Das Medienmenü von Nikolaus Blome

„Am liebsten reiße ich noch immer Artikel heraus“

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Eines meiner wenigen regelmäßigen Medienrituale ist der Deutschlandfunk, morgens um 8.00 Uhr. Ansonsten zappe ich morgens beim Autofahren durch die Radiosender, private wie öffentlich-rechtliche.

Bei den Zeitungen ergibt sich bei mir das übliche Menü: FAZ, SZ, BILD, Financial Times. Und dann mischt sich mal mehr, mal weniger anderes dazu. Genauer möchte ich nicht werden, weil ich dann die gesamte Kollegenschar rezensieren müsste. Außerdem schaue ich natürlich regelmäßig auf die Medienseiten der vielen lieben Kollegen. Ist leider nie ganz ausgeschlossen, dass es einen interessieren muss.

Auf Reisen variiert das etwas, da versuche ich Sachen zu lesen, zu denen ich sonst nicht genug komme. Viel Feuilleton zum Beispiel.

Bei den Onlinemedien steht für mich natürlich Spiegel Online obenan. Der Rest? Siehe oben. Und ich bin sehr gespannt auf Politico aus Brüssel. Die Kollegen gehen mit einer sehr großen Redaktion an die Sache, es ist ein großangelegter Versuch, politischem Qualitätsjournalismus eine neue Marktfähigkeit zu verschaffen.

Startseite der europäischen Politico-Ausgabe

Screenshot: politico.eu

Politico ist ein amerikanisches Politikmagazin, das gedruckt, online, im Fernsehen und Radio erscheint. Gegründet wurde es 2007 zur damaligen Präsidentschaftskampagne von Robert Allbritton, Besitzer zahlreicher Fernsehstationen. An der Spitze der Redaktion stehen die beiden ehemaligen Washington-Post-Reporter John. F. Harris und Jim VandeHei. Interessant ist aber vor allem das Geschäftsmodell: Die überschaubare Auflage von rund 40.000 Exemplaren wird kostenlos in Washington D.C. und New York City verteilt. Geld wird vor allem durch Anzeigen von Lobbyisten verdient, die damit deutlich kostengünstiger die Kongressabgeordneten, Senatoren und deren Mitarbeiter erreichen können als über die traditionellen Zeitungen. „Es ist ein sehr effizienter Weg, den Kongress zu erreichen. Eine ganzseitige Anzeige bei uns kostet 10.000 Dollar. In der Washington Post oder der New York Times würde sie das zehnfache kosten“, sagte ein Mitarbeiter zum Start 2007.

Im April ist Politico – unter Beteiligung des Axel-Springer-Konzerns – auch mit einem europäischen Ableger gestartet. Wie in den USA auch, spielt inzwischen die Webseite eine große Rolle in der Finanzierung, vor allem deren Premium-Bereich. Für 7.500 Dollar pro Monat kann die politische Elite dort nämlich in sogenannten Verticals exklusive und aktuelle Themendossiers zu Fragen wie Kartellrecht, Energiewirtschaft und so weiter finden. Der Journalist Wolfgang Michal kritisiert in einem Beitrag, dass es „Politico gar nicht so sehr um die Herstellung einer breiten europäischen Öffentlichkeit (geht), sondern eher um die mediale Versorgung einer kleinen Elite von EU-Entscheidungsträgern mit Argumentationshilfen und so genanntem Hintergrundwissen. (…) Bezahlt aus Mitteln der EU (aus Steuergeldern)? Ein tolles Geschäftsmodell.“

Einige Jahre nach dem Start hat sich außerdem die amerikanische Vanity Fair noch in einem lesenswerten Artikel mit dem Polit-Magazin beschäftigt: http://www.vanityfair.com/news/2009/08/wolff200908

Was Blogs betrifft: Eine Zeit lang habe ich das Bildblog regelmäßig angeschaut, aber die schwächeln nun schon seit geraumer Zeit. Ansonsten lasse ich mich gern auf Blogs verweisen, ohne sie regelmäßig zu verfolgen.

