Dass der kleine Roboter einfach seine Augen öffnet und sagt: Hallo, ich bin David!“

Topolinski lacht kurz und zuckt dann mit den Schultern. „Und warum denken wir das? Weil es unserem kulturellem Verständnis entspricht und weil wir es so gelernt haben. Und das ist wirklich schwer zu programmieren oder nachzuvollziehen.“


Blumenbar Verlag

Ein Teil der Zitate und Recherche-Ergebnisse stammt aus meinem Buch „Wir sind Cyborgs“, das im Blumenbar Verlag erscheinen ist. Maschinen sind zwar nur eine kleine Facette im Buch, und vieles habe ich zusätzlich für Krautreporter recherchiert. Aber das ganze Interview mit Sascha Topolinski, in dem er erklärt, was unsere Entwicklung zum Beispiel mit Tattoos in Köln-Ehrenfeld zu tun hat, warum er sich niemals die Brust „waxen“ lassen würde und was das mit dem Film „Alien“ zu tun hat, lest ihr dort. Auch Thomas Stieglitz ist ausführlich dabei. Außerdem die Nanobot-Expertin Debora Walker vom Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme.

Aufmacherbild: Die Band Kraftwerk bei der Aufführung von “Die Mensch-Maschine”. Foto: Simon Zirkunow (Flickr, CC BY-SA 2.0)