Wenn es um Bücher geht, lese ich am liebsten Romane, aber weil ich muss (oder darf), sind auch einige aktuelle Politiker-Biografien darunter. Leider habe ich erst viel zu spät „Tschick“ von Wolfgang Herrndorf gelesen, großartig. „Sonnenfinsternis“ von Arthur Koestler bleibt auch beim x-ten Lesen einer der besten politischen Romane aller Zeiten. Und bei Peer Steinbrücks Wahlkampf-Resümee „Vertagte Zukunft“ fand ich den Befund schlagend, die SPD habe das „falsche Foto“ von Deutschland gehabt und darum verloren.

Ich lese nur wenig auf dem Tablet, auf dem Handy deutlich mehr. Wobei ich gerade übe, es auf Taxifahrten in Berlin nicht mehr aus der Tasche zu holen. Gerade Twitter ist für mich eine große Fundgrube. Sehr spannend, auf was die, denen ich folge, so alles verweisen.

Wem Nikolaus Blome im Detail folgt, kann man hier nachsehen. Es sind Politiker (von Volker Beck bis Hillary Clinton), SPIEGEL-Mitarbeiter (von Mathieu von Rohr bis Katharina Borchert) und ganz normale Journalisten(von Timm Klotzek bis Bernd Ulrich). Ach ja, die dpa und Krautreporter sind auch noch dabei.

Um Gelesenes aufzubewahren, reiße ich immer noch am liebsten Artikel heraus. Was ich dort angestrichen habe, kann ich mir am besten merken. Das kommt dann alles in eine große Ablage, chronologisch geordnet.

Als Brüsseler Korrespondent (lange her) habe ich sehr international lesen können. Das würde ich gern wieder hinkriegen.

Blome arbeitete zweimal als Brüssel-Korrespondent: Einmal von 1995 bis 1997 für einen Pool mehrerer Regionalzeitungen, darunter die „Rheinische Post“, ein zweites Mal dann 1999 bis 2001 als Leiter des Brüsselers Büros der „Welt“. Im Artikel „Der Grenzgänger“ sind Blomes berufliche Anfangsjahre nachgezeichnet.

Zum Abschluss noch eine Sache: TV-Talkshows werden immer heftiger und pauschaler kritisiert, so scheint mir. Ich schaue das trotzdem ganz gerne, wenn auch nicht jedes Mal bis zum Ende. Irgendetwas nimmt man immer mit, entweder zum Lernen oder zum Lachen.


Nikolaus Blome leitete ab 2006 das Parlamentsbüro der BILD-Zeitung, deren stellvertretender Chefredakteur (und Wirtschaftsressortleiter) er 2011 wurde. 2013 sorgte sein Wechsel zum Spiegel für Aufsehen. Noch bevor Wolfgang Büchner als Chefredakteur selbst richtig gestartet war, hatte er Blome zum stellvertretenden Chefredakteur und Leiter des Hauptstadtbüros berufen. Im Mai 2015 gab der Spiegel-Verlag bekannt, dass Blome das Haus „im gegenseitigen Einvernehmen“ verlassen wird. Seine Medienmenü-Antworten stammen noch aus der Zeit vor dieser Ankündigung.

2001 hat Nikolaus Blome das Buch „Der kleine Wählerhasser - Was Politiker wirklich denken“ geschrieben. Das Video oben zeigt ihn bei der Buchpräsentation im Gespräch mit Sigmar Gabriel und Wolfgang Nowak, Geschäftsführer der Alfred Herrhausen Gesellschaft.


In der von Christoph Koch betreuten Rubrik „Medienmenü“ stellen alle zwei Wochen interessante Persönlichkeiten die Medien vor, die ihr Leben prägen. Krautreporter-Unterstützer können in der Kommentarspalte rechts oder per Mail an christoph@krautreporter.de vorschlagen, wen sie gerne in dieser Rubrik porträtiert sehen würden. Nikolaus Blome war ein solcher Leserwunsch.

Illustration: Veronika Neubauer, Foto: Spiegel